Muschelsprung schwärzen?

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Ehemaliger Benutzer (6068)

Ein Prisma meines alten 7x42 Fernglases hat einen Muschelsprung an der Kante. Er ist beim Einblick durch das Objektiv am äußeren Rand sichtbar.
Bei Tagesbeobachtung ist das Glas in Ordnung, Nachts, sieht man leichte Reflexe von hellen Lichtquellen. Ein recht störender Reflex schein seinen Ursprung in diesem Muschelsprung zu haben. Er ist nur auf dieser Seite vorhanden und ist am besten als milchiger Streifen zu beschreiben, der genau von diesem Teil des Randes ausgeht und sich zur Mitte hin verliert.
Bringt es etwas, den Muschelsprung zu schwärzen (z.B. mit Edding) oder handele ich mir andere Probleme ein?
Die vier Prismen scheinen (?) baugleich zu sein. Derzeit sitzt das Prisma mit dem Muschelsprung okularseitig.
Würde es helfen, das Prisma auf der Objektivseite zu platzieren.
Sicher geht der materielle Wert des Fernglases gegen Null, aber es ist besser, als es aussieht. Ich mag das große Gesichtsfeld, Lichtstärke, Kontrast, Sternabbildung sind akzeptabel bis gut. Für Orientierung, Übersicht und große Sternhaufen nutze ich es sehr gerne.
Ich hatte das Glas vor einiger Zeit zwecks Reinigung komplett zerlegt (Abenteuer pur). Die Reinigung ist gut gelungnen und ich würde es nur noch Mal öffnen, wenn mögliche Maßnahmen guten Erfolg versprechen.

Hoffnungsvolle Grüße,
*entfernt*
 
Hallo Günther,

Ich denke, dass es durchaus etwas bringen kann, den Muschelbruch zu schwärzen. Edding ist sogar gar keine schlechte Idee. Wenn möglich, mehrere Lagen (zwischendurch trocknen lassen), um die Schicht dicker zu machen.

Bei der Gelegenheit kannst Du andere Prismenseitenflächen, die nicht poliert sind (also nur geschliffen), auch gleich mit schwärzen. Breite Linsenränder (Randzylinder) auch schwärzen.

All diese Maßnahmen unterdrücken Streulicht, das als sog. Falschlicht in Dein Auge eintreten kann.

Die Prismenposition würde ich nicht ändern. Die größte Lichtmenge ist in dem Raum vom Objektiv bis zum Prismensystem vorhanden. Je weiter "hinten" Richtung Okular, desto dunkler wird's sozusagen. Alle Blenden und Randbegrenzungen blocken Teile des eintretenden Lichts ab, das nichts zum Bild beiträgt, aber Falschlicht erzeugen kann.

Reflexe von hellen Lichtquellen, die sich gerade außerhalb des Gesichtsfelds befinden, können aber auch von anderen Stellen herrühren (Blenden-, Fassungs- und Linsenränder). Nur kann man dagegen recht wenig unternehmen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Viel Erfolg!
Infinity

 
Hallo Infinity

Danke für die Antwort. Werd das mit dem Edding angehen.
Die objektivseitigen Prismen sind auf den unpolierten Flächen mit schwarzen Metallabdeckkappen versehen, die sehr gut passen. Okularseitig ist das nicht so, also da würde das Schwärzen sicher was bringen. Die Linsen stecken, so weit ich sie auseinander hatte, passgenau in schwarzen Metallzylindern. Bringt Kantenschwärzung trotzdem noch was?
alles an dem Glas, was in der Nähe des Strahlengangs ist, hat eine Riffelung und ist mattschwarz lackiert.
Ich schrieb zwar, der Wert geht gegen Null, aber das bezieht sich auf den Anblick von außen.
Von der Optik her hab ich in der 100 € Klasse den absoluten "Kaltsteller" für mein Glas noch nicht gefunden.

Gruß, *entfernt*
 
Hallo Günther,

die Kantenschwärzung kann durchaus etwas bringen. Letztendlich stecken Linsen für gewöhnlich alle in schwarz eloxierten Fassungen, und trotzdem werden bei teuren Produkten manche, dem einfallenden Licht ausgesetzten Objektivlinsen noch zusätzlich randlackiert. In der Regel bringt es am meisten bei breiten Randzylindern, so ab 3 mm Breite vielleicht. Unlackierte Randzylinder sind nur aus Kostengründen nicht lackiert worden. Sie können graue "Mondsicheln" im unteren Bereich der Austrittspupille erzeugen, wenn Du tagsüber im Freien beobachtest. Das Himmelslicht trifft dann bevorzugt auf die untere Hälfte der Randzylinder.

Das okularseitige Prisma ist (außer aus Kostengründen) sicher deswegen nicht lackiert, weil an diese Position schon relativ wenig Streulicht hingelangt. Aber schaden kann es auf keinen Fall. Auch angeschrägte, unpolierte Fasen schwärzen.

Du musst entscheiden, wieviel Zeit- und Justageaufwand Du reinstecken willst. Alles auseinanderreißen ist halt zeitaufwändig. Und hinterher musst Du die binokulare Justierung wieder hinbekommen, damit die beiden Bilder übereinanderpassen, sonst gibt's Kopfschmerzen...

Aber probier mal wenigstens den Muschelsprung kaltzustellen. Wenn Dein Falschlicht nur auf der Seite mit dem Sprung so deutlich auftritt, solltest Du gute Chancen haben, wieder ein besseres, kontrastreicheres Bild zu bekommen.

Viele Grüße,
Infinity
 
Hallo Infinity

Der Muschelsprung ist schon erledigt, die oberen Prismen auch. Deutliche Besserung ist sichtbar. Der große Reflex ist definitiv weg. Nun muss ich eine starke Lichtquelle definitv an den äußersten Rand nehmen, also quasi schneiden, um kleine, störende Reflexe zu kriegen. Dafür schon Mal danke.
Da ist natürlich so ein Ansporn, auch das noch zu beseitigen.
Aber erst Mal will ich bei Tage (Sonne/Schatten) und auch am Himmel testen, bevor ich noch was mache. Hatte zunächst wieder eines der Prismen etwas verkantet eingesetzt und schon gab es den von Dir erwähnten Bildfehler.

Viele Grüße,
*entfernt*

PS: Nun hab ich noch Mal genauer getestet und einen Reflex ausgemacht, der vorher definitiv nicht da war. Das wird doch nicht ne unendliche Geschichte werden?
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo

Der Abschlußbericht: Muschelsprung, alle Prismen und die Objektivlinsenkanten sind geschwärzt. An die Okulare in den Zylindern trau ich mich nicht dran, wer weis was mir da alles entgegenpurzelt.
Zwischendurch Doppelbilder und verschobene Bildfeldebenen. Also Prismenein, -aus und -umbau, es war nix zu wollen, bis ich die Justageschrauben für die vier Prismen aus der Kunstbelederung rausgepult hatte.
Die Justage an einer selbstgebauten Punktlichtquelle war dann hinreichend genau und recht schnell erledigt.
Wie machen das eigentlich die Profis unter euch?
Danke an Infinity für die Tipps. Mein Fernglas hat noch Mal sehr profitiert und wird mich hoffentlich noch lange begleiten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> .

CS, *entfernt*
 
Hallo Günther,

danke für die Blumen; freut mich sehr, behilflich gewesen zu sein!

Die Okular-Randzylinder sind auch in der Regel unkritisch.

Die Prismenjustage ist sicher nicht ganz so einfach ohne entsprechende Hilfsmittel. Man benötigt Kollimatoren und Hilfsfernrohre mit Fadenkreuzen und Skalen. Kollimatoren sind im Prinzip Teleobjektive mit einer Skala in der Bildebene, die von hinten beleuchtet wird (Mattscheibe). Die Kollimatoren (zwei identische, genau parallel ausgerichtete) und die Hilfsfernrohre werden mit hoher mechanischer Präzision fluchtend aufgebaut. In die Hilfsfernrohre blickt man hinein. Erst ohne das zu justierende Fernglas, um die Justage des Aufbaus zu checken (die Fadenkreuze von Kollimator und Hilfsfernrohr müssen sich decken). Dann wird das Fernglas zwischen Kollimator und Hilfsfernrohr gestellt, um die Veränderung der Strahlrichtung zu messen. Dann justiert man am Fernglas, bis die Fadenkreuze sich wieder decken.

Aufbau:
Lampe . Kollimator . Fernglas . Hilfsfernrohr . Auge
. * . . . +_____() . . . ()___() . . . ()__+__() . . . (>
. * . . . +_____() . . . ()___() . . . ()__+__() . . . (>

Das + ist ein Fadenkreuz oder eine Skala im Brennpunkt. Die Punkte bitte wegdenken, die sind nur Platzhalter, da hier mehrere Leerzeichen zusammengezogen werden.

Ohne diese Hilfsmittel ist es evtl. möglich, ähnlich, wie Du es gemacht hast, mit einer Punktlichtquelle zu arbeiten. Dazu ist es gut, zuerst die Pupillendistanz genau auf Deine Augen einzustellen, z.B. auf 65 mm; eher etwas zu wenig als etwas zu viel.

Dann würde ich von ca. Armlänge aus durch die Okulare hindurchschauen (damit man noch an die Schrauben herankommt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> ). Dabei sieht man nur noch einen kleinen Bereich, der sich um die optischen Achsen herum konzentriert.

Die Punktlichtquelle sollte bei Deinem 7x42 Fernglas mindestens 13.5 m entfernt sein (wird wahrscheinlich schwierig; evtl. Straßenlaterne nehmen), dann sollte der Fehler, den Du noch machen kannst, klein genug sein. In beiden Hälften des Fernglases muss dann bei guter Justage die Punktquelle gleichzeitig in der Mitte des noch sichtbaren Sehfelds zu sehen sein. Vielleicht am besten erst ganz nah am Fernglas durchgucken, um das volle Sehfeld zu haben und die Grobausrichtung des Fernglases auf die Punktquelle zu machen (Stativ; Punktquelle so gut es geht, in die Bildmitte), dann langsam immer weiter weggehen vom Okular und die Punktquelle im Auge behalten.

Siehst Du nach Justage aus Armentfernung oder weiter Deine Punktquelle in beiden Hälften gleichzeitig, und von der Höhe/Seite her fluchtet das Fernglas auch in etwa mit Deiner Punktquelle, bist Du fertig. Versuche, nur wenig von der Grundposition der Prismen abzuweichen, denn je stärker Du sie verkippst, desto mehr Bildfehler erzeugst Du.

Ich habe zwar noch nicht selbst nach dieser Methode justiert, aber wenn ich auf Armlänge durch mein hoffentlich noch justiertes Fernglas auf einen hellen Stern schaue, passt's recht gut.

Kannst ja mal zumindestens Deine jetzige Justage mit obiger Methode checken.

Vielleicht weiß ja auch noch ein anderer Forumsteilnehmer einen Tipp?

Viel Erfolg!
Infinity
 
Hallo Infinity

Bist Du sicher, dass der Test (ohne Hilfsmittel), so wie beschrieben, funktioniert?
Hab das gerade Mal versucht (freihändig/aufgestützt). Ich kann bei Abstand Okular/Auge nur durch zwinkern die Quelle im jeweiligen Okular erkennen. Habe ich beide Augen offen, sehe ich die Quelle ab einem Abstand von ~15 cm nur in einem Okular. Die Lichtquelle wandert mit zunehmendem Abstand des jeweils offenen Auges vom Okular immer weiter zur Mitte, also zum inneren Rand und ist ab halber Armlänge unter der Mittelbrücke, also zwischen den Okularen durch, frei zu sehen.
Soweit ich das Prinzip verstehe, erscheint mir dieser Ablauf auch logisch?!
Es ist durchaus möglich, dass ich völlig daneben liege. Was mache ich falsch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" /> ?
Meine Grobjustage habe ich mit Einblick von der Objektivseite aus, auf die Punktquelle hin bekommen, indem ich die schwachen Doppelbilder in die Quelle "geschraubt" und immer wieder die Ebenen beider Objektive (Einblick durch die Okulare) angeglichen habe. War ein ziemliches Hin und Her. Kann also auch sein, ich hab die Justage so "verschraubt", dass der o.a. Test so ausgehen muß. Dass man da aber noch ein recht gutes Bild erhält ist schon fast ein Wunder <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" /> .

CS, *entfernt*
 
Hallo Günther,
ich bin zwar überhaupt kein Profi, hab aber auch schon einige alte (ebay)Ferngläser zu kollimieren versucht. Einen guten Trick hab ich mal gelesen und will ihn hier weitergeben: Am Stern scharfstellen mit linkem Auge und ganz unscharf stellen mit rechtem Dioptrienausgleich. Bei guter Kollimation steht der scharfe Stern mitten in der unscharfen Sternkreisfläche. Das Problem ist ja (bei mir), dass die letzten Reste falscher Kollimation vom Hirn ausgeglichen werden. Durch diese Methode aber kann ich das verhindern.

Grüße
Micha
 
Hallo Micha

Dein Trick funktioniert auch mit meinem Hirn <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> !
Nach diesem Test lag die Justage etwas (ganz leicht) außerhalb der Mitte, so bei 8 Uhr.
Zentrieren bracht aber keine weitere, sichtbare Verbesserung.
Dennoch würd ich Infinitys Test gerne kapieren. Die Sache fängt an, mich echt zu interessieren.
Na ja, er/sie meldet sich hoffentlich noch Mal.

CS, *entfernt*
 
Ich vermute, dass alles soweit seine Richtigkeit hat, wenn ich Deine Beschreibung richtig verstanden habe.

Da Deine Lichtquelle sicher nicht unendlich weit weg ist (oder hast Du einen Stern als Quelle benutzt?), trifft das Licht der Quelle nicht ganz senkrecht auf beide Objektive, sagen wir mal mit 1° Abweichung. Dein 7x42 macht aus dem 1° dann 7°, Verzeichnung mal weggedacht. Das Licht kommt also nicht senkrecht aus den Okularen, sondern mit 7° zur Senkrechten (divergent). Bisher ist das normal bei Objekten in Deiner Nähe. Diese 7° führen zu dem von Dir beschriebenen Effekt, dass die beiden Lichtquellenbilder sich auf die Mitte zubewegen.

Vielleicht führt derselbe Test, mit einem Stern durchgeführt, dazu, dass Du die beiden Stern-Bilder auch noch aus größerer Entfernung als 15 cm sehen kannst, bevor sie aus den Okularen Richtung Mitte herauslaufen.

Also, nochmal, höchstwahrscheinlich alles in Butter; nachjustieren lohnt dann nicht. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Bei meinem eigenen Test hatte ich eine Straßenlaterne in ca. 60 m Entfernung benutzt. Da ging's bis Armlänge gut, war aber ohne Stativ eine etwas wackelige Angelegenheit...

Ebenfalls clear skies,
"der" Infinity
 
Hallo Infinity

Schätze, die Sache ist ok. Habe das Zeiss Porro 7x50 meines Vaters Mal zum Vergleich herangezogen.
Das Glas ist wirklich gut und der Test läuft da ähnlich.
Denke also, dass Du Recht hast und alles so weit in Ordnung ist.
Hab mit Eurer Hilfe aus dem alten Ding ein ordentliches Fernglas gemacht und der Erfolg ist größer,
als ich je gedacht hätte <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> .

CS, *entfernt*
 
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Jetzt fehlen nur noch jede Menge wolkenfreier Nächte, aber in letzter Zeit geht's ja langsam aufwärts!

Viel Spaß beim Beobachten,
Infinity
 
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Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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