OAZ ausrichten

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klausj

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Moin zusammen,
nach ein paar Verbesserungen an meinem Newton (Tubus verstärkt und mit Velours ausgekleidet, Fangspiegelkanten geschwärzt, neuer OAZ – Octo60) bin ich gerade dabei, mich in mehreren Durchgängen an eine gute Kollimation heranzuarbeiten. In dem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass in den gängigen Anleitungen dazu oft empfohlen wird, den OAZ vorher auszurichten.
Dafür wiederum habe ich nicht so viele Anleitungen gefunden. Meist wird empfohlen, den rechten Winkel vom Tubus zum OAZ auszumessen oder auf der gegenüberliegenden Tubuswand die mittige OAZ-Achse auszumessen und zu markieren und mittels Laser dann die Ausrichtung zu prüfen. Beide Verfahren sind aus meiner Sicht aber nicht gerade optimal, weil:
- sie nicht besonders fehlersicher sind (z.B. rechter Winkel auf einem irgendwie runden Tubus über die OAZ-Basis hinweg)
- Bezugsbasis immer der Tubus ist. Der ist aber doch für das optische System eher irrelevant. Gerade bei den billigen Blechtuben wird der nie ideal rund sein und muss es ja auch nicht. Theoretisch könnte der Tubus ja auch total verbeult sein, solange nix in den Strahlengang ragt und die optischen Achsen zueinander ausgerichtet sind.

Würde sich folgende Variante nicht genauso gut oder besser für die OAZ-Ausrichtung eignen?
- Fangspiegel so einstellen, dass er im Concenter exakt mittig und rund ist
- dann den gesamten OAZ-Weg durchfahren, wenn der Fangspiegel exakt mittig bleibt, ist der OAZ auch korrekt zur optischen Achse ausgerichtet

Liege ich richtig oder habe ich da einen Denkfehler?
 
Hallo,
da bleibt die Frage inwiefern sich da eine Veränderung bemerkbar macht. So aus dem rechten Winkel ist der OAZ wohl generell nicht verstellt. Was bleibt ist lediglich eine Feineinstellung. Da denke ich lässt sich eine Abweichung nur minimalst feststellen. Theoretisch ist das Ausmessen der Achse genauer, der (verbeulte) Blechtubus verfälscht das Ergebnis leider wieder.
Da kommt mir aber auch grad eine Idee:
ist die Achse OAZ gleich Achse Mittelschraube Fangspiegelhalter? Wenn man hier den Laser auf eine verlängerte Schraube treffen lässt.....
Oder hab ich da einen Denkfehler?

Grüße, Jochen
 
Hallo Ulf,
die Idee ist nicht schlecht, ich bin mir nur nicht sicher, ob man bei dem rel. kurzen Verstellweg das wirklich eine Änderung im Concenter bemerkt.

Ich habe es bisher immer mit einem Bandmaß um den Tubus und dem Abstand von der vorderen Kante gemacht, an der passenden Stelle ggü des OAZ eine kleine Markierung geklebt und es war ausreichend genau.
 
Hallo Jochen und Ralf,

ich habe meine Idee gestern mal ausprobiert und bei optimistischer Betrachtungsweise könnte man sagen, dass mein OAZ perfekt ausgerichtet ist.
Realistisch gesehen lässt sich aber mit der Methode wohl nur eine starke Fehlausrichtung feststellen:
- Wie ihr schon richtig bemerkt habt, ist der Verstellweg des OAZ dafür zu gering.
- Zudem sitzt die Concenter-Scheibe weit vor der Fokusebene. D.h. eine minimale (nicht oder kaum wahrnehmbare) Abweichung im Concenter, kann auf der Fokusebene schon recht heftig werden.
- Dann habe ich da noch mein persönliches Concenter-Problem: Ohne Brille sehe ich die Ringe nicht richtig scharf und mit Brille bin ich etwas weiter vom Einblickloch entfernt und kann so einen kleinen Parallaxe-Fehler produzieren.

Da der neue OAZ die selben Löcher nutzt wie der alte, habe ich unter der Annahme der korrekten OAZ-Ausrichtung den Newton wieder mal kollimiert. Das Ergebnis ist zumindest so gut, dass ich feststellen konnte, dass der Abstand des Korrektors nicht stimmt. Da habe ich mich doch glatt um 5mm verrechnet. Fokussierter Stern auf Achse sieht eigentlich ganz gut aus, allerdings habe ich eine leicht asymmetrische Vignette. Mal sehen, ob ich die wegbekomme.
Zum Glück haben wir weiße Nächte.
 
So, dass hat mir doch keine Ruhe gelassen und ich habe den Fangspiegel noch mal rausgerissen.
Mit der Bandmaß-Methode ist im Rahmen der Messunsicherheit (ich schätze mal 1-2mm) alles in Ordnung.
Zur Überprüfung habe ich dann den OAZ-Weg mit dem Laser drinne komplett durchgefahren. Der Laserpunkt auf der gegenüberliegenden Tubuswand stand wie festgenagelt. Nicht das kleinste Zucken. Auch das dürfte ja ein deutliches Zeichen für eine korrekte Ausrichtung des OAZ sein.
 
Hi Ulf,
wenn der Laserpunkt bei der Verstellung des OAZ wandern sollte, so leidet Dein OAZ unter Verkippung des OAZ-Rohres beim verstellen.
Das ist auch Mist, sagt aber noch nichts über die generelle Ausrichtung der OAZ-Achse zur optischen Achse des Tubus aus.
 
Hallo Ralf,
stimmt, Denkfehler von mir.
Wenn der OAZ zum Tubus verkippt wäre, dann fährt bei diesen Test der Laser auf der verkippten Achse nur vor und zurück, d.h. am Laserpunkt würde sich nix ändern.
Ok, dann sehe ich es als Test für die Verkippungsfreiheit des OAZ-Rohres.
 
Hallo zusammen,

zum Tubus kann der OAZ durchaus in Maßen schief stehen, die OAZ-Achse muss jedoch die Tubus-Achse schneiden. So ist ein Lowrider-Dobson gebaut und funktioniert.
 
hallo,

genau genommen soll bei der Justage die Achse des OAZ-Fokussierrohres mit der opt.Achse des HS in Übereinstimmung gebracht werden, wie sie vom FS "umgeleitet" wird. Das ist der Grund warum es nicht nötig ist den OAZ penibel genau auf Tubusachse auszurichten. Man kann sogar den Tubus ganz weglassen, der Newton funktioniert noch immer, und dann gibts gar keine Tubusachse :o

Der FS sollte zentrisch hinter dem OAZ-Fokussierohr sitzen damit die Ausleuchtung optimal ist - dafür ist der Laser aber blind, er trifft nur eine Stelle. Ein Cheshire oder Concenter ist dafür besser geeignet.

Dass der OAZ genau auf den gegenüberliegenden Punkt am Tubus ausgerichtet werden muss, ist genauso ein sinnloser Mythos wie die Dosenlibelle am Tripod einer äquatorialen Monti. Da gehts drum dass die RA Achse auf den Pol zeigt, das Tripod darunter kann komplett schräg in der Landschaft stehen.

lg Tommy

 
Hallo Tommy,
Der FS sollte zentrisch hinter dem OAZ-Fokussierohr sitzen damit die Ausleuchtung optimal ist - dafür ist der Laser aber blind, er trifft nur eine Stelle.
Richtig.
Allerdings kann man diese Stelle auf den FS markieren.
Sinnvollerweise 1mm unterhalb :smiley47:
Die Toleranzen sind eher lose. Muss man normalerweise nur ein einziges mal einrichten.

Die genaue Stelle liegt bei Offset * 1,4142 oberhalb der geometrischen Mitte des FS.

Ansonsten volle Zustimmung. Wie der Tubus liegt ist ziemlich egal, solange er nicht quer steht und vignetiert :smiley64:

Viele Grüße
Kai
 
Hallo Kai,

>Sie muss die optische Achse des HS schneiden<

so ists korrekt, d'accord.
 
Hallo Freunde,

zum sinnlosen Mythos möchte ich die Sache mit der Ausrichtung des OAZ zur Tubusachse nicht erklären.
Ihr tut den Leuten und dem Newton damit KEINEN Gefallen.
Wer sich mit größeren Teleskopen beschäftigt, mit Gitterrohrtuben, Lowridern pp, der mag das so sehen, hier geht es aber in den allermeisten Fällen um 4,5" bis irgendwas um 10/12" Öffnung und Volltuben.

1. sind heute gängige Tuben durch die Bank zu eng und spätestens mit einer sinnvollen Taukappe drauf auch sichtbar vignettierungsgefährdet. Hier macht die Einhaltung der Tubusachse sehr wohl Sinn.
2. sind gängige Justierhilfen und der Anblick den man damit während der Justage und bis dann die Justage passt, sehr abhängig davon.
3. ist die Einhaltung der Tubusachse für die Abbildungsleistung eines "normalen" Newtons völlig unschädlich. Das rumgeeiere von Einsteigern, die Justage erst mal sinnerfassend angehen und hinbekommen müssen, mit schiefen Achsen, schiefen Lasern, schiefen Anleitungen, hingegen ist sehr schädlich, was auch immer wieder auf Rundgängen bei Teleskoptreffen leicht festgestellt werden kann.

Ihr wisst schon, dass schlampige Justage eine der Hauptursachen für schlechte Abbildungsleistung ist (meiner Meinung nach sogar DIE Ursache), gerade wenn man mit einem Newton auch mal in Richtung Planeten/Mond in Hoch- und Höchstvergrößerung schaut?

Gruß
*entfernt*

 
hallo Günther,

gebe dir im Prinzip ja völlig recht, der Mythos besteht aber darin dass es zu einem "MUSS" erklärt wird, das ist es per se nicht.

Der Hauptteil einer leicht nicht-orthogonalen Ausrichtung wird von der Justage des FS aufgefangen und beeinflusst die Justage des HS nur recht wenig. Der FS müsste schon tüchtig 1-2cm aus der Tubusachse wegbewegt werden damit eine merkliche Vignette entsteht auch bei engem Tubus. Was anderes ist da dagegen aber sehr empfindlich.

liebe Einsteiger, bitte NICHT lesen, das verwirrt wahrscheinlich:
"Tubusachse" ist der falsche Ausdruck, wenn man den gegenüberliegenden Punkt am Tubus meint. Die Tubusachse ist ja die Längsachse durch den Tubus. Schön wenn sie mit der opt.Achse des Parabolspiegels zusammenfällt, schadet gar nicht, wenn es denn möglich ist. Denn: Da der offset bei vielen Newtons entweder überhaupt nicht (notorisch: GSO) oder nicht genau eingehalten wird, muss bei der korrekten Justage der HS gegen gekippt werden, um den FS korrekt zentrisch unterm OAZ-Rohr im Strahlengang zu haben (HS-Klemmen tauchen gleichmässig im FS auf, wenn man sich auf der Achse vorsichtig nähert und ohne Okular reinguckt). Hier DARF die Tubusachse nicht mit der optischen Achse übereinstimmen, der Newton bekommt automatisch "Schrägeinblick". Einfach von vorne aus 2-3m Distanz in den Tubus gucken, die echten Spinnenbeine mit ihren Reflektionen im HS in Übereinstimmung bringen (= man ist auf der optischen Achse), und schauen ob der HS durch die Spinnenbeine in 4 gleiche Teile geteilt wird. Oje, schlimmer Test! Das stimmt nur bei korrekter Justage, wenn der offset des FS richtig getroffen wurde.

lg Tommy
PS: Bisserl pedantisch heute... "Sie muss die optische Achse des HS schneiden"... "schneiden" ist zuwenig, die OAZ-Achse muss mit der opt.Achse in Übereinstimmung gebracht werden, nicht nur in 1 Punkt schneiden.
 
Hallo Tommy.

Zitat von tommy_nawratil:
ein sinnloser Mythos wie die Dosenlibelle am Tripod einer äquatorialen Monti. Da gehts drum dass die RA Achse auf den Pol zeigt, das Tripod darunter kann komplett schräg in der Landschaft stehen.
Allerdings muß man die Achse auf den Pol ausrichten. Das geht schneller, wenn man die Montierung zumindest in Höhe kaum noch einstellen muß. Bei Verwendung eines Polsuchers kann man dann Polaris dadurch in dessen Blickfeld bringen, indem man die Montierung in Azimut dreht.

Grüße

fquadrat
 
hallo f^2,

ja das ist ein überaus schlauer Hinweis den ich mir merken werde, vielen Dank!

Hätte ich damals am ITT den Grips dafür gehabt, dann hätt ich mich nicht blamiert weil ich Polaris unter den vielen Sternen nicht gleich gefunden habe, während Markus Ludes himself hinter mir stund und wartete und ich ihm den Esprit100 zeigen wollte. "Mensch, was hast du denn, da isser doch" hat er gesagt und nach oben gezeigt auf die 1000 Sterne.

Ändert aber nichts daran, dass es kein MUSS ist. Da kommen viele Leute zu mir in den Shop und sagen, das MUSS man doch zuerst mit der Libelle auf eine Ebene bringen. Da gehört doch das Verständnis gefördert! Genauso wie beim Newton.

lg Tommy
 
Hi!

Zitat von tommy_nawratil:
ja das ist ein überaus schlauer Hinweis den ich mir merken werde, vielen Dank!
Bitte, gern geschehen. Man kann sich wirklich nen Wolf suchen, wenn man mit der Polachse soweit daneben liegt, daß man einen anderen Stern für Polaris hält. Ist mir mal mit dem Polsucher einer kleinen Reisemontierung passiert. Das Zenitprisma (nicht Amici!) war beim Vergleich mit einer Karte nicht wirklich hilfreich ...

Ändert aber nichts daran, dass es kein MUSS ist.
Jepp! Das heißt auch, daß man auch zum leichteren Einstellen von Polaris die Montierung nicht akribisch in die Waage stellen muß. "Paßt ungefähr" ist ausreichend, damit man den Polarstern erwischt.

Grüße

fquadrat
 
Hi!

Zitat von Ifrit:
Werner

... der visuell die Kombination Dosenlibelle+Kompass nutzt und keinen Polsucher braucht.
Mit dem Polsucher kann man die Montierung so genau ausrichten, daß man auch eine längere Pause machen kann, ohne ein Objekt aus dem Gesichtsfeld zu verlieren. Ist bei der Kombination von "sehr schwer zu finden" und "lange Pause unbedingt nötig" sehr angenehm.

Ein Kompaß hilft mir besonders dann, wenn tagsüber aufgebaut wird. Man kann dann sogar mit einer Planetariumsapp im Tablet arbeiten, um die Position von UMa und Cas zu bestimmen und die Polachse mit dem Polsucher in die passende Stellung zu bringen. Schon kurz nach Anfang der Abenddämmerung sieht man Polaris im Polsucher und kann ihn in den passenden Kreis stellen, ohne auf das Sichtbarwerden der Sternbilder warten zu müssen.

Grüße

fquadrat
 
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