> Bis dato lag mein Interessenschwerpunkt eher bei den "Rohren"! Nun hat mich "Zeiss" neugierig gemacht!
Hallo Werner,
wenn Dich Zeiss neugierig gemacht hat, dann kannst Du auch bei den Rohren bleiben. Zeiss (natürlich in Jena) hatte auch Rohre im Angebot und die waren nicht von schlechten Eltern ...
Davon mal abgesehen, kann man sich natürlich auch um Doppelrohre kümmern. Das Problem ist nur, die Palette an Ferngläsern ist riesig, wenn man sich nicht allein auf die Gegenwart beschränkt. Als erstes muß man sauber trennen, es gab früher Zeiss, dann gab es Zeiss Ost und Zeiss West und dann wieder Zeiss. Es ist witzlos, hier im Forum eine Übersicht über die Ferngläser aller Epochen aufzustellen. Ich versuche daher mal, eine kleine Übersicht der aus meiner Sicht interessanten Ferngläser zu bringen. Da ich mit dem Begriff Zeiss in erster Linie Zeiss in Jena verbinde, fange ich damit an.
Carl Zeiss Jena
Das Fertigungsprogramm vor 1945 lasse ich weg, dafür gibt es die tolle Übersicht, die unter dem
Link von Gabriel zu finden ist. Hier siehst Du schon, das Angebot war riesig. Wenn Du Dich für Ferngläser aus dieser Zeit interessierst, dann mußt Du Dir das Buch von Hans Seeger besorgen: "Feldstecher - Ferngläser im Wandel der Zeit". Das wurde mal von Bresser vertrieben. Ob es das Buch heute noch gibt, weiß ich nicht. Falls nicht, dann bleiben nur ebay oder Antiquariate. In Seeger's Buch gibt es eine ähnliche Liste und eine Menge Infos zur Geschichte von Zeiss und Hensoldt mit vielen Abbildungen von historischen Ferngläsern. Nun zurück zu Carl Zeiss Jena. Was nach 1945 im Fertigungsprogramm verblieb, das waren die Klassiker in Porroprismenbauweise:
6x30 Silvarem mit 150m/1000m Sehfeld
8x30 Deltrintem (150m/1000m)
7x50 Binoctem (128m/1000m)
10x50 Dekarem (128m/1000m).
und als erste Neuentwicklung aus Jena das
15x50 Pentekarem mit 81m/1000m Sehfeld.
Von all diesen Modellen gab es auch noch eine Variante mit Einzelokulareinstellung und je ein monokulares Modell. Daneben hatte Zeiss Jena noch Minifeldstecher wie das 8x21 Turmon oder das Theaterglas Theatis im Angebot, welche zwar interessant aber für Astro nicht so recht der Hammer sind. Dabei hat man es für ziemlich lange Zeit belassen. Im Vergleich zu den Modellen von vor 1945 wurden die Okulare z.T. verbessert, nun wurden auch zivile Modelle mit dem T-Belag vergütet und mit den Jahren bzw. Jahrzehnten wurde die Vergütung immer weiter verbessert. Irgendwann (das muß in den 70-ern gewesen sein) wurden das Silvarem und das Pentekarem aus dem Programm gestrichen. Hinzu kamen dann u.a. die zwei wunderschönen Porrogläser vom Typ Nobilem und die Dachkantgläser der Notarem Reihe:
Nobilem Super 8x50 (140m/1000m)
Nobilem Spezial 12x50 (96m/1000m)
Notarem 8x32 (130m/1000m) und
Notarem 10x40 (105m/1000m).
Man könnte beinahe vermuten, daß diese vier Modelle sozusagen die ostdeutsche Antwort auf vergleichbare Ferngläser von Zeiss West waren. Jenseits der Mauer (von Jena aus gesehen) gab es ja die Dialyt Serie (u.a. mit einem 8x30 und einem 10x40) sowie ähnliche Porrogläser (z.B. das Oberkochener 8x50). Man würde Carl Zeiss Jena aber weit unter Wert verkaufen, wenn man annehmen würde, die Jungs hätten was nachgebaut. Das hatte man bei Zeiss in Jena sicher nicht nötig. Warum das so ist, sieht man an weiteren Entwicklungen. Zu Zeiten wo man im Westen den Leuten längst mit Erfolg eingeredet hatte, Dachkantprismen wären der Weisheit letzter Schluß, hat man in Jena neue Porrogläser mit verkitteten Prismen aufgelegt. Zuerst kamen zwei Modelle:
Octarem 8x50 (122m/1000m) und
Dodecarem 12x50 (90m/1000m).
Später wurden die aus den Katalogen gestrichen, dafür kam die neue Nobilem Serie. Alle Nobilem Gläser hatten das neue Prismensystem (Porrobauweise und verkittet), ein völlig neu gestaltetes Gehäuse mit besserer Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit (z.B. Stulpendichtungen bei den Okularen) und neue Okulare mit deutlich verbessertem Einblickverhalten (wenn auch nicht immer für Brillenträger brauchbar). Zu dieser Serie gehörten:
Nobilem 7x50 (136m/1000m)
Nobilem 8x50 (122m/1000m)
Nobilem 8x56 (114m/1000m)
Nobilem 10x50 (128m/1000m)
Nobilem 12x50 (90m/1000m) und
Nobilem 15x60 (78m/1000m).
Das war schon was feines! Leider waren die Nobilem's in der DDR für Ottonormalverbraucher kaum bezahlbar, so daß man heute bei weitem nicht soviele Gläser auf ebay findet wie von den alten Klassikern (z.B. Binoctem oder Dekarem). In jüngerer Vergangenheit gab es dann noch die 8x30, 7x50 und 10x50 Ferngläser mit Namen Jenoptem, welche wohl praktisch baugleich mit Deltrintem, Binoctem und Dekarem sind. Dann hatte Zeiss Jena noch zwei Militärgläser im Angebot (mal abgesehen von den klassischen Porrogläsern mit spezieller Kennzeichnung für NVA und Stasi): das DF 7x40 (Porro) und das EDF 7x40 (Dachkant). Ein Teil dieser Ferngläser wird heute noch vom Nachfolger der Jenaer Fernglasproduktion angeboten:
Docter Optik
Auf der Homepage findest Du auch das im Umfang reduzierte Programm der aktuellen Nobilem Ferngläser sowie ein wenig Geschichte (auf "Unternehmen" klicken). Nun habe ich sicher eine Menge vergessen, für einen ersten Überblick zu Carl Zeiss Jena sollte das aber genügen.
Carl Zeiss (West)
Hier fasse ich mich nun wirklich kurz. Zum einen bin ich Fan von Zeiss Ost und zum zweiten habe ich nicht den nötigen Durchblick bei Zeiss West. Der
Link von Gabriel gibt auch einen Hinweis auf das Fertigungsprogramm von Zeiss West nach 1945. Was hier fehlt, das sind natürlich die aktuellen Gläser vom Typ Victory, Victory FL und Conquest und die etwas ältere Serie vom Typ Design Selection u.a. mit einem 7x45 und 10x56. Infos zu den aktuellen Ferngläsern findet man logischerweise auf der Website von Zeiss. Will man sich über ältere Ferngläser aus Oberkochener oder Wetzlarer Produktion informieren, dann wird's schon schwieriger. Hier helfen nur die Webseiten der Fernglasfreaks (Holger und Binofan) oder man stöbert in Diskussionsforen. Abschließend noch einige Links, die von Interesse sein könnten.
Carl Zeiss - A History Of A Most Respected Name In Optics
The Zeiss Historica Society
Die Broschüre "Wissenswertes über Ferngläser"
und das
Carl Zeiss Archiv
Frank.