Planetenkiller - Wie hoch ist der Aufwand?

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tom1970

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Hallo,

vorab: Ich verfüge über keinerlei praktische Erfahrung beim Spiegelschleifen.
Nun, um in der zeitgeistlichen Sprache der Händler zu sprechen, möchte ich
mir gerne einen "Planetenkiller" schleifen.
Er sollte so 110mm Öffnung und um f/12 schnell/langsam sein.
Ist es aus eurer Erfahrung besonders schwierig solch einen Spiegel zu schleifen,
zumal dieser wirklich nahezu perfekt sein soll?
Woher beziehe ich einen Fangspiegel um möglichst geringste Obstruktion zu
bekommen?
Allgemeine Tipps?

Viele Grüsse
Thomas
 
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Hallo Tom,

warum 110mm f/12? Der Vorteil eines so langen Systems liegt ausschließlich in der Wahl eines sehr kleinen FS, um die Obstruktion zu minimieren. Bei f/12 ergibt sich eine Brennweite von bereits 132 cm. Bei der Dimensionierung wäre ein reiner Kugelspiegel bei weitem beugungsbegrenzt, ohne nachzurechnen im Idealfall sicherlich auch schon Lamda/8 p/v wavefront.

Eine so kleine Scheibe ist nach meiner Erfahrung nicht leiter herzustellen als z.B. ein 150mm f/8 oder 150mm f/9 (was in etwa auf die gleiche Brennweite hinaukäme). Bei 150mm f/9 wäre ein Kugelspiegel auch bereits beugungsbegrenzt, die Parabel ist da noch so flach, dass mit geringer Retousche auch hier schnell sehr gute Werte erreichbar sind. Bei f/12 wirst Du am Foucaulttester ein kleines Fernglas o.ä. benötigen, um die Oberfläche noch vernünftig beurteilen zu können.

150mm bringen fast die doppelte Lichtsammelfläche als 110mm, der effektive Kontrastdurchmesser ist ebenfalls größer, eine 150mm-Scheibe läst sich beim schleifen, polieren, parabolisieren deutlich besser durch die Hände führen.

Von den Materialkosten her besteht auch kaum ein Unterschied, ein paar Euro für den Rohling, Schleif- und Poliermittel, etwas mehr fürs Beschichten; in Summe dürfte die Differenz hier kaum mehr als 25 Euro betragen.

Ein 150mm-Gerät ist auch noch lange nicht seeing-anfällig, sofern du lokales durch geeignete Konstruktion ausschließt - das gilt auch für 110mm.

Viele Worte eine Aussage - 110mm halte ich für wenig sinnvoll, ist m.E. auch zu Lichtschwach, 150mm sind da viel besser; Ich hatte mir als Erstling einen 208mm f/8 gefertigt, rate mal wie da die Planetenbilder sind.

Viele Grüße

Achim

 
Hallo Achim,

danke für die ausführliche Antwort, diese geben mir den Drall konkret Fragen
stellen zu können.
Warum 110mm?
Nun ich hatte einen klassichen 114 f/8 Newton und war von der Leistung am Planeten
sehr angetan, da wenig seeinganfällig und langbrennweitig.
Nun meine Überlegungen zu 110 f/12 sind:
- relativ einfach herzustellen, da die Parabolisierung (nahezu) wegfällt
- wenig seeinganfällig
- bei Planeten/Mond ist lichstärke nicht so wichtig m.E.
- noch akzeptable Größe
- geringe Obstruktion

Mit der Seeinganfälligkeit habe ich so meine Zweifel, kenne aber hier nur den
direkten Vergleich zwischen einem 200mm und 114mm teleskop.
Abblenden möchte ich vermeiden, da ich nicht einen "großen" Spiegel schleifen
möchte bzw. bei f/12 oder laß es f/10 sein das Teleskop zu groß wird.

Viele Grüsse
Thomas
 
Hallo Thomas,

Das ist so ein Irrglaube, dass bei Planeten oder auch Mond die Lichtsammelleistung unwichtig sei. Ich habe z.B. einen 8" und einen 14" Newton, beide mit ähnlicher Spiegelqualität, und ich war überrascht, was der 14" an Planeten *mehr* zeigt. Das liegt nicht an der höheren theoretischen Auflösung, da sind beide Teleskope normalerweise seeing-limitiert. Es ist die Lichtsammelleistung, die nötig ist um schwache Kontrastunterschiede überhaupt erkennen zu können.

Ich würde Dir von daher auch zu etwas mehr Durchmesser raten, am ehesten zu einem 8". Überbewerte den Einfluss der Obstruktion nicht zu sehr, Öffnung und natürlich auch Handhabbarkeit (bzgl. der Brennweite) sind wichtiger.

Grüße
Reiner
 
Hallo Reiner,

natürlich ist die Lichtsammelleistung wichtig, aber bei mir jedenfalls sieht
es so aus, daß große Öffnung 8":

A)
Seeinganfällig ist, somit die Auflösung nur bei absoluten Topnächsten nutzbar
ist. Nebenbei: Das Teleskop lasse auskühlen und belüfte es, also Tubusseeing ist
ausgeschlossen.

B)
Durch die hohe Lichtsammelleistung ich mit Filtern dämpfen muß

Nun wenn ich immer exzellentes Seeing hätte, dann wäre es mir egal.
Aber es kommt ja noch die Sache mit der "einfacheren" Machbarkeit des Spiegels.


Viele Grüsse
Thomas
 
aber bei mir jedenfalls sieht
es so aus, daß große Öffnung 8":
A)
Seeinganfällig ist,...
Hallo Thomas,

genau wie die Geschichte von dem möglichst kleinen Fangspiegel ist auch dies ein Gerücht aus dem Bereich der Mythen und Legenden. Eine größere Öffnung löst mehr Details auf, also auch mehr Seeing, das Bild erscheint auf den ersten Blick unruhiger, man sieht aber mehr Einzelheiten. Ein 8" wird dir auch bei völlig durchschnittlichem Seeing immer mehr zeigen als ein 4,5". Bei nur etwas besserem Seeing hast du mit dem 8" noch jenseits der 200x Vergrößerungsreserven, wahrend dem 4,5" schon längst die Luft ausgegangen ist (bei 200x wird ein Jupiter viel zu dunkel und bei 0,5 mm Austrittspupille siehst du irgendwann nur noch die Schwebepartikel in deinem eigenen Auge). Reiner's Ansicht kann ich also nur voll bestätigen. Nur bei grotten schlechtem Seeing (z.B. Tiefkühlfront oder Horizontnähe) wenn bei unter 100x schluss ist, siehst du mit dem kleinen genau so viel.

Beim Schleifen habe ich dieselbe Erfahrung wie Achim gemacht: Ein 4,5" liegt nicht so gut in der Hand und kippelt eher beim polieren. Es viel mir vor allem schwerer, den Randbereich sauber hinzubekommen (abgesunkener Rand). Ein 10" liegt hingegen viel satter auf, da habe ich den Rand viel leichter in den Griff bekommen.

Für schwerpunktmäßig Planetenbeobachtung würde ich einem Spiegelschleifanfänger zu einem Newton mit 8" und ca. f/7 raten. Falls das zu unhandlich ist, alternativ 6" f/7 oder f/8. Nebenbei taugt sowas natürlich auch für Deep Sky sehr gut (außer für die allergrößten Gesichtsfelder).
 
Hallo,

im Optik-Forum wurde gestern das Projekt eines extra langen (f9 bis f10) 6-Zoll-Newton-Teleskops angekündigt.

http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/showflat.php?Cat=&Board=optik&Number=239171&page=0&view=collapsed&sb=5&o=&fpart=1#Post239718

Falls Dich die Einwände von Stathis überzeugt haben und es doch etwas Größeres im Bereich von 6 bis 8 Zoll werden soll, kann Dir
Marty, der zur Zeit noch in Thailand ist, auch einen 18 cm Rohling (7,1 Zoll, Boroflat, 2,5 cm dick, ca. 50 €) als Zwischengröße
anbieten. Bei gleicher Brennweite (1,32 m) wie der geplante 4,5-Zöller weist dieser ein bereits ziemlich langes und für Planetenbeobachtung
sehr gut geeignetes Öffnungsverhältnis von 7,3 auf und ist durchaus noch als Erstlingswerk geeignet.

CS

RolandKrebs
 
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Hallo,

habt erstmal Dank für eure konstruktiven Gedanken!

Was würde ich ohne euch machen? Eine dünne lange Röhre ohne tieferen praktischen
Sinn wohl bauen...

Ich muß mir die ganze Sache noch mal überlgen, da ich eigentlich vermeiden
wollte solch ein großes Trumm zu machen. Auch die gut 7 Zoll auf f/8 finde ich
zu groß, bis jetzt jedenfalls, vielleicht ändert sich das ja noch.
Außerdem wollte ich etwas, daß sich mehr von meinem 8" f/5 Dobs unterscheidet.
Ich gehe das ganze mal nochmal von vorne durch.


Viele Grüsse
Thomas
 
Hallo Tom,

hochwertige Diagonalspiegel,Spinnen,Halter,etc findest du bei Protostar:

http://www.fpi-protostar.com/

Inhaltlich möchte ich mich Stathis anschließen und vorschlagen nicht unter
6" zu gehen,wenn du es dir zutraust auch 8".
Ist natürlich auch eine Frage der Montierung.6"f/9 sind auch Okularunkritisch,
8"f/6,6 zumindest noch nicht so sehr kritisch.

Ich konnte einmal 3 sehr gute Spiegelteleskope(*) von 8" , 10" und 12" bei
ausgezeichnetem Seeing direkt nebeneinanderstehend an Jupiter vergleichen.

Der Gewinn an Auflösung beim jeweils größeren Teleskop war frappierend.
Das muß man einfach mal gesehen haben wie im 12" die Wolkenbänder voll
aufgelöst werden und Girlanden,Barren,dunkle und helle Spots leicht und
deutlich sichtbar sind,auch sehr farbig,die im kleinen 8" noch an der
Auflösungsgrenze waren und im 10" halt schon besser.

Falls du nicht schon Teile hast denke ich auch,daß zumindest 6" praktisch
nur um wenige Euro teurer werden als 114mm,wenn du jeweils ähnlich
hochwertige Komponenten einbaust.

Ich rtate dazu den Diagonalspiegel nicht zu klein zu wählen,da fast alle
einen mehr oder weniger deutlichen Randabfall zeigen(+),was den Wellenfront-
fehler und damit den Kontrastverlust viel mehr vergrößert als du an der
marginal größeren Obstruktion verlierst.

Auf jeden Fall gutes Gelingen wünscht

Karsten

(*) Hauptspiegel in seriösem Optiktest um 0.90 Strehl oder besser,Fangspiegel
ebenso,Mechanik gut,Streulichtunterdrückung und aktive Belüftung vorhanden.

(+) Dazu wird Kurt sicher in Kürze hier mal ein Beispiel zeigen.
 
Hallo,
Ich will da meinen Senf auch noch dazugeben.
Es heist immer: "Ein 100mm f/10 Spiegel ist einfacher zu machen weil der ja schon als Kugelspiegel beugungsbegrenzt ist."
Das ist nur teilweise richtig. Auch ein Kugelspiegel darf keine Zonen aufweisen und keinen abgefallenen Rand haben. Auch da muss die Oberflaeche einwandfrei, auspoliert und vor allem wirklich kugelfoermig sein, sonst wird das mit den Lambda/10 nichts. Der Unterschied ist zu einem parabolisierten Spiegel nicht so gross wie man annimmt. Das Parabolisieren wird erst bei wirklich schnellen Spiegeln zum Lotteriespiel.
Gruesse immer noch aus Thailand Martin

 
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