Hallo Martin,
ehrlich gesagt bin ich doch sehr erstaunt, dass solch eine Verwirrung über das Konzept von PixInsights ImageCalibration besteht. Ich hatte eigentlich gedacht, dieses Thema in meinem
Leitfaden erschöpfend dargestellt zu haben.
Das hat evtl. auch damit zu tun, dass zum ersten in PI die Kalibrierung zwei Mal aufgerufen (erst Flats, dann Lights) wird statt alles in einem Durchlauf abzuhandeln und zum zweiten in der Eingabemaske beim Kalibrieren die Bereiche „Master BIAS“, „Master Dark“ und „Master Flat“ in einem nicht sofort zugänglichen Zusammenhang stehen!
Der Zusammenhang ist: Anordnung der Abschnitte im ImageCalibration Modul in genau der Reihenfolge, wie die Rechnungen während der Kalibrierung ausgeführt werden. Um den Zusammenhang dieser Abschnitte zu erläutern, will ich kurz beschreiben, was passiert, wenn man die entsprechenden Abschnitte aktiviert (= ein Häkchen setzt) und was die Optionen bewirken:
Abschnitt "Target Frames"
Der erste Abschnitt des ImageCalibration Modul ist absichtlich "Target Frames" (Zielaufnahmen) genannt. Gemeint sind die Aufnahmen, die kalibriert werden sollen, das können z. B. Light frames oder Flat frames sein.
Die Abschnitte "Pedestal" bis "MasterFlat" sind in der Reihenfolge angeordnet, in der die Rechenschritte bei der Kalibrierung in PixInsight durchgeführt werden. Pedestal und Overscan interessieren uns hier nicht weiter.
Abschnitt "Master Bias"
Der sechste Abschnitt ist mit "Master Bias" überschrieben. Wenn man diesen Abschnitt aktiviert, wird das MasterBias vom Target frame subtrahiert. D. h. (ZE bedeutet Zwischenergebnis, Kal bedeutet: Kalibrierungs-Endergebnis):
Abschnitt aktiviert: ZE1 = TargetFrame - MasterBias
Abschnitt deaktiviert: ZE1 = TargetFrame
Abschnitt "Master Dark"
Der siebte Abschnitt ist mit "Master Dark" überschrieben. Wenn man diesen Abschnitt aktiviert, wird das MasterDark in die Kalibrierung einbezogen. Hier gibt es zwei Optionen: 'Calibrate' und 'Optimize'. Wenn man 'Calibrate' aktiviert, wird zuerst das MasterBias vom MasterDark subtrahiert, wenn man 'Calibrate' deaktiviert, geschieht dies nicht. Also:
'Calibrate' akiviert: ZE2 = MasterDark - MasterBias
'Calibrate' deakiviert: ZE2 = MasterDark
Wenn man 'Optimize' aktiviert, wird das Zwischenergebnis2 mit einem Faktor k0 (dark scaling factor) multipliziert. Dieser Faktor wird so optimiert, dass das Rauschen im kalibrierten Target Frame minimal ist. Falls 'Optimize' deaktiviert ist, geschieht das nicht. Also:
'Optimize' aktiviert: ZE3 = ZE1 - k0 * ZE2
'Optimize' deaktiviert: ZE3 = ZE1 - ZE2
Abschnitt "Master Flat"
Der achte Abschnitt ist mit "Master Flat" betitelt. Wenn man diesen Abschnitt aktiviert, wird das MasterFlat in die Kalibrierung einbezogen. Wenn Target = Flat, muss der Abschnitt desktiviert werden, wenn Target = Light, muss er aktiviert werden. Da die Kalibrierung bereits an den Flat frames durchgeführt wurde, wird 'Calibrate' deaktiviert. Also:
Abschnitt "Master Flat" aktiviert: Kal = ZE3 / MasterFlat * median(MasterFlat)
Abschnitt "Master Flat" deaktiviert: Kal = ZE3
Aus dem bisher geschriebenen folgt, dass nur einige der möglichen Kombinationen überhaupt einen Sinn ergeben, z. B. (unten ist jeweils die Gesamtrechnung angegeben):
a) Kalibrierung von Flat frames mit MasterFlat-Dark:
Abschnitt "Master Bias": deaktiviert
Abschnitt "Master Dark": aktiviert -> MasterFlat-Dark
im Abschnitt "Master Dark" 'Calibrate': deaktiviert
im Abschnitt "Master Dark" 'Optimize': deaktiviert
Abschnitt "Master Flat": deaktiviert
Kal = Flat - MasterFlat-Dark
b) Kalibrierung von Flat frames mit MasterBias
Abschnitt "Master Bias": aktiviert -> MasterBias
Abschnitt "Master Dark": deaktiviert
im Abschnitt "Master Dark" 'Calibrate': -
im Abschnitt "Master Dark" 'Optimize': -
Abschnitt "Master Flat": deaktiviert
Kal = Flat - MasterBias
c) Kalibrierung von Flat frames mit Master Bias und MasterDark, mit dark frame optimization:
Abschnitt "Master Bias": aktiviert -> MasterBias
Abschnitt "Master Dark": aktiviert -> MasterDark
im Abschnitt "Master Dark" 'Calibrate': aktiviert
im Abschnitt "Master Dark" 'Optimize': aktiviert
Abschnitt "Master Flat": deaktiviert
Kal = (Flat - MasterBias) - k0 * (MasterDark - MasterBias)
d) Kalibrierung von Light frames mit dark frame optimization:
Abschnitt "Master Bias": aktiviert -> MasterBias
Abschnitt "Master Dark": aktiviert -> MasterDark
im Abschnitt "Master Dark" 'Calibrate': aktiviert
im Abschnitt "Master Dark" 'Optimize': aktiviert
Abschnitt "Master Flat": aktiviert -> MasterFlat
Kal = ((Light - MasterBias) - k0 * (MasterDark - MasterBias)) / MasterFlat * median(MasterFlat)
e) Kalibrierung von Light frames ohne dark frame optimization:
Abschnitt "Master Bias": deaktiviert
Abschnitt "Master Dark": aktiviert -> MasterDark
im Abschnitt "Master Dark" 'Calibrate': deaktiviert
im Abschnitt "Master Dark" 'Optimize': deaktiviert
Abschnitt "Master Flat": aktiviert -> MasterFlat
Kal = (Light - MasterDark)) / MasterFlat * median(MasterFlat)
Unsinnige Kombinationen liefern definitv falsche Ergebnisse (z. B. siehe oben: 2b) [mit diesen Einstellungen würden MasterBias
und MasterFlat-Dark von den Flat frames subtrahiert, mit dem Ergebnis, dass der Bias-Offset zweimal subtrahiert wird]). Im Abschnitt "MasterDark" sind die Optionen 'Calibrate' und 'Optimize' entweder beide zu aktivieren oder beide zu deaktivieren, andere Kombinationen ergeben keinen Sinn.
Zur Kalibrierung der Flat frames halte ich die Möglichkeit c) (mit MasterBias und MasterDark, mit dark frame optimization) für weniger sinnvoll.
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In Schritt 4b) ist noch eine zweite Unstimmigkeit: rechts über dem Kasten'ImageCalibration' schreibst Du 'Master BIAS'. Ich hielte 'Master Dark' dort für sinnvoller, in diesem Sinne war auch mein Kommentar zu Bild 4b) weiter oben gedacht.
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Ich ziehe übrigens (wie Stefan) die Bezeichnung 'Flat-Darks' vor. 'Dark-Flats' ist meiner Meinung nach sprachlich falsch. Flat-Darks sind Darks, die mit der gleichen Belichtungszeit wie die Flat frames aufgenommen wurden, es sind keine dunklen Flats.
Bernd