> Ja, Stereolupe wurde auch schon diskutiert, aber das Weihnachtsgeschenk sollte doch deutlich unter 100,- Euro kosten. ...
Hallo Philipp,
immer diese "billigen" Weihnachtsgeschenke <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />. Ohne auf den Preis zu schauen (zumindest vorerst), würde ich mich schon fragen, ob das Geschenk in Form eines solchen Mono-Mini-Mikroskops der Bringer ist. Wenn sich Dein Schwiegervater in der Mikroskopierszene auskennt, dann frage ich mich, warum Du dieses Teil von Brunel ins Visier nimmst. Als Monokular und Behelfsmikroskop ist es ja ganz nett. Aber so richtig was anfangen könnte ich damit nicht. Sinnvoll ist es in dem Moment, wo man viel in der freien Natur beobachtet. Da schleppt man i.d.R. kein ausgewachsenes Mikroskop durch die Gegend. Die Nachteile sind aber auch offensichtlich: ohne den Vorzug des räumlichen Sehens fordert schon eine 12-fache Vergrößerung einiges an Vorstellungskraft, um mit dem Gesehenen auch was anfangen zu können. Deine Tochter sieht mit dem Brunel "Mikroskop" einen Käfer, eine Fliege, die Struktur eines Steins oder was auch immer halt nur zweidimensional. Das richtige Aha-Erlebnis und das Staunen und Wundern kommt erst so richtig mit der dritten Dimension. Gerade bei Kindern halte ich das für wichtig. Es ist Deine Entscheidung. Aber falls Dein Nachwuchs aus eigenem Antrieb Interesse bekundet, dann würde ich an Deiner Stelle nochmal mit Schwiegerpapa Rücksprache halten. Mit einer Stereolupe kann man schon einiges anfangen und es dürfte ein Weilchen dauern, bis die Beobachtungsobjekte im Haus und im Garten zur Neige gehen. Es wäre doch schade, wenn das Interesse wegen mangelnder optischer Hilfsmittel wieder erlahmt ...
> Deine Aussagen zum Thema Stere-Lupe kann ich gut nachvollziehen, da gibt es von Nikon ein nettes Teil, das aber leider viel zu teuer ist (sieht so ähnlich aus wie:
http://www.micros.at/english/Products/travelscope.htm , da weiß ich aber nicht was das kostet).
Ja, das Travelscope sieht dem Nikon
Fieldmicroscope verdächtig ähnlich. Allerdings war das Nikon verdammt teuer. Der Vorteil liegt hier in der Möglichkeit, das Teil zum Wandern mitzunehmen. Ein Nachteil ist der gerade Einblick. Wenn man zu Hause am Stubentisch sitzt und bequem im Sitzen mikroskopieren will, dann würde ich unbedingt ein Modell mit 45 Grad Einblick wählen. Das ist wie bei der Himmelsbeobachtung: das Hobby macht nur dann richtig Spaß, wenn man beim Beobachten nicht zu einer unbequemen Körperhaltung gezwungen wird. Mit einem geradsichtigen Einblick ist es sowohl im Stehen als auch im Sitzen auf Dauer kein Vergnügen.
> Ist das nun eine Stereo-Lupe (räumliches Bild) oder ein Stereomikroskop (ein Objektiv, zwei Okulare, a là Bino am Teleskop)?
Eigentlich sind beide Begriffe üblich und bezeichnen den selben Mikroskoptyp. Eine Stereolupe oder ein Stereomikroskop ist halt ein Mikroskop, wo ich Objekte bei niedrigen und mittleren Vergrößerungen räumlich sehe. Dafür gibt es zwei Systeme: Greenough- und Fernrohr-Prinzip. Beim Greenough-Mikroskop werden zwei Teilmikroskope unter einem bestimmten Winkel zueinander geneigt ins Gehäuse des Mikroskops integriert. Hier hat man also zwei Objektive, ein bildaufrichtendes Prismensystem und zwei Okulare. Beim Fernrohr-Prinzip wird ein gemeinsames Hauptobjektiv genutzt und der Strahlengang wird hinter dem Objektiv geteilt. Das hat aber nichts mit unseren Fernrohren zu tun, denn auch beim Stereomikroskop nach dem "Fernrohr-Prinzip" entsteht ein räumliches Bild. Schau mal
hier, da siehst Du wie es funktioniert. Preiswerte und gute Stereomikroskope sind meist vom Greenough-Typ. Hier ist der Aufwand nicht so groß und man kann zu vernünftigen Preisen gute Mikroskope bauen. Bei den preiswerten Stereomikroskopen ist 40-fach eine sinnvolle Obergrenze, was aber vollauf genügt. Je höher die Vergrößerung ist, desto geringer ist die Schärfentiefe und der räumliche Bildeindruck verschwindet zusehends. Die richtig guten Stereomikroskope gehen bis 100-fach oder etwas mehr, aber hier sind die Anforderungen an die Optik nicht gerade gering. Ein Zeiss Stemi 2000 wäre wohl etwas zu teuer eingekauft <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> ...
Die zweite Art Mikroskope sind dann die klassischen Durchlichtmikroskope, wo ich ein Präparat von unten durchleuchte und mit hohen Vergrößerungen betrachte. Hier ist es ähnlich wie beim Teleskop, ich kann das von der mikroskopischen Optik erzeugte Bild mit einem binokularen Beobachtungstubus betrachten, sehe aber nur ein zweidimensionales Bild. Ein klassisches Durchlichtmikroskop ist eigentlich nichts für Kinder. Das Mikroskopieren mit so einem Gerät stellt schon einige Anforderungen, die auch manchen Erwachsenen verzweifeln lassen. Beim Stereomikroskop kann man nicht viel verkehrt machen: Augenabstand einstellen, scharfstellen, durchgucken und Spaß haben.
> Preislich wäre das mit dem Brunel Fieldscope gleichauf, hmm, hmm...
Wie gesagt, überlege es Dir nochmal in Ruhe. Die sinnvollere Entscheidung ist sicher die, die auf längere Sicht Spaß macht. Was Deine Tochter wirklich will, weiß ich natürlich nicht. Am Anfang habe ich den Preis ausgeklammert. Mit etwas Geduld sollte sich aber ein gutes Stereomikroskop für einen akzeptablen Preis finden lassen. Bei den Novex Mikroskopen wären die Modelle AP-4 oder AP-5 der richtige Einstieg. Das AP-5 hat zusätzlich eine Beleuchtung von unten, so dass man auch transparente Objekte betrachten kann. Wie schon gesagt, ich würde unbedingt auf einen bequemen Einblick achten, das ist bei den zwei Geräten gegeben. Ähnliche Stereomikroskope findest Du unter anderen Bezeichnungen bei verschiedenen Anbietern, z.B.
hier oder
hier.
Frank.