Phobos visuell mit 18" parallaktisch

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

InterconSpacetec

Sponsor Astronomie.de
Moin moin,

oh Freude, oh Freude. Seit letzten Samstag (meine Erstbeobachtung von Deimos, siehe meine Mail von 24.) bin ich mondsüchtig und Phobos hat mir keine Ruhe mehr gelassen. Letzte Nacht (26. auf 27. 8. 03) haben Karl Thurner und ich beide Marsmonde mit dem 18" Newton der Sternwarte Diedorf (nahe Augsburg) gesehen.

Von vorne: nach zweimaliger erfolgloser Suche nach Phobos mit einem 12" Dobson (einmal mit genauer Kenntnis der Position) waren die Rahmenbedingungen in der letzten Nacht deutlich besser. Zunächst das Fernrohr: die Astronomische Vereinigung Augsburg betreibt in Diedorf auf einem Schuldach eine Sternwarte, die mit einem gabelmontierten 18" Newton ausgestattet ist. Damit schonmal mehr Öffnung und die besonders wertvolle parallaktische Nachführung. Als Okular kam ein 10mm Abbe/Ortho mit Alustreifen in der Brennebene zum Einsatz sowie eine saubere 2,5x TeleVue Powermate Barlow - gibt 500x.
Nach Guide8 hatte Phobos um 2:20 eine östliche Elongation, Deimos stand netterweise ebenfalls nahe einer solchen.
Wir begannen gegen 1:55 mit der Suche nach den Monden.

Und hörten beide nach fünf Sekunden wieder auf.

Es war zwar zu erwarten, daß Deimos mit diesem Equipment nicht schwierig sein sollte, aber daß auch Phobos beim allerersten Blick sofort derart klar und deutlich sichbar war, hat uns doch sehr überrascht. Freudentaumel unter den Beobachtern.

Der einzige Aufwand war, Barlow und Ortho in den Auszug zu stecken, scharfzustellen und Mars per Handbox knapp hinter den Alustreifen zu fahren.

Phobos hatte zu diesen Zeitpunkt einen Abstand vom Marsrand von knapp unter 20", also etwas weniger als die maximalen 22. Ich übertreibe nicht - Phobos war schon zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht schwierig. Beeindruckend, BEIDE Marsmonde gleichzeitig klar und deutlich zu sehen. Für mich ein Highlight eines Beobachterlebens. Und Gedanken an Asaph Hall, der sie nach drei Nächten Suche mit einem 26" Refraktor entdeckte. Ob der wohl den Trick mit der Blende im Okular benutzt hat?

Später haben wir noch versucht, die Helligkeit der Monde zu vergleichen. Interessanterweise schienen sie beide praktisch gleich hell. Offenbar kompensierte das Mars-Streulicht um Phobos dessen Helligkeitsvorsprung von rund einer Größenklasse gegenüber Deimos. Oder die Helligkeitsangaben in der Literatur sind nicht korrekt. Wie wird eigentlich die Helligkeit von solchen Objekten gemessen? Wie verläßlich sind die Messungen?

Wie immer, wenn man was schwieriges zum ersten Mal gesehen hat, kommt es einem hinterher nicht mehr so schwierig vor. Ich muß allerdings auch zugeben, daß die Bedingungen in dieser Kombination nahezu ideal waren. Großes Fernrohr mit Nachführung, gut ausgekühlt, gute Optik, saubere Spiegel, Okular ohne Linsen vor der Brenneben, eine gute Transparenz und offenbar keine Cirren: Mars hatte einen recht schwachen Lichthof. Ordentliches Seeing. Nicht zuletzt angenehme Körperhaltung. Selbst die eigentlich nicht empfohlene Barlow war staubfrei und nebenbei hervorragend vergütet.
Noch ein Wort zu "klar und deutlich": Karl und ich haben beide viel Beobachtungserfahrung, wir konnten beide die Monde mehr oder weniger direkt sehen. Wir sind der Meinung, daß auch eine Laie mit der entsprechenden Anleitung in der Lage gewesen wäre, beide Monde zu sehen.

Anschließend konnten wir es uns leisten, zu Uranus zu schwenken und Titania und Oberon zu beobachten. Dabei haben wir zwar die maximale Elongation von Phobos verpaßt, aber gegen 2:50 war er immer noch sehr gut sichtbar. Wiederum

Nach dieser Beobachtung halte ich Phobos zwar immer noch für schwieriger als Deimos, der Unterschied scheint aber nicht allzugroß zu sein. Es sollte auf jeden Fall auch mit weniger Equipment gehen. Was ich bei den Bedingungen für wichtig halte, ist möglichst kein Lichthof um Mars (saubere und trockene Luft, keine Cirren). Das Seeing spielt bei der Beobachtung von stellaren Objekten vor hellem Hintergrund zwar auch eine wichtige Rolle (z. B. Zentralstern M57), ich halte hier die Sauberkeit der Luft für wichtiger.
Zwar nicht zwingend notwendig, aber äußerst hilfreich sind die Blende im Okular und eine parallaktische Nachführung. Dann kommt das Okular (Typ, Zustand); die Sauberkeit der Spiegel halte ich dagegen für weniger entscheidend. Die Kenntnis der Position der Marsmonde wird immer wichtiger, je näher man dem von allen anderen Rahmenbedingungen bestimmten Limit kommt.

Auf jeden Fall rege ich nochmals zur Suche nach den Marsmonden an. Wer will, sucht erstmal ohne Karte, allerdings sind die Zeiten guter Sichtbarkeit jeweils recht kurz. Wer ohne Karte sucht und sicher sein will, eine Elongation zu erwischen, muß bei Deimos an zwei aufeinanderfolgenden Abenden suchen, bei Phobos vier Stunden am Stück.

Noch eine Randbemerkung: etwa 9 Stunden nach unserer Beobachtung stand Mars in Erdnähe, in der besten seit 60.000 Jahren. Phobos bewegt sich während einer östlichen Elongation auf uns zu. So waren wir diejenigen, die Phobos näher als alle anderen Menschen bisher gesehen haben. Und wenn nicht zufällig innerhalb der folgenden 18 Stunden jemand in Europa oder Amerika Marsmonde gesehen hat, sind wir auch für die nächsten 300 Jahre diejenigen, die die Monde am nächsten gesehen haben.
Glaub ich aber nicht...

Klaren Himmel
Stefan Schuchhardt
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben