PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit TL494

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Lutz

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Thema meines nachstehenden beitrags ist eine variante zur versorgung bzw. ansteuerung von langsamlaufenden gleichstrom-motor-antrieben, vorzugsweise für die plattform-nachführung.

Da es darum geht, die erddrehung durch eine betragsmässig gleiche gegendrehung der plattform zu kompensieren, stellt diese aufgabe doch gewisse anforderungen an die konstanz der drehgeschwindigkeit.

Ich nehme im folgenden verlauf bezug auf den thread von Andreas: "EQ-Plattform, wie antreiben" und beschreibe hier den stand eines miniprojekts, an dem ich mit den selbstbauern Ekkehard und Karl-Heinz beteiligt bin. Die prinzipiellen möglichkeiten des ansteuern (konstant-spg, konstant-strom) hatte ich hier dargestellt.

Anhand des folgenden schlaglichts, das ich vorab auf die erreichbare güte eines motorgleichlaufs in drei ausführungen setze, könnt ihr entscheiden, ob ihr diesen umfangreichen bericht bis zu ende lesen wollt.

Die beiden gebräuchlichen varianten einer elektrischen versorgung des motors sind:
- betrieb an draht-potentiometer (einstellbarer spannungsteiler)
- betrieb an einstellbarem, elektronischen spannungsregler
Etliche weitere methoden binden den motor in einen geschlossenen regelkreis ein, wobei unsere PWM-regelung von ihrer einfachheit her eine gewisse sonderstellung einnimmt.

Verwendet wird ein bremsstand, der es erlaubt, die drehzahl eines permanentmagnet-motors unter vorgebbarer belastung (abgefordertes drehmoment an der welle) mit einem frequenzmesser zu erfassen.

Link zur Grafik: http://liebers-dental.de/Astronomie/tl494%20test.jpg

Fiktive vorgaben für diese beispielhafte anwendung:
- es möge eine festspannung von 12 V gegeben sein, z.b. in form eines kleinen blei-gel-akkus.
- für die gewünschte drehzahl sei eine versorgungs-spannung von 8 V notwendig.
- die plattform möge eine schwankung im abgeforderten motordrehmoment des faktors "ca. 2" haben (wärme/kälte/teleskopschwerpunkt ausserhalb der polachse)
- der verwendete bremstester möge den motor in sieben gleichen belastungsschritten an seine nennlast als grenze führen. Daraus ergibt sich eine vergleichs-belastung mit 2 bzw. 4 stück bremsgewichten (lasteinheiten).

Das ergebnis dieses prüfung ist die prozentuale veränderung der drehzahl bei 4 gegenüber 2 stück bremsgewichten. Als mindestanforderung an diese abbremsung stellen wir die erwartung: < 1% (begründung später).

Anmerkung zum drahtpoti: die in der elektrotechnik übliche forderung, dass über den einstellbaren abgriff (schleifer) maximal 1/10 des stroms durch das poti abfliessen soll, lässt sich nicht realisieren, denn bei geschätzten 80 mA in den motor müssten wenigstens 1 A durch das poti fliessen. Die verlustleistung wäre damit satte 12 Watt!

Variante 1: als kompromiss seien drei teilwiderstände der summe 30 Ohm gegeben, so dass jetzt nur noch 4,8 W verlustleistung auftreten. Mit 10 ohm in reihe zu 20 Ohm (passendes drahtpoti derzeit nicht verfügbar) ergibt sich das gewünschte ersatzpoti, dessen hierbei fester abgriff mit 2/3 von 12 V eben diese gewünschten 8 V liefert.

Link zur Grafik: http://liebers-dental.de/Astronomie/poti.jpg

Variante 2: den motor direkt an ein stabilisierten netzteil angeschlossen entspricht einem elektronischen spannungsregler, wie er einstellbar z.b. mit einem schaltkreis LM317 und wenigen bauteilen realisiert werden kann. Diese variante ist übrigens wesentlich effektiver in bezug auf den erreichten wirkungsgrad: es entfällt der nutzlose strom DURCH das poti, den der motor gar nicht zu gesicht bekommt, der aber für eine stabile spannungsteilung notwendig ist. Lässt man dieses poti zum reinen vorwiderstand entarten, hätte man die schlechteste aller lösungen realisiert.

Variante 3: die ökonomischste energieverwertung stellt die PWM-regelung dar: bis auf den geringen eigenbedarf des integrierten schaltkreises wird die der versorgung entnommene leistung dem motor uneingeschränkt zur verfügung gestellt.


Vorab-ergebnisse mit dem RB-35 (getriebemotor kleiner leistung) bei abgenommenem getriebe:
- das "10ohm/20ohm-poti" an 12 V stabilisiert ergibt eine drehzahl bei 4 LastEinheiten: 3440 upm, bei 2 LE 3597upm, abfall 4,4%
- stabilisierte 8V-versorgung, direkt aus einstellbarem netzteil, bei 4 LastEinheiten: 3716 upm, bei 2 LE 3763upm, abfall 1,2%
- PWM-regelung mit 2 LE auf 3604 upm eingestellt, ergibt bei 4 LE: 3612 upm, zunahme von 0,2%

In die bestromung nach variante 1, poti, geht übrigens der rückgang der akkuspannung mit fortschreitender entladung ebenfalls mit dem faktor 2/3 ein! Bei variante 2 und 3 hingegen wird dieser störfaktor praktisch zu null ausgeregelt.

Die prozentualen drehzahlveränderungen sprechen klar für sich, so dass ich meinen artikel für die weiterhin interessierten leser fortsetze:


Technische grundlage unserer motor-regelung ist der integrierte schaltkreis TL494, der u.a. in dem Funkschau-artikel Nr. 26/1983 veröffentlicht wurde. Dieser Baustein enthält die gesamte steuerschaltung mit taktgenerator, pulsweiten-modulation (kurz: PWM), operations-verstärker, spannungs-referenz sowie überstrombegrenzung zum schutz des blockierten motors.
Sein hauptanwendungsgebiet sind elektronische schaltnetzteile. Eine abkündigung dieses schon älteren baustein ist mir nicht bekannt. Er wird von verschiedenen herstellern produziert.

Als testmotoren stehen uns der bekannte RB-35 sowie andere kleine getriebemotoren zur verfügung.
Die in der Funkschau dargestellte schaltung wurde von uns drei jeweils separat aufgebaut. Wohl je nach vorkenntnis und erfahrung sind die resultate optisch unterschiedlich, funktionstechnisch gesehen aber gleichwertig.

Link zur Grafik: http://liebers-dental.de/Astronomie/tl494%20aufbau.jpg

Die schaltung kann als nachbausicher und unkritisch in ihrem verhalten bezeichnet werden.
Sie bindet kleinleistungs-permanentmagnetmotore in eine geschlossene regelstrecke ein, die zum zweck hat, die drehzahl der motorwelle lastunabhängig konstant zu halten. Darüberhinaus regelt sie auch den unvermeidbaren rückgang der spannung aus, der sich mit zunehmenden entladung einer mobilen versorgung zwangsläufig ergibt.

Wirkungsweise: wie bei jedem geschlossenen regelkreis gibt es eine führungsgrösse, die "soll-drehzahl", die an einem steuerpoti eingestellt wird. Der sensor für die zunächst lastabhängige "ist-drehzahl" ist der motor selbst: sein rotierender anker liefert eine EMK (elektromotorische kraft, zu deutsch: elektrische spannung aufgrund des gleichzeitig gegebenen generator-effekts) deren betrag drehzahl-proportional ist.
Den sensor für die rückmeldung der "ist-drehzahl" gibt es hierbei also zum nulltarif!
Aus der lastabhängigen differenz: "soll-drehzahl minus ist-drehzahl", die an einem internen summationspunkt anfällt und ca. 250 mal pro sekunde abgefragt wird, ergibt sich eine regeldifferenz, die den regelkreis veranlasst, die erkannte abweichung zu null zu machen. Dies geschieht durch die pulsbreiten-modulation, d.h. die betriebsspannung wird durch einen schalttransistor ohne nennenswerte eigenverluste (daher ohne kühlblech) ca. 250 mal pro sekunde dem motor aufgeschaltet, und die dauer der jeweiligen bestromung (pulsweite) gleichzeitig variiert.

Als vorteile ergeben sich:
- gute konstanz der drehzahl, dies über einen sehr weiten drehzahlbereich. Damit können z.b. beim plattform-nachführen auch evtl. vorhandene motoren eingesetzt werden, deren getriebe nicht optimal ausgelegt sind.
- vibrationsfreier gleichlauf, wie er beim schrittmotor erst durch die aufwendige einführung des mikroschritts möglich wird, und dies über einen realistischen temperaturbereich. Nach meiner erfahrung mit schrittmotoren als alternative läuft die schaltung ruhiger als ein schrittmotor im achtel-schritt-betrieb.
- keine konstruktiven vorkehrungen notwendig, um resonanzen von laufgeräuschen (tackern, summen, vibrieren, wie beim schrittmotor im üblichen halbschritt-betrieb gegeben) zu verhindern.
- mehr freiheitsgrad bei der gestaltung der plattform, da der schwerpunkt des teleskops nicht mehr so genau durch die polachse gehen muss. Damit sollten mehr als ein bestimmtes teleskop auf der vorgesehenen plattform verwendbar werden.
- geringer eigenverbauch der schaltung: unsere ausführung verbraucht bei 12 V versorgung nur 8 mA.
- bei verwendung einer vorgefertigten leiterkarte ergibt sich ein sicherer nachbau, auch durch den nichtelektroniker ausführbar.
- einfachste nachrüstung: zwei schraubklemmen für die versorgung, zwei klemmen für den motor, fertig.
- die leitungen zum motor gehen in den regel-algorithmus mit ein, so dass diese drähte lang und dünn sein können, da der spgs-abfall auf ihnen ebenfalls ausgeregelt wird. Das board muss also nicht zwingend in direkter nähe des motors angeordnet sein (sollte man aber nicht übertreiben, da sonst störungen das EMK-messsignal beeinträchtigen können)
- schaltung besteht aus preisgünstigen serienbauteilen (TL494: ca. 0,35Euro)

Nachteilig:
- 12V versorgung, die allerdings auf 7V abgesenkt werden kann, wenn der motor auch damit die gewünschte drehzahl erreicht.
- bei sehr leichtem, motorabhängig ausgeprägtem summen (der ca. 250 Hz-PWM grundtakt) ergibt sich eine leichte unruhe des laufenden motors, die sich durch das "feste" eingespanntsein in den regelkreis ergibt. Dieses geräusch ist allerdings so gering, dass es in den laufgeräuschen des low-lost-stirnradgetriebes untergeht.
- soll-drehzahl für das siderische nachführen muss einmalig am poti eingestellt werden, wozu eine messung an der motorwelle nötig ist. Im vergleich hierzu kann ein schrittmotor-antrieb digital und per software auf die gewünschte drehzahl programmiert werden, ohne messen zu müssen. Alternativ könnte auch eine anpassung der drehzahl ohne drehzahl-messgeräte während der nachführung "am stern" erfolgen.

Vor dem testlauf auf dem bremsstand wurde das getriebe abgenommen und auf das damit offenliegende zahnritzel eine kleine aluscheibe gepresst, auf deren umfang eine gedrucktes impulsmuster geklebt wurde. Die drehzahl wird mit einer glasfaserlichtschranke und einem frequenzmesser gemessen.

Hier die ergebnisse unserer bremstest-versuche, wobei der RB-35 eingesetzt wurde. Belastet wurde relativ, d.h. in vielfachen der lasteinheit: "1 Stück M4-schraube". Zuvor wurde das eigengewicht des hebelarms austariert.

Leerlauf: : 647,2 Hz, entspricht 2157 upm 100,0%
2 schraube belastung: : 649,8 " 100,4%
3 " " : 648,4 100,2%
4 " " : 643,6 99,4%
5 " " : 642,6 99,3%
6 " " : 619,0 95,6%

Zur erklärung: zwischen dem frequenzwert und dem upm-wert stehen die festen faktoren: 18 licht-pulse / 360 grad an der bremsscheibe, faktor 60 zwischen sekunde (Hz => 1/sec) und minute (upm => 1/min).

Am ende dieser messreihe war der motor leicht temperiert, die bremsscheibe hatte geschätzt ca. 60 grad C (grenze der berührbarkeit mit dem finger). Es ist zu vermuten, dass der antrieb in einer plattform einer belastung zwischen einer bis zwei schrauben entspricht.

Zur relativierung dieser drehzahlkonstanz sei folgende anwendung genannt: siderisches nachführen mit einem teleskop des bildwinkels 0,5 grad (mond sei formatfüllend) über zwei stunden. Das objekt soll dabei nicht mehr als 1/4 grad aus dem bildfeld wandern (die erddrehung beträgt 15 grad/h): 1/4 grad geteilt durch 2*15 grad ergibt eine notwendige drehzahlkonstanz von 0,84%.

Ein weiterer bremstest dokumentiert die drehzahlstabilität bei niedrigen drehzahlen. Dabei besteht selbst bei nur wenigen hundert upm ein enormes durchzugsvermögen an der welle! Ich hatte dazu die pulsierende spannung an den klemmen des motors im regelkreis gemessen: nur 1,7 V (wobei vorsicht geboten ist: der wirkliche effektivwert dieser spannung liesse sich nur mit einem dreheisen-voltmeter korrekt bestimmen).

An DC 1,7 Volt (am stabilisiertem netzteil, aber bei ungeregeltem motorlauf) hingegen kann man ihn mit den fingern mit leichtigkeit anhalten.

Für den nachstehenden schleichgang-test wurde der motor im regelbetrieb (leerlauf) auf 1,8 V (pulsbreitenmoduliert) an den klemmen eingestellt.
Leerlauf : 263,4 Hz (878 upm)
5 schrauben: 259,2 Hz (1,6% drehzahlabfall)

Nun der ungeregelte betrieb, der motor hängt direkt am stab. netzteil, spannung am motor ca. 1,3 V
Leerlauf : 261,6 Hz (872 upm)
5 schrauben : 208,4 Hz (20,3% drehzahlabfall) !

Solch eine drehzahlkonstanz gegenüber der geregelten spannungsversorgung vom ca. 12-fachen ist schon sehr erfreulich.

Temperaturverhalten: Zu dieser messung wurde bei raumtemperatur eine niedrige drehzahl von ca. 1000 upm am RB-35 eingestellt. Belastet wurde mit drei schrauben. Der zugehörige frenquenzwert am pulsrad lautete: f = 1000 upm / 60s * 18 pulse/umdr. = 300 Hz Diese frequenz wurde am f-meter wegen seiner kurzzeit-schwankungen mehrfach in zufälliger folge abgelesen und der mittelwert errechnet: 312,1 Hz

Nun wurden die komponenten: belasteter bremsstand mit motor, PWM-schaltung und lichtleiterauswertung des o.g. aufbau ins drei-sterne-kühlfach eines kühlschranks verlegt. Die lochraster-platine mit der schaltung darauf lag frei auf einer isolierenden unterlage, war also der kälte unabgeschirmt ausgesetzt.

Die gemessene frequenz (drehzahl) nach einer stunde (bei ca. -18 grad C): 311,3 Hz (praktisch gleich).

Dazu ist zu sagen, dass es den TL494 in zwei versionen gibt: für umgebungstemperatur 0 bis +70 grad C bzw. -25 bis +85 grad C. Hier wurde die erste version verwendet.


Als vorerst letzter punkt unseres projekts wurde geprüft, mit welcher minimalen betriebsspannung die PWM-schaltung betrieben werden kann. Da sich eine eingebaute 5V-spgs-referenz im TL494 befindet, hat der hersteller die minimale betriebsspannung lt. datenblatt auf 7V festgelegt.
Nach dem kältetest senkte ich einzig die betriebspg. von 14,7 auf 7,5 V ab. Daraufhin stieg die drehzahl auf 319,3 Hz. (2,3% höher), was 1064 upm entspricht. Die geregelte motorspannung wurde mit 3,2 V gemessen.

Das auflegen einer vierten schraube erbrachte eine frequenz von 324,0 Hz (1,4% mehr als gegenüber drei schrauben belastung). Damit reagiert die schaltung auf laständerung an der unteren grenze der betriebsspannung deutlich stärker. Und nun können nicht mehr so hohe drehzahlen eingestellt werden, was aber in dieser anwendung sowieso wenig sinn macht: im sinne eines geräuscharmen laufs besser einen motor mit weniger untersetzung bei geringerer drehzahl laufen lassen.

Stromverbrauch: bei 12 V betriebsspg. und 2 schrauben (geschätzte plattformlast) beträgt der strom bei ca. 1000 upm gerade mal 46 mA, bei 5 schrauben 89 mA., das macht ein halbes bis ein Watt leistungsaufnahme, damit deutlich weniger als bei einer schrittmotoranwendung. Mit drei stück 4,5V flachbatterien könnte man schon einige stunden nachführen.

****


Ekkehard ist dabei, die schaltung mit dem EAGLE-layouter auf eine kleinformatige leiterplatte zu routen. Damit sollte sich die PWM-verwendung für einen grösseren kreis selbstbauer eröffnen, auch wenn sie nur über geringe löterfahrung verfügen und mit elektronik nicht bewandert sind.

V.g. Lutz
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hallo Lutz Liebers,
eine sehr fundierte Forschungsarbeit - <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/i_respekt.gif" alt="" />
Bin mit Ekkehard in engem Kontakt und kann bestimmt von Euren Forschungen profitieren.
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hallo Lutz,

vielen Dank für die "Grundlagenforschung" und das bereitwillige zu Verfügung stellen im besten ATM spirit, großes Lob!

Ich weiß, daß da viel Arbeit drin steckt, und das alles dann auch noch aufzubereiten nimmt auch einge Zeit in Anspruch.

Ich habe ja schon an anderer Stelle gesagt, daß ich den Regelkreis aus der Funksschau sehr elegant finde. Den Motor gleichzeitig als seinen eigenen Drehzahlsensor zu benutzen ist wirklich schlau.

Und da der Regelkreis selbst auch noch so genügsam ist werde ich mir wohl das Mausschlachten sparen und melde mich schonmal bei Ekkehard für eine Platine an <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />.

Ich muß allerdings bei einer Sache Zweifel anmelden: der Lastwechsel von einem Faktor zwei an der Motorachse (also vor dem Getriebe) ist meiner Meinung nach nicht sehr realistisch. Wenn ich keinen Denkfehler mache würde das bei einem 12000:1 Untersetzungsgetriebe einem Lastwechsel des 24000fachen Betrages am Plattformende entsprechen, d.h. wenn Du zu deinem Teleskop auch noch einen LKW auf der Plattform parkst hättest Du diese Art Lastwechsel, oder?

Trotzdem habe ich einfach ein besseres Gefühl bei dieser Antriebslösung und dazu kommt dann auch noch die bessere Stromökonomie.

Also, nochmal großes
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" /> für deinen Bericht!

Viele Grüße,
Andreas
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hi Lutz,

schöne Bastelei <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />

Frage: wie funktioniert das genau mit der Messung der EMK? Wie bekommt man die induzierte Spannung nach Ende der PWM-Ein-Phase aus dem Messwert raus? Ist die in den ca. 2ms weitgehend abgeklungen, und am Ende der PWM-Aus-Phase wird der EMK-Spannungswert gesampelt? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/gruebel.gif" alt="" />

cs
Martin
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hi Andreas,

ein Lastwechsel von 2 am Motor entspricht einem Lastwechsel von 2 an der Lastseite, egal welche Getriebeübersetzung.

cs
Martin
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hallo Martin,

da muß ich wohl nochmal überlegen...
Auf alle Fälle habe ich schonmal Kraft mir Drehmoment verwechselt.

Wenn die relative Drehmomentsänderung wirklich 1:1 vom Getriebe weitergegeben wird, ist ja eine schlecht ausbalancierte EQP-Telekop-Kombination mit viel Drehmoment am Plattformende (Drehpunkt geht weit am Schwerpunkt des Teleskopes vorbei) vom Gleichlauf her im Vorteil...

Hmm, muß ich nochmal in mich gehn.

Auf alle Fälle scheint mir vom Gefühl her das Drehmoment an der Motorachse von den Reibungsverlusten im Getriebe dominiert zu sein, so daß ein zusaätzliches Drehmoment von der Plattform und somit ein Lastwechsel an selbiger nicht sehr ins Gewicht fällt.

Viele Grüße,
Andreas

PS: Du hast Mail
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hallo Lutz,

klasse Arbeit!

Somit wäre der theoretische Teil und die Schaltungsanpassung beendet.
Ich denke diese Schaltung ist eine gute Möglichkeit mit vertretbaren technischen und finanziellen Mitteln eine rel. genaue und stabile Antriebseinheit zu bekommen.

Der Vorteil hierbei ist, daß fast alle vorhandenen DC-Antriebe für Nachführungen dadurch erheblich aufgewertet werden können.

Bin gespannt ob das genutzt wird!
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hallo Martin,

> Frage: wie funktioniert das genau mit der Messung der EMK? Wie bekommt man
> die induzierte Spannung nach Ende der PWM-Ein-Phase aus dem Messwert raus?

Du siehst hier den zeitlichen verlauf der motor- bzw. anker-spannung, gemessen an den anschluss-punkten des motors RB-35, im leerlauf, ohne gewichtsschraubenbremsung. Die nullinie der spannung im oszibild liegt auf der hor. mittellinie im bildschirm, die ablenkung beträgt 5 V/teilstrich senkrecht.

Link zur Grafik: http://www.liebers-dental.de/Astronomie/emk1.jpg

Phase 1 (rot markiert) ist die on-zeit, wenn der endstufen-schalttransistor die versorgungsspg. dem motor aufschaltet.

Phase 2 (blau) ist die spgs.-umkehr beim abschalten des transistors aufgrund der selbstinduktion des ankers, der jetzt wie eine zündspule die ankerspg. ins negative treiben würde, wenn nicht bei der durchlass-spg. einer diode parallel zum motor bei ihrer durchlass-spg. (ca. 0,6V) schluss wäre. Aufgrund des dadurch erfolgenden stromflusses (im motoranker und dieser diode) vergeht eine gewisse zeit, bis sich die im magnetischen feld angesammelte energie abgebaut ist.

Erst dann beginnt phase 3 (gelb) bis zum ende der periode von ca. 4 ms: die EMK des motors kommt wieder zum vorschein: 3 bis 5 volt, mit heftigem einschwingvorgang, besonders beim motor RB-35, dessen drei stück im kreis fahrenden elkos möglicherweise eine art schwingkreis aus dem anker machen.

In der tat liesse sich das zeitfenster zum EMK-samplen optimieren, denn z.z. wird die EMK schon rückgeführt, sobald der endstufentransistor stromlos wird. Mittels eines NE555 als monoflop und etwas gatterbeschaltung (wired-and/or-dioden) liesse sich das sampling-fenster zeitlich bis kurz vor die nächste strom-ein-phase schieben, nur gibt es leider auch motoren mit...

Link zur Grafik: http://www.liebers-dental.de/Astronomie/emk%20ripple.jpg

...EMK-dauerwelle! :-)

Da würde sich der mehraufand vermutlich nicht lohnen. Was bedeutet, dass die güte der regelung weitgehend von der stabilität des EMK-signals abhängt.

Glockenanker-motoren (z.b. von MAXON) haben eine vergleichsweise wenig restwellige EMK.

V.g. Lutz
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hi Lutz,

aja, alles klar. Danke für die ausführliche Darstellung!

Dachte mir dass es so ungefähr laufen muss. Wesentlich ist bei dieser Methode dass der Motorstrom "lückt", d.h. während der PWM-aus-Phase auf Null zurückgeht.

Das dürfte der Hauptgrund sein warum bei der vorliegenden Schaltung die PWM-Frequenz so untypisch niedrig gewählt wurde (neben den Schaltverlusten, der originale 2N3055 ist ja nun wahrlich kein schneller Schalter...).

@Andreas: Danke für die informative Post!
Die Funkschau hatte ich damals selten in der Hand, meine Zeitschrift war die ELO... kennt die noch jemand? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/cool.gif" alt="" />

cs
Martin
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hi Martin,

ELO, ja, das kenn' ich noch ...

Übrigens, wegen der auftretenden Harmonischen gehören bei der Sache die Kabel geschirmt, sonst betreibt Ihr eine Sendeanlage <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />

J.
 
Hallo Lutz,

ich weiß ja, wieviel Aufwand in so einem Projekt steckt. Nochmal vielen Dank für die sehr umfangreichen Messreihen, die manches Geheimnis zu Tage gebracht haben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />.
Ich war selbst erstaunt, welche Regelgenauigkeit bei diesem eher für grobschlächtige Werkzeugmotoren ersonnenen Prinzip zu erreichen ist - besonders bei den interessanten niedrigen Drehzahlen. Ich denke auch, dass hier von vielen Sternfreunden mit überschaubarem Bastelaufwand eine schöne Steuerung erstellt werden kann (vor allem wenn dann Ekkehards Platinchen zur Verfügung steht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />).
Der Riesenvorteil gegenüber den sehr präzisen Schrittmotorschaltungen ist der lächerlich geringe Stromverbrauch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />

Gruß <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grknie.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/appl.gif" alt="" />
Karl-Heinz
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hallo Karl-Heinz,

Der Riesenvorteil gegenüber den sehr präzisen Schrittmotorschaltungen ist der lächerlich geringe Stromverbrauch

Dieser Punkt ist mir vorhin auch in den Sinn gekommen. Und kurzzeitig spielte ich mit dem Gedanken die noch nicht fertiggestellte Schrittmotor-Steuerung meiner SB-Monti durch DC-Antriebe zu ersetzen...

Der geregelte DC-Motor nimmt im wesentlichen nur die Leistung aus der Stromversorgung auf, die er auch an die Montierung abgibt (+ Wirkungsgrad-Verluste natürlich).

Den (gesteuerten) Schrittmotor muss man ja mit recht fettem Strom betreiben, damit er mit allen Betriebszustände ohne Schrittverlust klarkommt. Mechanisch abgeben tut er normalerweise nur einen kleinen Teil der aufgenommenen Leistung, der Rest geht in Wärme.

Allerdings tut man sich bei so einer einfachen DC-Regelung schwer mit stark veränderlichen Drehzahlen, also z.B. 32-fach oder so. Aber darum geht es ja hier nicht.

Die nächst bessere Lösung für den DC-Motor wäre natürlich eine Phasenregelschleife (PLL). Damit könnte man die Drehzahl dann mit digitaler Genauigkeit einhalten, also eine echte Konkurrenz zum Schrittmotor bezüglich der Nachführgenauigkeit. Auch das mit sehr viel weniger Strombedarf.

cs
Martin
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hallo Jörg,

ich hatte damals die Steuerung im Labor betrieben nicht weit entfernt von einem Kernspinspektrometer (das die Induktionsstrahlung von rotierenden Wasserstoff-Atomkernen aufnimmt, die Resonanzfrequenz war im Kurzwellenbereich). Das Spektrometer war so empfindlich, dass man trotz mehrfacher Abschirmung und anderer Tricks zur Reduzierung von QRM (leider) die Flöhe husten hören konnte.
Aber die Steuerung hat sich nicht nennenswert bemerkbar gemacht. Mass muss ja auch mit den Leitungen nicht unbedingt großflächigen Schleifen legen und so eine magnetische Antenne bauen. Möglicherweise ist auch der Leistungstransistor so träge, dass der schon im kHz-Bereich zugemacht hat <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/ooo.gif" alt="" />. Ich hatte nicht den etwas schmalbrüstigen 2N3055 verwendet, sondern einen BD249, der auch ein bisschen mehr Strom verträgt. Für die Nachführungsmotörchen hier aber völlig überdimensioniert, da tut's ein Kleinleistungstyp.
Also, bei Einhaltung der üblichen EMV-Maßnahmen scheint die Schaltung auch in Flughafennähe unproblematisch zu sein <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />

Entstörte Grüße
Karl-Heinz
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hallo Karl-Heinz,

ich hatte den dicken Brummer damals schon durch einen BD139 ersetzt und der ist OHNE Kühlkörper bei den ganzen Testereien von Lutz nicht mal heiss geworden.
 
Re: PWM-regelung von permanentmagnet-motoren mit T

Hallo,

die hier vorgestellte Ansteuerung finde ich sehr interessant und werde sie wohl nachbauen, wenn die Zeit gekommen ist.

@ Martin: Hast du vielleicht Links zu der von dir erwähnten Phasenregelschleife ? Das hört sich nehmlich auch gut an!

Viele Grüße

Kai
 
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