Anette_Aslan
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Liebe Forengemeinde,
gestern war die Nacht der Nächte in diesem Jahr. Dieses nun nach Osten abwanderte zentraleuropäische Superhoch mit trockenen und moderat warmen Luftmassen in Wohlfühlzimmertemperatur bescherte mir einen 5.0mg Himmel, was besagt, dass ich die Milchstrasse seit ewig langer Zeit mal wieder bis hinunter in den Süden mit ihrer Gabelung wahrnehmen konnte. Nach Sonnenuntergang zeigte sich ein sehr spektakuläres Purpurlicht (Ascheaerosole?) an vollkommen wolkenfreiem Himmel und dieser Zaubervorhang hielt was er versprach!
Ich wollte alte Kindheitsträume nachholen und schnallte mir meinen für 25 Euro in der Bucht erworbenen vintage Refraktor (60/900) von 1975 auf die dafür total überdimensionierte Eq-5 mit Goto. Ganz ohne Gegengewichte natürlich wurde dieses Leichtgewicht aber in seine Position gehalten und ich konnte voller Neugierde und ohne Frust der sich ja bei den Wackeldackelmontierungen und unterdimensionierten Stativen von diesen Dingern sonst so auftut nun mal in Ruhe einige Okulare ausprobieren und Mond und Planeten genießen.
Bei maximal 128 facher Vergrößerung am 7mm Oku zeigten sich erstaunlich gut abgebildete Details am Terminator, ich wäre als Kind aber total abgehoben damals in den 70gern, nur hätte mich das sphärische Nachführen vollkommen überfordert. Kinder darf man nicht an eine parallaktische Montierung lassen, es sei denn sie machen weiter aus purer Neugierde und den Willen, das beherrschen zu wollen, ansonsten könnte es dann mit Astro für immer gewesen sein. Nun auf dieser Goto-montierung hat man unendlich viel Zeit, sich in Ruhe die Objekte anschauen und genießen zu können, das ist einfach nicht mehr rückgängig zu machen, wenn man davon mal verwöhnt ist, das wäre wie ein Abstieg von der Waschmaschine aufs Brett im Bottich am zugefrorenen Fluss zu Anno dazumal.
Mit kleiner Öffnung und dafür ordentlich Brennweite kann so ein Teleskop am Mond sehr gut mit größeren Öffnungen mithalten. Im 15 und 25mm Oku zeigte sich der Mond schön plastisch schwebend, das aschfahle Licht noch wahrnehmend in dieser Phase. Allerdings verwendete ich einen Adapter von 96mm auf 1.25mm Steckmaß, dieser alte Refraktor hatte noch die winzigen Okulare, aber allesamt in Metallausführung und recht gewichtig. Damit wäre ich total kirre geworden.
Am Jupiter zeigte er die Wolkenbänder und alle seine Mondchen, doch ein bissel unscharf, ebenso den Saturn, den ich dann vergleichsweise im 10" Dobson (was ein Aufstieg!) aber leider auch nicht besser sehen konnte. Lag es an der tiefen Deklination? Auch vorgestern waren die Planeten recht mau, der Blick auf M13 aber herzerfrischend.
Mit dem Dobson tanzte ich noch einen Walzer in den Weltraum hinein, ich liebe diesen Trumm, den man so richtig umarmen kann! Solch eine intuitive Lenkung kann auch sehr entspannend sein, weil ein Polaralignment wurscht ist und eh nicht immer auf Anhieb klappt, da geht viel Beobachtungsspaß verloren als auch Motivation, wenn man einen müden Abend erwischt. Aber so ein Dobson ist doch immer bereit für Abenteuer und lockt einem aus der Trübnis einer müden Gesinnung vom Sofa herunter, wie ein Freund der nicht locker lässt und dem man dann für eine nächtliche Tour dankbar hernach sein kann.
Unter der endlich mal irgendwie sichtbaren Milchstrasse besuchte ich die üblichen Standartkerzen, die ich aber nun nicht abschätzend damit titulieren möchte, denn den Teleskopboom haben wir diesen Schönheiten des Kosmos zu verdanken.
Während man in dieser steilen Lage bei einem Refraktor sich fast die Rückenwirbel rausquetscht, kann man am Dobson gemütlich stehen und den M13 in die Seele ziehen, frage mich wie es kommt, dass dabei solch tiefe Resonanzen erzeugt werden können?
Bin dann einfach noch ein wenig durchs Weltall spazierengeschwommen, diese so ganz andere Welt mit ihren glitzernden Tiefen genießend bis der Mond hinter der Hecke tief im Westen verschwunden war. Die Wildenten hochgescheucht, mir den Ring vom Himmel geholt, dem Adler den Appelgriebsch entrissen und mit Alcor auf der Deichsel geritten, bei Albireo reingeschaut und Diamanten gekauft, einen kleinen Zuckerstreuer M96 mitgehen lassen und ein Grillenkonzert gehört mit leise säuselndem Wind dann ein Regencape über den Dobs geschmissen und ab ins Bett.
Den Zaubervorhang vom Purpurhimmel hab ich euch mitgebracht.
LG von Anette
gestern war die Nacht der Nächte in diesem Jahr. Dieses nun nach Osten abwanderte zentraleuropäische Superhoch mit trockenen und moderat warmen Luftmassen in Wohlfühlzimmertemperatur bescherte mir einen 5.0mg Himmel, was besagt, dass ich die Milchstrasse seit ewig langer Zeit mal wieder bis hinunter in den Süden mit ihrer Gabelung wahrnehmen konnte. Nach Sonnenuntergang zeigte sich ein sehr spektakuläres Purpurlicht (Ascheaerosole?) an vollkommen wolkenfreiem Himmel und dieser Zaubervorhang hielt was er versprach!
Ich wollte alte Kindheitsträume nachholen und schnallte mir meinen für 25 Euro in der Bucht erworbenen vintage Refraktor (60/900) von 1975 auf die dafür total überdimensionierte Eq-5 mit Goto. Ganz ohne Gegengewichte natürlich wurde dieses Leichtgewicht aber in seine Position gehalten und ich konnte voller Neugierde und ohne Frust der sich ja bei den Wackeldackelmontierungen und unterdimensionierten Stativen von diesen Dingern sonst so auftut nun mal in Ruhe einige Okulare ausprobieren und Mond und Planeten genießen.
Bei maximal 128 facher Vergrößerung am 7mm Oku zeigten sich erstaunlich gut abgebildete Details am Terminator, ich wäre als Kind aber total abgehoben damals in den 70gern, nur hätte mich das sphärische Nachführen vollkommen überfordert. Kinder darf man nicht an eine parallaktische Montierung lassen, es sei denn sie machen weiter aus purer Neugierde und den Willen, das beherrschen zu wollen, ansonsten könnte es dann mit Astro für immer gewesen sein. Nun auf dieser Goto-montierung hat man unendlich viel Zeit, sich in Ruhe die Objekte anschauen und genießen zu können, das ist einfach nicht mehr rückgängig zu machen, wenn man davon mal verwöhnt ist, das wäre wie ein Abstieg von der Waschmaschine aufs Brett im Bottich am zugefrorenen Fluss zu Anno dazumal.
Mit kleiner Öffnung und dafür ordentlich Brennweite kann so ein Teleskop am Mond sehr gut mit größeren Öffnungen mithalten. Im 15 und 25mm Oku zeigte sich der Mond schön plastisch schwebend, das aschfahle Licht noch wahrnehmend in dieser Phase. Allerdings verwendete ich einen Adapter von 96mm auf 1.25mm Steckmaß, dieser alte Refraktor hatte noch die winzigen Okulare, aber allesamt in Metallausführung und recht gewichtig. Damit wäre ich total kirre geworden.
Am Jupiter zeigte er die Wolkenbänder und alle seine Mondchen, doch ein bissel unscharf, ebenso den Saturn, den ich dann vergleichsweise im 10" Dobson (was ein Aufstieg!) aber leider auch nicht besser sehen konnte. Lag es an der tiefen Deklination? Auch vorgestern waren die Planeten recht mau, der Blick auf M13 aber herzerfrischend.
Mit dem Dobson tanzte ich noch einen Walzer in den Weltraum hinein, ich liebe diesen Trumm, den man so richtig umarmen kann! Solch eine intuitive Lenkung kann auch sehr entspannend sein, weil ein Polaralignment wurscht ist und eh nicht immer auf Anhieb klappt, da geht viel Beobachtungsspaß verloren als auch Motivation, wenn man einen müden Abend erwischt. Aber so ein Dobson ist doch immer bereit für Abenteuer und lockt einem aus der Trübnis einer müden Gesinnung vom Sofa herunter, wie ein Freund der nicht locker lässt und dem man dann für eine nächtliche Tour dankbar hernach sein kann.
Unter der endlich mal irgendwie sichtbaren Milchstrasse besuchte ich die üblichen Standartkerzen, die ich aber nun nicht abschätzend damit titulieren möchte, denn den Teleskopboom haben wir diesen Schönheiten des Kosmos zu verdanken.
Während man in dieser steilen Lage bei einem Refraktor sich fast die Rückenwirbel rausquetscht, kann man am Dobson gemütlich stehen und den M13 in die Seele ziehen, frage mich wie es kommt, dass dabei solch tiefe Resonanzen erzeugt werden können?
Bin dann einfach noch ein wenig durchs Weltall spazierengeschwommen, diese so ganz andere Welt mit ihren glitzernden Tiefen genießend bis der Mond hinter der Hecke tief im Westen verschwunden war. Die Wildenten hochgescheucht, mir den Ring vom Himmel geholt, dem Adler den Appelgriebsch entrissen und mit Alcor auf der Deichsel geritten, bei Albireo reingeschaut und Diamanten gekauft, einen kleinen Zuckerstreuer M96 mitgehen lassen und ein Grillenkonzert gehört mit leise säuselndem Wind dann ein Regencape über den Dobs geschmissen und ab ins Bett.
Den Zaubervorhang vom Purpurhimmel hab ich euch mitgebracht.
LG von Anette