Mirachs Rache

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Ingosixecho

Mitglied
Hallo, Freunde der Astronomie!

Gar nicht so einfach, in dieses Forum reinzukommen. Damit meine ich nicht die Anmeldung an sich, sondern die Tatsache,
dass es recht schwierig ist, einen geeigneten Anmeldenamen zu finden. Nach gefühlten 300 Versuchen hatte es endlich
geklappt. Allerdings weder mit meinem Vornamen, noch mit meinem Nachnamen oder der Kombination aus beiden.
Zuletzt klappte das nur mit Hilfe meines Klons. Wer kinematisch auf der Höhe ist, weiss was ich meine.

Die Begründung, warum ich mich hier anmelde und etwas zum Besten geben will, ist eher kompliziert. Vielleicht möchte
ich euch nur was verkaufen und muss vorher wenigstens fünf Posts abschicken. Möglicherweise liegt es auch daran,
dass ich in diesem Forum seit 1999 regelmässig mitlese und nun auch mal was zum Besten möchte. Eventuell liegt es
auch daran, dass bei meiner recht einsamen Beschäftigung mit diesem interessanten Hobby hin und wieder Fragen und Probleme
auftauchen, die per google- Recherche nicht auf die Schnelle aufzulösen sind - zum Beispiel die im Titel angesprochenen.

Wobei der Begleiter vom Mirach ein eher unkomplizierter Geselle ist. Nach Stropek soll er ja bereits im 4" Gerät zu
sehen sein. Wäre er im April um 22:00 zugegen, würde ich das ungesehen unterschreiben. Leider quält mich dieser Geist immer
nur in der zweiten Jahreshälfte.

Was ich bisher erfolgreich verschwiegen hatte: womit beobachte ich eigentlich? Momentan besitze ich drei "Teleskope". Das
eine nennt sich Champ und wird von einigen Leuten wohl eher als Sucher eingeschätzt. Das zweite heisst Pluto und wäre mit
seinen 4.5" schon eher geeignet, das Objekt der Begierde zu erhaschen. Imho ist es schon eine gute Dekade an Jahren her,
dass ich durch diese Geräte schauen musste. Es sind sozusagen Relikte aus einer fernen Vergangenheit. OK - das Spektiv hatte
ich zuletzt noch bei besonderen Sonnenerscheinungen im Einsatz. Aktuell beobachte ich mit einem feinen Gerät,
welches mir Dieter Martini vor über vier Jahren zusammen stellte. Mit 12.5 Zoll Öffnung sollte damit der Geist sogar im
Dunst zu sehen sein. Selbiger ist aber auch mein Hauptproblem. Da ich in Berlin wohne, muss ich für Deep Sky Erlebnisse ein
wenig ausweichen.

Als halbwegs idealen Ort habe ich dafür einen Campingplatz ca. 80 km östlich Berlins auserkoren. Der Einfluss der Berliner
Lichtglocke ist dort eher vernachlässigbar. In südlicher Richtung ist alles frei! Manchmal hat man in dieser Richtung
bis zum Horizont hinunter perfekten Sternenhimmel. Meist aber nur im Frühjahr, wenn der See, der sich in dieser Richtung
befindet, noch kalt genug ist. Im Herbst tut er leider, was jedes Gewässer zu dieser Jahreszeit tut - herumdünsten.
Bereits ab August versaut mir das Gewässer regelmässig nahezu jedes Event. Die wenigen Ausnahmen bieten windige
Westwetterlagen, zwischen den Fronten. Da kann es mal einige Stunden ganz klaren Himmel, bei nahezu perfekter
Durchsicht geben. Manchmal sind es dann auch nur Minuten mit Wolkenlücken.

Ich möchte daher beantragen, dass der Herbsthimmel sich auch mal im April gegen Mitternacht sehen lässt. Was im Frühjahr
geht, ist oft unglaublich. Da gab es immer wieder Kaltlufteinschübe in der Höhe, wo im Kasten des Großen Wagens
direkt einige Sternenketten sichtbar waren. An diesen Tagen möchte man, beim Anblick von M101, am liebsten nach der
Sonnenbrille greifen. In Abell 1656 konnte ich bis zu 24 Teilnehmer direkt ansprechen und im Löwen gab es da eine
kleine "Sternenkette", die selbst bei höchster Vergrößerung nicht aufzulösen war. Die nennt sich wohl Hickson 54.
Mein Lieblingsobjekt im Frühjar ist übrigens die GLX Gruppe im Kleinen Löwen um NGC 3158. Alle sieben mitunter klar und deutlich.

Und im Herbst? Volle Grotte! Eigentlich finde ich mich an diesem Himmel per Teleskop so gar nicht zurecht.
Gut - Einstieg mit M15, ein paar Sommerobjekte wie M57 und M71, dann gehen die Probleme auch schon los. Spätestens 1h
nach Sonnenuntergang ist meist der Starpointer vollgesifft. 30 Minuten später in der Regel auch der Fangspiegel.
Sieben mal hatte ich es in der vergangenen, zweiten Jahreshälfte versucht. Zweimal im August, genauso oft im September
und im Oktober. Immer das selbe. Bis auf den einen Tag Ende November! Die Bedingungen hauten hinein, wie die berühmte
Faust aufs Auge. Schnell ziehende Wolken mit riesigen Lücken und, egal, ein etwas böiger Wind. Kurz nach Dunkeltuten dann
der Traumhimmel vor dem Herrn. Die komplette Milchstraße war anwesend. Vom Sommerteil bis zur Wintermilchstraße hin war
der Himmel komplett zweigeteilt.

Da der Anblick des Herbsthimmels in dieser Qualität für mich eher ungewohnt ist, fing das Gespechtel erstmal mit den
bekannte Pappenheimern an. M13 im Herkules zum Beipiel ist so ein Relikt. Hier ging es nicht um den Kugelhupf und auch nicht
um die leicht auffindbare NGC 6207 sondern um das Dazwischen. Zum ersten mal kam diese kleine GLX direkt zum Vorschein.
Wenn das schon geht, so dachte ich mir, sollten auch andere Highlights aufzufinden sein.

Die M 31 Gruppe gab nicht so viel her. Das 34 mm SWA Okular wurde allerdings gesprengt. Ich denke, es gibt momentan kein
Übersichtsokular, welches das ganze Ausmass einfangen kann. Seltsam wurde es bei M33. Das Teil war diesmal echt brilliant.
Nur - seit wann hat M33 Begleitgalaxien? Ein ganzes Stück vom hellen Zentrum weg war da ein Lichtknoten, der ähnlich wie die
Begleiter von M101 daher kam. Näher betrachtet, gab es da sogar noch einen schwächeren Lichtknoten. Ich denke mal,
das waren Sternenentstehungsgebiete dieser Spirale.

Ganz nett war die Rast bei HGC 92. Stephan's Quintett zusammen mit NGC 7331 im 14 mm ES Okular sind schon einen Blick wert.
Wenn sowas klappt, neige ich gerne zu Übertreibungen. So machte ich noch ein wenig Starhopping zur Übung.
Einfach mal zwischen Dreieck, Andromeda und Pegasus durchsgesurft. Wo immer ich anhielt - fast überall war bei diesen
Bedingungen im Hintergrund irgendwelches Gefunzel. Richtig fett wurde es im Perseus. Abell 426 verursachte fast schon
"Augenkrebs". Was ein Durcheinander! Nur mal kurz reingehalten und dann schnell weg.

Wenn man denn schon in der Gegend ist, darf ein Objekt nicht fehlen - M404! Anvisieren - Genial. Aber mit Folgen!
Im Vorjahr war es mir an einem Super Oktoberwochenende ähnlich ergangen. Wenn der Sucher gen Ghoast geht, ist das Ende nahe.
Kaum eingestellt, zogen im Affenzahn Wolken auf. Und die blieben auch!

Alles das in nur einer halben Stunde. Allerdings - für so ein Erlebnis baue ich das Teleskop, wenn es denn sein muss, auch 20 mal auf.

Grüsslis und cs Ingo
 
Hallo Ingo!

Endlich mal ein "Neuling", der nicht 10 Schreibfehler pro Zeile macht ;) Willkommen an Bord.

Helenesee? Dass man da gern mal verprügelt wird von Glatzköpfen, weißt Du hoffentlich, da würd ich meinen Stammplatz nicht einrichten.

Mirachs Geist geht tatsächlich sehr einfach mit einem guten 4-Zöller, knapp vom Rand Berlins weg (Ostgrenze).

Schöne Grüße,
Norman
 
Hallo Norman,

vielen Dank für die nette Begrüßung! So ganz neu bin ich nur hier. In einem anderen Forum bin ich mittlerweile
deutlich 4-stellig. Da hat es im Entfernten auch mit diversen Optiken zu tun.

Dass ich meinen genauen Beobachtungsstandort im Beitrag nicht offiziell angab, hat seine Gründe. Manch einer liest
gerne quer. Sagen wir mal, es ist irgendwo in der Schlaubetal-Region.

Deine Meinung vom Helenesee ist mittlerweile überholt. "Glatzköpfe" trieben dort bis Ende der 90-er ihr Unwesen.
Mittlerweile herrscht dort tote Hose und die Betreiber wären glücklich, einen Bruchteil der damaligen
Besucherschar begrüßen zu können.
Seit vergangenem Jahr versucht man es sogar mit "gehobener" Jugendunterhaltung in Form eines Festivals.
Alles auch nachzulesen im Lokalblatt (MOZ).

Wie bekommt man eigentlich Voralpen und Berliner Umland unter einen Hut? ;-)

Grüßlis und cs - Ingo




 
Hallo Ingo,

stimmt, die Hochsaison der haarlosen Dummheit ist vorbei. Mir ist aber so, als wäre vor wenigen Jahren (2?)da mal was in den Medien gewesen über einen üblen Fall.

Meine Regionen, naja, eins ist Arbeit und das andere die Heimat. Da kann ich natürlich nicht zu gleichen Anteilen vor Ort sein...
Beamen sollte mal erfunden werden :biggrin: .

Schöne Grüße,
Norman
 
Hallo Ingo,

schöner Bericht.
Zum Geist kann ich sagen, dass es ein Geist ist. Das Ding ist so nah an Mirach, dass man den bei geringer Vergrößerung für einen Reflex hält. Mirach sollte man so gerade eben aus dem Gesichtsfeld schieben. Mit etwas mehr Power gehts auch so. Der ist auch unter weniger guten Bedingungen im 12" locker zu sehen.

Zu M33 hätte ich das hier Steve Gottlieb
Man kann in der Galaxie bei gutem Himmel ziemlich viel sehen.

Gruß Dirk
 
Hallo Ingo,

auch von mir ein Dankeschön für diesen tollen und unterhaltsamen Bericht :super: Ich selbst schreibe nicht so gerne, aber Lesen macht mir immer eine riesen Freude :)

Zu Mirachs Geist: Als ich ihn zum erstem Mal versuchte hatte, konnte ich ihn bei Bortle 4-5 ohne Probleme direkt im 8"er bei 40-200facher Vergrößerung sehen, selbst mit Mirach selbst im Gesichtsfeld.

Grüße von Robert :)
 
Hallo Dirk,

vielen Dank für den Tipp (und den Link). Genau deshalb hatte ich mich hier angemeldet.
Via google gibt es zum Thema M33 kaum brauchbare Ergebnisse. Das Bild von Steve Gottlieb ist ein Traum. Ich denke, da lohnt
es sich im nächsten Herbst, gezielt weiter zu beobachten. Der kleine, gut sichtbare "Nebel" befand sich rechts unterhalb
vom Kern. Gespiegelt muss es sich um NGC 604 gehandelt haben. Das kaum wahrnehmbare Nebelchen daneben könnte demnach
A85 oder A87 gewesen sein. Das ist dann aber schon an der Grenze des theoretisch Machbaren bei 12.5 Zoll.

Den Geist vom Mirach finde ich übrigens, direkt mit dem Strahler zusammen, am schönsten.

Grüsslis Ingo
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Robert,

auch dir vielen Dank für den lieben Gruß. Du hattest es ja auch bemerkt; der Geist war eher ein Aufhänger. ;-))

Am meisten hatte mich an jenem Abend die Sichtung der IC GLX bei M13 gefreut.
Ab März geht es dann endlich wieder in den Frühjahrshimmel. Der Hickson Katalog liegt schon bereit.

Grüßlis Ingo
 
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