Reiseandenken Nebra-Scheibe

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HermFrank

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Reiseandenken Nebra - Scheibe

Vorwort

Sollte in ferner Zukunft in der Welt ein Münzschatz aus DM - Münzen gefunden werden und man erkennt sie als solche, so ist es ein leichtes das Alter zu bestimmen. Man braucht nur die deutsche Geschichte zu lesen. So ist es auch mit der Nebra - Scheibe. Erkennt man ihre griechisch / hellenistische Herkunft, genügt es ein kundig machen in dieser Geschichte und man wird auch im Detail findig. Die Himmelsscheibe sollte vor 2300 - 2000 Jahre im griechisch / hellenistischen Bereich hergestellt worden sein, als Reiseandenken. Ob diese Scheibe wirklich ein Tourist gekauft hat oder ein Einheimischer der sie dann ausgefuhrt hat, sei dahingestellt. Die Scheibe hatte damals einen geringen kulturellen und astronomischen Wert, aber schon alle Attribute unserer heutigen Reiseandenken, Aber der Reihe nach.

Beschreibung der Scheibe und der Zeichen

Verziert ist die Scheibe mit Sternbildern aus der griechischen Mythologie. Die Sternbilder sind nicht genaue Abbildungen, wie etwa eine Fotografie, sondern stilisiert, aber immer noch erkennbar dargestellt, entsprechend dem Ansichtsbild der damaligen Zeit. Infolge der Präzision der Erdachse erfahren die Sternbilder in Polnähe eine starke Ansichtsverschiebung. Sternbilder in Aquatornahe gar keine.
An der östlichen Seite der Scheibe das Sternbild Cassiopeia, mit dem versetzten Stern Schedir. Kepheus am oberen Rand, wobei der Stern Alderamin von sechs Sternen eingekreist ist. Alderamin — rechter Arm. Hier trägt der athiopische König, als Zeichen seiner Herrscherwürde einen massiven goldenen Armreif, symbolisch dargestellt durch den Sternenkreis der sechs Sterne. Unten die Sternenkette der Andromeda. Zwischen Sonne und Mond sind noch einige Sterne der Sternbildes Perseus zu erkennen. Leider verdecken die später angebrachte Sonne, Mond und Horizontbogen weitere Sterne von Andromeda und Perseus.
Der Scheibenrand ist durch etwa 40 Bohrungen in Dekaten eingeteilt. Die Scheibe konnte somit als hängende, drehbare Kalenderscheibe benutzt werden. Die Zahl 9 war in der Antike eine mystische Zahl. 40 Dekaten a 9 Tage = 360 Tage. So konnten die polnahen und markannten Sternbilder Kepheus und Cassiopeia im Jahresverlauf, gemäß ihrer Stellung am Himmel in Position gebracht werden. Eine genaue Tagesdatierung war nicht möglich. Das Kennen wir ja, Capella
und Krippe im Zenit und es ist Weihnachten. Auf der Orginalscheibe ist
an einer Stelle ein Omegazeichen erkennbar, ein Alphazeichen müßte auch erkennbar sein.
Das schönste und interessanteste Gebilde auf der Scheibe ist der goldene Halbbogen. Das Gebilde hat an den Längsseiten eine feine Riffelung, als Verzierung. Zwei Rillen durchziehen das Stück und stellen Längsfalten dar. Es sollte, stilisiert, das " Goldene Vlies " sein und hüllt Andromeda ein. Der Kopfstern "Sirrah" berührt das Vlies. Der Fußstern "Alamak" liegt ausserhalb des Vlieses. Ein weiterer Stern unterhalb des Vlieses stellt den Punkt dar an dem, der Sage nach, Andromeda an den Gestaden des Meeres angekettet war. Perseus, so die Sage, hat das Vlies geraubt und seiner Frau Andromeda geschenkt.
Danach ziert die Götter- und Kalenderscheibe keinen markanten Himmelsausschnitt, sondern vier markannte Sternbilder der griechisch / hellenistischen Götter- und Sagenwelt. Das größte Heiligtum dieser längst vergangen Welt, das " Goldene Vlies " darf auf einer Souvenierscheibe nicht fehlen. Die alten Griechen haben es verstanden ihre Götter zirkumpolar am Himmel zu postieren. Auf diesem "Mitbringsel" sind sie noch kompakter versammelt.
Zu irgendeinem Zeitpunkt ist die Scheibe nach Mitteleuropa gekommen und wurde mit Sonne, Mond und Horizontbogen erweitert. Einige Sterne wurden überdeckt. Nun war die Scheibe neben einem Souvenier- und Sammlerstück, ein Dokument über astronomische und himmelskundliche Kenntnisse, das zu Lehr- und Ansichtszwecke genutzt werden konnte. Um die Jahreszeiten zu erkennen orientierten sich die damaligen Menschen in Mitteleuropa schon lange am Sonnenaufgang und -untergang über natürliche und künstliche Landmarken. Eine genaue praktische Erkennung von Aussaat und Ernte, sowie anderen lebensbedingten Arbeiten, ist mit der Himmelsscheibe nicht möglich.

Herstellungsraum und -zeit

Die altgriechische Kultur wurde aufs stärkste beeinflußt durch die in Kreta ganz eigenartig entwickelte, mit der ägyptischen in nahe Berührung stehende, nach König Minos genannte minoische Kultur, etwa von 2600 - 1200 v. Chr. . Bronzearbeiten, Keramiken, Siegel und Ornamente waren bekannt und wurden in Vollendung ausgefuhrt. Bekannt ist die kretische Doppelaxt Labrys, sie trägt die gleiche Riffelung alsVerzierung, wie der goldene Halbbogen auf der Himmelsscheibe. Diese schräg geriffelte Verzierung findet sich auf allen
Kulturgütern in der antiken hellenistischen Kultur, auch an dem um 180
v. Chr. erbauten Pergamonaltar. Sonne, Mond und die Horizontbogen
haben diese Verzierung auf der Himmelsscheibe nicht. Als Hellenen bezeichnen sich die Griechen seit etwa 700 v. Chr. Homer nennt sie noch Danaer oder Achaier. Der Einflußbereich der Hellenen umfaßt zu
dieser Zeit nicht nur den Mittelmeerraum, sondern auch weitgehend das Balkangebiet bis zur Donau. Somit konnte das Kupfer und das Gold auch aus dem Balkanraum stammen. Das Gold der Sterne und des Halbbogens
müsste einheitlichen Ursprungs sein. Das Gold von Sonne, Mond und Horizontbogen, weil später aufgebracht, sollte einen anderen Ursprung haben.

Vielleicht schon im 3. Jahrtausend v. Chr. sind die Vorfahren der "Hellenen" auf das festlandische Griechenland eingewandert. Es folgen über 3000 Jahre das selbstverständliche Erlebnis von Krieg, Zerstörung, Plünderung, Vandalismus und Zusammenbruch. Die Bevölkerung war in der Vergangenheit kaum angestiegen. Alexander (III.) der Grofie wurde 336 v. Chr. König. Seine Heere eroberten ein Reich in dem die Sonne nicht unterging. Es reichte vom Mittelmeer bis zum Hindukusch. Nach Alexanders Tod 323 v. Chr. folgte die "stoische Ruhe". Glück als Selbstüberwindung und als Pflichterfüllung im Dienst der Menschheit. Zum erstenmal erlebte in der Zeit des Hellenismus ein gutes Stück der Menschheit ein bis in die unteren Schichten reichende Lebenssicherheit. Es gab Weltkenntnis, Reisen, Luxus, Verfeinerung und Zivilisierung der Lebensformen. Die hellenistischen Städte erstrahlten in Glanz, Fülle und Behaglichkeit. Ausser gewaltigen Tempeln wurden in den neuen Städten eine vielzahl von Profanbauten errichtet: Markthallen, Tore, Brunnen, Theater,Kauf- und Wandelhallen, Gasthäuser, Gymnasien, Konzerthäuser u. v. mehr.
Dem verwohnten, romantischen, vielwissenden Sinn behagt künstlerisch mehr das Archaische und die primitive Wucht gewaltiger Urformen. Eine Besinnung auf die alten Götter- und Sagengestalten war die Folge. Es entstand u.a. Hera Ludowisi, der Zeus von Otrikoli, der Apollon vom
Belvedere, die Aphrodite von Melos. Bedeutend waren auch die geschichtlichen Memorienwerke, auch Urkundensammlungen
entstanden.
Die Bevölkerung nahm rapide zu. Viele Hellenen wanderten aus in der Hoffnung, die ganze Welt griechisch zu machen.
Ein gewaltiger Tourismusstrom setzte ein, das wird in der Literatur häufig erwähnt. Es entwickelte sich eine Reiseandenkenindustrie.
Fremdenführer war ein Erwerbszweig.

In dieser Zeit von ca. 300 v. Chr. bis zur Zeitenwende ist auch die Herstellung und Verkauf der Nebra - Scheibe, als Reiseandenken anzusiedeln.

Es war die Zeit großer hellenistischer Wissenschaftler:

Aristarch von Samos 320-250 v. Chr. entdeckte als erster, daß die Erde um die Sonne kreist.

Eratosthenes 320-250 v. Chr. bestimmte als erster den Erdumfang.

Euklid um 300 v. Chr. war Mathematiker in Alexandra.

Archimedes 287-212 v. Chr. Mathmatiker, Physiker und Mechaniker.

Hipparchos 190-120 v. Chr. begriindete die Geometrie.

Man brauchte also keine Sonnenbarke, damit jeden Morgen im Osten die Sonne aufgeht.

Sicher wird alles Gesagte im Bezug auf die Himmelsscheibe immer eine Theorie bleiben. Doch wenn alles zusammenpaßt, die Herkunft des Materials, die Dastellungen auf der Scheibe, die Abfolge der Herstellung, der bekannte geschichtliche Kontex und das zur Herstellungszeit bekannte menschliche Umfeld, sollte man dem Ratsel der vorgeschichtlichen Himmelsscheibe von Nebra ein Stück naher gekommen sein.

Hermann Frank, Juli 2004
Geschichtliche Quelle:
"ILLUSTRIERTE WETGESCHICHTE", Bd. 1
Lingen Verlag, Köln
Sonderausgabe 1976

 
Ich bin sicherlich kein Experte auf dem Gebiet, war aber, weil sich mir durch eine befreundete Archäologin bot, auf einem Vortrag von Dr. Harald Meller, einem der Haupakteure hinsichtlich der Untersuchung der Scheibe.
Soweit ich mich erinnern kann, gab es bereits metallurgische Untersuchungen des Materials die zu dem Ergebnis kamen, dass das Kupfer zur Herstellung der Scheibe aus Österreich und das Gold aus Siebenbürgen kam.
Außerdem lassen wohl gewisse metrische Merkmale der Scheibe selbst (z.b. das Winkelmaß der beiden äußeren Bögen, das nur mit den örtlichen astronomischen Gegebenheiten des Gebietes Nebra Sinn macht) den Schluss zu dass die Scheibe zumindest für dieses Gebiet konstruiert wurde.
Alles in allem ist also die Wahrscheinlichkeit doch recht hoch, dass das gute Stück doch in unseren Gefilden hergestellt wurde.

Im Übrigen bemerkte Dr. Meller bei dem Vortrag, dass er von hunderten Historikern, Profi- und Amateuerastronomen, Astrologen und jeder der sonst noch seinen Senf meinte zugeben zu müssen mit Theorien hinsichtlich der Bedeutung der Anordnung der Sternsymbole auf der Scheibe bombardiert wurde, es aber keine verlässliche Theorie dazu gäbe (außer vielleicht der vermutlichen Darstellung der Plejaden, die seinerzeit so weit verbreitet waren).

Aber wie gesagt, ich bin kein Experte...
 
Hallo HermFrank,
grübel grübel, Reiseandenken, so mal eben mit der Karre in Richtung Ägäis, fein, fein, wir resp. unsere Vorfahren haben schon immer einen Hang zum Süden, so Richtung Wärme, etwas höherem Sonnenstand, damit wir uns auch den Pelz verbrennen. Als Beweis für den Besuch im Süden mal eben so ein Andenken mit Sternchen und was sonst noch beim Händler unten am Hafen,,,,,,,, schräg, schräg.
Wie wär's mit Fakten aus der Materialuntersuchung -?-
fragt sich
derfritte
 
Buntsandstein und Luftpumpen

Hallo Herr Frank,

leider fallen Sie ja noch immer auf Asterismen rein.

Ich habe Ihnen daher eine Freude gemacht und Ihre Zeichnung etwas abgeändert:

Link zur Grafik: http://www.eifeltwister.de/himmelsscheibe2.jpg

Wie Sie sehen, standen zu der Zeit, zu der die Himmelsscheibe gefertigt wurde, Delphinus, Equuleus, Sagitta und Triangulum deutlich sichtbar am Himmel.

Auffällig sind aber die mind. 7 "Antlias", also die Sternbilder "Luftpumpe", L1 - L7, jeweils die mittleren Sterne bezeichnet. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />

Der französische Astronom Nicolas Louis de Lacaille belegte im 18. Jahrhundert einige Regionen des südlichen Sternhimmels, die noch nicht benannt waren, mit Namen. Im Gegensatz zu den klassischen Sternbildern, die nach mythologischen Gestalten benannt sind, trugen seine Konstellationen meist die Namen von technischen Errungenschaften.

Die Luftpumpe benannte er zu Ehren eines technischen Gerätes, das von Otto von Guericke erdacht und von Robert Boyle weiterentwickelt wurde.

Dies ist nicht nur der eindeutige Beweis, dass de Lacaille den Südhimmel kannte, nein, er muss die Scheibe gemacht haben! Nur er konnte so gut mit Luftpumpen umgehen, dass er sie am Himmel finden und übertragen konnte. Was Luftpumpen anging, so machte ihm keiner was vor.
Von ihm stammt ja auch der berühmte Spruch: "Der Himmel hat für jeden eine Pumpe!", den jeder von uns schon in der Schule gelernt hat.

Ja ja, der olle de Lacaille....

Er reiste viel, auch nach Nebra, weil er total auf Buntsandstein stand.
Nebra ist ja berühmt für seinen Bundsandstein, und ich kann Ihnen sagen, de Lacaille LIEBTE Buntsandstein!
Ohne Buntsandstein ging bei ihm nichts, war der Tag gelaufen.
Abends, am Kamin, stöhnte er oft: "Jetzt ein Gläschen Wein, ´ne schöne Luftpumpe und dazu ein Schüppchen Nebraer Buntsandstein. Was will ein Mann mehr? Ein Kind zeugen, einen Baum pflanzen und einen Buntsandstein streicheln."

Da de Lacaille das Geld ausgegangen war (klar, all der Wein...), stellte er die Scheibe her, um sie gegen Steine einzutauschen.

Er war überdies mondsüchtig und vergötterte den Trabanten regelrecht, daher die Mondscheibe auf der Scheibe.

Die große Scheibe in der Mitte sind Beugungsscheibchen, die er sah, als er durch den Boden seiner Weinflasche (er hatte kein Geld für ein Teleskop) auf den Mond blickte.
Das angebliche goldene Vlies, was Sie sehen, war in Wirklichkeit der Staubwedel des Zimmermädchens, welches sich schließlich weigerte, seinen Saustall im Hotelzimmer sauber zu machen.

Und die goldenen Bögen, das ist der Schein der Laternen, die er durch sein Zimmerfenster sah.

Ihre Theorie können Sie jetzt begraben, sie bricht sang- und klanglos in sich zusammen.

Thomas Stelzmann, im August 2004


 
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Messerscharf beobachtet - ich bin platt! (o. T.)

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Re: Messerscharf beobachtet - ich bin platt! (o. T.)

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