Muss die Milchstraße grüner aufgenommen werden?

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pathmann1

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Hallo, Kollegen,

in der Zeitschrift: Abenteuer Astronomie gibt es auf Seite 78 ein Interview mit dem Astronauten Alexander Gerst:
er schreibt aus seiner Sicht bei 400 km Erdentfernung: Blickt man auf die Milchstraße, sieht man erstaunliche Farben: rot, grün, braun.

Bei meinen Aufnahmen ohne Filter habe ich mit dem Grün-Entfernungs-Tool meistens das Grün reduziert!
Bei meiner Aufnahme von M71 z.B. wurde mein Grün als zu stark kritisiert (grüne Sterne in dem Sternhaufen!)

Link zur Grafik: http://www1.minpic.de/bild_anzeigen_thumb.php?img=236921.jpg

War die Kritik berechtigt oder müssen wir alle das Grün so zeigen, wie es die Kamera auch zeigt (Aufnahme ohne Filter).
Vielleicht sind alle unsere Aufnahmen ohne Filter zu rotlastig, weil wir das Grün ungerechtfertigt unterdrückt haben!



viele Grüße und klaren Himmel
Andreas
 
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Hallo Andreas,

wir müssen gar nichts. Ansonsten kommen wir in die fruchtlose Diskussion, welches denn nun der eine richtige Anblick sei, und diese Frage lässt sich nicht schlüssig beantworten.

Grün ist dabei ein gutes Stichwort. Unsere physiologische Grünwahrnehmung wird schon subjektiv verfälscht, noch bevor wir eine Kamera in die Hand nehmen: sie ist intensiver, als es der natürlichen spektralen Verteilung entspricht. Vermutlich hatte das einmal einen evolutionären Vorteil. Wenn man Süßwasser sucht, hilft die Vegetation dabei weiter. Aus diesem Grund brauchte man für die alten orthochromatischen Schwarz-Weiß-Filme stets einen Gelbfilter, sonst soff auf den Bildern alles Grün hoffnungslos ab.

Unsere Kameras zeigen Emissionsnebel so, wie sie nie ein Mensch mit eigenen Augen sehen würde, und säße er im Weltraum unmittelbar davor. Wir bilden Galaxien auf eine Art und Weise ab, in der sie nie ein Mensch sehen könnte, und blickte er M 31 aus einem Zehntel der Distanz an, in der sie sich tatsächlich befindet. Wenn man dann noch keine Scheu hat, Schmalbandfilter zu verwenden und sich an der Hubble-Palette zu bedienen: wieso soll man da über ein bißchen Grün mehr oder weniger streiten? Als Gerechtigkeitsfrage sehe ich das sowieso nicht. Dem Licht ist das ziemlich egal.

Grüße,

Klaus

 
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Hallo, Klaus,

besten Dank für Deine Informationen!
Ist denn nicht der eine richtige Anblick der des Herrn Alexander Gerst außerhalb der atmosphärischen Schichten?
Es geht mir nur um filterlose fotografische Aufnahmen unserer Milchstraße.
Häufig wird da das Grün unterdrückt, weil die Kollegen meinen, es gäbe kaum Grün in der Milchstraße.
Das habe ich mit meinem Beitrag versucht, zu hinterfragen und kritisch zu betrachten.
Auch die Aufnahmen unserer Milchstraße der Kollegen, die gemäß den Kritiken einen Grünstich haben, sollten nicht so ohne weiteres aus dem obigen Grunde korrigiert werden, meine ich.

viele Grüße und cs
Andreas



 
Servus Andreas!

Bezogen auf deinen M 71 - dort wurde von "Kollegen" dargelegt, wie du auf eine weitgehend "korrekte" Farbe kommst.
Und zwar anhand der Farbindezes der Sterne, diese werden zT auch außerhalb der Atmosphäre ermittelt.
Das ist also nicht nur so "gemeint", sondern auch belegt. Sternfarben sind messbar.

Im Anhang findest du eine B-V Tabelle für Sternfarben. Und du siehst, keine grünen Sterne.

Was nicht bedeutet, dass es keine grünen Objekte im Universum gibt! Hier z.B findest du recht weit oben im Bild eine kleine grüne Hintergrundgalaxie (oder einen PN).

Wobei ich jetzt nicht darüber streiten möchte, ob die Farbe nach der Bearbeitung eines Bildes immer noch "vollkommen" korrekt ist. Hinreichend genau ist es aber allemal.

LG, Markus
 

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Hallo, Markus,

vielen Dank für Deine Erläuterungen und die Sternfarben-Übersicht!

Als Laie hatte ich mich über die "erstaunlichen Farben" und das Grün an 2. Stelle der erwähnten Farben von Herrn Gerst gewundert und war etwas irritiert. Ich hätte nicht erwartet, dass da durch die vielen Nebel in unserer Milchstraße so viel Grün rüberkommt (Ha ist natürlich nicht sichtbar!).
Schade, dass Herr Gerst mit seinen Kameras (am besten filterlos und nicht modifiziert; Lichtspektrum des menschlichen Auges) nicht einmal durch sein Sichtfenster (ich hoffe, nicht grün getönt (schmunzel)) für ein paar Minuten gefilmt hat! Das wäre sicher interessant gewesen, finde ich! Dazu zählt auch die wahre Farbe unserer Sonne.

viele Grüße und klaren Himmel (war es hier gestern in Hamm für kurze Zeit)
Andreas
 
Zitat von pathmann1:
Hallo, Klaus,

...
Ist denn nicht der eine richtige Anblick der des Herrn Alexander Gerst außerhalb der atmosphärischen Schichten?
Es geht mir nur um filterlose fotografische Aufnahmen unserer Milchstraße.

Hallo Andreas,

der richtige Anblick mag das wohl sein, aber so wirst Du ihn nicht fotografieren, weder analog noch digital.

Noch tief im analogen Zeitalter zauberte der gute alte Kodak E 200 satte rote Farben aufs Bild, wo Du längst schon keine mehr gesehen hast. Das gleiche schaffen auch DSLR, auch ohne jede Modifizierung. Keine davon liest aus ihrem Sensor das aus, was Deine Augen sehen.

Ich betrachte es einfach so: (speziell unsere) Fotografie liefert ein anderes Abbild der Realität als das Auge. Wie sehr man das fotografische Abbild dem physiologischen annähern will, ist eine Frage, wozu das Bild dienen soll. Ein Portrait verfolgt sicher einen anderen Zweck als ein Astrofoto.

Grüße,

Klaus
 
Und noch eins, gerade wenn es um "grün" geht:

Ich würde gerade im Hinblick auf die Abbildung einer Realität nicht auf das setzen, was der Mensch sieht. Bevor ich nicht eine genaue Aufschlüsselung der spektralen Farbdispersion der Milchstraße gesehen habe, muss ich in Betracht ziehen, dass mein persönlicher Farbeindruck auch das Ergebnis eines Bildverarbeitungstools sein könnte, das die Evolution dem Steinzeitmenschen einpflanzte, weil es ihm bei der Suche nach einem Wasserloch hilfreich war.

Grüße,

Klaus
 
Hallo, Klaus,

es geht mir jetzt mal um die menschliche Neugier!!!
hier meine Neugier und mein Interesse; könnte aber auch andere Kollegen interessieren.....

Was wäre, wenn man Farbkalibrierungen aller Sterne, etc. mal so verändern würde, wie man sie außerhalb der Erdatmosphäre sehen würde?

einmal aus Sicht der Fotokamera.......
Das Hubble-Teleskop hat doch sicher auch einmal Aufnahmen ohne Filter für die Bereiche zw. 400-700 nm gemacht?

einmal aus Sicht des menschlichen Auges....
Herr Gerst hat ja schon einmal dargelegt, dass das Sonnenlicht "kosmisch kalt" ist, und nicht mehr angenehm.
Vielleicht gibt es auch noch Berichte anderer Astronauten, die die gesehenen Farben von Sternen beschreiben.
Ich bin auf diesem Gebiet Laie!

Hier im Forum werden bei den Linienfilter-Aufnahmen (Bi-Color; Hubble-Palette; individuelle Farbgewichtung) so viele farbverfälschende Aufnahmen gezeigt... Das wird alles wegen des Maximal-Kontrastes der chem. Elemente akzeptiert.
Warum nicht einmal Simulationen von Bildern außerhalb der Erde, nur so zum Spaß und zur Befriedigung unserer Neugier?

viele Grüße und mehr klaren Himmel als in der Vergangenheit
Andreas

 
Hallo pathmann1,

natürlich kann man das machen, wir manipulieren ja sowieso ohne Ende. Aber genau deshalb sollte man das, wenn überhaupt, ohne den Anspruch tun, irgend etwas abzubilden, was realer wäre, als irgend etwas anderes abgebildetes.

Grüße,

Klaus
 
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