Jupiter gestern nacht!

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

TShephard

Mitglied
Wow, dass war mal ein Erlebnis. Ab ca. 4 Uhr steht Jupiter so, dass ich ihn von meinem Balkon aus sehen kann.

So klar und scharf habe ich ihn selbst im September in den Alpen nicht sehen können. Ich konnte mit 7mm Nagler im *entfernt* maximal vergrößern und ohne Qualitätsverlust sehr scharf sehen. Wolkenbänder mit gutem Kontrast und auch einen Wirbel meine ich erkannt zu haben.

Allerdings hatte ich einen etwas seltsamen Effekt. Ich vermute mal Seeing. Bisher habe ich Seeing als deutliche Unruhe im Bild wargenommen. Es wabbert bei hoher Vergrößerung recht schnell hin und her. Schwer zu beschreiben.
Gestern war Jupiter jedoch einfach RICHTIG verschwommen, einfach Matschig. Dachte schon mein Teleskop ist vollkommen dejustiert. Und dann wurde er auf einmal gestochen Scharf, blieb ne Sekunde so und wieder verschwommen. Kann das Beobachterseeing gewesen sein? Verursacht durch meine Atmung? Oder vom Gebäude, weil ich auf meinem Balkon war?

Jetzt überlege ich doch wieder, ob es Sinn macht ein günstiges 3,2mm Planetary zu besitzen für optimale Bedingungen!? Oder ob das wegen eingeschränktem Gesichtsfeld und Seeing eh immer im Koffer bleiben wird.

Jetzt bin ich auf jeden Fall müde und versuche mich aufs Arbeiten zu konzentrieren.

Grüße,
Thomas
 
Hallo Thomas,

dass man auf die entscheidenen Sekunden ruhiger Luft wartet, ist normal, zumindest hab ich das schon öfters gehört. Aber ob du für diese ein, zwei Nächte im Jahr mit Top-Seeing ein neues Okular kaufst, musst du entscheiden.
 
es kann auch sein, dass das tubus-seeing war, wenn die optik noch nicht richtig runtergekuehlt war.
und wenn ein stockwerk tiefer einer ein fenster aufhatte, dann guckst du auf dem balkon ebenfalls in die roehre.
man kann atmosphaerisches seeing manchmal sehen, wenn man den fokus etwas zurueck nimmt.
dann sieht es so aus, als wenn einer eine plastikfolie vor deinem gesicht herzieht...
 
Das Teleskop stand die ganze Nacht auf dem Balkon. Um 4 Uhr fällt die Temperatur auch nicht mehr. Also das denke ich kann ich ausschliessen.

Ich hab mich gewundert, weil das "seeing" so anders war, als ich das sonst bei meinen Mondbeobachtungen bzw. früheren Jupiterbeobachtungen gesehen habe. Da sieht es aus, wie auf dem animierten Gif vom Mond hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Seeing

Diesmal war Jupiter richtig matschig. Ein grosser heller matschiger Fleck. Und dann immer wieder für 1-2 Sekunden vllt. gestochen scharf. Dann lange wieder matschig.
Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass meine Atmung eine Rolle spielt. Vom Atem war auch das Okular irgendwann beschlagen. Dann bin ich damit rein und habe es 10 min. stehen lassen. Danach ging erstmal für 1-2 min. gar nichts mehr. Weil das Okular warm war?!

Grüße,
Thomas
 
Hallo Thomas,

so sieht das aus, wenn man ans Limit des Seeings geht. Kurze, klare Momente wechseln sich mit Matsch ab. Bei nicht ganz so hohen Vergrößerungen, aber immer noch seeinggestört sieht der Matsch dann etwas "durchsichtiger" aus und zappelt nicht ganz so heftig.
So hart am Limit wie Du das schilderst, ist das schon für mich ziemlich grenzwertig.
Ich kötte mir gut vorstellen, dass Du mit der Öffnung genau in der aufsteigenden Warmluft der Gebäudefassade warst und daher nur ganz kurze Momente hattest, wo es ruhiger war.

Neben sicher vorhandenem atmosphärischen Seeing hattest Du also ganz sicher Standortseeing, dem kann man auf einem Balkon eigentlich nicht ausweichen und eventuell Beobachterseeing.
Tubusseeing schließe ich eher Mal aus, weil das nicht zu kurzen ruhigen Momenten neigt. Wenn die Luft im tubus chaotisch ist, beruhigt sie sich langsam und gleichmäßig und nicht nur mal für Augenblicke.

Das Beobachterseeing kann beim Volltubus z.B. schon vom Kopf in der Nähe der Öffnung (am OAZ und Okular) kommen.
Da hilft eine ganz normale Tau-/Störlichtkappe, mindestens 1,5 x D-Tubus über vordere FS-Kante.
So ein ding, z.B. aus einer alten Iso-Matte gefertigt hilft nicht nur gegen Tau uns Störlicht.

Noch mehr Vergrößerung wird noch seltener gehen, aber "es juckt halt" und da ist man ziemlich machtlos (auf lange Sicht).
Eventuell wäre für solche Gelegenheiten auch ein vorhandenes Okular mittlerer Brennweite in Kombination mit einer guten, passenden Barlow von Interesse.
Zu Justage zwecken (Dein anderes Thema) kann man die auch mit dem Nagler im Zoomset verheiraten (also vorschrauben).
Ob das noch eine akzeptable Abbildung für die Beobachtung ergibt, kannst letztlich nur Du entscheiden, aber wenn man so ein Ding Mal hat ergeben sich viele Möglichkeiten (Kombi mit Orthos und Plössls z.B).

Gruß
*entfernt*


 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben