einser00
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Nachdem diverse niedrig vergrößernde Gläser angeschafft und aus den verschiedensten Gründen wieder veräußert wurden, habe ich nun die Suche nach einem preiswerten 8x40-Glas für mich beendet.
Ein Zeiss Jena Deltrintem 8x30 ohne MC hätte fast den endgültigen Platz in meinem Okukoffer erobert, wäre nicht die Streulichtempfindlichkeit und die absolute Untauglichkeit für Brillengläser gewesen. Ein altes Pentax 8x30 Porro erlitt trotz besserer Vergütung bei fast gleichen Eigenschaften dasselbe Schicksal. Der Wunsch nach einer größeren AP ließ mich zum Vixen Ultima 7x42 greifen. Auch dieses Glas konnte mich trotz umstülpbarer Gummiaugenmuscheln und sonst überzeugenden optischen Eigenschaften nicht endgültig zufrieden stellen. Das Einblickverhalten war mit und ohne Brille so nervös, daß trotz intensiver Tuningversuche an den Augenmuscheln keine dauerhafte Freude aufkam.
Diverse Blicke durch Nikon Action Gläser der Serie VI und VII in den „Geiz ist geil“-Konsumkathedralen sowie die wiederholte Lektüre der sehr empfehlenswerten Testberichte auf der HP von Frank Schäfer („Auf der Suche nach einem guten 8x40 Glas“) führten mich zum Nikon Action EX 8x40. Bei einem Listenpreis von 199,- € war nach kurzer Preisrecherche das Angebot des Internetversenders fotomeile.de für 126,- € am günstigsten. Die Abwicklung war hervorragend: per mail wurde jeweils unverzüglich der Bestelleingang, der Geldeingang, die Lieferbarkeit des Glases und der Versand („geben wir heute um 15.00 Uhr zur Post“) bestätigt. Innerhalb einer Woche war das Glas da.
Die Nikon Action EX-Gläser ähneln denen der Serie VII in jeder Hinsicht, zeichnen sich jedoch durch ein vertrauenserweckendes Metallgehäuse, Stickstoffüllung sowie in 3 Positionen rastbare Augenmuscheln aus. Dies kommt auch durch das Mehrgewicht von 855 gegenüber 745 gr zum Ausdruck. Das 8x40 Action VII wird übrigens auf der aktuellen Nikon HP nicht mehr geführt. Wer sich also dieses optisch fast ebenbürtige und nur halb so teure Glas sichern will, sollte jetzt zuschlagen.
Das Glas kommt mit einer gepolsterten Corduratasche, einem breiten Gurt sowie Okular- und Frontlinsenabdeckungen. Hier können sich selbst Nobelhersteller eine Scheibe abschneiden. Die Gummierung ist griffig und geruchsfrei (was z.B. bei einem Zeiss Conquest nicht selbstverständlich ist). Das Glas liegt satt in der Hand und ist für meine relativ kleinen Hände fast schon zu klobig. Die Brücke aus Metall ist sehr vertrauenserweckend, die Okulare verbleiben auf Druck in ihrer Position. Die Dioptrieneinstellung erfolgt über ein mit Daumen und Zeigefinger leichtgängig bedienbares geriffeltes Rändelrad am rechten Okular, welches sich im Feld nicht verstellt. Die Walze des Mitteltriebes ist griffig, jedoch schwergängig. Ein Tropfen meines ultimativen Fahrradöls an der richtigen Stelle scheint dem Chinafett Paroli zu bieten; jetzt läuft die Scharfstellung zufrieden stellend leichtgängig. Die kreisrunde Austrittsöffnung zeugt von vernünftiger Dimensionierung und Positionierung der Prismen.
Sind die harten Daten der Action VII und EX-Gläser ansonsten absolut identisch (Sehfeld 143 m, Nahgrenze 5 m), so scheiden sich beim Augenabstand die Geister: 11,9 zu 17,2 mm. Hinzu kommt die wirklich geniale 3-fach-Rastung der halbweichen Augenmuscheln, die für jeden Geschmack den perfekten Einblick ermöglicht. Es ist das erste Glas, bei dem ich mit und ohne Brille einen absolut problemlosen Einblick habe. Die Vergütung schimmert grünlich und verspricht hohes MC-Niveau, lässt aber unter einer hellen Deckenlampe aufgrund der heftigen multiplen Reflexe Schlimmes befürchten. So weist das Glas –direkt neben meine Testlaterne gestellt- in dem der Laterne zugewandten Okular heftigste Reflexe auf. Der Blick auf ein hell erleuchtetes Wohnzimmerfenster gegenüber wird mit vagabundierendem Streulicht und Reflexen quittiert. Tagsüber stört dieses Verhalten naturgemäß wenig, eher fällt eine Empfindlichkeit gegenüber seitlich einfallendem Licht an den Okularen auf. Selbst ohne Brille reicht die kleine seitliche Öffnung zwischen Augenmuschel und Schläfe, um zu Aufhellungen und Kontrastminderung zu führen. Damit hat sich Nikon bei der Vergütung und Streulichtbremsung nicht mit Ruhm bekleckert. Sie liegt etwa auf dem Niveau des Deltrintem (ohne MC). Auf einem Level mit dem Deltrintem befindet sich auch die Schärfe auf der Achse und der Randabfall. Zentral beeindruckt das Glas mit einer wirklich hervorragenden Schärfeleistung, die auf 50% des Weges zum Rand langsam abfällt und ganz am Rand auf Matschniveau absinkt. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass wir über ein reales Sehfeld von 8,2° reden, da hat mein 12x45 Conquest mit hoher Randschärfe bei einem realen Sehfeld von 4,6° gut reden. Tatsächlich fällt der Randabfall tags wie nachts bei weitem nicht so auf, wie man meinen mag. Das Objekt der Begierde wird stets automatisch zentral gestellt, für die Verfolgung eines Vogels im Flug oder das Auffinden eines Objekts am Nachthimmel reicht die schwache Randschärfe allemal.
Das Glas wurde für den Nachthimmel gekauft. Helle Objekte wie Mond und helle Planeten werden keine Freude machen. Das Glas ist aufgrund seiner sehr hohen zentralen Schärfe und der AP von 5 mm für freihändige Milchstraßen-Spaziergänge unter mittelprächtigem deutschen Himmel wie geschaffen. Durch die Zentralfokussierung, das halb so schwere Gewicht, das größere Sehfeld und die für deutsche Standardverhältnisse ideale AP ziehe ich es auch den 7x50 Klassikern japanischer oder neuerdings chinesischer Prvenienz vor.
Wer also ein preiswertes Glas sucht, welches wasserdicht ist und rauhen Beobachtungsnächten mit Taubeschlag trotzt, gut in der Hand liegt, freihändig hervorragend nutzbar und für Brillenträger ideal ist und eine sehr hohe Schärfe auf der Achse bei großem Gesichtsfeld bietet, kann beherzt zuschlagen. Liegt Tagbeobachtung oder der Mond im Vordergrund, würde ich die Finger davon lassen.
carpe noctem
Matthias
Ein Zeiss Jena Deltrintem 8x30 ohne MC hätte fast den endgültigen Platz in meinem Okukoffer erobert, wäre nicht die Streulichtempfindlichkeit und die absolute Untauglichkeit für Brillengläser gewesen. Ein altes Pentax 8x30 Porro erlitt trotz besserer Vergütung bei fast gleichen Eigenschaften dasselbe Schicksal. Der Wunsch nach einer größeren AP ließ mich zum Vixen Ultima 7x42 greifen. Auch dieses Glas konnte mich trotz umstülpbarer Gummiaugenmuscheln und sonst überzeugenden optischen Eigenschaften nicht endgültig zufrieden stellen. Das Einblickverhalten war mit und ohne Brille so nervös, daß trotz intensiver Tuningversuche an den Augenmuscheln keine dauerhafte Freude aufkam.
Diverse Blicke durch Nikon Action Gläser der Serie VI und VII in den „Geiz ist geil“-Konsumkathedralen sowie die wiederholte Lektüre der sehr empfehlenswerten Testberichte auf der HP von Frank Schäfer („Auf der Suche nach einem guten 8x40 Glas“) führten mich zum Nikon Action EX 8x40. Bei einem Listenpreis von 199,- € war nach kurzer Preisrecherche das Angebot des Internetversenders fotomeile.de für 126,- € am günstigsten. Die Abwicklung war hervorragend: per mail wurde jeweils unverzüglich der Bestelleingang, der Geldeingang, die Lieferbarkeit des Glases und der Versand („geben wir heute um 15.00 Uhr zur Post“) bestätigt. Innerhalb einer Woche war das Glas da.
Die Nikon Action EX-Gläser ähneln denen der Serie VII in jeder Hinsicht, zeichnen sich jedoch durch ein vertrauenserweckendes Metallgehäuse, Stickstoffüllung sowie in 3 Positionen rastbare Augenmuscheln aus. Dies kommt auch durch das Mehrgewicht von 855 gegenüber 745 gr zum Ausdruck. Das 8x40 Action VII wird übrigens auf der aktuellen Nikon HP nicht mehr geführt. Wer sich also dieses optisch fast ebenbürtige und nur halb so teure Glas sichern will, sollte jetzt zuschlagen.
Das Glas kommt mit einer gepolsterten Corduratasche, einem breiten Gurt sowie Okular- und Frontlinsenabdeckungen. Hier können sich selbst Nobelhersteller eine Scheibe abschneiden. Die Gummierung ist griffig und geruchsfrei (was z.B. bei einem Zeiss Conquest nicht selbstverständlich ist). Das Glas liegt satt in der Hand und ist für meine relativ kleinen Hände fast schon zu klobig. Die Brücke aus Metall ist sehr vertrauenserweckend, die Okulare verbleiben auf Druck in ihrer Position. Die Dioptrieneinstellung erfolgt über ein mit Daumen und Zeigefinger leichtgängig bedienbares geriffeltes Rändelrad am rechten Okular, welches sich im Feld nicht verstellt. Die Walze des Mitteltriebes ist griffig, jedoch schwergängig. Ein Tropfen meines ultimativen Fahrradöls an der richtigen Stelle scheint dem Chinafett Paroli zu bieten; jetzt läuft die Scharfstellung zufrieden stellend leichtgängig. Die kreisrunde Austrittsöffnung zeugt von vernünftiger Dimensionierung und Positionierung der Prismen.
Sind die harten Daten der Action VII und EX-Gläser ansonsten absolut identisch (Sehfeld 143 m, Nahgrenze 5 m), so scheiden sich beim Augenabstand die Geister: 11,9 zu 17,2 mm. Hinzu kommt die wirklich geniale 3-fach-Rastung der halbweichen Augenmuscheln, die für jeden Geschmack den perfekten Einblick ermöglicht. Es ist das erste Glas, bei dem ich mit und ohne Brille einen absolut problemlosen Einblick habe. Die Vergütung schimmert grünlich und verspricht hohes MC-Niveau, lässt aber unter einer hellen Deckenlampe aufgrund der heftigen multiplen Reflexe Schlimmes befürchten. So weist das Glas –direkt neben meine Testlaterne gestellt- in dem der Laterne zugewandten Okular heftigste Reflexe auf. Der Blick auf ein hell erleuchtetes Wohnzimmerfenster gegenüber wird mit vagabundierendem Streulicht und Reflexen quittiert. Tagsüber stört dieses Verhalten naturgemäß wenig, eher fällt eine Empfindlichkeit gegenüber seitlich einfallendem Licht an den Okularen auf. Selbst ohne Brille reicht die kleine seitliche Öffnung zwischen Augenmuschel und Schläfe, um zu Aufhellungen und Kontrastminderung zu führen. Damit hat sich Nikon bei der Vergütung und Streulichtbremsung nicht mit Ruhm bekleckert. Sie liegt etwa auf dem Niveau des Deltrintem (ohne MC). Auf einem Level mit dem Deltrintem befindet sich auch die Schärfe auf der Achse und der Randabfall. Zentral beeindruckt das Glas mit einer wirklich hervorragenden Schärfeleistung, die auf 50% des Weges zum Rand langsam abfällt und ganz am Rand auf Matschniveau absinkt. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass wir über ein reales Sehfeld von 8,2° reden, da hat mein 12x45 Conquest mit hoher Randschärfe bei einem realen Sehfeld von 4,6° gut reden. Tatsächlich fällt der Randabfall tags wie nachts bei weitem nicht so auf, wie man meinen mag. Das Objekt der Begierde wird stets automatisch zentral gestellt, für die Verfolgung eines Vogels im Flug oder das Auffinden eines Objekts am Nachthimmel reicht die schwache Randschärfe allemal.
Das Glas wurde für den Nachthimmel gekauft. Helle Objekte wie Mond und helle Planeten werden keine Freude machen. Das Glas ist aufgrund seiner sehr hohen zentralen Schärfe und der AP von 5 mm für freihändige Milchstraßen-Spaziergänge unter mittelprächtigem deutschen Himmel wie geschaffen. Durch die Zentralfokussierung, das halb so schwere Gewicht, das größere Sehfeld und die für deutsche Standardverhältnisse ideale AP ziehe ich es auch den 7x50 Klassikern japanischer oder neuerdings chinesischer Prvenienz vor.
Wer also ein preiswertes Glas sucht, welches wasserdicht ist und rauhen Beobachtungsnächten mit Taubeschlag trotzt, gut in der Hand liegt, freihändig hervorragend nutzbar und für Brillenträger ideal ist und eine sehr hohe Schärfe auf der Achse bei großem Gesichtsfeld bietet, kann beherzt zuschlagen. Liegt Tagbeobachtung oder der Mond im Vordergrund, würde ich die Finger davon lassen.
carpe noctem
Matthias