Notarem

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hoppla

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Hallo Fernglasfreunde

Ich hätte gerne ein paar Infos über das Carl Zeiss Jena "Notarem 8x32B MC".

Qualität ?

Ist ein Preis von 100.- Euro für Zustand "gut - sehr gut" o.K. ?

schon mal vielen Dank und Grüsse

Peter
 
Hallo Peter,

ich vermute mal, die Notarem Gläser waren in gewisser Weise die Antwort von Zeiss (Ost) auf die schon länger existenten Dialyt Modelle von Zeiss (West). Interessant ist daher auch ein Vergleich von Ost und West. Schaut man sich ältere Dialyt Modelle an (70-er Jahre), so sind die Notarem Ferngläser optisch deutlich besser. Bei Zeiss (Ost) hat man insbesondere in Schärfe und Kontrast investiert, was bei einem direkten Vergleich auch auffällt. Der Vergleich mit den jüngeren Zeiss (West) Dialyt Gläsern geht eindeutig zugunsten von Zeiss (West) aus. Das P* und insbesondere das moderne T* bringt nochmal eine deutliche Verbesserung in Schärfe und Farbwiedergabe. Das Bild in einem Dialyt 8x30 / 10x40 T*P* ist einfach knackiger! Da kommen die älteren Notarem Modelle nicht ganz mit.

Ich bringe den Vergleich von Ost und West daher, weil ein Vergleich der gängigen ebay Preise ganz interessant ist. Teilweise gehen steinalte Zeiss (West) Dialyt Gläser für Preise weg, die deutlich überhöht sind. Wer für ein 70-er Jahre Dialyt 300 oder 400 Euro zahlt, ist wohl selbst schuld. Würde man für den gleichen Preis ein gut erhaltenes Notarem ersteigern, so wäre man besser bedient.

Nun zu den Notarem Gläsern selbst. Die folgenden Einschätzungen beziehen sich direkt auf das 10x40, sie gelten aber in den meisten Punkten genauso für das 8x32. Ich würde die optische Leistung der Notarem's irgendwo zwischen Zeiss (West) der 70-er bis 80-er und Zeiss (West) der 90-er Jahre einstufen. Die Notarem Gläser haben schon eine sehr gute MC Vergütung (wurde bei Zeiss Jena als T3M Vergütung bezeichnet), was ein sehr helles aber nicht ganz farbneutrales Bild zur Folge hat. Die Schärfe ist aus meiner Sicht exzellent, Sterne im zentralen Teil des Bildfelds sind wirklich noch Punkte! Auch die Randschärfe ist recht ordentlich. Die Dialyt Gläser haben noch einen Tick mehr Sehfeld und auch eine minimal bessere Randschärfe. Reflexe und Geisterbilder erkennt man am Mond nur bei sehr genauem Hinsehen, das innere der Ferngläser ist also ordentlich streulichtgebremst und die Vergütung ist recht effektiv.

Etwas problematisch ist die Mechanik, welche sich übrigens grundlegend von den Dialyt Gläsern unterscheidet. Bei letzteren werden mittels Innenfokussierung die Objektive verschoben, bei den Notarem's hat man eine "echte" Innenfokussierung mit feststehenden Objektiven und Okularen. Mit der Zeit kann es bei sehr häufigem Gebrauch vorkommen, daß die Innenfokussierung der Notarem's etwas Spiel bekommt - und zwar sowohl beim Mitteltrieb als auch bei der Dioptrienkorrektur! Da kann es durchaus sein, daß sich Fokussierpunkt am Mitteltrieb und die Differenz zwischen linker und rechter Seite minimal verschieben, wenn ich von nah auf fern und dann umgekehrt von fern auf nah fokussiere. Je nach Gebrauchszustand kann das Spiel der Mechanik bei nahe null oder einer halben Dioptrie liegen. Das ist in der Praxis kein großes Thema, passt nur nicht so ganz zum Namen des Herstellers.

Wenn Du die Möglichkeit hast, das Glas vor dem Kauf zu begutachten, dann tue es. Es gab nämlich (wenn auch sehr selten) regelrechte Montagsgläser - mit schief eingebautem Prismensystem und trotzdem auf Bildmitte exakt justierten Objektiven. Die Gläser waren natürlich nicht für den Export vorgesehen ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Das hatte dann zur Folge, daß die Ferngläser im Randbereich unsymmetrische Bildfehler aufwiesen. Bei gewöhnlicher Nutzung am Tag war davon allerdings nichts zu bemerken, im Zentrum stimmte ja die Justierung.

Zum Preis: wenn das Glas optisch ohne Mängel, ordentlich justiert und ohne grobe Gebrauchsspuren ist, dann sind 100 Euro nahezu geschenkt. Nach meiner Meinung ist das 8x32 (und 10x40) Notarem einem älteren Zeiss Dialyt deutlich überlegen und bis 250 Euro (als Sammler natürlich auch mehr <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />) kann man zuschlagen. In dieser Preiskategorie wirst Du (neu) kaum ein vergleichbares Dachkantglas bekommen.

Und noch eine letzte Bemerkung. Möglicherweise passiert es sehr selten oder nie, aber wenn die Innenfokussierung mal aushakt und streikt, dann wird's teuer. Die Reparatur bei Docter-Optik ist a) sehr teuer und kann b) sehr lange dauern. Man benötigt wohl spezielles Equipment, um die Notarem Gläser zu justieren und die Werkstatt ist dafür nicht ständig eingerichtet. Auf ein 10x40 Notarem mußte ich mal beinahe ein viertel Jahr warten ...

Und zum Schluß noch eine allerletzte Bemerkung <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Das "B" für Brillenträger ist mit Vorsicht zu geniessen. Unter Umständen muß man die Brille regelrecht an die umgestülpten Augenmuscheln drücken, um in den Genuß des vollen Sehfelds zu kommen.

Ist etwas lang geworden, aber vielleicht hilft's ja. Frank.
 
Hallo Frank

Vielen Dank für die Ausführungen. Sie sind keineswegs zu lang, denn das für mich Wichtigste kam am Schluss.

Hier meine Story.

Vorspann:
Heute fand ich zufällig einen Optikladen in einem Aussenquartier. Der Laden ist mit edlen Ferngläsern und Spektiven bestückt und der Besitzer machte einen kompetenten Eindruck. Im Regal stand ein Fernglas „Zeiss Jena“, 100Euro, Superschnäppchen. Kurz reingucken und kaufen.

1. Akt
Zu hause habe ich dann das Prachtstück mit dem Leica gleichen Kalibers verglichen. Ah...! schön....! aber irgend etwas stimmt nicht. Das linke Rohr kriege ich nicht scharf. Ich erinnere mich an ein Eschenbach, bei dem die Rohre nicht ganz parallel waren. Man kann testen wie man will, rechts scharf, links scharf, aber zusammen spielt es nicht.

Ich schreibe meine Frage im Forum.

2. Akt.
Gehe zum Händler und klage ihm mein Leid. Er, schaut rein, fokussiert und sagt: „sehen Sie, alles wunderbar!.. das liegt vielleicht an Ihren Augen „. Ich gucke durch, habe immer noch das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Gebe aber jetzt selber meinem linken Auge die schuld, weil es öfters mal tränt und ich dann wirklich nicht ganz scharf sehen kann.

3. Akt.
Zu hause. Wieder Vergleich mit Leica, selbes Resultat. Nun decke ich das rechte, gute Rohr mit einem Deckel ab, und sie da, die Fokussierung zeigt links keinen Effekt. Am Rad drehen, immer das selbe unscharfe Bild. Fokussiermechanik im Eimer. !

Ich lese deine Antwort und sehe mich bestätigt.

4. Akt
Ich fahre erneut zum Händler und verlange von ihm den selben Test. Er gibt zu, dass da ein Unterschied zwischen rechts und links ist, will es aber als tolerierbar weg diskutieren. Ich werde wütend als er nicht bereit war mir das Geld zurück zu geben.

Mein Hund sieht es gar nicht gerne, wenn ich wütend auf jemanden bin und zeigt seinen Unmut mit unüberhörbarem Knurren, was den Händler dazu bewog, seine Meinung zu ändern.

Nachspann:
Handle nicht, bevor du die Antwort auf deine Frage im Forum gelesen hast !!

Glasklare Grüsse
Peter



 
Hallo Peter,

vielleicht habe ich ein klein wenig untertrieben? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Stimmt, die Innenfokussierung war der Schwachpunkt bei den Zeiss Jena Notarem's. Das kann 20 Jahre gut gehen oder mit dem Fokussieren ist es 2 Stunden nach dem Kauf vorbei. In der Beziehung waren selbst die uralten Dialyt Gläser echt im Vorteil. Die gehen nach 30 Jahren vielleicht etwas schwer, aber sie gehen (in der Regel zumindest) ...

Zum Glück warst Du ja mit Hund einkaufen. Nur habe ich meine Zweifel, ob Du in dem "Laden mit edlen Ferngläsern und Spektiven bestückt" nochmal zum shoppen gehen kannst. Es sei denn, Du kaufst wenigstens ein Swarovski und ein Leica, dann wird der Händler vielleicht seinen Frust vergessen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />.

Frank.
 
Hi Frank

Ob du's glaubs oder nicht...... Ich habe mich schon gefragt, wann ich da wieder hin gehen kann !?

Der Junge hat ja so viele schöne alte Gläser. Da läuft mir schon wieder das Wasse im Munde zusammen.

Gruss
Peter
 
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