ThN
Aktives Mitglied
Gerät: Nikon 10x50 EX
Zubehör: Starguide Atlas, Rotlicht-Kuli
Standort: Bayerwalddorf, Innenhof
Zeitraum: 1.5.2008, 22:00-23:00
Gestern hatte ich gar nicht mehr mit einem klaren Himmel gerechnet. Gegen 20:00 zog es zu. Deshalb war ich erstaunt, als ich gegen 22:00 auf die Terrasse schritt und mich ein klarer Himmel begrüßte. Jetzt konnte ich, nach einigen Wochen, wieder beobachten. Dazu hatte ich noch Glück, da mein Zielgebiet - die Sternbilder Coma Berenices und Virgo im SSO gut von unserem Innenhof beobachtet werden konnten.
Ich hatte schon vor ein paar Tagen damit begonnen, mich auf die Beobachtung vorzubereiten. Im Virgo Galaxienhaufen gibt es 16 Messier-Galaxien, von M85 im Norden bis M61 im Süden. Mindestens sieben davon sollten mit einem 10x50er gehen bei guter Dunkeladaption.
Im Innenhof machte ich es mir auf einem Gartenstuhl bequem. Ich hatte einen schönen Blick auf die Deichsel im großen Wagen, die Jagdhunde, Coma Berenices mit dem schönen Coma Sternhaufen und natürlich die Jungfrau. Der Löwe stand schon relativ weit im Westen. Als erstes nahm ich das Zielgebiet ins Visier: Das "Hinterteil" des Löwen, die Sterne Delta und Beta Leonis (Denebola, "Schwanz des Löwen") zeigen in die Sichel Epsilon, Delta, Gamma und Eta Virginis. Das ist in Etwa die Gegend des Virgo Galaxienhaufens.
Zu Anfang der Beobachtung streife ich immer durch das Zielgebiet und Umgebung um mich mit den Sternenmustern vertraut zu machen, für schwache Nebel ist es noch zu früh - das Auge muss sich noch gewöhnen. Ich prüfte das an einem "einfachen" Objekt, dem Kugelsternhaufen M53 im benachbarten Coma Berenices - der wirkte noch ganz blass und unscheinbar. Im Laufe der Beobachtung kommt er dann immer besser heraus. Als Ausgangspunkt für die eigentlichen Beobachtungen wählte ich dann den Stern Rho Vir (4.9m), der ein paar Grad rechts von eps Vir steht.
M60, M59 Oberhalb der Verbindungslinie von Eps und Rho stehen drei ziemlich helle Sterne der 6. bis 7. Größe: 41, BD+12.02518 und 34. Weiter geht's in einer Linie entlang zweier schwächerer Sterne der 9. Größe. Links unterhalb des 2. Sterns steht M60. Zu Anfang nicht leicht zu erkennen. Mit indirektem Sehen, d.h. *knapp* vorbeischauen blitzte sie auf und zeigte sich als "unscharfer, nebliger Stern". M59 war aber nicht zu machen. Bei solchen schwachen "Nebelfitzelchen" geht es mir so, dass ich ihren *genauen* Ort anhand der Sternmuster zunächst lokalisieren muss um dann den Ort per indirektem Sehen zu umkreisen um das Objekt dann erst wahrnehmbar zu machen - einfach nur durch die Gegend streifen funktioniert leider nicht. Deshalb brauche ich immer ziemlich viel Zeit in unbekannten Gegenden. Beim nächsten Mal geht's dann schneller. Und ab Beginn der 2. Beobachtungsstunde geht's sowieso einfacher. Diesmal war ich aber nur eine Stunde draußen
M49 Unterhalb der Linie eps-delta fällt mir ein markantes "Mini-Sternbild" (Asterismus) auf. Es sieht aus wie eine Parabel und besteht aus etwa sieben bis acht Sternen der 6. bis 9. Größe. Hellster Stern ist 33 Vir. Dieses Muster benutze ich, um in westliche Richtung vorzustoßen. Ich verlänger 2 Sterne der 7. Größe und lande bei HR4741 (6.3m). Links unterhalb finde ich dann M49.
M87 Rechts neben Rho finde ich wieder so ein gebogenes Sternenmuster. Etwas schwächer und winkliger, um den Stern BD+11.02474 herum. Zwei dieser Sterne benutze ich zum Peilen in nordwestliche Richtung. Ich komme an einem 8.0m-Stern vorbei und lande bei einem Stern, der sich bei indirektem Schauen als neblig erweist.
M85 Beim Herumstreifen im nördlichen Teil des Clusters stoße ich auf einen Asterismus, den ich noch von einer letzten Beobachtung gut in Erinnerung habe. Mit *sehr* viel Phantasie kann man in den etwa 8 bis 10 Sternen einen "Mini-Skorpion" sehen. (Ich arbeite noch an einer besseren Bezeichnung
). 4-5 Sterne stehen etwa in einer Reihe. Daran schließt sich ein Halbkreis von 4-5 Sternen an. Dies Muster steht etwa 2 Grad nördlich von 36 Vir und zeigt in Richtung 24 Vir. Den Stern verlängere ich weiter in Richtung 11 Vir. Drei schwächere Sterne unterhalb dieser Verbindungslinie benutze ich, um M85 zu finden (die Wege des Herrn sind unergründlich
), denn M85 steht etwas links oberhalb von dem dritten Stern. Auch nur mit indirektem Sehen machbar...
M53, (NGC5053), M51, M81, M82 Mit Erschrecken bemerke ich, dass ein Wolkenband vom Westen herüberzieht. Ich möchte daher noch ein paar "Highlights" abgrasen. Der Kugelsternhaufen M53 bei Alpha Ber kommt jetzt gut als winziger Wattebausch heraus. er wird markiert durch ein putziges kleines Sternenmuster, das wie ein kleiner Wagen aussieht. Leicht zu finden ist auch der Ort von NGC5053 in der Nähe, gleich nördlich eiens kleinen Sternendreiecks (einer der Sterne ist wiederum ein Doppelstern). Eine eindeutige Sichtung gelingt mir aber nicht - da bin ich jetzt etwas zu hektisch.
M51 ist deutlich einfacher. Sie steht am 3. Eckpunkt eines gleichschenkligen Dreiecks, wobei Eta UMa und 24 Uma die anderen Eckpunkte sind. Selbst ist M51 wieder der Eckpunkt eines kleinen Trapezes und ist als deutliches Nebelfleckchen zu erkennen.
Zum Schluss (die Wolken haben bereits die Jungfrau verschlungen) noch ein Blick ans andere Ende von Ursa Major. Ich muss zwar den Kopf in den Nacken legen, kann dann aber schön M81 und M82 vom Himmel picken. Eine Stunde beobachten war etwas kurz, da das Auge erst zum Schluss richtig in Hochform kommt. Im Virgo Cluster habe ich noch einige "Arbeit" vor mir...
Thomas
P.S. Später schaue ich noch mal vor die Tür - der Himmel ist klar, er muss aber noch mindestens einen Tag warten.
Zubehör: Starguide Atlas, Rotlicht-Kuli
Standort: Bayerwalddorf, Innenhof
Zeitraum: 1.5.2008, 22:00-23:00
Gestern hatte ich gar nicht mehr mit einem klaren Himmel gerechnet. Gegen 20:00 zog es zu. Deshalb war ich erstaunt, als ich gegen 22:00 auf die Terrasse schritt und mich ein klarer Himmel begrüßte. Jetzt konnte ich, nach einigen Wochen, wieder beobachten. Dazu hatte ich noch Glück, da mein Zielgebiet - die Sternbilder Coma Berenices und Virgo im SSO gut von unserem Innenhof beobachtet werden konnten.
Ich hatte schon vor ein paar Tagen damit begonnen, mich auf die Beobachtung vorzubereiten. Im Virgo Galaxienhaufen gibt es 16 Messier-Galaxien, von M85 im Norden bis M61 im Süden. Mindestens sieben davon sollten mit einem 10x50er gehen bei guter Dunkeladaption.
Im Innenhof machte ich es mir auf einem Gartenstuhl bequem. Ich hatte einen schönen Blick auf die Deichsel im großen Wagen, die Jagdhunde, Coma Berenices mit dem schönen Coma Sternhaufen und natürlich die Jungfrau. Der Löwe stand schon relativ weit im Westen. Als erstes nahm ich das Zielgebiet ins Visier: Das "Hinterteil" des Löwen, die Sterne Delta und Beta Leonis (Denebola, "Schwanz des Löwen") zeigen in die Sichel Epsilon, Delta, Gamma und Eta Virginis. Das ist in Etwa die Gegend des Virgo Galaxienhaufens.
Zu Anfang der Beobachtung streife ich immer durch das Zielgebiet und Umgebung um mich mit den Sternenmustern vertraut zu machen, für schwache Nebel ist es noch zu früh - das Auge muss sich noch gewöhnen. Ich prüfte das an einem "einfachen" Objekt, dem Kugelsternhaufen M53 im benachbarten Coma Berenices - der wirkte noch ganz blass und unscheinbar. Im Laufe der Beobachtung kommt er dann immer besser heraus. Als Ausgangspunkt für die eigentlichen Beobachtungen wählte ich dann den Stern Rho Vir (4.9m), der ein paar Grad rechts von eps Vir steht.
M60, M59 Oberhalb der Verbindungslinie von Eps und Rho stehen drei ziemlich helle Sterne der 6. bis 7. Größe: 41, BD+12.02518 und 34. Weiter geht's in einer Linie entlang zweier schwächerer Sterne der 9. Größe. Links unterhalb des 2. Sterns steht M60. Zu Anfang nicht leicht zu erkennen. Mit indirektem Sehen, d.h. *knapp* vorbeischauen blitzte sie auf und zeigte sich als "unscharfer, nebliger Stern". M59 war aber nicht zu machen. Bei solchen schwachen "Nebelfitzelchen" geht es mir so, dass ich ihren *genauen* Ort anhand der Sternmuster zunächst lokalisieren muss um dann den Ort per indirektem Sehen zu umkreisen um das Objekt dann erst wahrnehmbar zu machen - einfach nur durch die Gegend streifen funktioniert leider nicht. Deshalb brauche ich immer ziemlich viel Zeit in unbekannten Gegenden. Beim nächsten Mal geht's dann schneller. Und ab Beginn der 2. Beobachtungsstunde geht's sowieso einfacher. Diesmal war ich aber nur eine Stunde draußen
M49 Unterhalb der Linie eps-delta fällt mir ein markantes "Mini-Sternbild" (Asterismus) auf. Es sieht aus wie eine Parabel und besteht aus etwa sieben bis acht Sternen der 6. bis 9. Größe. Hellster Stern ist 33 Vir. Dieses Muster benutze ich, um in westliche Richtung vorzustoßen. Ich verlänger 2 Sterne der 7. Größe und lande bei HR4741 (6.3m). Links unterhalb finde ich dann M49.
M87 Rechts neben Rho finde ich wieder so ein gebogenes Sternenmuster. Etwas schwächer und winkliger, um den Stern BD+11.02474 herum. Zwei dieser Sterne benutze ich zum Peilen in nordwestliche Richtung. Ich komme an einem 8.0m-Stern vorbei und lande bei einem Stern, der sich bei indirektem Schauen als neblig erweist.
M85 Beim Herumstreifen im nördlichen Teil des Clusters stoße ich auf einen Asterismus, den ich noch von einer letzten Beobachtung gut in Erinnerung habe. Mit *sehr* viel Phantasie kann man in den etwa 8 bis 10 Sternen einen "Mini-Skorpion" sehen. (Ich arbeite noch an einer besseren Bezeichnung
M53, (NGC5053), M51, M81, M82 Mit Erschrecken bemerke ich, dass ein Wolkenband vom Westen herüberzieht. Ich möchte daher noch ein paar "Highlights" abgrasen. Der Kugelsternhaufen M53 bei Alpha Ber kommt jetzt gut als winziger Wattebausch heraus. er wird markiert durch ein putziges kleines Sternenmuster, das wie ein kleiner Wagen aussieht. Leicht zu finden ist auch der Ort von NGC5053 in der Nähe, gleich nördlich eiens kleinen Sternendreiecks (einer der Sterne ist wiederum ein Doppelstern). Eine eindeutige Sichtung gelingt mir aber nicht - da bin ich jetzt etwas zu hektisch.
M51 ist deutlich einfacher. Sie steht am 3. Eckpunkt eines gleichschenkligen Dreiecks, wobei Eta UMa und 24 Uma die anderen Eckpunkte sind. Selbst ist M51 wieder der Eckpunkt eines kleinen Trapezes und ist als deutliches Nebelfleckchen zu erkennen.
Zum Schluss (die Wolken haben bereits die Jungfrau verschlungen) noch ein Blick ans andere Ende von Ursa Major. Ich muss zwar den Kopf in den Nacken legen, kann dann aber schön M81 und M82 vom Himmel picken. Eine Stunde beobachten war etwas kurz, da das Auge erst zum Schluss richtig in Hochform kommt. Im Virgo Cluster habe ich noch einige "Arbeit" vor mir...
Thomas
P.S. Später schaue ich noch mal vor die Tür - der Himmel ist klar, er muss aber noch mindestens einen Tag warten.