HansR
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Hallo Allerseits !
Mein Pentax PCF 7x50 Porro
Bild vom Pentax 7x50
Nachdem nun in letzter Zeit einige Diskussionen über 7x50 Ferngläser (speziell dem 7x50 Myiauchi Binon und kürzlich der Christof mit seinem Docter Navigator 7x50) am Board waren - hiemit möchte ich über mein "Schnäppchen" berichten Pentax PCF 7x50 Porro ersteigert auf eBay.
Einleitend sei noch zu erwähnen, dass Holger Merlitz im privaten Schriftverkehr zwar schon einmal gemeint hat, ich möge einen Testbericht schreiben, aber in aller Bescheidenheit habe ich einst davon Abstand genommen. Im Vergleich zu seiner tollen Sammlung an vorwiegend aus dem Militärbereich stammenden echten Klassikern ist mein Pentax PCF 7x50 ein eher unscheinbares Produkt.
Natürlich auch im Vergleich zu einem Zeiss, Docter oder Leica bzw. Swarovski Porroglas. Diese Ferngläser zähle ICH zu echten Klassikern.
Aber nun zu meinem Bericht:
Erstanden auf eBay um 89,--Euro - und meiner Linie treu bleibend - nie mehr als 100,- Euro auf eBay für ein Fernglas zu spendieren, habe ich meines Erachtens einen Glücksgriff gemacht (was auf eBay nicht immer der Fall sein muss).
Es handelt sich um das alte Pentax PCF 7x50, offenbar die erste Inkarnation der moderneren, Kunststoff bzw. gummierten Porro-Ferngläser von Pentax. Die neuesten Typen dieser Serie heißen PCF V bzw. PCF WP (wasserdicht). Meine Recherchen haben ergeben, dass es kein PCF II gab, sondern danach erst das PCF III, welches Pentax erstmals mit sogenannten High Eyepoint Okularen versehen hat, Brillenträgerokularen, mit ca. 20mm Pupillenabstand.
Das hat nun den Effekt, dass damit zwar die Austrittspupille ca. 20mm hinter der Augenlinse liegt, das tatsächliche Gesichtsfeld (TG) allerdings nur ca. 6,2° beträgt. Somit liegt das scheinbare Gesichtsfeld (SG) bei diesen moderneren (auch PCF V) bei nur etwas mehr als 42 Grad. Das PCF WP bietet etwas mehr TG (6,4°). Meines Erachtens allerdings zuwenig für die Astronomie. Nicht so bei meinem alten PCF. Da sind TG 7,1° und SG fast 50°. Zwar auch nicht üppig, aber immerhin in der Umgebung eines Plössls. Der Abstand der Austrittspupille ist - nachgemessen mit einer Messlupe bei ca. 9mm. Nicht gerade viel, Brillenträger müssen wohl die Brille abnehmen (ich verwende übrigens eine Lesebrille).
Im Vergleich zum PCF stellt sich das TG bei der 7xXX Konkurrenz wie folgt dar:
Fujinon 7x50 Mariner - 7,5°
Fujinon FMTR-SX - 7,5°
Leica Trinovid 7x42 - 8°
Optolyth 7x42 - 6,2°
Zeiss/Jena (mehrere Serien/Varianten) 7x50 - 7,3°
Swarovski Habicht 7x42 W - 7,3°
Pentax 7x50 PCF V - 6,2°
Diverse "No Names" liegen bei rund 6,4°, diverse Markengläser bei rund 7°, alte Russen um ca. 7°
Somit befindet sich das alte Pentax PCF was das Gesichtsfeld betrifft in der guten Mittelklasse.
Verarbeitung:
Zur Verarbeitung - und einleitend möchte ich erwähnen - ich besitze noch ein Docter 10x50 Classic (mein erklärtes Lieblingsglas), sowie ein altes, selbst umgebautes Hertel&Reuss, (beide beledert).
Das Gehäuse ist zum Großteil aus Polymer-Kunststoff. Zuerst einmal erscheint dies als Nachteil, ist aber dasselbe Material wie sie die neuen Pentax PCF V und WP besitzen. Gewicht ca. 920g. Sympathisch in der Hand liegend und griffig. Laut Hersteller ist es spritzwassergeschützt, nicht nitrogengefüllt, hat einen sauber laufenden Mitteltrieb und eine Dioptereinstellung am rechten Okular, wie auch beim Docter, indem man das Okular mittels Feingewinde in der Lage zum Objektiv verdreht. Die Fokussierwalze läuft satt und feinfühlig, ist aber etwas klein geraten und aus Kunststoff. Das Spielzeug "Click-Stop", wie es die neuen Pentax PCF´e ab dem PCFIII (Diopter am Mitteltrieb mit Arretierung) besitzen, hat es gottseidank noch nicht. Meines Erachtens ein Vorteil. Jedoch kein Vergleich zum Docter, bei dem ist die Feinmechanik einfach cool ! Beim Docter ist der Mitteltrieb mit einem griffigen, ausreichend dimensioniertem feingängigen Rad ausgestattet. Aber trotzdem - auch der Pentax läuft spielfrei - und Detail am Rand - vorne an der Knickbrücke befindet sich eine 1/4" Kunsstoffblindschraube, wenn man selbige abschraubt erreicht man ein entsprechendes Standardgewinde, womit man die Möglichkeit hat, das Fernglas auf einer handelsüblichen Stativhalterung festzuschrauben. Ein nettes Detail. Die Brücke selbst und einige Rahmenteile sind aus mit Kunststoff verkleidetem Metall. Speziell die Objektivtuben sind aus reinem Kunststoff. Das ist für mich nicht unbedingt ein Nachteil – selbst moderne Hochpreisferngläser sind aus diesem Material. So vermute ich, dass selbst Leica und Swarovskigläser ebenso aus Kunsstoff sind, wie die von Zeiss. Letztlich liegt das Glas gut in der Hand, schön ausgewogen, angenehm. Ähnlich gut wie der Docter/Zeiss 10x50 - Klassiker. Dazu gehört noch ein guter Trevira Umhängeriemen mit Mittenverbreiterung und eine billig wirkende Kunstledertasche.
Insgesamt hinterlässt die Mechanik/Verarbeitung einen guten Gesamteindruck. Einziges Manko: die originalen Gummiaugenmuscheln sind zwar umstülpbar aber sehr hart. Mit den Originalen hatte ich Probleme, das gesamte Gesichtsfeld zu überblicken. Wenn man dann versuchte, richtig an die Austrittspupille heranzukommen, musste man das Glas fest an die Augen drücken, das schmerzte richtig in den Augenhöhlen. Ich habe sie daher kurzerhand abgeschnitten, und durch die weichen Okularmuscheln meines TeleVue 15mm Panoptik, sowie meines 40mm TeleVue Plössls ersetzt. Den Okularen habe ich vom Wolfi Ransburg ein 42mm "Winged Eyecup" verpasst, ohnehin eine Verbesserung, weil beim Panoptik komme ich so näher an die Augenlinse heran um die 68° Gesichtsfeld zu überblicken, und das 42mm Plössl hat einen so großen Augenabstand, dass die ausgeklappte Streulichtblende der neuen Augenmuscheln behilflich ist, das Auge leichter zu zentrieren.
Noch ein Punkt zur Mechanik - wenn man von vorne durch die Objektivlinsen guckt, sieht man keine Justierschrauben der Prismenhalterungen, wie es beim Docter der Fall ist, lediglich eine Art "Clipse“, dafür hat es aber drei Streulichtblenden, die in eine schöne, kreisrunde Okularöffnung am Ende erkennen lassen. Am Gehäuse prangt der Aufdruck - "Made in Japan". Das neuere PCF III 10x50 (auch ein gutes Glas) meines Schwagers ist "Made in China". Man kann übrigens die Objektivtuben abschrauben, dann erkennt man weiße Lacktupfen an den Prismenhalterungen, offenbar Justierschrauben, die zugelackt wurden.
Die Optik (ev. Vergleiche beziehen sich primär auf den Docter 10x50 Classic):
Prismen
Austrittspupille kreisrund und sauber ausgeleuchtet, leicht tangential an einer Seite angeschnitten durch offenbar etwas zu kleine Prismen, aber kaum erkennbar. Mit Sicherheit aber BaK-4 Prismengläser, die Austrittspupille ist schön gleichmässig ausgeleuchtet.
Vergütung
Grünlich schimmernde Objektivvergütung, nicht so sattgrün wie beim Docter, Okulare ebenfalls grünlich schimmernd. Offenbar handelt es sich um eine einfachere Art von Mehrschichtvergütung.
An den Prismen lässt sich ein bläulicher Farbschimmer erkennen (Objektivtuben abgeschraubt). Beim Blick durch das Objektiv selbst kann man das nicht erkennen. Das hat mich schon beim Vergleich zwischen meinem Docter und meinem ehemaligen Optolyth Alpin 7x42, bei dem auch die Prismen beim Blick durch die Objektive violett geschimmert haben etwas verwirrt. Aber Frank Schäfer hat ´mal gemeint, das soll nicht heissen, dass beim Docter die Prismen nicht vergütet seien, man erkennt das nur nicht. Offenbar der Nachweis dieser Ausage. Den Docter habe ich übrigens noch nicht zerlegt, dazu ist mir das Glas zu „heilig“. Der Optolyth ist übrigens ein empfehlenswertes Wanderglas, weil leicht (ca. 500g) und von hervorragender Verarbeitung. Habe ich zwar verkauft und damit den Pentax finanziert, aber ich kann den Optolythen für Landschaftsbeobachter/Wanderer ebenfalls empfehlen.
Streulichtempfindlichkeit, Geisterbilder
Meines Erachtens ist der Pentax etwas weniger streulichtempfindlich als der Docter 10x50 Classic, interessanterweise schneidet hier aber mein alter Hertel&Reuss trotz einfacher bläulicher MgF2 - Vergütung am Besten ab. Auch der Vollmond erzeugt zwar ein erkennbares, aber geringeres Reflexionsmuster als der Docter. Summa summarum hat der Pentax gegenüber dem Docter 10x50 leicht die Nase vorne.
Schärfe, Kontrast, Farbwiedergabe
Erwartungsgemäß ist aufgrund der geringeren Vergrößerung das Bild satt in den Farben und von interessanterweise schönerem Kontrast als im Docter. Hier war der Optolyth noch etwas beeindruckender. Das Bild ist sehr hell und von schöner, naturgetreuer Farbwiedergabe. Fast unheimlich natürlich und scharf. Während der Optolyth etwas violett/blaustichig färbte, der Docter einen leichten Gelbstich zeigt und der Hertel&Reuss offenbar durch die veraltete Technologie bei geringerer Transmission einen leichten Braunschleier zeigt ist der Pentax 7x50 hell, farbneutral und glasklar. Interessanterweise schneidet der moderne 10x50 PCFIII meines Schwagers im Vergleich zum Docter 10x50 CLASSIC wesentlich schlechter ab. Das Bild ist vergleichsweise dunkler und hat ein viel engeres Gesichtsfeld.
Nun zur Schärfe - ich habe genau verglichen und beobachtet. Der Pentax fast randscharf ! Am Tage reicht die lineare, gleichmässige Schärfe bis ca. 80% des Gesichtsfeldes. Sterne werden bis fast 10% des Gesichtsfeldes als Pünktchen abgebildet, danach verzerren sie zu Häckchen.
Schärfentiefe
Ich nehme dieses Thema extra heraus. Schon im Optolyth 7x42 hat mich die Schärfentiefe fasziniert. Selbiges gilt auch für den Pentax. Im Vergleich zu meinen Pocket Dachkantern (Docter 8x22 und Optolyth 10x25), sowie zu den vorgenannten Porro´s und dem 8x56 Seeadler Dachkant (eine wahre Gurke) meines Vaters ist der Pentax einfach eine Wucht. Man stellt ein Objekt in ca. 300m scharf und sieht Vordergrundobjekte ab ca. 50m, sowie bis zum Horizont ebenso scharf. Das Bild wirkt plastisch und dreidimensional. Obwohl der Mond, wenn er größer/gleich dem Halbmond ist zwar vor Helligkeit bei der Beobachtung blendet, sieht man eine schöne räumliche Distanz zu Hintergrundsternen. Faszinierend.
Der Nahbereich beginnt ab ca. 6m, man sieht aber da dann klar 2 "Röhren"nebeneinander.
Schmetterlinge zu beobachten sind wohl nicht die Stärke des Pentax 7x50.
Einsatzbereich
Das Pentax 7x50 PCF (meine alte Version) ist meines Erachtens ein schönes Universalglas und kann wärmstens empfohlen werden. Dazu ist noch zu sagen, dass ich am Land lebe und daher ausreichend dunkler Himmel vorhanden ist, um auch als Astroglas zu taugen. Allerdings ist der 10x50 Docter da eindeutig die bessere Wahl. Nichtzuletzt wegen des schöneren Seheindruckes aufgrund der wunderbaren 7,2° TG-Okulare. Als Allroundglas und aufgrund der Robustizität, speziell beim Wandern, Rad fahren und als Rumpelpumpelkumpel ist das PCF 7x50 jedoch besser geeignet als mein schöner Docter. Dazu kommt noch, dass man ein Glas mit 7-facher Vergrößerung auch nach einer ermüdenden Wanderung bzw. einer Radtour einigermassen ruhig in der Hand halten kann, wert, für runde 100,-- Euro gekauft zu werden.
Ich bin auch der Meinung, dass ein einigermaßen brauchbares 7x50 Fernglas (Porro) bei dunklem Himmel durchaus seine Existenzberechtigung als Astroglas hat. Bei der Naturbeobachtung, speziell wenn die Lichtsituation schlecht ist, bzw. in der Dämmerung liefert es feine, satte, farblich schön gezeichnete Bilder. Naturbeobachtung kommt m.E. im 7x50 etwas besser als in einem 10x50, vorausgesetzt, dass man keine Details herausarbeiten will.
Warum habe ich den Artikel geschrieben ?
Davon ausgehend, dass es sich um ein Massenprodukt handelt, welches man gelegentlich auf Flohmärkten, Ausverkäufen bzw. im Internet (eBay etc.) oder noch im Handel findet, wert, erstanden zu werden. Aber darauf achten, dass es das Alte mit 7,1° TG ist ! Ich kann mir auch vorstellen, dass die von Frank Schäfer in seinen Testberichten beschriebenen Nikon und Minolta Ferngläser ebenso ihr Geld wert sind, weil sie in derselben Liga (Qualität und Preis) liegen. Man muss nicht gleich über tausend Euro ausgeben um zu Sehvergnügen zu kommen und hat dennoch eine sinnvolle Investition getätigt.
Ich habe selber lange überlegt, ob ich mir ein teures Supermarkenglas, oder lieber einige preisgünstigere zulegen soll und bin dann bei Letzterem geblieben. Schon allein aus der Überlegung heraus, wenn ein Superglas verloren geht oder kaputt wird, ist der Schmerz groß. Und als Naturbeobachter kommt man an einem Pocketglas ohnehin nicht vorbei, weil immer kann und will man nicht immer einen Klotz mit sich herumschleppen.
Hände weg allerdings von dem Zeug, welches oft auf eBay als Ruby-Coated passive Nachtgläser aus dem Miltärbereich angeboten wird. Ich habe sowas im Urlaub auf Teneriffa um 29 Euro einmal begutachtet. Besser, man gibt das Geld für ein paar gute Kaffee´s aus ! Herrschaften, man kann schon Geld für Schrott ausgeben können ! Es lohnt sich, kritischer ein bisschen bei eBay auf die Lauer zu legen und zu warten, bis ein echtes Schnäppchen auftaucht.
Eines noch zum Schluß - vielleicht fällt mir einmal ein Fujinon 7x50 oder ein Leica oder Zeiss in die Hände, um einen Vergleich mit meinem Glas zu treffen. Wäre sicher interessant, wie mein Low Cost gegen ein Spitzenglas im direkten Vergleich wirklich abschneidet.
Clear skies
Hans
Mein Pentax PCF 7x50 Porro
Bild vom Pentax 7x50
Nachdem nun in letzter Zeit einige Diskussionen über 7x50 Ferngläser (speziell dem 7x50 Myiauchi Binon und kürzlich der Christof mit seinem Docter Navigator 7x50) am Board waren - hiemit möchte ich über mein "Schnäppchen" berichten Pentax PCF 7x50 Porro ersteigert auf eBay.
Einleitend sei noch zu erwähnen, dass Holger Merlitz im privaten Schriftverkehr zwar schon einmal gemeint hat, ich möge einen Testbericht schreiben, aber in aller Bescheidenheit habe ich einst davon Abstand genommen. Im Vergleich zu seiner tollen Sammlung an vorwiegend aus dem Militärbereich stammenden echten Klassikern ist mein Pentax PCF 7x50 ein eher unscheinbares Produkt.
Natürlich auch im Vergleich zu einem Zeiss, Docter oder Leica bzw. Swarovski Porroglas. Diese Ferngläser zähle ICH zu echten Klassikern.
Aber nun zu meinem Bericht:
Erstanden auf eBay um 89,--Euro - und meiner Linie treu bleibend - nie mehr als 100,- Euro auf eBay für ein Fernglas zu spendieren, habe ich meines Erachtens einen Glücksgriff gemacht (was auf eBay nicht immer der Fall sein muss).
Es handelt sich um das alte Pentax PCF 7x50, offenbar die erste Inkarnation der moderneren, Kunststoff bzw. gummierten Porro-Ferngläser von Pentax. Die neuesten Typen dieser Serie heißen PCF V bzw. PCF WP (wasserdicht). Meine Recherchen haben ergeben, dass es kein PCF II gab, sondern danach erst das PCF III, welches Pentax erstmals mit sogenannten High Eyepoint Okularen versehen hat, Brillenträgerokularen, mit ca. 20mm Pupillenabstand.
Das hat nun den Effekt, dass damit zwar die Austrittspupille ca. 20mm hinter der Augenlinse liegt, das tatsächliche Gesichtsfeld (TG) allerdings nur ca. 6,2° beträgt. Somit liegt das scheinbare Gesichtsfeld (SG) bei diesen moderneren (auch PCF V) bei nur etwas mehr als 42 Grad. Das PCF WP bietet etwas mehr TG (6,4°). Meines Erachtens allerdings zuwenig für die Astronomie. Nicht so bei meinem alten PCF. Da sind TG 7,1° und SG fast 50°. Zwar auch nicht üppig, aber immerhin in der Umgebung eines Plössls. Der Abstand der Austrittspupille ist - nachgemessen mit einer Messlupe bei ca. 9mm. Nicht gerade viel, Brillenträger müssen wohl die Brille abnehmen (ich verwende übrigens eine Lesebrille).
Im Vergleich zum PCF stellt sich das TG bei der 7xXX Konkurrenz wie folgt dar:
Fujinon 7x50 Mariner - 7,5°
Fujinon FMTR-SX - 7,5°
Leica Trinovid 7x42 - 8°
Optolyth 7x42 - 6,2°
Zeiss/Jena (mehrere Serien/Varianten) 7x50 - 7,3°
Swarovski Habicht 7x42 W - 7,3°
Pentax 7x50 PCF V - 6,2°
Diverse "No Names" liegen bei rund 6,4°, diverse Markengläser bei rund 7°, alte Russen um ca. 7°
Somit befindet sich das alte Pentax PCF was das Gesichtsfeld betrifft in der guten Mittelklasse.
Verarbeitung:
Zur Verarbeitung - und einleitend möchte ich erwähnen - ich besitze noch ein Docter 10x50 Classic (mein erklärtes Lieblingsglas), sowie ein altes, selbst umgebautes Hertel&Reuss, (beide beledert).
Das Gehäuse ist zum Großteil aus Polymer-Kunststoff. Zuerst einmal erscheint dies als Nachteil, ist aber dasselbe Material wie sie die neuen Pentax PCF V und WP besitzen. Gewicht ca. 920g. Sympathisch in der Hand liegend und griffig. Laut Hersteller ist es spritzwassergeschützt, nicht nitrogengefüllt, hat einen sauber laufenden Mitteltrieb und eine Dioptereinstellung am rechten Okular, wie auch beim Docter, indem man das Okular mittels Feingewinde in der Lage zum Objektiv verdreht. Die Fokussierwalze läuft satt und feinfühlig, ist aber etwas klein geraten und aus Kunststoff. Das Spielzeug "Click-Stop", wie es die neuen Pentax PCF´e ab dem PCFIII (Diopter am Mitteltrieb mit Arretierung) besitzen, hat es gottseidank noch nicht. Meines Erachtens ein Vorteil. Jedoch kein Vergleich zum Docter, bei dem ist die Feinmechanik einfach cool ! Beim Docter ist der Mitteltrieb mit einem griffigen, ausreichend dimensioniertem feingängigen Rad ausgestattet. Aber trotzdem - auch der Pentax läuft spielfrei - und Detail am Rand - vorne an der Knickbrücke befindet sich eine 1/4" Kunsstoffblindschraube, wenn man selbige abschraubt erreicht man ein entsprechendes Standardgewinde, womit man die Möglichkeit hat, das Fernglas auf einer handelsüblichen Stativhalterung festzuschrauben. Ein nettes Detail. Die Brücke selbst und einige Rahmenteile sind aus mit Kunststoff verkleidetem Metall. Speziell die Objektivtuben sind aus reinem Kunststoff. Das ist für mich nicht unbedingt ein Nachteil – selbst moderne Hochpreisferngläser sind aus diesem Material. So vermute ich, dass selbst Leica und Swarovskigläser ebenso aus Kunsstoff sind, wie die von Zeiss. Letztlich liegt das Glas gut in der Hand, schön ausgewogen, angenehm. Ähnlich gut wie der Docter/Zeiss 10x50 - Klassiker. Dazu gehört noch ein guter Trevira Umhängeriemen mit Mittenverbreiterung und eine billig wirkende Kunstledertasche.
Insgesamt hinterlässt die Mechanik/Verarbeitung einen guten Gesamteindruck. Einziges Manko: die originalen Gummiaugenmuscheln sind zwar umstülpbar aber sehr hart. Mit den Originalen hatte ich Probleme, das gesamte Gesichtsfeld zu überblicken. Wenn man dann versuchte, richtig an die Austrittspupille heranzukommen, musste man das Glas fest an die Augen drücken, das schmerzte richtig in den Augenhöhlen. Ich habe sie daher kurzerhand abgeschnitten, und durch die weichen Okularmuscheln meines TeleVue 15mm Panoptik, sowie meines 40mm TeleVue Plössls ersetzt. Den Okularen habe ich vom Wolfi Ransburg ein 42mm "Winged Eyecup" verpasst, ohnehin eine Verbesserung, weil beim Panoptik komme ich so näher an die Augenlinse heran um die 68° Gesichtsfeld zu überblicken, und das 42mm Plössl hat einen so großen Augenabstand, dass die ausgeklappte Streulichtblende der neuen Augenmuscheln behilflich ist, das Auge leichter zu zentrieren.
Noch ein Punkt zur Mechanik - wenn man von vorne durch die Objektivlinsen guckt, sieht man keine Justierschrauben der Prismenhalterungen, wie es beim Docter der Fall ist, lediglich eine Art "Clipse“, dafür hat es aber drei Streulichtblenden, die in eine schöne, kreisrunde Okularöffnung am Ende erkennen lassen. Am Gehäuse prangt der Aufdruck - "Made in Japan". Das neuere PCF III 10x50 (auch ein gutes Glas) meines Schwagers ist "Made in China". Man kann übrigens die Objektivtuben abschrauben, dann erkennt man weiße Lacktupfen an den Prismenhalterungen, offenbar Justierschrauben, die zugelackt wurden.
Die Optik (ev. Vergleiche beziehen sich primär auf den Docter 10x50 Classic):
Prismen
Austrittspupille kreisrund und sauber ausgeleuchtet, leicht tangential an einer Seite angeschnitten durch offenbar etwas zu kleine Prismen, aber kaum erkennbar. Mit Sicherheit aber BaK-4 Prismengläser, die Austrittspupille ist schön gleichmässig ausgeleuchtet.
Vergütung
Grünlich schimmernde Objektivvergütung, nicht so sattgrün wie beim Docter, Okulare ebenfalls grünlich schimmernd. Offenbar handelt es sich um eine einfachere Art von Mehrschichtvergütung.
An den Prismen lässt sich ein bläulicher Farbschimmer erkennen (Objektivtuben abgeschraubt). Beim Blick durch das Objektiv selbst kann man das nicht erkennen. Das hat mich schon beim Vergleich zwischen meinem Docter und meinem ehemaligen Optolyth Alpin 7x42, bei dem auch die Prismen beim Blick durch die Objektive violett geschimmert haben etwas verwirrt. Aber Frank Schäfer hat ´mal gemeint, das soll nicht heissen, dass beim Docter die Prismen nicht vergütet seien, man erkennt das nur nicht. Offenbar der Nachweis dieser Ausage. Den Docter habe ich übrigens noch nicht zerlegt, dazu ist mir das Glas zu „heilig“. Der Optolyth ist übrigens ein empfehlenswertes Wanderglas, weil leicht (ca. 500g) und von hervorragender Verarbeitung. Habe ich zwar verkauft und damit den Pentax finanziert, aber ich kann den Optolythen für Landschaftsbeobachter/Wanderer ebenfalls empfehlen.
Streulichtempfindlichkeit, Geisterbilder
Meines Erachtens ist der Pentax etwas weniger streulichtempfindlich als der Docter 10x50 Classic, interessanterweise schneidet hier aber mein alter Hertel&Reuss trotz einfacher bläulicher MgF2 - Vergütung am Besten ab. Auch der Vollmond erzeugt zwar ein erkennbares, aber geringeres Reflexionsmuster als der Docter. Summa summarum hat der Pentax gegenüber dem Docter 10x50 leicht die Nase vorne.
Schärfe, Kontrast, Farbwiedergabe
Erwartungsgemäß ist aufgrund der geringeren Vergrößerung das Bild satt in den Farben und von interessanterweise schönerem Kontrast als im Docter. Hier war der Optolyth noch etwas beeindruckender. Das Bild ist sehr hell und von schöner, naturgetreuer Farbwiedergabe. Fast unheimlich natürlich und scharf. Während der Optolyth etwas violett/blaustichig färbte, der Docter einen leichten Gelbstich zeigt und der Hertel&Reuss offenbar durch die veraltete Technologie bei geringerer Transmission einen leichten Braunschleier zeigt ist der Pentax 7x50 hell, farbneutral und glasklar. Interessanterweise schneidet der moderne 10x50 PCFIII meines Schwagers im Vergleich zum Docter 10x50 CLASSIC wesentlich schlechter ab. Das Bild ist vergleichsweise dunkler und hat ein viel engeres Gesichtsfeld.
Nun zur Schärfe - ich habe genau verglichen und beobachtet. Der Pentax fast randscharf ! Am Tage reicht die lineare, gleichmässige Schärfe bis ca. 80% des Gesichtsfeldes. Sterne werden bis fast 10% des Gesichtsfeldes als Pünktchen abgebildet, danach verzerren sie zu Häckchen.
Schärfentiefe
Ich nehme dieses Thema extra heraus. Schon im Optolyth 7x42 hat mich die Schärfentiefe fasziniert. Selbiges gilt auch für den Pentax. Im Vergleich zu meinen Pocket Dachkantern (Docter 8x22 und Optolyth 10x25), sowie zu den vorgenannten Porro´s und dem 8x56 Seeadler Dachkant (eine wahre Gurke) meines Vaters ist der Pentax einfach eine Wucht. Man stellt ein Objekt in ca. 300m scharf und sieht Vordergrundobjekte ab ca. 50m, sowie bis zum Horizont ebenso scharf. Das Bild wirkt plastisch und dreidimensional. Obwohl der Mond, wenn er größer/gleich dem Halbmond ist zwar vor Helligkeit bei der Beobachtung blendet, sieht man eine schöne räumliche Distanz zu Hintergrundsternen. Faszinierend.
Der Nahbereich beginnt ab ca. 6m, man sieht aber da dann klar 2 "Röhren"nebeneinander.
Schmetterlinge zu beobachten sind wohl nicht die Stärke des Pentax 7x50.
Einsatzbereich
Das Pentax 7x50 PCF (meine alte Version) ist meines Erachtens ein schönes Universalglas und kann wärmstens empfohlen werden. Dazu ist noch zu sagen, dass ich am Land lebe und daher ausreichend dunkler Himmel vorhanden ist, um auch als Astroglas zu taugen. Allerdings ist der 10x50 Docter da eindeutig die bessere Wahl. Nichtzuletzt wegen des schöneren Seheindruckes aufgrund der wunderbaren 7,2° TG-Okulare. Als Allroundglas und aufgrund der Robustizität, speziell beim Wandern, Rad fahren und als Rumpelpumpelkumpel ist das PCF 7x50 jedoch besser geeignet als mein schöner Docter. Dazu kommt noch, dass man ein Glas mit 7-facher Vergrößerung auch nach einer ermüdenden Wanderung bzw. einer Radtour einigermassen ruhig in der Hand halten kann, wert, für runde 100,-- Euro gekauft zu werden.
Ich bin auch der Meinung, dass ein einigermaßen brauchbares 7x50 Fernglas (Porro) bei dunklem Himmel durchaus seine Existenzberechtigung als Astroglas hat. Bei der Naturbeobachtung, speziell wenn die Lichtsituation schlecht ist, bzw. in der Dämmerung liefert es feine, satte, farblich schön gezeichnete Bilder. Naturbeobachtung kommt m.E. im 7x50 etwas besser als in einem 10x50, vorausgesetzt, dass man keine Details herausarbeiten will.
Warum habe ich den Artikel geschrieben ?
Davon ausgehend, dass es sich um ein Massenprodukt handelt, welches man gelegentlich auf Flohmärkten, Ausverkäufen bzw. im Internet (eBay etc.) oder noch im Handel findet, wert, erstanden zu werden. Aber darauf achten, dass es das Alte mit 7,1° TG ist ! Ich kann mir auch vorstellen, dass die von Frank Schäfer in seinen Testberichten beschriebenen Nikon und Minolta Ferngläser ebenso ihr Geld wert sind, weil sie in derselben Liga (Qualität und Preis) liegen. Man muss nicht gleich über tausend Euro ausgeben um zu Sehvergnügen zu kommen und hat dennoch eine sinnvolle Investition getätigt.
Ich habe selber lange überlegt, ob ich mir ein teures Supermarkenglas, oder lieber einige preisgünstigere zulegen soll und bin dann bei Letzterem geblieben. Schon allein aus der Überlegung heraus, wenn ein Superglas verloren geht oder kaputt wird, ist der Schmerz groß. Und als Naturbeobachter kommt man an einem Pocketglas ohnehin nicht vorbei, weil immer kann und will man nicht immer einen Klotz mit sich herumschleppen.
Hände weg allerdings von dem Zeug, welches oft auf eBay als Ruby-Coated passive Nachtgläser aus dem Miltärbereich angeboten wird. Ich habe sowas im Urlaub auf Teneriffa um 29 Euro einmal begutachtet. Besser, man gibt das Geld für ein paar gute Kaffee´s aus ! Herrschaften, man kann schon Geld für Schrott ausgeben können ! Es lohnt sich, kritischer ein bisschen bei eBay auf die Lauer zu legen und zu warten, bis ein echtes Schnäppchen auftaucht.
Eines noch zum Schluß - vielleicht fällt mir einmal ein Fujinon 7x50 oder ein Leica oder Zeiss in die Hände, um einen Vergleich mit meinem Glas zu treffen. Wäre sicher interessant, wie mein Low Cost gegen ein Spitzenglas im direkten Vergleich wirklich abschneidet.
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Hans