Hallo Fimoknete,
ich komme aus dem nördl. Ruhrgebiet, einer Gegend, die selbst wenn wir weiter raus fahren etwa der Lichtverschmutzung von Rösrath entspricht. Fährst Du etwas gen Osten in den Westerwald, bekommst Du Bedingungen, für die wir hier ca. 60km fahren müssen...und es auch tun.
Astrofotograf zu werden ist sehr einfach und schnell, hat bei mir ca. 2min. gedauert. Danach hatte ich die Kamera am Okularauszug. Aber ein guter Astrofotograf zu werden dauert sicherlich einige Jahre. Und um sehr gute Ergebnisse zu erzielen, also Ergebnisse die sich mit der Creme-de la Creme messen können, brauchst Du noch viel länger. Und ob Du es im Westen überhaupt schaffst, ist fraglich.
Ich spreche nicht von tollen Fotos auf die man getrost stolz sein kann, ich spreche von Fotos die aussergewöhlich sind, denn nur die werden hier gezeigt. Der User Penta ist da ein gutes Beispiel. Solche Bilder kannst Du nach einen halben Jahr auch machen wenn Du dich kräftig mit der Materie beschäftigst. Aber um Fotos der Spitzenklasse zu machen, brauchst Du wesentlich mehr Geld, wesentlich mehr Erfahrung und einen wesentlich besseren Himmel.
Sollte uns das nun davon abhalten diesem Hobby zu fröhnen?
Eigentlich ja, aber das fatale an der Astrofotografie ist, das es nicht das Foto ist welches einen umtreibt, sondern die millionen Möglichkeiten es besser zu machen. Wenn das Foto mal gemacht ist, ist es gut! Und schon steht man da, und sucht sich die nächste Herausforderung, denn sonst wird es langweilig. Und spätestens dann interessiert das "alte" Foto kaum noch.
Du fängst mit einen guten Startkapital an. Nach meinen Erfahrungen ist folgendes Equipment das beste Startequipment, mit der Massgabe, das der Start nicht leicht, aber spannend und interessant wird. Die Preise sind so aus dem Ärmel geschüttelt!
EQ-6 + 8"-F5-Newton + ED80
EQ6: stabile und ausreichend genaue Montierung. Besser geht immer, aber besser frist auch dein gesamtes Budget incl. des nächsten Urlaubes auf. Hunderte arbeiten damit sehr erfolgreich.
EQ-6 Skyscan: 1000 Euro
8"-F5-Newton: 1000mm Brennweite sind nicht Ohne, aber mal auch visuell zu nutzen, und das wirst Du tun wollen! Der Newton erlaubt Dir ohne Probleme tausende Objekte zu fotografieren, ist billig und ausreichend gut. Optisch würde ich ihn als mehr als ausreichend bezeichnen, aber wie gesagt: besser geht immer, kostet eben nur das 10fache!
8"F5-Newton von Skywatcher: 350 Euro
ED80: Der kleine Refraktor ist ein gewichtiger Brocken (ca. 4kg für die kleine Linse), aber optisch ohne Fehl und Tadel. Er hat für dich zwei Funktionen: Einmal als Leitrohr um die Nachführung des Newton auf der EQ-6 zu kontrollieren und ein anderes mal als kurzbrennweitiges Fotogerät.
ED80 von Skywatcher (Pro-Serie): 300 Euro.
So, und nun können wir noch knapp 1400 verbraten für all die kleinen Zusatzteile, über die man nicht spricht...als da wären:
EOS1000D-Kamera: 400 Euro (Umbau +150)
Komakorrektor für den Newton: Ca. 200 Euro, zwingend erforderlich um Bildfehler des Newton zu korrigieren.
Flattener für den ED, 0.85-fach von Skywatcher: Ebnet das Bildfeld des ED80 für die Fotografie: 200 Euro
Größerer Fangspiegel für den Newton: ergibt bessere Bildausleuchtung für den großen Chip der EOS. Ich würde den erst einmal nicht kaufen, denn erst mit der Erfahrung sieht man die Problematik, und dann kann man ihn immer noch tauschen. Kostenpunkt ca. 200 Euro
Okularauszug des Newton: Für den Anfang geht auch der Originale, aber bald wird der Wunsch nach einem Besseren aufkommen: Kostenpunkt ca. 300-400 Euro...sind aber schion Sahneteilchen dann!
Guider-Kamera: manuell guiden tut man heute nicht mehr, zumal es nicht notwendigermassen billiger ist. Die AlCCD5 ist eine Guidercam,. die mit dem ED80 bisher noch immer Leitsterne gezeigt hat. Die kostet 280 Euro und wird einfach an den Lapptop gesteckt. Diese kontrolliert einen Stern auf Bewegungen, die z.B. durch mangelhafte Aufstellung kommen und korrigiert die Montierung darauf hin.
Ersatzweise einen sogenannten Off-Axis-Guider. Das ist ein Teil, daß im Hauptstrahlengan einen kleinen Bildanteil ausspiegelt und an dem die Kontrolle durchführt. Aber man barucht dazu hochempfindliche Lameras (ca. 500 Euro), sehr stabile Okularauszüge und jede Menge Nerven. Dafür werden aber auch mechanische Probleme beim Newton mit erfasst. Insgesamt ist das Verfahren aufwendiger, teurer aber auch etwas besser. Ich halte es aber am Anfang für unfug, denn bis Du alle deine Fehler im Griff hast und nur noch die von der mechanik des Newton übrig bleiben, vergeht einige Zeit.
Und letztere sind häufig viel billiger abzustellen, wenn man sie denn kennt...und das dauert bis man sie kennen gelernt hat!
und...und...und..
Damit kannst Du schon mal eine Menge Bilder machen. Es hängt jetzt nur noch an Dir, wieviel Energie Du in die Sache steckst. Zumindest ist dieses Equipment in der Lage, dich einige Jahre auf Trab zu halten, denn es gibt viel zu knipsen.
Und irgendwann in der Zukunft wird es sowieso zu einem Evolutionssprung kommen, denn irgendwann wirst Du dich auf eine Fotoart einschiessen. Seien es Nebel oder Galaxien oder Winzig-Funzelchen wie Abell-Galaxiengruppen, Sharpless-Objekte oder sonst irgendetwas.
Ich z.B. bin nach einigen Jahren von der EQ-6 (ich hatte eine der frühen Versionen ohne GOTO) auf eine G11 umgestiegen. Dann stieg ich von dem 8"er auf einen 10"er um um dann wieder auf den 8"er zurück zu kommen. Im Augenblcih arbeite ich mit dem ED100, reduziert auf 600mm (0.66-Reducer von Vixen), weil mein ED80 auf 480mm reduziert ist. Der Newton steht nur dumm rum, wird aber sicher wieder seine Einsätze bekommen...genau dann, wenn ich die Rohrschellen ahbe um beide EDs auf den newton zu montieren. Und genau dann werde ich warscheinlich nur mit den Refraktoren oder dem Newton raus gehen, denn das Gerödelist eine Menge Schlepperei. Erwähnte ich das schon mit dem "der Weg ist das Ziel"...und sei es nur der zum Auto!
Egal, es geht mir darum, imkmer wieder Neues zu probieren. Bei unseren beschissenen, nein das editiere ich jetzt nicht, Wetterbedingungen ist es einfach nru rausgeschmissen geld sich auf höchstwertiges Equipment und beste Fotoergebnisse zu konzentrieren. Das geht einfach nicht. Ab und an, also 2-3 mal im Jahr, sind die Bedingungen dann so gut, daß ich anfangen kann die Geräte an die Leistungsgrenze zu fahren...und vielleicht schaffe ich 50%!
Und das ist auch der Grund, warum ich keine CCD benutze. Der Qualitätsunterschied zwischen einer guten DSLR-Aufnahme und einer CCD hier bei uns ist merklich zu gering um den vielfachen Preis zu rechtfertigen. Und CCDs für 2000 Euro haben mich bisher überhaupt nicht überzeugt, auch die Ergebnisse damit nicht. Wenn es die Biester schaffen aus unserem Standardseeing von 5" eines von 0.5 zu mache...ok, kann man mal drüber nachdenken, ansonsten ist mir das zuviel Geld, Geld das ich noch für wichtigere "Probleme" brauche.
So, jetzt weist Du wie ich denke.
CS
Ulrich