Pech, Pech und nochmals Pech, weil´s festsitzt

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Clavius

Aktives Mitglied
Moin liebe Experten,

ich wollt ich wär auch ein Spiegelschleifexperte, dann wär mir folgendes nämlich nicht passiert:

Gestern habe ich die Bahnen zwischen dem Pech auf meinem Gipstool mit Lack isoliert. Als er so gut wie trocken war, habe ich auf das tool probehalber mal den anpolierten Bullaugenglasspiegel draufgelegt. Paßte sehr schön. Nun hatte ich mir in meiner ach so großen Intelligenz überlegt, wenn ich das Glas über Nacht oben liegen lasse, paßt sich die Pechhaut durch das Eigengewicht des Glases (10", 18 mm dick) zusätzlich an.

Das hat sie nun auch. So gut, daß die beiden unzertrennlich geworden sind. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />

Ist wirklich einer wundervoller Beginn, gleich früh morgens eine solch schöne Überraschung... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smirk.gif" alt="" />

Ihr glaubt es nicht, welche Frage ich jetzt stelle!

Ich möchte nun nichts falsch machen: Daher frage ich Euch:

Wie krieg´ ich die zwei wieder auseinander?

Ich habe schon diverse Montierungen gebaut, Murphy´s Gesichter bei der Astrofotografie erlebt. Aber in so kurzer Zeit auf einer Gefühlsachterbahn zu fahren, ist doch eine neue Erfahrung...

Weiß jemand Rat?

Danke und Gruß aus dem trüben Hamburg und
 
Hi Clavius,


zunaechst einmal: Don't Panic. Besonnenheit und Geduld fuehrt auch hier zum Ziel. Amen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Also, meine Erfahrungen mit Trennungserlebnissen dieser Art sind folgende:


- Stelle das Dublett aus Tool und Spiegel hochkant auf eine gepolsterte, aber nicht zu weiche Unterlage. Dies kann ein auf dem Teppich ausgebreitetes Frotteehandtuch sein. Nun setzte das Tool seitlich auf (also nicht wirklich hochkant sondern um vielleicht 10-20 Grad geneigt) und druecke auf den Spiegel. Bewegt sich nichts, versuche es mit Waessern (z.B. in einer vollen Spuele) und danach nochmal.

- Wasserbaeder ueber Nacht haben schon Wunder gewirkt.

- Wenn Tool und Spiegel verschiedene Durchmesser haben, kannst Du ein Warmwasserbad machen und die groessere Scheibe mit seitlichen Holzstuecken dergestalt aufbocken, dass die kleinere Scheibe darunter haengt. Mit dieser Technik habe ich meinen aeussers therapieresistenten 18" mit festgebackenem 9"-Tool getrennt bekommen, innerhalb von 5 min machte es blubb in der Badewanne und ich war diese Sorge los.


Uebrigens - seit meinem letztbeschriebenen GAU verwende ich neben Glycerin als Trennmittel zusaetzlich diese duenne durchsichtige Haushaltsfolie, die es auf Rollen gibt. Beides zusammen (nicht nur die Folie !) habe ich nun seit etlichen Wochen mit dem Tool auf dem Spiegel liegen (komme derzeit nicht zum Schleifen) und was macht die obere Scheibe ? Galilei wuerde sagen: Und sie bewegt sich doch ...




Viel Erfolg und

 
Hallo Jürgen,

erstmal vielen Dank für deine Antwort!

mit seitlichen Holzstuecken dergestalt aufbocken, dass die kleinere Scheibe darunter haengt.

Daran habe ich auch schon gedacht. Beide Durchmesser sind bei mir zwar gleich, aber der Spalt zwischen ihnen dürfte für eine "Art Aufhängung" ausreichend sein (hoffentlich). Durch das Eigengewicht des tools könnte sich das Festkleben wieder ins Abfallen umkehren.

Naja, ich schleife das erstemal einen Spiegel. Aber das zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang wohl eine Art Tautologie... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />

Gruß und
 
Hallo Ralf,

deine Erfahrung dürfte so ziemlich jeder Spiegelschleifer einmal gemacht haben, so etwas ist also normal <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Wenn die Teile heftiger verbacken sind, hilft meist nur Kraft UND Zeit. Lagere den Spiegel so wie von Jürgen beschrieben und versuche gleichzeitig, auf das Tool permanent Kraft auszuüben. Wenn die Gewichtskraft nicht ausreicht, dann das Tool auf der Kante beschweren, ich hatte dies z.B. mit zwei Gegengewichten, mittels Drahtschleife verbunden gemacht. Die Fuge zwischen Tool und Spiegel habe ich immer wieder mit Spüliwasser angefeuchtet, nach und nach kriecht die Flüssigkeit in die Fuge. Wenn das Tool sich die ersten 2mm bewegt hat, hast Du so gut wie gewonnen. Das kann u.U. auch mal viele Minuten bis wenige Stunden dauern.

Viel Erfolg!

Achim
 
Hallo Clavius,

wenn dir die Annäherungsversuche Deinr Pechschale an das gute Glas zu häftig geworden sind jag den beiden doch mal einen häftigen Schrecken ein.
Besonders unangenehm werden die beiden einen schnellen Wechsel von heiß und kalt empfinden. Dazu beide eine Weile in keltem Wasser lagern (so kalt wie's eben aus der Leitung kommt). Wenn alles schön temperiert ist läßt Du das Glas mit keißem Wasser (so daß du Dir noch nicht die Finger verbrennst) überströmen. Achte darauf daß das heiße Wasser möglichst auf die Spiegelmitte strömt und dann gleichmäßig über das ganze Glas verteilt wird. Auf die Pechschale sollte möglichst kein Wasser kommen. Alles weitere wird, mit ein bißchen Glück, die Wärmeausdehnung für Dich erledigen.

Viel Erfolg,
Raphael
 
Hallo Achim, hallo Raphael,

danke euch beiden! Ich werde mir heute einen schönen Abend machen und etwas für meine Muskulatur tun, <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Ich habe es grade schon mal zumindest mit kaltem Wasser in der Spüle versucht. So, daß das Tool grade nicht naß wird, wohl aber das Pech.

Ich glaube da bewegt sich was. Schneckenhaft, aber doch.

Werde berichten. Wenn´s nicht klappt, schicke ich den Spiegel in die USA. Nach Kalifornien. Zu Arnold. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Gruß und
 
Hallo.. wenn du das nächste mal den Spiegel über Nacht draufläßt .. Im Baumarkt gibt es blaues Kunstoffgitter auf Rollen man nimmt es beim Gipsen damit der Putz nicht reißt. Davon ein Stück dazwischen legen und alles schön mit Spüli einseifen, am nächsten Tag hast du ein schönes Muster in deiner Pechhaut und der Spiegel läßt sich mit etwas Kraft seitlich abziehen . Aber vor dem Aufeinanderlegen und dem Spüli, alles schön mit Wasser reinigen damit es keine Kratzer gibt .
 
Clavius schrieb:

>Gestern habe ich die Bahnen zwischen dem Pech auf meinem
>Gipstool mit Lack isoliert. Als er so gut wie trocken war,
>habe ich auf das tool probehalber mal den anpolierten
>Bullaugenglasspiegel draufgelegt. Paßte sehr schön. Nun
>hatte ich mir in meiner ach so großen Intelligenz überlegt,
>wenn ich das Glas über Nacht oben liegen lasse, paßt sich
>die Pechhaut durch das Eigengewicht des Glases (10", 18 mm
>dick) zusätzlich an.

Hattest Du kein Poliermittel benutzt und den Spiegel mit
konz. Seifenwasser eingerieben, wie es Rohr und Kurt Wenske
empfehlen?

Vielleicht reicht es, vorsichtig am Tool senkrecht
zu ziehen oder beides stark zu kühlen oder die anderen
Vorschläge zu probieren. Erwärmen würde ich aber
erst als letztes Mittel. Sonst ergeht es Dir möglicherweise
wie mir damals.

>Das hat sie nun auch. So gut, daß die beiden unzertrennlich
>geworden sind.

Mir ist das vor Jahren mal trotz aller Vorsichtsmassnahmen
beim Anpassen des Pechtools passiert. Ich hatte damals
das Pech zu sehr mit warmer Luft erwärmt. Daraufhin war
es so weich, dass das Glas festklebte.
Letztlich blieb mir damals nichts anderes übrig, als in einem Topf mit 50-60°C heissem Wasser beides auseinanderzuziehen und eine neue Pechhaut herzustellen.
 
Vorsicht mit Pech! - krebserzeugende Bestandteile

Clavius schrieb:

>Ich habe es grade schon mal zumindest mit kaltem Wasser in
>der Spüle versucht. So, daß das Tool grade nicht naß wird,
>wohl aber das Pech.

Noch eine Anmerkung dazu:
Optisches Pech galt früher in Publikationen über krebserzeugende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK/PAH) als besonders reich an stark krebserzeugendem Benzo[a]pyren, der typischen Leitsubstanz der krebserzeugenden PAHs mit sogenannter Bay-Region.

Sofern Du PAH-haltiges Pech benutzt, was durchaus nicht
unwahrscheinlich ist (diese sind in allen Teerarten und
Pyrolyseprodukten bis zur verbrannten Bratwurst zu finden; rein rechtlich ist daher eine Abgabe von "Teer" und "Pech"
an Privatpersonen nach § 1 der Chemikalien-Verbotsverordnung in Verbindung mit Abschnitt 20
des Anhangs aus Verbraucherschutzgründen eigentlich sogar verboten.), sollte man damit nicht gerade in der Spüle arbeiten und jeden Hautkontakt usw. soweit wie möglich vermeiden
(Handschuhe, Hautkontakt vermeiden, Pech sofort mit Lackentferner ohne starkes Reiben entfernen).

Auf der Haut von Versuchsmäusen erzeugt Benzo[a]pyren
innerhalb relativ kurzer Zeit Hautkrebs und zählt zu
den gefährlichsten krebserzeugenden Stoffen.

Dagegen ist alles, wovor uns die Medien als vermeintlich
hochgiftigen, krebserzeugenden Stoffen ständig warnen, im
Vergleich regelrecht harmlos und unbedenklich.

Auch wenn PAH-haltige Steinkohlenteeröl-Bäder und Salben
noch zu medizinischen Zwecken verwendet werden
(neuerdings wurden sie aus obigem Grund verschreibungspflichtig gemacht) und wir auch im
Alltag vom Strassenteer bis zu altem Parkettkleber damit
umgeben sind, sollte man im eigenen Interesse mit potentiell PAH-haltigen Produkten entsprechend vorsichtig sein.
 
Wenn´s nicht klappt, schicke ich den Spiegel in die USA. Nach Kalifornien. Zu Arnold.

Oh je!
Ich hab gerade Terminator 3 gesehen! Da hätte ich aber Angst um den Spiegel! Aber Du kannst eine Schraubzwinge nehmen und mit zwei Holzklötzen unterlegen. Damit baust Du eine Scherkraft zwischen Tool und Spiegel auf, du merkst dann schon wenn die Kraft nachlässt, dann fängt alles schon an zu rutschen. Das fängt erst ganz langsam an und wird dann immer schneller. Hoffentlich! sonst Arnold!
Grüße Martin
 
Guten Morgen allerseits!

Was soll ich sagen? Der Spiegel ist ab. Ich hatte den Spiegel senkrecht gestellt und über Stunden(!) haben sich tool und Glas zueinander um ca. sagenhafte 6 mm bewegt.

Zwischenzeitlich lagen die beiden im Wasserbad und dann habe ich immer wieder unter Aufbietung aller meiner bescheidenen Kräfte versucht, eine Beschleunigung des Verfahrens zu erzielen. Nichts. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/mad.gif" alt="" />

Nachdem ich dann schon das Paket für Arni schnüren wollte, griff ich zu einem flachen Holzschaber, den ich sonst in der Küche beim Kochen verwende. Zufällig passte die Fläche genau in die Lücke zwischen tool und Glas. Mit der flachen Hand habe ich dann ein wenig auf den Stiel geklopft. Sofort löste sich der Spiegel!

Aber das Pech konnte sich nicht entscheiden, bei welchem Partner es bleiben wollte. So klebte es nun an beiden.

Mir bleib nun nichts anderes übrig, als vorsichtig mit einem kleinen Holzkeil alles abzuschlagen. Das habe ich im Schuppen gemacht und das war gut so. Kaltes Pech splittert in große und feinste Teile, die überall umherfliegen.

Die Pechreste vom Glas habe ich mit Reinigungsbenzin vollständig entfernt.

Nun werde ich auf das alte tool eine neue Pechhaut gießen, wie schön...

Nun denn, auf ein neues! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />

Gruß und
 
Re: Vorsicht mit Pech! - krebserzeugende Bestandteile

Moin,

ja Pech ist eigentlich ein widerliches Zeug. Mein Pech stammt von Pieplow & Brandt, soweit ich weiß.

Nun arbeite ich zum Glück nicht täglich mit der Substanz. Mir fallen aber in diesem Zusammenhang die Straßenbauarbeiter ein, die täglich irgendwo Teer oder Bitumen gießen müssen...

Gruß und
 
Hallo,
Ok, wenn dabei nur das Pech kaput gegangen ist, dann ist das alles nicht tragisch. Hauptsache dem Spiegel ist nichts passiert. Bei den Ablöseaktionen gibts leider immer wieder abgebrochene Spiegelkanten und Kratzer. Also auf ein neues.
Grüße Martin
 
Hallo Martin,

vor Beschädigungen am Glas hatte ich auch Schiß. Ist aber glücklicherweise nichts passiert.

Dir auch noch frohes Schaffen!

Gruß und
 
Re: Vorsicht mit Pech! - krebserzeugende Bestandte

Clavius schrieb:

>ja Pech ist eigentlich ein widerliches Zeug. Mein Pech
>stammt von Pieplow & Brandt, soweit ich weiß.

Meines stammte von der Gugolz AG und enthält mit
Sicherheit geringe PAH-Spuren. Wenn ich Zeit habe,
werde ich eine Probe evtl. mal daraufhin untersuchen.

>Nun arbeite ich zum Glück nicht täglich mit der Substanz.
>Mir fallen aber in diesem Zusammenhang die
>Straßenbauarbeiter ein, die täglich irgendwo Teer oder
>Bitumen gießen müssen...

Die sind natürlich wie Schornsteinfeger besonders gefährdet.
Für die gelten übrigens besondere Vorschriften.

Allgemein gilt die TRGS 551
auch in der optischen Industrie. Darin werden
Verwendungsverbote, Hygienevorschriften usw. festgelegt.

Mal ganz davon abgesehen ist es schon ratsam, mit Pech
etwas vorsichtig zu sein, selbst wenn man wie wir
damit nicht täglich zu tun hat.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben