Hallo Mario,
die Sache hat mir keine Ruhe gelassen, darum komme ich hier nochmal zurück auf die Frage, was möglicherweise den Anblick eines Teils Deiner insgesamt sehr beachtlichen Bilderserie für einige Betrachter ein wenig "gewöhnungsbedürftig" macht. Am Ende komme ich zu dem Schluss, dass hier doch die individuelle Handhabung der Bildbearbeitungstechnik eine entscheidende Rolle spielt.
Als Beispiel nehme ich jetzt mal Bond, weil ich da geeignetes Vergleichsmaterial gefunden habe, und zwar dieses
LPOD (bitte das Bild anklicken) von Carmelo Mel Zanelli. Die Aufnahme entstand am 7. Oktober 2009 ebenfalls mit einem C14 bei ähnlicher Beleuchtung wie Deine aktuelle Bond-Aufnahme. Die Unterschiede sehe ich darin, dass in Deiner Aufnahme einige feine Details, insbesondere Kleinkrater und Konturen in und an der Rima Bond, klarer durchgezeichnet sind, auf der anderen Seite aber großräumige Texturen der Landschaft etwas "unterentwickelt" erscheinen, die in der Aufnahme von Zanelli die Landschaft in charakteristischer Weise prägen. Besonders der Raum westlich und südwestlich von Bond bis hin zum Kraterrand von Posidonius wirkt in Deinem Bild vergleichsweise glatt und unstrukturiert.
Ein Beispiel in der beschriebenen Richtung an anderer Stelle ist Plato. Da habe ich zum Vergleich eine eigene
Aufnahme mit 10" Optik und ein bei etwas flacherer Beleuchtung aufgenommenes
Foto aus Deinem C14. Die bekannten Kleinkrater sind in Deiner Aufnahme scharf gezeichnet und heben sich kontrastreich vom ansonsten sehr glatt wirkenden Kraterboden ab. Auch die Lavaflächen außerhalb des Ringwalls sind weitgehend glatt und unstrukturiert. In meiner Aufnahme erscheinen die prominenten Kleinkrater eher "verwaschen", dafür gibt es aber eine Fülle von Details auf den Lavaflächen zu sehen. Solche Details müssten in Deinem größeren Telskop und bei flacherer Beleuchtung eigentlich besser zum Vorschein kommen.
Natürlich ist es dem individuellen Geschmack überlassen, welche Bilddetails man in einer Aufnahme hervorheben möchte. Auf der anderen Seite sollte man m.E. auch im Auge behalten, dass charakterisische Merkmale der abgebildeten Landschaft nicht verlorengehen, wodurch sich beim unbefangenen Betrachter manchmal eine gewisse Irritation bemerkbar macht.
Mein weiter oben zitiertes Beispiel mit Clavius macht die Sache nicht so deutlich wie die hier behandelten Vergleichsfälle, aber auch dort fühlt man sich irritiert, wenn gewisse Merkmale der Landschaft einfach fehlen.
Deine aktuelle Bildserie zeigt in der Tat an vielen Stellen Landschaftsdetails, die man in dieser Klarheit anderswo kaum zu sehen bekommt, und gibt gleichzeitig dem Betrachter - wie wir aus der Diskussion erkennen - die Möglichkeit, seine Wahrnehmung in besonderem Maße zu "schärfen". Dafür hast Du unseren Dank verdient!
Gruß, Jan