Katadiopter, Linse ausbauen?

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Spandauer

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Hallo!
Ich bin ein neuer Sternengucker. Leider hatte ich mit Optik bisher nie richtig zu tun gehabt. Ich lese erst mal viel in eurem Forum und sonstigen Seiten. Immer wieder wird vor den Katadioptern gewarnt. Nun überlege ich, man könnte doch einfach die Linse ausbauen und damit die Qualität steigern. Allerdings wäre dann das Teleskoprohr in der Länge zu verdoppeln (nimm zwei gleiche Katadiopter...). Ginge das? Wenn ja, wieviel Qualität würde man gewinnen?
Mit bestem Gruß
Wim
 
Moin Wim!

Willkommenn im Forum!

> Nun überlege ich, man könnte doch einfach die Linse ausbauen und damit die Qualität steigern.

Na, auf die "Schnapsidee" (sorry) sind schon einige Leute vor dir gekommen - inklusive meiner Wenigkeit. Ohne die Korrektorlinse, die keine einfache Barlow ist, wird das Bild völlig unbrauchbar. Grund dafür ist der in solchen Newtonsystemen verbaute sphärische Hauptspiegel mit geringer Brennweite. Mit viel Augenschmerz könnte man nach einem solchen Ausbau vielleicht niedrige Vergrößerungen für WW-Beobachtungen ertragen, das Bild ist dann aber schon mehr als gruselig.

> Allerdings wäre dann das Teleskoprohr in der Länge zu verdoppeln

Nö. Ohne Korrekturlinse liegt die Hauptspiegelbrennweite nur etwa bei f/4. Ich habe das Elend 1998 mit einem Quelle-Spiegel 150/1400 mm erlebt, daher.

Ich besitze auch noch einen 10"-Spiegel aus einem ehemaligen Newton-Katadiopter, Brennweite mit Linse 1600 mm, ohne ca. 900 mm (f/3,6 !).
 
Moin Micha!
Danke für das Willkommen. Ich verstehe, wenn es funktionieren würde, das wäre das sicher ein beliebtes Bastelprojekt und man würde in den Foren darüber lesen können. Und wenn ich Dich richtig verstehe, kann man mit den sphärischen Spiegeln aus den Katadioptern eigentlich sonst nichts Vernünftiges anstellen. Ich werde mal in meine Stadtbücherei gehen und nach Optik Büchern schauen.
Danke für die Antwort!
Beste Grüße
Wim
 
Hi Wim,

Und wenn ich Dich richtig verstehe, kann man mit den sphärischen Spiegeln aus den Katadioptern eigentlich sonst nichts Vernünftiges anstellen.

och, man kann mit solchen Spiegeln z.B. ne solarbetriebene Heizung (Warmwasser) für die Gartendusche bauen. Oder einen geschlossenen Dampfkreislauf für alternative Energieerzeugung... Blos astronomisch fängst damit net viel an. ;)
 
Hallo Wim,
jetzt mal 'ne Frage: wieso kommst Du auf die Idee, der Ausbau der Korrektorlinse könnte die Qualität steigern?
Und bitte sage doch mal, um welchen Katadiopter es überhaupt geht!

Viele Grüße !
Carsten
 
Zitat von Spandauer:
Nun überlege ich, man könnte doch einfach die Linse ausbauen und damit die Qualität steigern. Allerdings wäre dann das Teleskoprohr in der Länge zu verdoppeln
Anscheinend liegt hier ein Missverständnis des Konzepts einer linsenlosen Schmidt-Kamera (Lensless Schmidt) vor.

Lensless Schmidt Camera

Youtube

Die echte Schmidt-Kamera hat bekanntlich eine kompliziert geformte Korrekturlinse, welche die sphärische Aberration des weit dahinter stehenden Kugelspiegels eliminiert und auf einem dazwischen stehenden gewölbten Filmhalter ein großes komafreies Bild erzeugt.

Unter erheblichen Einschränkungen kann man die Korrekturlinse auch weglassen und durch eine einfache Blende ersetzen. Darauf hat schon Bernhard Schmidt hingewiesen. Das funktioniert aber nur, solange die Blende wesentlich kleiner als der Kugelspiegel ist. Im Unterschied zur echten Schmidt-Kamera, welche gewöhnlich ein sehr schnelles Öffnungsverhältnis erlaubt, ist die linsenlose Variante also sehr langsam. Das Weglassen der Korrekturlinse verschafft jedenfallls keinerlei Qualitätsgewinn, ganz im Gegenteil. Da liegt wohl ein fundamentales Missverständnis vor.

Zur optischen Theorie findet man u.a. einiges bei Amateur Telescope Optics von Vladimir Sacek:

Schmidt camera aberrations - Lensless Schmidt

While attractive for its simplicity, as well as a field free from coma and astigmatism, the configuration is effective only for relatively slow systems. In faster systems, spherical aberration becomes excessive, causing spread of energy resulting in significantly slower photographic speed than that implied by the nominal relative aperture, loss in limiting magnitude, contrast and resolution. The usual criterion sets acceptable aberration level as determined by the smallest geometric blur equaling 0.025mm ...

In all, the lensless Schmidt, as expected, except in slow small-aperture systems, cannot substitute for the actual Schmidt camera, or even come close to it in its performance level.


Und in dem Buch Telescope Optics von Harrie Rutten u. Martin van Venrooij zum Lensless Schmidt auf Seite 82:

At our standard 200 mm aperture, meeting the 0.025 mm sharpness criterion requires a minimum focal length of 1600 mm. The focal ratio is f/8.0, and the tube of the system is an ungainly 3200 mm long. This length is necessary because the entrance pupil must be positioned at the center of curvature of the mirror, which is twice the focal length.
 
Nochmals hallo Wim,
bitte verrate wenigstens einmal, welcher Catadiopter gefragt ist.
Ist es einer der 114/1000er, die es in verschiedenen Varianten gibt? Oder ein "antiquarisches Modell"?
Dazu könnte ich evtl. weitere Infos beisteuern aus praktischer Anschauung.
 
Guten Abend allerseits,
ich habe mich jetzt weiter ins Thema eingelesen.

Meine erste Ahnungslosigkeit war, dass ich dachte in den billigen Katadioptern sei der gleiche Spiegel wie in einem einfachen Newton drin.

Zum Zweiten dachte ich, dass der in den Katadioptern verbaute Jones Bird Korrektor für die kurze Bauform sorgt. Deshalb die Idee "Linse raus, Rohr verlängern". Ist aber falsch, wenn man die Linse ausbaut, muss man das Rohr verkürzen.

Drittes Missverständnis war, dass diese Linse grundsätzlich das System verschlechtert. Daher die Idee "Linse weg, Qualität besser".

Zitat von der Seite
http://www.ursusmajor.ch/tipps-tricks-hinweise/teleskop-und-montierung/
" Katadiopter: Mit der geschickten Kombination von Linsen und Spiegeln werden die Stärken und Schwächen von Refraktor und Reflektor zu optimieren versucht. Vor allem die lange Bauweise von Refraktor und Reflektor kann durch den gefalteten Lichtweg enorm gekürzt werden. Katadiopter gehören zu den beliebtesten Instrumente bei Amateurastronomen. Es gibt sehr viele Konstruktionen. Verbreitet bei Amateurastronomen sind die Teleskope nach Schmidt-Cassegrain und Maksutov."


Auf meine "Schnapsidee" bin ich gekommen, weil die Fa. Seben derzeit im Wochenrhythmus ihre Modelle Star Sheriff und Big Boss als "Ausstellungsstücke" etc. für wenig Geld versteigert. Und da dachte ich, 60 Euro für eine "Krücke" plus eine Woche Bastelarbeit ist gleich ein schönes Teleskop. Leider funktionier das aber so nicht.

In einem Forum (habe den Link leider verloren) beschrieb jemand, wie er so ein Billigteleskop sehr aufwendig justiert hat. Er hat dem OAZ neu eingebaut, Teile geschwärzt und dann mit Laser und Spezialoptik alles justiert. Er hatte nach einer Woche Bastelspaß leider nur ein mittelmäßiges Ergebnis.
Aus Blei Gold machen haben schon viele versucht. Einer hat dabei mal Porzellan erfunden, das war's dann aber auch.

Wie ich gelesen habe ist meine Idee nicht neu, hier von 2011:
http://forum.astronomie.de/phpapps/.../topics/836022/Katadioptrisches_newton_zu_ein
und hier von 2003:
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=3470
Es gibt sogar richtige Umbauten, hier ein Beispiel mit Fotos:
http://www.78record.de/mschmiedecke/astro/astrotechnik.htm
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=160212

Man kann also nicht sagen Katadiopter sind schlecht, sondern es gibt schlechte und gute Geräte. Die schlechten kosten meist nicht mehr als 150 Euro und die guten gibt's ab 1000 Euro aufwärts. Und mit schlechten Zutaten kann man keinen guten Kuchen backen, wenn man sich auch noch so viel Mühe gibt.

Ich habe jetzt einen Einfach - Newton 76/700 für 10 Euro. Und dazu einige Bücher über Astronomie. In der Stadtbücherei habe ich leider keine Literatur über Teleskope und Optik gefunden. Ich werde weiter probieren und studieren. Aber ich verspreche Euch: Einen Billig - Katadiopter werde ich nicht erwerben und umbauen wollen. Vielen Dank für Eure Beitäge. Falls Ihr noch Rückfragen habt, bitte ich um Geduld. Ich kann in 10 Tagen wieder antworten.

Mit besten Grüßen
Wim
 
Hallo Peter,

was für Verwirrung sorgt, ist die Bezeichnung "Katadiopter" für alle katadioptrischen Teleskope, denn "Katadiopter" ist eben die übliche Bezeichnung für die meist grottigen Newtons mit einer brennweitenverlängernden Optik im Okularauszug, sei es ein Jones-Bird-Korrektor oder eine Barlow.

Grüße

fquadrat
 
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