Miyauchi 20x77 erster Eindruck

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einser00

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Hallo Binogemeinde,

nun habe ich mir endlich einen langgehegten Wunsch erfüllt und das Miyauchi 20x77 bei ICS geordert. In loser Reihenfolge will ich nun von meinen Erfahrungen mit diesem Glas berichten.

Das Glas kommt in einer schuhkartonartigen Verpackung ohne jegliche Gebrauchsanleitung o.ä.
So macht man sich in Eigenregie an die Montage des optionalen 3x12 mm Suchers, der auch als Haltegriff dient. Auch das Wechseln der Okulare muß man selbst ergründen. Für ein Glas dieser Preisklasse (898,-EUR + 100,-EUR für den Sucher) ein bißchen befremdlich - da ist bei jedem Aldiglas mehr Info dabei!

Der Sucher wird mit 2 Kreuzschlitzschrauben fixiert, an die man nur rankommt, wenn man den Sucher aus der Halterung entfernt; ist die Halterung montiert, bekommt man ihn nur mit Mühe wieder rein, weil die Okus im Weg stehen. Der Sucher hat einen Augenabstand von 55 mm, so daß man bequem von den Okularen blickweise auf den Sucher wechseln kann. Er liefert ein aufrechtstehendes und seitenrichtiges Bild mit Fadenkreuz, ohne Brille für mich (-3,25 Dioptrien) gerade so scharf zu stellen. Obwohl 3x12 nicht gerade viel verspricht, ist der Sucher sehr hilfreich, das Bild ist klar und gut zu übersehen. Die Justage erfolgt mit 2 mm Inbus (der natürlich nicht dabei ist) und ist problemlos zu bewerkstelligen. Obwohl der Sucher als Griff dient, ist die Sache sehr justierstabil.

Die Okulare werden einfach "entstöpselt" und haben einen Gummiring zur Fixierung. Eine Klemmung ist nicht vorgesehen. Einfach, abes es funktioniert!

Die Verstellung des Augenabstandes ist mechanisch gut gelöst, die Okulare sind miteinander gekoppelt. Der Einblick in die 20x-Okulare ist ohne Brille als gut zu bezeichnen. Leider lassen sich die Augenmuscheln nicht klappen, die Gummis sind zu dick und steif. Mit Brille also keine Chance. Hier besteht Nachbesserungsbedarf! In einer Rezension bei cloudynights.com hat schon mal jemand die Augenmuscheln mit Erfolg gekürzt. Evtl. kann man Fremdaugenmuscheln anbringen um mit und ohne Brille zu beobachten.

Die ausziehbaren Taukappen laufen satt und rutschen bei Zenitbetrachtung auch nicht runter, wie es oft beschrieben wird. Die Stativhalterung ist massiv und trägt das mit 2,5 kg leichte Glas sehr stabil.

Mit den 20er Okus ergibt sich ein FOV von 2,5°. Ausreichend aber nicht berauschend. Die 30er Okus, die ich in den nächsten Tagen zum testen bekomme, sollen fast dasselbe GF haben!

Ein erster Test bei 5,3 mag Grenzhelligkeit ergab ein beeindruckendes Ergebnis. Die Plejaden füllen das GF aus, nadelpunktscharf und ästhetisch - allerdings ist der Schärfepunkt nicht so klar definiert wie im Vorgängerglas, einem TS 20x80. Die Einzelokulareinstellung bereitet keine Probleme, die Fokussierung läuft hinreichend satt und verstellt sich nicht. Insgesamt ist die Leistung als dem TS-Glas ebenbürtig anzusehen, mehr aber auch nicht.
M 81/82 schon mit leichten Strukturansätzen zu sehen, Paradeobjekte wie h und chi natürlich ein genuß!

Im Zenit wünscht man sich fast einen 90°-Einblick, so bequem sind 45° nun auch wieder nicht.

Der jetzt herrschende Vollmond zeigt am unteren Rand einen klar definierten grünlichen Saum, der am oberen Rand ins violette changiert. Nicht störend, aber bemerkbar. Hier macht das TS-Glas eine wesentlich bessere Figur - es ist farbrein!

Stellt man den Mond an den GF-Rand, sind keine Überstrahlungen oder Reflexe zu sehen. Straßenlaternen und heute morgen die Venus sorgen aber für Reflexe, deutliche Lichthöfe ohne Farbe sind zu sehen. Auch hier ist das TS-Glas besser. Venus war deshalb heute früh kaum beobachtbar.
Sehr gut ist die Randschärfe, die auch bei absolut randnaher Betrachtung des Mondes nur fast unmerklich abfällt. Hier verliert das TS klar.

Zusätzlich zu den 30er Okularen werde ich mir von TS die 15 mm Ts SWM Okulare testweise kommen lassen. Sie sollen nach Entfernen der Steckhülse passen und eine sehr gute und scharfe Abbildung liefern (bei ca. 26-facher Vergrößerung).

Tagbeobachtung habe ich mir gespart, da das Glas hierfür nicht konstruiert ist, die Diskussion, ob Telegrafenleitungen nun armdicke Farbsäume haben oder nicht, soll ungeklärt bleiben.

Weitere Berichte werden folgen, es ging mir jetzt erst mal nur um den ersten Eindruck.

Resümee: Viel Geld für ein wertiges kleines Glas mit Schwächen.

carpe noctem
Matthias

 
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Re: Miyauch 20x77 erster Eindruck

Hallo Matthias,

interessanter Bericht! Einiges kann ich mit meinem 60-er Miyauchi ebenfalls nachvollziehen. Der größte Pluspunkt bei Miyauchi ist aus meiner Sicht das geringe Gewicht, man kommt mit einem gut transportablen Stativ um die Runden. Die Okulare sind optisch sehr gut, die konstruktive Lösung zum Wechseln derselben gefällt mir nicht. Wenn man nachts im Dunkeln auf einer Wiese hockt, dann macht häufiges Wechseln keinen Spaß. Zumindest bei mir ist es so, daß die Okulare manchmal verkanten, wenn ich sie einstöpseln will. Mit der Zeit scheint sich auch der Gummiring abzunutzen. Mein Paar 15x Okulare habe ich gebraucht bekommen und die rutschen leichter in die Okularhülsen wie die nagelneuen 22x Okulare. Es wäre auch schön, wenn es mehr Alternativen bei der Okularwahl gäbe. Auf der anderen Seite kann man ohnehin nicht allzu hoch vergrößern und wahrscheinlich kommt man mit den Originalen auch aus.
... ohne jegliche Gebrauchsanleitung o.ä.
So macht man sich in Eigenregie an die Montage des optionalen 3x12 mm Suchers, der auch als Haltegriff dient. Auch das Wechseln der Okulare muß man selbst ergründen. Für ein Glas dieser Preisklasse (898,-EUR + 100,-EUR für den Sucher) ein bißchen befremdlich - da ist bei jedem Aldiglas mehr Info dabei!
Beim Aldiglas brauchst Du aber keinen Sucher und Okulare wechseln kannst Du auch nicht. Ansonsten ist das Miyauchi eigentlich selbsterklärend. Man nimmt die Objektivdeckel ab und reinschauen tut man hinten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Aber so unrecht hast Du nicht. Früher war es bei Astrooptik üblich, dem Kunden wenigstens ein paar Tipps mit auf den Weg zu geben. Zumindest kenne ich das von Zeiss Jena und von Vixen (bzw. Vehrenberg). Ob das beim Miyauchi wirklich nötig ist? Ich denke mal, es dauert keine 10 Minuten, bis auch ein Ungeübter rausgefunden hat, wie die Okulare gewechselt werden. Und daß man die Halterung vom Sucher erstmal allein anschrauben muß, wird auch beizeiten klar. Ich bin übrigens schon am Überlegen, ob ich den Sucher nicht entsorge und gegen einen Eigenbau mit 45 Grad Einblick tausche. Der Sucher ist zwar ganz nett, aber so richtig hilfreich ist er nicht (zumindest beim 15x60).

Frank.
 
Re: Miyauch 20x77 erster Eindruck

Hallo Frank,

Es wäre auch schön, wenn es mehr Alternativen bei der Okularwahl gäbe.

Da kann ich das 15mm TS SWM Okular empfehlen.
http://www.teleskop-service.de/AstroTS/Okular125/okular125.htm#TSSWBeschreibung

Bei mir passt es ohne Steckhülse wunderbar ins 20 x 100.
Fokus ist kein Problem und der Einblick komfortabel.
Ich weiß allerdings nicht, ob die Fokuslage beim 60er oder
77er anders ist. Mittels Drehbank läßt sich sogar eine kleine Nut einfräsen und einen Gummiring einlegen, so daß die Teile auch im Zenith nicht rausrutschen.
Für Brillenträger sind die Okulare übrigens auch gut geeignet.

Grüsse
Lambert
 
Re: Miyauch 20x77 erster Nachtrag

Hallo Lambert,

gestern habe ich gleich aufgrund unseres netten PN-Kontaktes bei Wolfi zwei 15 mm TS SWM Okulare testweise bestellt. Mal sehen, ob das bei dem 20x77 genaus gut klappt wie bei Deinem 20x100.

Gestern kamen auch die beiden 30x Miyauchi Okulare. Natürlich habe ich sie gleich reingestöpselt und einige Wolkenlücken zur Betrachtung von Mond und Wega genutzt.
Obwohl der Augenabstand gegenüber den 20x Okus von 18 mm auf 12 mm schrumpft, war für mich der Einblick ohne Brille angenehmer. Die Augenmuscheln sind bei den 30ern kürzer; legt man die Augen auf, "ploppt" das Bild sofort ohne weitere Veränderungen des Einblicks ins Gesichtsfeld - so wie es sein soll.

Aufgrund des Hinweises auf der ICS-Homepage erwartete ich am Mond Farbe wie bei einem Chinawerfer - weit gefehlt! Der in meinem ersten Beitrag geschilderte violette Farbsaum zeigt sich nun eher links am Mond, aber maximal im selben Umfang wie beim 20er. Gleiches an Wega, die reinweiß ohne Farbe abgebildet wird.

FOV ist mit 2,2° kaum geringer als bei den 20ern mit 2,5°,
da das GF nun 66° statt 50° beträgt. Der Mond paßt gut 4x ins GF.

Natürlich fällt das Scharfstellen nun erheblich leichter als beim 20er - eine sehr angenehme Begleiterscheinung.

Die Sterne sind nun auch bei aufgehelltem Stadthimmel wie auf einem schwarzen Samttuch ausgebreitet - kein Wunder bei einer AP von 2,57 mm ggü. 3,85 mm mit den 20ern.

Sicherlich werden die 30er zu meinen bevorzugten Okularen - wie bei vielen anderen Nutzern auch. Die 20er werden ihre Berechtigung bei Objekten mit geringer Flächenhelligkeit haben.

Nun bin ich auf die TS SWM gespannt und werde weiter berichten.

carpe noctem
Matthias
 
Re: Miyauch 20x77 erster Eindruck

Hallo Lambert,

vielen Dank für den Hinweis! Ich hatte mal das Vorgängermodell vom TS 15mm (nicht das WA!), das war von der Vergütung eine Katastrophe. Die Augenlinse war damals nicht vergütet sondern beinahe verspiegelt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> und die Transmission war schlechter wie in einem Uralt Tele Vue Wide Field mit derselben Brennweite. Wenn die Okulare jetzt besser sind, dann wäre das eine interessante Alternative. Die Frage ist nur, ob es sich lohnt. Die zwei Originale (15x und 22x) haben 20 und 13,6mm Brennweite. Ein zusätzliches Paar mit 15mm wird mir nicht viel bringen. Anders sieht die Sache aus, wenn man so ein Miyauchi mit nur einem Okularpaar gekauft hat. Die originalen Okulare sind ja nicht billig (allerdings sind sie auch gut) und so wäre das Paar mit 15mm vom TS eine Alternative zu den Originalen mit 13,6mm Brennweite.

Viele Grüße, Frank.
 
Re: Miyauch 20x77 zweiter Nachtrag

Hallo Frank,

vergiß die TS SWM 15 mm!

Sie sind heute gekommen (Wolfi hat mal wieder alle Rekorde gebrochen): sie passen nicht in den Miyauchi-OAZ. Da schon die 1 1/4"-Hülse zu dick ist und der eigentliche Okularkorpus noch etwas mehr Umfang hat, war es das leider nnichts.

Naja, außer Spesen (2X Porto) nichts gewesen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />

So werde ich in den sauren Apfel beißen und die Originale bezahlen...

carpe noctem
Matthias
 
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Re: Miyauch 20x77 zweiter Nachtrag

Hallo,

ich habe das TS 15mm mit der Goldkante. Das Okular kann in drei Teile zerlegt werden. Nicht die untere Hülse, sondern das Okular muss vom mittleren Körper abgeschraubt werden. Dann passt das Okular in das OAZ. Ein wenig Spiel ist allerdings dann immer noch vorhanden.

Für mein Miyauchi 15x60 habe ich das schon einmal ausprobiert.

Ich denke das die neuen TS 15mm genauso aufgebaut sind.


MfG Albert
 
Re: Miyauch 20x77 zweiter Nachtrag

Hallo Albert,

danke für den klasse Tip (daß man da nicht von selber drauf kommt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" /> ).

Jetzt passen die TS SWM rein, wackeln zwar ein bißchen (daß hätte ich mit zwei O-Ringen hinbekommen), nur leider komme ich nicht in den Fokus! Es fehlt mir zur Unendlicheinstellung noch eine 90°- Drehung, schade, aber ich geb' jetzt auf.

carpe noctem
Matthias

 
Re: Miyauch 20x77 erster Eindruck

Hallo Frank,

du schriebst:

=> "Mit der Zeit scheint sich auch der Gummiring abzunutzen. Mein Paar 15x Okulare habe ich gebraucht bekommen und die rutschen leichter in die Okularhülsen wie die nagelneuen 22x Okulare."

Bei mir rutschen die 20x auch viel leichter rein als die 30x, obwohl beide neu sind. Allerdings haben die 20x auch nur einen O-Ring, während die 30x derer 2 haben. Vielleicht ist das ja der Grund.

carpe noctem
Matthias
 
Okulare

Hallo Matthias,

da könntest Du recht haben. Bei mir haben die 22x Okulare ebenfalls zwei Teflonringe. Schade, daß die TS WW Okulare nicht passen. Bei Miyauchi hat man sich wohl echt Mühe gegeben, die Nutzung von Fremdokularen zu erschweren. Die andere Frage ist halt die, ob solche Okulare an einem 1:5 Objektiv eine vernünftige Leistung bringen. Vielleicht hat es ja doch einen Grund, warum die originalen Okulare so teuer sind?

Das "Okularproblem" ist auch bei Spektivherstellern eine weit verbreitete Geschichte. Jeder macht sein eigenes Bajonett und dann muß man sein Geld für Okulare eben demselben Hersteller zukommen lassen. Pentax mit seinen Spektiven und 1,25" Okularen scheint hier eine echte Ausnahme zu sein. Ob eine solche Art von Vernunft auch mal bei Winkelbinos um sich greift? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Na dann viel Spaß mit dem neuen Spielzeug!

Frank.
 
Re: Miyauch 20x77 zweiter Nachtrag

Hallo Matthias,
wie schon gesagt ist der Fokus beim 20 x 100 mit den 15mm kein Problem. Da scheint die Fokuslage ja doch einiges anders zu sein. Vielleicht testest Du einmal folgende Okulare:

http://www.teleskop-service.de/Fernglas/Spektiv/spektiv.htm#OkulareSpektiv

Die habe ich am 20 x 100 probiert. Die Okulare lassen sich in drei Teile zerlegen, so daß eine Hülse übrigbleibt, die deutlich geringer im Unfang als der OAZ ist. Mit einem aus Kunststoff gedrehten Ring haben wir dann das Teil angepasst.
Tja - leider komme ich bei diesem Teil beim 100er nicht in den Fokus. Aber vielleicht ist das ja für das 77er tauglich!? Der Einblick ist bei allen Brennweitern auf jeden Fall sher gut.

Grüsse
Lambert
 
Re: Miyauch 20x77 zweiter Nachtrag

Hallo Binogemeinde,

"Ich muß dem Miyauchi doch mal einen richtig guten Himmel zeigen!"

Mit diesem Vorsatz fuhr ich gestern in den Spessart, um bei geschätzten 6,3 mag, 4° Celsius und starkem Wind den ultimativen Test zu machen. Die Milchstraße wie eine hohe silbrige Schleierwolke. Unfaßbar für einen Rhein-Main-Gebiet und Flughafen-Geschädigten. Das Seeing war gut (für mich Anfänger sogar sehr gut...).

Zum Glück hatte ich in Klaus einen extrem versierten Beobachter zur Seite, der für mich als lebendes "Goto" Paradeobjekte einstellte.

Abwechselnd mit 20x und 30x wurde beobachtet. Der 8"-Dobson eines Mitspechtlers hatte wegen des Windes starke Probleme, ein ruhiges Bild zu liefern.

Zuerst Cirrusnebel NGC 6992: Sowohl 30x als auch 20x eindeutig zu sehen. Nix mit "blickweise" oder "indirekt", ohne Filter mehr als zu erahnen. Ein Hammer!
NGC 6960 wollte sich allerdings nicht offenbaren.

NGC 7000, Nordamerikanebel: verlangt nach 20x. Trotz der Ankündigung von Klaus, daß wir keine Chance hätten, wurde ich durch seinen Ausruf "ich glaub's nicht" hellhörig. Tatsächlich war der Golf von Mexico als dezentes Staubband zu sehen, "West- und Ostküste" etwas schwächer, aber noch erahnbar. Ein Dunkelnebel in der gleichen Gegend muß erwähnt werden. Ich fand den genauso beeindruckend wie NGC7000. Ein Sternenmeer und dann plötzlich ein großer schwarzer Fleck mittendrin, sogar ein länglicher Ansatz nach
rechts unten konnte man sehen. Objektbezeichnung hatten wir nicht zur Hand.
Das kleine Teil hatte damit schon die halbe Miete eingefahren!

Dann Schwenk auf M 31: 20x mehr als das Gesichtsfeld füllend. Erstmalig sehe ich mehr als nur den Kern! Wie eine silbrige Nebelscheibe liegt sie vor mir! M 32 wie ein kleiner Kugelsternhaufen, scheinbar leicht außerhalb Andromeda liegend, M 110 deutlich als verwaschener Fleck. Das Ensemble insgesamt ein Genuß!

M 34 im Perseus: ein sehr schöner OS, der im Zentralbereich deutlich dichter wird; rechts unterhalb NGC 1023, ein deutlich zu sehender verwaschener Fleck, eine richtige Galaxienjagd heute!

M 52 im Cepheus: ein Teppich aus vielen schwachen Sternen, wunderschön!

M 13: Ein dicker Klecks bei 30x, Auflösung am Rand nur erahnbar, aber schön und auch im Miyauchi beobachtenswert.
M 92 dito, nur schwächer.

Weiterhin haben wir noch im Fernglas beobachtet: ha&chi, NGC7789 in Cassiopeia,
M33 in Triangulum, NGC752 (offener Haufen in Andromeda), dann noch
einen offenen Haufen in Perseus dessen Bezeichnung ich nicht habe (ist
Objekt der Saison in der kommenden Interstellarum) und dann wiederum 2
Objekte von denen ich die Bezeichnung nicht im Kopf habe: ein offener
Haufen und eine Galaxie dicht nebeneinander in Cepheus.California-Nebel in Perseus hab ich noch gesucht aber der war definitiv nicht drin. Dann hatten wir noch in Auriga M38 mit Nachbarhaufen und M36.


Zum Schluß natürlich das Paradeobjekt: M 45 - welch ein Genuß! Punktförmige Sterne, 30x noch besser, formatfüllend. Ausgebreitet auf samtschwarzem Hintergrund, man kann sich davon kaum lösen. Bedingt durch den helleren Hintergrund im 8"-Dobson gefällt mir der Anblick im Miyauchi besser.

Eine Vielzahl von weiteren NGC's wurden von Klaus eingestellt, immer wieder schön, nur hätte ich besser mitschreiben sollen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Anzumerken bleibt, daß der Schärfepunkt auch mit 30x nicht so zwingend ins Auge springt wie in meinem Volksapo. Ich bilde mir auch ein, daß die Sterne im Volksapo mit Nagler noch einen Tick nadelschärfer sind, aber das binokulare Sehen macht das auf jeden Fall wett! Einsatzbereitschaft und und unproblematische Handhabung sind Trumpf. Der Sucher ist eher zur groben Orientierung geeignet, mehr nicht. So ein kleiner Laser würde sich auf dem Miyauchi gut machen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> (nicht schlagen!).

Frierend und zufrieden fahre ich nach dieser Nacht heim. Das Miyauchi hat seine Feuertaufe bestanden. ich gebe es nicht mehr her!

carpe noctem
Matthias
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Auch noch ein Nachtrag.

Hallo Matthias,

ein wirklich schöner Bericht! Mein Miyauchi ist zwar eine Nummer kleiner, aber Deine Begeisterung kann ich voll und ganz nachvollziehen. Bei kleinen Optiken wie diesen geht nichts über einen richtig guten Himmel. Und in dem Punkt ist so ein Miyauchi mit seinem geringen Gewicht bei schnellen Spechtelsitzungen klar im Vorteil. Man packt sein Köfferchen und ein Stativ und schon ist man unterwegs zu einem dunklen Ort ...

> Anzumerken bleibt, daß der Schärfepunkt auch mit 30x nicht so zwingend ins Auge springt wie in meinem Volksapo.

Den Eindruck habe ich beim 22x60 auch. Bei hellen Sternen merkt man schon deutlich, daß man es hier mit einer recht einfach gestrickten 1:5 Optik und reichlich Glasweg zu tun hat. Bei schwächeren Sternen, die ja deutlich in der Überzahl sind <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />, relativiert sich das sehr schnell und ich finde keinen Grund zur Klage. Deutlich bessere Ergebnisse bekommt man wohl nur mit ED Optik und richtig guten Okularen. Das Takahashi 22x60 mit seinen Fluoritoptiken dürfte so ein Kandidat sein. Leider gibt es das gute Stück nicht mit Schrägeinblick (gibt es das überhaupt noch?). Das wäre doch mal was: ein 70 oder 80mm Fernglas mit Schrägeinblick, ED oder FL Optik, ausreichend dimensioniertem Prismensystem und Platz für zwei Nagler Okulare bei 3 oder 3,5mm AP. Ich würde sofort mit Sparen anfangen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

> Das Miyauchi hat seine Feuertaufe bestanden. ich gebe es nicht mehr her!

Geht mir genauso. Das süße, kleine 60mm Bino bleibt im Bestand. Es ist einfach unschlagbar kompakt und transportabel und der Spaßfaktor pro mm Öffnung ist maximal.

Nachtrag zum Thema Okulare:

Ich habe mir am letzten Wochenende aus einem alten Zeiss Jena Deltrentis 8x30 die Okulare ausgebaut und ans Miyauchi adaptiert. Bei dem 8x30 mit Einzelfokussierung lassen sich die Okulare samt Stutzen und Fokussiermechanik recht einfach vom Fernglas abschrauben. Die Stutzen habe ich im Durchmesser etwas abgedreht und anschließend mit einem Streifen selbstklebender Tapete für die Okularaufnahme des Miyauchi passend gemacht. Die Okulare sind vom Design mit einem Erfle verwandt und geben mir am 60-er Miyauchi eine 20-fache Vergrößerung bei 3mm AP. Die Randschärfe ist mit den originalen 22x Miyauchi Okularen vergleichbar, wenn nicht einen Tick besser. Der Vorteil der Konstruktion: ich kann auch bei der höheren Vergrößerung das volle Sehfeld des Miyauchi nutzen und habe eine etwas größere AP (verglichen mit den 2,7mm bei 22-fach). Das Umstöpseln zwischen 15- und 22-fach nervt mich einfach auf Dauer, so daß die 20-fache Vergrößerung ein guter Kompromiss ist. Es kann daher gut sein, daß das 20x60 meine Standardausrüstung wird. Was die Scharfstellung betrifft, so komme ich mit meinen -2dpt Fehlsichtigkeit gerade so in den Fokus. Ob das mit jedem Miyauchi und allen CZJ 8x30 Fernglasokularen funktioniert, kann ich natürlich nicht sagen. Die Konstruktion der Okulare beim Deltrintem/Deltrentis wurde ja mit der Zeit verändert. Das alte CZJ Fernglas habe ich bei meinem Fotohändler für 60 Euro abgegriffen, so daß die neuen "Miyauchi Okulare" vergleichsweise günstig sind ...

Frank.
 
Re: Auch noch ein Nachtrag.

Hallo,

bin neu hier.

Das wäre doch mal was: ein 70 oder 80mm Fernglas mit Schrägeinblick, ED oder FL Optik, ausreichend dimensioniertem Prismensystem und Platz für zwei Nagler Okulare bei 3 oder 3,5mm AP. Ich würde sofort mit Sparen anfangen ...
Na ja, so was aehnliches gibt es ja schon - KOWA Highlander Prominar. Zwar nicht fuer Nagler-Okulare, aber die KOWA-Okulare gibt es als 21x, 32x und 50x, Austrittspupille 1,6 bis 3,9 mm, Gesichtfeld allerdings nur 63 bis 70 Grad...

Gruss
Carsten
 
Re: Auch noch ein Nachtrag.

Hallo Carsten,

erstmal Hallo hier im Forum und viel Spaß!

Ein guter tip von Dir, das Kowa.

Allerdings bringt es 11 kg auf die Waage und kostete zuletzt 4.390,-EUR.
Anscheinend ist es jedoch in Europa schwer verfügbar.

carpe noctem
Matthias
 
Re: Auch noch ein Nachtrag.

> KOWA Highlander Prominar

Hallo Carsten,

das bringt mich zu einem Punkt, den ich vergessen hatte: der Preis <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" />. Kowa ist schon eine ziemlich teure Angelegenheit. Ich fürchte, ein Bino mit FL Optik, Winkeleinblick und Panoptic oder Nagler-ähnlichen Okularen wird kaum billiger werden. Daher kommt wohl auch immer wieder der Wunsch nach einem optisch sehr guten Winkel-Astro-Bino mit Standard 1,25" Anschluß. Dann kann sich der Anbieter so eines Fernglases die Entwicklungskosten für Okulare sparen und der Kunde bedient sich auf dem Astromarkt. Eigentlich können da doch beide Seiten nur gewinnen. Warum macht das keiner (außer früher mal Vixen)?

Frank.
 
Re: Auch noch ein Nachtrag.

Matthias,

das KOWA wiegt unter 6,5 kg; wahrscheinlich hattest Du die amerikanische Angabe von 11 lbs. im Kopf.

In den Staaten betraegt der Preis 3.900 USD.

Das Ding ist wohl weltweit nur beim Hersteller vorraetig - jedenfalls nicht bei der amerikanischen Generalvertetung oder beim Vertragshaendler in Singapur... Ich bin aber sicher, dass Dir jeder Haendler das Ding gerne bestellt...

Carsten
 
Re: Auch noch ein Nachtrag.

Daher kommt wohl auch immer wieder der Wunsch nach einem optisch sehr guten Winkel-Astro-Bino mit Standard 1,25" Anschluß. Dann kann sich der Anbieter so eines Fernglases die Entwicklungskosten für Okulare sparen und der Kunde bedient sich auf dem Astromarkt. Eigentlich können da doch beide Seiten nur gewinnen. Warum macht das keiner (außer früher mal Vixen)?

Frank,

ich bin zwar kein Optik-Spezialist, aber moeglicherweise ist das technisch nicht moeglich, wegen des Lichtweges durch die Prismen oder so. Jedenfalls ist doch auffaellig, dass die Grossfernglaeser, die die Verwendung von Standardokularen ermoeglichen, alle ein ziemlich kleines Gesichtsfeld haben.

Das Vixen BT80 ist uebrigens noch / wieder lieferbar.

Carsten
 
Re: Auch noch ein Nachtrag.

Hi Carsten,

mit dem Gewicht hast Du recht. Habe ein wenig gegoogelt, hier gibt es das Teil:

http://217.172.183.24/shop2/index.php/user/annunaki/proid/1250

Zum Anbieter megaoptics schau aber mal hier:

http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/showflat.php?Cat=&Board=offtopic&Number=155090&Forum=offtopic&Words=megaoptics&Match=Entire%20Phrase&Searchpage=0&Limit=25&Old=allposts&Main=155090&Search=true#Post155090

Der Preis scheint doch bei 4.500,-EUR zu liegen. Bei den amerikanischen Preisen kommt ja immer ein ordentlicher Aufschlag drauf, bis es hier ist... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smirk.gif" alt="" />

carpe noctem
Matthias
 
Re: Auch noch ein Nachtrag.

Hallo Matthias,

der Versand von USA nach Singapur hat nur 61 USD gekostet und 3 Tage gedauert. Mit Einfuhrzoll und Mehrwertsteuer bei Import nach D kenne ich mich nicht so aus...

Gruss,
Carsten
 
Re: Auch noch ein Nachtrag.

> aber moeglicherweise ist das technisch nicht moeglich, wegen des Lichtweges durch die Prismen oder so.

Hallo Carsten,

irgendwo da wird der Knackpunkt liegen. Man wird sicher unterstellen können, daß sich die Hersteller die Sache genau überlegt haben. Die Frage ist nur: wo liegen die Grenzen und was hat sich der Hersteller überlegt? Man müßte mal ein Schema vom Prismensystem eines Miyauchi haben und die optischen Wege kennen. Dann könnte man den optischen Teil maßstäblich vergrößern und schauen, wo bei einem bestimmten Objektiv mit 1:5 das maximal erzielbare Sehfeld liegt. Größere Prismen würden ja bedeuten, daß ich mit dem Prismensystem näher ans Objektiv muß, dabei aber ein größeres Sehfeld nutzen kann. Irgendwo muß es ein Optimum geben, wo der ganze Spaß noch praktisch realisierbar ist. Dabei frage ich mich: liegen die Lösungen von Miyauchi schon bei diesem Optimum? Oder beinhaltet die Miyauchi Lösung auch den Preis? Größere Prismen und größere Sehfelder fordern ja auch komplexere Okulare, wenn die Randschärfe brauchbar sein soll. Vielleicht hat man sich für ein Optimum aus optischen und finanziellen Gesichtspunkten entschieden? Das Bino soll ja noch verkauft werden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Oder mache ich hier generell einen Denkfehler?

Frank.
 
Re: Auch noch ein Nachtrag.

Frank,

so aehnlich wie Du stelle ich mir das auch vor. Wie gesagt bin ich aber kein Optik-Fachmann.
Man darf dabei ja auch nicht vergessen, dass die Entwicklungskosten auf die Anzahl der absetzbaren Fernglaeser umgelegt werden muessen. Diese Anzahl ist sicher nicht sehr gross.

DAs KOWA Highlander ist ja aus einem Spektiv entstanden. Schon die geringe Aenderung im Bereich der Prismen (um den Okularabstand einstellen zu koennen) fuehrt dann dazu, dass die Spektiv-Okulare nicht mehr passen. Die erforderliche Umkonstruktion bei geringer Absatzmenge hat dann zur Folge, dass die Binokular-Okulare mehr als doppelt so teuer sind wie die Spektiv-Okulare (pro Stueck), vermutlich bei vergleichbaren Herstellungskosten.

Gruss,
Carsten
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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