Kurztrip des Monats April, Nr. 2

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Bradyon

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Hallo Sternenfreunde,

weil ich einerseits nicht viel Zeit habe, andererseits bei jedem klaren Nachthimmel in den Garten hechte, bereite ich gerne einen Kurzausflug zum deep sky vor mit zwei, maximal drei Zielen.
Dabei macht es mir Spaß, die Planung nicht in dürren Worten zu fassen, sondern sie etwas auszuschmücken - im Stile eines Reiseführers.

Die Trips sind für Anfänger sehr geeignet, weil ich selber auch nicht die große Kanone bin und mich auf leichtere Ziele konzentriere. Die alten Hasen unter Euch mögen mir verzeihen.

Bei Interesse kann ich in unregelmäßigen Zeitabständen weitere Ausflüge hinzufügen; meldet Euch mal. Jetzt aber genug der Vorrede, es geht los ……


Nachdem wir letzte Woche zwei Kohlenstoff Sterne bestaunt hatten, fahren wir dieses mal Richtung Krebs, wo zwei leicht aufzufindende und schöne Sternhaufen auf uns warten.

Auf geht's… Wir bitten Reisende aus dem Osten, z.B. Berlin, sich am Bahnhof Regulus zu sammeln, Reisende aus NRW steigen bitte ein bei Jupiter (paßt z.Zt. sogar besser als Pollux). Wenn beide Züge gleichzeitig losfahren, treffen Sie sich auf halber Strecke (warum erinnert mich das nur an die Schule :/) in der Mitte des Mercedes-Sterns, auch genannt "Krebs".
Hier steigen wir alle aus, denn bis zum ersten Ziel sind es nur wenige Schritte. Nicht erschrecken vor dem entsetzlichen Geschrei (das einst sogar Titanen in die Flucht schlug), es ist nur der Südliche Esel, der uns freudig begrüßt. Weiter im Norden antwortet sein Kumpan, der Nördliche Esel.

Zwischen den Beiden liegt ihre Futterkrippe, auch genannt M44, der zweithellste offene Sternhaufen. Bei dunklem Himmel ist er mit dem nackten Auge zu sehen, und sein Verschwinden galt früher als Schlechtwettervorbote, heute wohl eher als Maß für die Lichtverschmutzung. Die wunderschöne Krippe mit ihren vielen gelben oder orange-gelben Klasse-G Riesen läßt sich am besten. mit einem Fernglas oder im Teleskop bei sehr niedriger Vergrößerung bestaunen und ist immer wieder eine Reise wert.

Weil wir sowieso in der Kante sind können wir noch einen kurzen Abstecher nach M67 machen. Zuerst spazieren wir nach süd-südost*) und erreichen bald Alpha Cancri, genannt Acubens. Jetzt zwei Grad nach Westen, und schon haben wir diesen hübschen, oft übersehenen, ebenfalls offenen Haufen im Visier.

M67 ist einer der ältesten seines Schlages - so um die 4 Milliarden Jahre, aber immer noch schön beisammen, und er hat sich auf den Weg gemacht in die unendlichen Weiten des intergalaktischen Raumes. Wir aber besteigen unsere Züge und fahren vergnügt nach Hause.

Allzeit clear skies wünscht Euch
das Bradyon


*) Bei den Himmelsrichtungen verwende ich das ekliptikale System.
 
Moin!

Mal ein Beobachtungsvorschlag der anderen Art. :)

Grüße

fquadrat
 
Ich hätte mal ne Frage an die 'Profis' unter Euch: Die Definition von offenen Sternhaufen besagt doch, daß sie gravitational nicht zusammmenhängen. Also fliegen sie auseinander, bis nix mehr da ist, aus welchem Grund offene Sternhaufen meist sehr jung sind.
Wie ist es möglich, daß unser Messier 67 so uralt ist, und immer noch zusammenhält?
 
Meines Wissen gehört das nicht zur Definition. Viele offene Sternhaufen haben zwar zuwenig Masse, um länger durchzuhalten, aber einige doch. Nur das "Verdampfen" durch enge Begegnungen zwischen Sternen mit der Beschleunigung eines Beteiligten über die Fluchtgeschwindigkeit verringert die Anzahl der Haufenmitglieder.

Grüße

fquadrat
 
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