Hallo Armin,
so, Kinder im Bett, endlich mal nen Moment Ruhe....
Ich besitze den MN56 erst seit einigen Wochen, und wie
du ja selber weisst, meint es das Wetter derzeit nicht
so gut mit uns, dementsprechend selten konnte ich den
MN testen, das also mal vorab.....
Zuerst mal war ich vom Gewicht des Teils überrascht, mit
Schellen, Sucher und Prismenschiene kommt man auf stolze
7,4 kg (der MN66 ist da auch nur ein kg schwerer), meine
Eq5 war jedenfalls mit dem Original-Stativ mit dem Teil
überfordert, also hab ich mir ein stabiles Vermessungs-
Stativ besorgt, jetzt ist alles bestens.
Der MN braucht nur eine sehr geringe Auskühlzeit,
vielleicht ne halbe Stunde, für Planeten darfs auch mal
ne Dreiviertelstunde sein, mehr brauchts nicht (zumindest
jetzt im Sommer, ist im Winter vielleicht anders, aber man
kann ja auch hinten mittels einer Schraube die Abdeckung
des Hauptspielgel entfernen, ist im Winter vielleicht
nützlich)
Das erste, was am Gerät auffällt ist die sehr scharfe,
klare Abbildung am Stern, pinpoint wie die Amis sagen
würden. Wunderschön bei kleiner Vergrösserung, bei hoher
Vergrösserung Lehrbuchmässige Beugungsscheibchen in- sowie
extrafokal. Klar gezeichnete Airy-Disk, auch bei Ver-
grösserungen jenseits der 200-fach.
Das hat mich eh am meisten erstaunt, der MN verträgt
erstaunlich hohe Vergrösserung. Am Planeten (Jupi
natürlich) konnte ich vor ca. einer Woche noch bis auf
knapp 300-fach gehen ohne Schärfeverlust (Siebert
Standard 7 mm mit Intes Micro 2,4-fach Barlow....)
Gute 200-fach gehen am Planeten -immer- ohne Schärfe-
oder Kontrastverlust. Da ist ein offener grösserer
Newton meiner Erfahrung nach erheblich seeinganfälliger.
Obwohl die Planetensaison eigentlich vorbei ist, war ich
sehr angetan von der Abbildungsleistung. Obwohl der Planet
schon recht tief steht konnte man noch bei längerer
Beobachtung Details in den Bändern ausmachen, wenn auch
nur indirekt, aber mal sehen was das Kerlchen dann bei
günstigem Planetenstand und -grösse zu zeigen imstande ist.
Gut gefallen hat mir auch das Innenblendensystem (sieht
schon 'cool' aus beim reinsehen in den Tubus), aber mal
im Ernst, man hat nix damit zu tun den Tubus mit Velour
oder ähnlichem auszukleiden um Streulich zu unterdrücken.
Deep-Sky-mässig merkt man natürlich die relativ geringe
Öffnung, mein 10-Zoll-Dobs hat da natürlich mehr zeigen
können (aber nicht in der 'Qualität' der Abbildung, der
Dobs hat zwar erheblich mehr Licht zur Verfügung, aber
die gesamte Abbildung ist nicht so ästhetisch wie im MN,
wobei das natürlich immer äusserst subjektiv zu sehen ist).
Praktisch betrachtet ist es wenn man von grösserer Öffnung
kommt manchmal ein wenig ernüchternd (M13 beispielsweise,
das war bei Halbmond mit dem Dob kein Problem, das Teil
wurde aufgelöst, da tut sich der Intes Micro natürlich wesentlich
schwerer...... geht aber trotzdem ganz nett, wenn man
Mondschein und Streulicht
vermeidet und die Augen gut dunkeladaptiert sind, dann geht das.....)
M57 z.B. war im grossen Newton natürlich heller und hat
mehr Vergrösserung vertragen, mir gefällt es aber insgesamt
gesehen mit dem MN besser, kann zwar vergrösserungsmässig
nicht so hochgezogen werden (ca. 100-130 fach ist dafür
ok) hat aber bei dieser Vergrösserung den besseren Kontrast
(jetzt hör ich ne Menge Leute schreien..... hättest deinen
Dob mal mit Verlour auskleiden sollen, den OAZ auch, dann
wäre der Kontrast auch da super.... na ja, Ansichtssache,
ich will halt nicht basteln, zumindest nicht an der Optik..)
Doppelsterne gehen auch sehr schön mit dem MN, habe mir
vor einigen Tagen (Montag letzter Woche glaub ich) den
'Doppelten-Dopplen' in der Leier angesehen, wunderschön
getrennt (klar, kann auch ne noch wesentlich kleinere
Öffnung, darum geht es nicht....) mit klaren Zwischen-
räumen, glasklare Airi-Disks um die Sterne, sehr schön.
Alles in allem bin ich mit dem Gerät sehr zufrieden, bin
vor allem gespannt was mir der MN am Planeten zeigen kann,
wenn die Bedingungen im Herbst (in diesem Jahr ist es
wohl eher Winter... bis Frühjahr 2005) wieder besser sind.
Man sollte halt nur wissen, auf was man sich mit so nem
Gerät einlässt. Gibt ja -erheblich- mehr Öffnung für das
Geld, muss man halt selber abwägen was einem wichtiger ist.
Ach ja, zwei Sachen noch zum Schluss:
Ich habe nicht den Original OAZ dran, sondern den meiner
Meinung nach sehr guten Baader-Crayford-Auszug.
Zur fototauglichen Eignung kann ich rein gar nix sagen,
da ich rein visuell beobachte.
Viel Spass bei der 'Entscheidungsfindung'
Grüsse,
Werner