sadalsud
Aktives Mitglied
Hallo und hi @ll!
Nachdem ich jetzt seit einigen Wochen Besitzer eines Teleskopes bin und es auch schon ein paar mal in Gebrauch hatte, jedoch mehr um mich mit seinen Funktionen und dem Handling vertraut zu machen, machte ich vergangenes Wochenende meine erste größere Entdeckungsreise über das Firmament und möchte den dazugehoerigen Erfahrungsbericht nutzen, meine Spuren auch in diesem Teil des Forums zu hinterlassen. Ich hoffe, dieser Beobachtungsbericht erfreut euch, auch wenn er fuer "Profis" sicherlich nichts besonderes enthaelt.
gruss,
maximilian
1. Beobachtungsbericht
Datum: 16./17.10.04
Uhrzeit: 23:30 bis 01:45 MESZ
Ort: Landstrasse hinter Boeblingen sowie heimischer Balkon
Equipment:
Teleskop Newton GSO 150/750 auf Astro5
Fernglas Hertel & Reuss 8x30
Bericht:
Nachdem das Abendprogramm in Form eines Besuches bei Bekannten fest stand und der Himmel wider erwarten tatsächlich aufzureißen schien, machten wir uns mit dem Fernglas und einem Taschenatlas auf den Weg, den Gedanken im Hinterkopf, die ländliche Umgebung auf seine Exkursionstauglichkeit hin zu prüfen. Da es während der Fahrt zu regnen begonnen hatte, geriet diese Idee schnell in Vergessenheit und kam mir erst wieder in den Sinn, als wir bei der Heimfahrt des klaren Himmels gewahr wurden.
Einen etwa viertelstündigen Halt nutzen wir dazu, uns einen Überblick zu verschaffen. Der Himmel war aufgrund des (fast-) Neumondes und des Standortes sehr gut. Die Milchstraße war deutlich zu erkennen und die Grenzsichtbarkeit lag bei mindestens 5m (grobe Schaetzung). Erinnerte mich sehr an Urlaubserfahrungen am Mittelmeer. Bis auf die Temperaturen (< 5°C).
Für den Großraum Stuttgart war es ein beeindruckend guter Himmel.
Nachdem ich die hellen Highlights wie Plejaden (M45) und Hyaden schnell geortet und bewundert hatte, wurde auch der Andromeda-Nebel (M31) ins Visier genommen. Mit bloßem Auge schon zu erahnen, war mehr als ein ovales, diffuses Scheibchen mit dem Fernglas nicht auszumachen. Dennoch: Einen Ort für Exkursionen dürfte aufgrund der Nähe also erstrebenswert sein. Ntuerlich nicht direkt an der Landstraße.
Zurück auf dem heimischen Balkon waren die Bedingungen nicht mehr ganz so gut, aber mit ca. 4.5m immer noch sehr reizvoll. Ich muss anmerken, dass ich auf dem Balkon ein eingeschränktes Sichtfeld habe und nur von Ost über Süd nach West beobachten kann und der Blick zum Zenit ab ca. 70° vom darüber liegenden Balkon verwehrt wird.
Kaum hatte ich den Newton aufgestellt, hatte ich M45 schon wieder ins Visier genommen und in verschiedenen Vergrößerungen und mit verschiedenen Filtern die Möglichkeiten meines Teleskops weiter erforscht. Es ist schon beeindruckend, wie sehr dieser offene Haufen seinen Charakter abhängig von den Hilfsmitteln Vergrößerung und Filter ändert und bestimmte Aspekte, wie die Reflexionsnebel entweder verbirgt oder preis gibt.
Das nächste Objekt, die Hyaden waren dann wieder genau das, was in den verschiedenen Beobachtungsatlanten über sie geschrieben wird: wunderschön mit dem Fernglas, etwas mühselig mit dem Teleskop, da das Sichtfeld zu klein und man gezwungen ist, hin und her zu pendeln. Nachdem ich dann noch recht schnell den dritten offenen Haufen NGC1647 gefunden und bewundert hatte stand mir der Sinn nach etwas anderem und ich wandte mich vom Stier ab und dem mittlerweile vollständig aufgegangenen Orion zu.
Im Orion machte ich einen kleinen Farbvergleich zwischen Beteigeuze und Rigel. Der rote Überriese Beteigeuze - was für eine Vorstellung: 1 Milliarde Kilometer Durchmesser, plus/minus Messfehler - erschien hierbei deutlich orange, während Rigel einen schön blauen Kontrast dazu bot. Doch mein eigentliches Interesse galt natürlich dem Orionnebel (M42, denn die Antwort auf alle Fragen ist „42“). Und dieser bot sich in seiner vollen Pracht dar, wenn auch leider nur in s/w bzw. in verschiedenen Grautönen. Aber was ich da an Strukturen und unterschiedlichen Grautönen erkennen konnte war wirklich fesselnd. Zurecht wird der Orionnebel als ein Paradeobjekt der Gasnebel bezeichnet. M42 war gut von M43 zu trennen und schnell hatten mich die vier Sterne des Trapezes theta Orionis in ihren Bann gezogen. Dieses Quartett inmitten des sie umgebenden Nebels vergrößerte ich genau so weit, dass der Orionnebel das Okular ganz ausfüllte. Auch hier boten die diversen Filter eine Fülle von unterschiedlichen visuellen Eindrücken. Diese wurden dann jedoch leider durch einige von Osten her aufziehende Wolken getrübt. Erst da merkte ich, wie dunkel der Himmel war, denn die Wolken leuchteten hell in dieser (Fast-) Neumondnacht durch den von unten strahlenden Lichtsmog.
So blieb mir nichts anderes übrig, mich gen Westen zu wenden. Den Kakorschka zu Rat ziehend, meinte ich im Walfisch einige reizvolle Objekte suchen zu können. Jedoch blieben mir die Galaxien NGC247 und 253 entweder aufgrund der Sichtbedingungen oder eher des eigenen Unvermögens und evtl. getätigter Navigationsfehler verwehrt.
Und auch der sehnsüchtige Blick hin zum Andromedanebel, der schon mit etwas akrobatischem „über die Brüstung lehnen“ verbunden war, konnte mich nicht aufheitern.
Der Blick auf M31 durchs Teleskop wird noch ein wenig auf sich warten lassen.
Als der Frust und die Ungeduld zu groß zu werden schienen, erbarmte sich der Himmel meiner und die Wolken gaben den Osten wieder frei. So konnte ich noch einmal die bereits geschilderten Sehenswürdigkeiten genießen. So lange, bis die Müdigkeit und vor allem die Kälte – ich war ja nicht besonders gewappnet – mich diese wunderbare Session gegen 01:45 beenden ließen.
Alles in allem eine Sternennacht, die die Erwartungen übertroffen und große Lust auf mehr machte.
Nachdem ich jetzt seit einigen Wochen Besitzer eines Teleskopes bin und es auch schon ein paar mal in Gebrauch hatte, jedoch mehr um mich mit seinen Funktionen und dem Handling vertraut zu machen, machte ich vergangenes Wochenende meine erste größere Entdeckungsreise über das Firmament und möchte den dazugehoerigen Erfahrungsbericht nutzen, meine Spuren auch in diesem Teil des Forums zu hinterlassen. Ich hoffe, dieser Beobachtungsbericht erfreut euch, auch wenn er fuer "Profis" sicherlich nichts besonderes enthaelt.
gruss,
maximilian
1. Beobachtungsbericht
Datum: 16./17.10.04
Uhrzeit: 23:30 bis 01:45 MESZ
Ort: Landstrasse hinter Boeblingen sowie heimischer Balkon
Equipment:
Teleskop Newton GSO 150/750 auf Astro5
Fernglas Hertel & Reuss 8x30
Bericht:
Nachdem das Abendprogramm in Form eines Besuches bei Bekannten fest stand und der Himmel wider erwarten tatsächlich aufzureißen schien, machten wir uns mit dem Fernglas und einem Taschenatlas auf den Weg, den Gedanken im Hinterkopf, die ländliche Umgebung auf seine Exkursionstauglichkeit hin zu prüfen. Da es während der Fahrt zu regnen begonnen hatte, geriet diese Idee schnell in Vergessenheit und kam mir erst wieder in den Sinn, als wir bei der Heimfahrt des klaren Himmels gewahr wurden.
Einen etwa viertelstündigen Halt nutzen wir dazu, uns einen Überblick zu verschaffen. Der Himmel war aufgrund des (fast-) Neumondes und des Standortes sehr gut. Die Milchstraße war deutlich zu erkennen und die Grenzsichtbarkeit lag bei mindestens 5m (grobe Schaetzung). Erinnerte mich sehr an Urlaubserfahrungen am Mittelmeer. Bis auf die Temperaturen (< 5°C).
Für den Großraum Stuttgart war es ein beeindruckend guter Himmel.
Nachdem ich die hellen Highlights wie Plejaden (M45) und Hyaden schnell geortet und bewundert hatte, wurde auch der Andromeda-Nebel (M31) ins Visier genommen. Mit bloßem Auge schon zu erahnen, war mehr als ein ovales, diffuses Scheibchen mit dem Fernglas nicht auszumachen. Dennoch: Einen Ort für Exkursionen dürfte aufgrund der Nähe also erstrebenswert sein. Ntuerlich nicht direkt an der Landstraße.
Zurück auf dem heimischen Balkon waren die Bedingungen nicht mehr ganz so gut, aber mit ca. 4.5m immer noch sehr reizvoll. Ich muss anmerken, dass ich auf dem Balkon ein eingeschränktes Sichtfeld habe und nur von Ost über Süd nach West beobachten kann und der Blick zum Zenit ab ca. 70° vom darüber liegenden Balkon verwehrt wird.
Kaum hatte ich den Newton aufgestellt, hatte ich M45 schon wieder ins Visier genommen und in verschiedenen Vergrößerungen und mit verschiedenen Filtern die Möglichkeiten meines Teleskops weiter erforscht. Es ist schon beeindruckend, wie sehr dieser offene Haufen seinen Charakter abhängig von den Hilfsmitteln Vergrößerung und Filter ändert und bestimmte Aspekte, wie die Reflexionsnebel entweder verbirgt oder preis gibt.
Das nächste Objekt, die Hyaden waren dann wieder genau das, was in den verschiedenen Beobachtungsatlanten über sie geschrieben wird: wunderschön mit dem Fernglas, etwas mühselig mit dem Teleskop, da das Sichtfeld zu klein und man gezwungen ist, hin und her zu pendeln. Nachdem ich dann noch recht schnell den dritten offenen Haufen NGC1647 gefunden und bewundert hatte stand mir der Sinn nach etwas anderem und ich wandte mich vom Stier ab und dem mittlerweile vollständig aufgegangenen Orion zu.
Im Orion machte ich einen kleinen Farbvergleich zwischen Beteigeuze und Rigel. Der rote Überriese Beteigeuze - was für eine Vorstellung: 1 Milliarde Kilometer Durchmesser, plus/minus Messfehler - erschien hierbei deutlich orange, während Rigel einen schön blauen Kontrast dazu bot. Doch mein eigentliches Interesse galt natürlich dem Orionnebel (M42, denn die Antwort auf alle Fragen ist „42“). Und dieser bot sich in seiner vollen Pracht dar, wenn auch leider nur in s/w bzw. in verschiedenen Grautönen. Aber was ich da an Strukturen und unterschiedlichen Grautönen erkennen konnte war wirklich fesselnd. Zurecht wird der Orionnebel als ein Paradeobjekt der Gasnebel bezeichnet. M42 war gut von M43 zu trennen und schnell hatten mich die vier Sterne des Trapezes theta Orionis in ihren Bann gezogen. Dieses Quartett inmitten des sie umgebenden Nebels vergrößerte ich genau so weit, dass der Orionnebel das Okular ganz ausfüllte. Auch hier boten die diversen Filter eine Fülle von unterschiedlichen visuellen Eindrücken. Diese wurden dann jedoch leider durch einige von Osten her aufziehende Wolken getrübt. Erst da merkte ich, wie dunkel der Himmel war, denn die Wolken leuchteten hell in dieser (Fast-) Neumondnacht durch den von unten strahlenden Lichtsmog.
So blieb mir nichts anderes übrig, mich gen Westen zu wenden. Den Kakorschka zu Rat ziehend, meinte ich im Walfisch einige reizvolle Objekte suchen zu können. Jedoch blieben mir die Galaxien NGC247 und 253 entweder aufgrund der Sichtbedingungen oder eher des eigenen Unvermögens und evtl. getätigter Navigationsfehler verwehrt.
Und auch der sehnsüchtige Blick hin zum Andromedanebel, der schon mit etwas akrobatischem „über die Brüstung lehnen“ verbunden war, konnte mich nicht aufheitern.
Der Blick auf M31 durchs Teleskop wird noch ein wenig auf sich warten lassen.
Als der Frust und die Ungeduld zu groß zu werden schienen, erbarmte sich der Himmel meiner und die Wolken gaben den Osten wieder frei. So konnte ich noch einmal die bereits geschilderten Sehenswürdigkeiten genießen. So lange, bis die Müdigkeit und vor allem die Kälte – ich war ja nicht besonders gewappnet – mich diese wunderbare Session gegen 01:45 beenden ließen.
Alles in allem eine Sternennacht, die die Erwartungen übertroffen und große Lust auf mehr machte.