Leica-Ferngläser: Ultravid versus Trinovid...

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Serenitatis

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Liebe Astrogemeinde,

nach meinem (mit einem <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> geschriebenen) Thread der vergangenen Woche zum Thema "Leica-Gläser - wer kauft sie überhaupt?" frage ich Euch heute: Was ist sinnvoller - ein Glas der älteren Baureihe "Trinovid" oder eines der neueren Reihe "Ultravid"? In diesem Forum gibt es hier und dort interessante Beiträge hierzu; was mich aber besonders interessiert: Unterscheiden sich die Optiken? Denn hierzu findet man - auch an anderer Stelle - durchaus unterschiedliche Infos. Lohnt der Preisaufschlag für ein paar Gramm Differenz? Wie ist die Handlichkeit der verschiedenen Glasreihen? Wie ist die Verarbeitung? Ich las z.B. irgendwo, die Ultravid-Reihe sei popeliger verarbeitet?! Was ist daran zutreffend?

Ich persönlich habe bislang nur durch Trinovid-Gläser schauen (und staunen...) können, weshalb mich bei Markteinführung der neuen Reihe auch wunderte, dass Leica damit warb, die Transmission der neuen Gläser sei noch besser etc. Gibt es bei Euch welche, die beide Baureihen kennen und mir Tipps geben können? Ich bin nämlich ziemlich sicher, dass auch ein Leica-Glas bald in meinem Besitz sein wird... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />

Freue mich auf Eure Antworten!

Viele Grüße

Serenitatis
 
Hallo Serenitatis,

ich bin nicht so der Ober-Optik-Versteher wie manche andere Forumsmitglieder, deswegen mache ich die folgenden Anmerkungen nur mit der Einschränkung „ich glaube gesehen/festgestellt zu haben“. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
Ausserdem kenne ich nur die Gläser mit 32, 42 und 50 mm Durchmesser gut, die mit 20 und 25 mm hatte ich nur mal kurz in der Hand - deswegen bitte meine Aussagen nicht auf diese kleineren Gläser beziehen. Ich verwende Ferngläser überwiegend zur Tierbeobachtung und nur sekundär für astronomische Zwecke.

Also:
- Sowohl Trinovid BA/BN als auch Ultravid sind optisch sehr gut.
- Sichtbare Unterschiede zwischen Trinovid BA und BN konnte ich nicht feststellen, nur die Fähigkeit zur Nah-Einstellung ist bei der BN-Reihe verbessert worden.
- Das Gesichtsfeld ist bei den äquivalenten Gläsern der Trinovid- und der Ultravid-Reihe identisch.
- Die Ultravid-Reihe wirkt um einen Tick heller. Trotzdem gelang es mir nicht, ein astronomisches Objekt zu finden, das mit dem Ultravid noch aber mit dem Trinovid nicht mehr zu sehen ist.
- Der Kontrast der Ultravid-Gläser scheint mir besser zu sein, was mir aber nur in der Tierbeobachtung manchmal auffiel, nie in der astronomischen Beobachtung.
- In der Nacht haben Lichtquellen wie z.B. ein Autorücklicht oder eine entfernte Hausbeleuchtung in den Trinovids einen ausgeprägteren „Hof“. Die Ultravids sind da leicht erkennbar besser. Das ist in der Astronomie weniger ausgeprägt auch bei hellen Planeten feststellbar, bei lichtschwachen Objekten habe ich bisher keinen Unterschied gesehen.
- Den Schärfe-Abfall von Objekten am Bildfeldrand bewerte ich bei beiden Baureihen gleich und insgesamt etwas besser als bei den Zeiss FL Gläsern.

Da Du Dir die Ferngläser ja wohl schon angeschaut hast, erspare ich uns eine komplette Auflistung der mechanischen Unterschiede, nur einige Dinge finde ich bemerkenswert, da sie uns vielleicht nicht gleich im Geschäft bewertbar erscheinen:
- Die Griffigkeit (Form) und Rutschsicherheit (Belag) der Ultravid BR Gläser ist meines Erachtens besser als die der Trinovid-Reihe.
- Die Entfernungseinstellung der Ultravid-Reihe wird dadurch verbessert, daß aufgrund der Gehäuseform der Einstellknopf freier liegt, nicht so im Tubus eingebettet wie bei den Trinovids.
- Ich persönlich bevorzuge die Schiebe-Augenmuscheln der Trinovids gegenüber den Dreh-Augenmuscheln der Ultravids von der Qualität der Mechanik und Schnelligkeit der Bedienung her. Ein „Ausleiern“ der Schiebe-Augenmuscheln habe ich nach vielen Jahren nicht feststellen können. Den Vorteil der mehrfachen Einrastpunkte der Dreh-Augenmuscheln der Ultravids konnte ich nicht nutzen, da für mich immer nur die Einstellungen „ganz rein“ und „ganz raus“ relevant waren.
- Das Gewicht der Ultravids ist, wie von Leica beworben, spürbar niedriger. Die Gläser mit 50mm Objektiven sind aber trotzdem so schwer, daß ich den Unterschied subjektiv nicht so gravierend empfand. Anders stellte es sich für mich bei den Gläsern mit 32mm Objektiven dar: da sind die Ultravids schon so leicht, daß ich für mich die noch kleineren 20er und 25er Gläser nicht in Betracht zog, insbesondere weil sie insgesamt doch deutlich lichtschwächer sind.

Eine von Dir zitierte „popeligere“ Verarbeitung der Ultravid-Gläser kann ich nicht erkennen. Da spielen die Leica-Gläser für mich sowieso in der höchsten Liga und übertreffen die Zeiss FL Binokulare merklich (wenngleich diese optisch ähnlich gut sind, in der Helligkeit vielleicht sogar ein kleines bisschen besser). Auch eine ruckelige Scharfstellung, die von jemand mal an den Ultravids moniert wurde, konnte ich nicht nachvollziehen. Durch die Bauform und das höhere Gewicht wirken die Trinovids noch stabiler, aber ich glaube nicht, daß sie faktisch stabiler sind.

So, jetzt wünsche ich Dir lange, qualvolle Tage der Entscheidungsfindung: warum soll es Dir besser gehen wie mir vor einiger Zeit? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />

Schönen Gruss,
Michael
 
Hallo,

im Fernglas-Forum von Jülich/Bonn wurde im Juli dieses Jahres von Uwe Kuhn diese Liste vorgestellt:

Transmissionsliste

Die Resultate zeigen, daß die Ultravid-Gläser
diesbezüglich gegenüber den Trinovid-Gläsern nochmals signifikant verbessert wurden.

Roland Krebs

PS Der 100%-Wert entspricht der Transmission des 10x50 Docter Nobilem von Uwe Kuhn
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Michael, hallo Roland,

1000 Dank für Eure superausführlichen und extrem nützlichen Antworten!!! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" /> Ich sehe nun viel klarer <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />. Werde Euch beizeiten informieren, auf welches Glas nun meine Wahl fallen wird.

Danke und viele Grüße

Serenitatis
 
Nur eine kleine Ergänzung zu Trinovid/Ultravid

Da ich schon verschiedene Trinovid-, Ultravid- und Duovid-Ferngläser besaß, kann ich alles vom Michael Stadler zum Unterschied von Trinovid und Ultravid Geschriebene bestätigen. Optisch (also im Aufbau der Linsen und Prismen) sind die neuen Ultravids mit folgenden Ausnahmen identisch:

1. Die Vergütung ist verbessert, daher bei den Ultravids minimal bessere Transmission (ein sehr viel größerer Gewinn als aus der neuen Vergütung resultiert aus der neuen Verspiegelung, siehe Punkt 2) und bei kritischem Gegenlicht weniger Streulicht und weniger Geisterbilder - die aber auch beim Trinovid kein Thema sind.

2. Die Verspiegelung der nicht totalreflektierenden Prismenfläche ist bei den Ultravids nicht mehr aus Aluminium, sondern eine dielektrische Mehrfachschicht (es dürften annähernd 50 Schichten sein; ich wußte es mal, habe es aber wieder vergessen, wie viele es genau sind). Deshalb ist der Reflexionsgrad an dieser Fläche von ca. 90% auf über 99% gestiegen. Dieser Gewinn macht beim Transmissionsgrad des gesamten Fernglases deutlich mehr aus als der Gewinn durch die bessere Vergütung.

3. Nur beim Ultravid 10x42 wird ein neu gerechnetes Okular verwendet, dessen Hauptvorteil ein etwas größerer Austrittspupillen-Längsabstand (für Brillenträger) ist. Auch die Bildfeldebnung und als Folge die Randschärfe dürfte dabei etwas verbessert worden sein.

Alle anderen Änderungen betreffen den mechanischen Aufbau, das Gehäusematerial (Magnesium- statt Aluminiumlegierung), die Titanachse, die Gummiarmierung, die Drehaugenmuscheln usw. (auch ich finde übrigens die Schiebeaugenmuscheln praktischer, weil schneller zu bedienen sind und weil sie es ggf. ermöglichten, zur Abschirmung seitlich ins Auge einfalllenden Störlichts für Nicht-Brillenträger schräge Augenmuscheln zu verwenden (bei Drehaugenmuscheln würden sie sich verdrehen und nicht mehr korrekt zur Gesichtsform passen!).

Was die Haptik betrifft, so gibt es unterschiedliche Meinungen, weil es unterschiedliche Hände und Gewohnheiten gibt. Ich finde die schlankeren, leichteren Ultravids diesbezüglich besser als die Trinovids und für meine Hände nahezu perfekt. Das gilt übrigens auch für die Duovids, die allerdings sehr schwer sind.

Walter E. Schön
 
Re: Nur eine kleine Ergänzung zu Trinovid/Ultravid

Hallo Walter,

auch Dir herzlichen Dank für die ausführliche Antwort! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" /> Mein Entschluss steht nun: Ich werde mir bald (vielleicht als Weihnachtsgeschenk an mich selbst... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> ) ein Leica-Glas zulegen; nach Euren Tipps und eigenen Vergleichen wird es ein Ultravid sein. Nur welches: Das beschert mir noch ein paar heitere und lustige Tage der Entscheidungsfindung, von denen Michael oben schreibt... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />

Viele Grüße

Serenitatis
 
Re: Nur eine kleine Ergänzung zu Trinovid/Ultravid

Übrigens wurde in irgendeiner Waffenzeitschrift dem Ultravid einen knapp 10-prozentigen Vorteil in der Transmission gegenüber dem Trinovid bescheinigt (wenn ich mich recht entsinne) - ob das ausschlaggebend ist, muss jeder selbst testen.
 
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