Kay
Aktives Mitglied
Die „historischen“ Fakten:
In einem gaaanz alten Interstellarum (Nr. 10 von 1997) berichtet Ronald Stoyan davon, dass er innerhalb eines Jahres mit einem freihändig gehaltenen (Jenaer) 10x50 alle Messierobjekte außer M 91 beobachten konnte, am schwierigsten waren: M 74 und M 76 am Herbsthimmel, im Frühling M 97, M108, M 109 (UMa) sowie M 95 (Leo), M 98, M 58, M 89, M 90, M 88 im Virgohaufen.
Norman Görlitz hat mit einem Meade 10x50 (nicht das ausm Lidl) auf Stativ alle 110 Messierobjekte gesehen, die Sache aber leider nie richtig publiziert.
Uwe Glahn hat ja letztes Jahr bei einem Messiermarathon mit einem 8x30 bei einem fantastischen SQM-Wert von 21,53 ganze 92 sicher und 2 unsicher von 110 Messierobjekte beobachten können. Nicht gesehen wurden u.a. M 98, M 90, unsichere Sichtungen von M 89 und M 91.
Kay Hempel, auch bekannt als „Astrominiextremist“, konnte bei mäßigen Bedingungen von fst meist <6,0 mag bis jetzt 90 Messierobjekte im 10x50 beobachten, die o.g. Objekte fehlten alle. Und er quält sich bis heutzutage, siehe u.a. hier:
(Links) http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=85240
Die Vorgeschichte:
Einer schönen Osterwoche folgte ein eher bewölktes Wochenende, erst zu Wochenbeginn sollte es wieder schön werden. Auf der Mailingliste unseres Dresdner Astrostammtisches hatte ein Sternfreund angekündigt, dass er am Montag rausfahren würde. Doch ausgerechnet die Nacht zum Montag und zur neuen Arbeitswoche war für mich aus irgendeinem Grunde total mies, ich schlief vielleicht nur 3 Stunden – danach ein ausgefüllter Arbeitstag. Zuhause auch Stress, da die Privatschule unserer Großen (nur 100m Schulweg; wir dachten ja, viel schlimmer als staatliche sind sie auch nicht...) einer Vollbeschäftigungsanstalt für willfährige Eltern nahe kommen will und uns in 4 E-Mails gefühlte 50 Termine für die nächsten 2 Monate geschickt hat.
Um 21 Uhr fällt trotzdem der Hammer und ich setze mich in mein Auto, allerdings „nur“ mit „Kleinzeug“, der 14-Zoller bleibt at home.
Die harten Fakten:
Datum: 20.04.2009, ca. 21.30-0.30 Uhr MESZ
Ort: bei Reichstädt, ca. 20 km südlich von Dresden
Teilnehmer: 6 Personen mit Teleskopen bis 10 Zoll
Grenzgröße:. 6,4+ mag in UMa
Eigene Optik: Jenoptem 10x50 auf Stativ, anfangs 80/400er FH
Die ganze Story:
Ich hatte einen, vielleicht zwei Mitbeobachter erwartet, doch insgeheim befürchtet, allein auf weitem Feld zu stehen. Als ich gegen 21.45 Uhr MESZ in die Nähe unseres Platzes komme, sehe ich aber 4 Autos insgesamt waren wir an einem Montagabend (!) zu sechst. Die anderen hatten einen 10er, zwei 8-Zoller sowie diverse Ferngläser. Nachdem ich mir kurz Saturn angesehen hatte, baute ich den 80/400er wieder ab und stürzte mich mit dem 10x50 ins Galaxiengetümmel. Diesmal mit Stativ und Joystick-Kugelkopf, das bringt manchmal doch noch einen Wahrnehmungsgewinn, der zwischen Sehen oder Nichtsehen entscheidet.
Erstmal in den Löwen: M 105 fast direkt flächig, die NGC-Gx daneben NGC nur indirekt.
M 96 sehe ich indirekt leicht, was mich schon etwas überrascht. Die bisher nur zweifelhaft von mir gesehene M 95 ist indirekt schwach, aber eindeutig. Zuhause mit dem Sternkartenprogramm bestätigt sich die Position aus dem Karkoschka. Westlich von M 95 zeigt sich noch ein schwacher Stern, der ganze 10,27 mag hat.
Beachtlich, auf in den Virgohaufen – da müsste doch was gehen!
Das große T ist zwar eigentlich ein guter Einstieg, aber für ein 10x50 ganz schön heftig. Trotzdem sehe ich M 99 schwach indirekt, M 100 indirekt, aber nicht schwer. Ein schwarzes Tuch hilft zusätzlich noch einmal, aber bitte nur über den Kopf und nicht über die Fernglasobjektive!
Und dann: selbst M 98 zeigt sich indirekt schwach zwischen den beiden schwachen Karkoschka-Sternen eindeutig als flächiges Objekt. Hurra, das ist eine der schwersten Messiergalaxien und für mich Neuland.
M 84 und M86 beide sogar direkt, die linke heller und konzentrierter. So, jetzt weiter nach Osten oder doch lieber nach Norden: M 88 ist gut sichtbar, indirekt sehr leicht, südlich da schwache Sternchen hat 10,58 mag!
Nun zum absoluten Hammer, ich wage es: M 91 sehe ich schwach indirekt, fast punktförmig, aber eindeutig und im Verlaufe des Abends mehrmals – weil ich es kaum glauben kann! Den Stern westlich mit 10,28 mag habe ich auch gesehen, also dürfte damit keine Verwechslungsgefahr bestehen.
Danach war klar, dass alle anderen Messiergalaxien in Virgo gehen sollten. Und so war es auch:
M 90 indirekt, nicht zu schwer, deutlich als flächiger Nebel
M 89 indirekt
M 58 indirekt leicht, östlich eines helleren Sterns
M 59 indirekt leicht, DSL 3-4 (die Klassifizierung der Deep-Sky-Liste)
M 60 direkt, DSL 2-3
Nun war es schon recht spät, die ersten Mitbeobachter wollten schon fahren. Wenigstens Marco Krauße, seines Zeichens auch Mitorganisator des HTT, wollte die mühevoll aufgebaute und eingenordete EQ 6 mitsamt 200/800er nicht schon wieder um Mitternacht abbauen und blieb bis zum Schluss. Danke Marco!
Die Grenzgröße ermittelte ich an der Vorderachse des Großen Wagens (mehr als 9 Jahre alt, wer wrackt ihn ab?) mit 6,4 mag – wobei ich nicht der scharfäugigste Beobachter bin, andere sehen einige Zehntelchen mehr – nur wollte leider niemand aus unserer Runde so richtig genau hinsehen. Hmm, das war das erste Mal, dass ich so ein SQM vermisst habe...
Ich hatte nun noch eine Rechnung mit der Bärin offen: M 97 ging indirekt, aber den hatte ich sogar schon unter schlechteren Bedingungen.
Sogar M 108 war eindeutig, wenn auch sehr schwach. Die Elongation gut erkennbar, eine schmale Spindel. Woww!
Und auch M 109 indirekt, schräg nördlich vom mittleren Stern der Reihe (der im Karkoschka fehlt und mich früher zur Fehlannahme verleitete, das wäre M 109).
Nun fing Marco doch an mit dem Abbau, aber ich hatte ja nicht so viel Gerümpel wie er. Also schnell noch in den Drachen: M 102 sogar knapp direkt, DSL 3, gewisse Elongation, aber Richtung nicht ganz eindeutig.
Nun einpacken und nach Hause...
Fazit:
Geschafft, 10 neue Messierobjekte für meine Liste – und beim Nachzählen ergab sich, dass ich jetzt genau 101 gesehen hatte. Erst auf der Heimfahrt fiel mir ein, dass ich M 68 und M 83 am Südhorizont wenigstens hätte probieren sollen, alter Esel!
Nun fehlen mir noch M 19, 55, 62, 68, 70, 74, 76, 83, 107.
In einem gaaanz alten Interstellarum (Nr. 10 von 1997) berichtet Ronald Stoyan davon, dass er innerhalb eines Jahres mit einem freihändig gehaltenen (Jenaer) 10x50 alle Messierobjekte außer M 91 beobachten konnte, am schwierigsten waren: M 74 und M 76 am Herbsthimmel, im Frühling M 97, M108, M 109 (UMa) sowie M 95 (Leo), M 98, M 58, M 89, M 90, M 88 im Virgohaufen.
Norman Görlitz hat mit einem Meade 10x50 (nicht das ausm Lidl) auf Stativ alle 110 Messierobjekte gesehen, die Sache aber leider nie richtig publiziert.
Uwe Glahn hat ja letztes Jahr bei einem Messiermarathon mit einem 8x30 bei einem fantastischen SQM-Wert von 21,53 ganze 92 sicher und 2 unsicher von 110 Messierobjekte beobachten können. Nicht gesehen wurden u.a. M 98, M 90, unsichere Sichtungen von M 89 und M 91.
Kay Hempel, auch bekannt als „Astrominiextremist“, konnte bei mäßigen Bedingungen von fst meist <6,0 mag bis jetzt 90 Messierobjekte im 10x50 beobachten, die o.g. Objekte fehlten alle. Und er quält sich bis heutzutage, siehe u.a. hier:
(Links) http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=85240
Die Vorgeschichte:
Einer schönen Osterwoche folgte ein eher bewölktes Wochenende, erst zu Wochenbeginn sollte es wieder schön werden. Auf der Mailingliste unseres Dresdner Astrostammtisches hatte ein Sternfreund angekündigt, dass er am Montag rausfahren würde. Doch ausgerechnet die Nacht zum Montag und zur neuen Arbeitswoche war für mich aus irgendeinem Grunde total mies, ich schlief vielleicht nur 3 Stunden – danach ein ausgefüllter Arbeitstag. Zuhause auch Stress, da die Privatschule unserer Großen (nur 100m Schulweg; wir dachten ja, viel schlimmer als staatliche sind sie auch nicht...) einer Vollbeschäftigungsanstalt für willfährige Eltern nahe kommen will und uns in 4 E-Mails gefühlte 50 Termine für die nächsten 2 Monate geschickt hat.
Um 21 Uhr fällt trotzdem der Hammer und ich setze mich in mein Auto, allerdings „nur“ mit „Kleinzeug“, der 14-Zoller bleibt at home.
Die harten Fakten:
Datum: 20.04.2009, ca. 21.30-0.30 Uhr MESZ
Ort: bei Reichstädt, ca. 20 km südlich von Dresden
Teilnehmer: 6 Personen mit Teleskopen bis 10 Zoll
Grenzgröße:. 6,4+ mag in UMa
Eigene Optik: Jenoptem 10x50 auf Stativ, anfangs 80/400er FH
Die ganze Story:
Ich hatte einen, vielleicht zwei Mitbeobachter erwartet, doch insgeheim befürchtet, allein auf weitem Feld zu stehen. Als ich gegen 21.45 Uhr MESZ in die Nähe unseres Platzes komme, sehe ich aber 4 Autos insgesamt waren wir an einem Montagabend (!) zu sechst. Die anderen hatten einen 10er, zwei 8-Zoller sowie diverse Ferngläser. Nachdem ich mir kurz Saturn angesehen hatte, baute ich den 80/400er wieder ab und stürzte mich mit dem 10x50 ins Galaxiengetümmel. Diesmal mit Stativ und Joystick-Kugelkopf, das bringt manchmal doch noch einen Wahrnehmungsgewinn, der zwischen Sehen oder Nichtsehen entscheidet.
Erstmal in den Löwen: M 105 fast direkt flächig, die NGC-Gx daneben NGC nur indirekt.
M 96 sehe ich indirekt leicht, was mich schon etwas überrascht. Die bisher nur zweifelhaft von mir gesehene M 95 ist indirekt schwach, aber eindeutig. Zuhause mit dem Sternkartenprogramm bestätigt sich die Position aus dem Karkoschka. Westlich von M 95 zeigt sich noch ein schwacher Stern, der ganze 10,27 mag hat.
Beachtlich, auf in den Virgohaufen – da müsste doch was gehen!
Das große T ist zwar eigentlich ein guter Einstieg, aber für ein 10x50 ganz schön heftig. Trotzdem sehe ich M 99 schwach indirekt, M 100 indirekt, aber nicht schwer. Ein schwarzes Tuch hilft zusätzlich noch einmal, aber bitte nur über den Kopf und nicht über die Fernglasobjektive!
Und dann: selbst M 98 zeigt sich indirekt schwach zwischen den beiden schwachen Karkoschka-Sternen eindeutig als flächiges Objekt. Hurra, das ist eine der schwersten Messiergalaxien und für mich Neuland.
M 84 und M86 beide sogar direkt, die linke heller und konzentrierter. So, jetzt weiter nach Osten oder doch lieber nach Norden: M 88 ist gut sichtbar, indirekt sehr leicht, südlich da schwache Sternchen hat 10,58 mag!
Nun zum absoluten Hammer, ich wage es: M 91 sehe ich schwach indirekt, fast punktförmig, aber eindeutig und im Verlaufe des Abends mehrmals – weil ich es kaum glauben kann! Den Stern westlich mit 10,28 mag habe ich auch gesehen, also dürfte damit keine Verwechslungsgefahr bestehen.
Danach war klar, dass alle anderen Messiergalaxien in Virgo gehen sollten. Und so war es auch:
M 90 indirekt, nicht zu schwer, deutlich als flächiger Nebel
M 89 indirekt
M 58 indirekt leicht, östlich eines helleren Sterns
M 59 indirekt leicht, DSL 3-4 (die Klassifizierung der Deep-Sky-Liste)
M 60 direkt, DSL 2-3
Nun war es schon recht spät, die ersten Mitbeobachter wollten schon fahren. Wenigstens Marco Krauße, seines Zeichens auch Mitorganisator des HTT, wollte die mühevoll aufgebaute und eingenordete EQ 6 mitsamt 200/800er nicht schon wieder um Mitternacht abbauen und blieb bis zum Schluss. Danke Marco!
Die Grenzgröße ermittelte ich an der Vorderachse des Großen Wagens (mehr als 9 Jahre alt, wer wrackt ihn ab?) mit 6,4 mag – wobei ich nicht der scharfäugigste Beobachter bin, andere sehen einige Zehntelchen mehr – nur wollte leider niemand aus unserer Runde so richtig genau hinsehen. Hmm, das war das erste Mal, dass ich so ein SQM vermisst habe...
Ich hatte nun noch eine Rechnung mit der Bärin offen: M 97 ging indirekt, aber den hatte ich sogar schon unter schlechteren Bedingungen.
Sogar M 108 war eindeutig, wenn auch sehr schwach. Die Elongation gut erkennbar, eine schmale Spindel. Woww!
Und auch M 109 indirekt, schräg nördlich vom mittleren Stern der Reihe (der im Karkoschka fehlt und mich früher zur Fehlannahme verleitete, das wäre M 109).
Nun fing Marco doch an mit dem Abbau, aber ich hatte ja nicht so viel Gerümpel wie er. Also schnell noch in den Drachen: M 102 sogar knapp direkt, DSL 3, gewisse Elongation, aber Richtung nicht ganz eindeutig.
Nun einpacken und nach Hause...
Fazit:
Geschafft, 10 neue Messierobjekte für meine Liste – und beim Nachzählen ergab sich, dass ich jetzt genau 101 gesehen hatte. Erst auf der Heimfahrt fiel mir ein, dass ich M 68 und M 83 am Südhorizont wenigstens hätte probieren sollen, alter Esel!
Nun fehlen mir noch M 19, 55, 62, 68, 70, 74, 76, 83, 107.