Rhönfeeling...

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adastra1973

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...oder wenn die Luft steht! BB vom 31.07.2013

Hallo,

es war die erste von mehreren langen Nächten letzte Woche, die mich wieder einmal in einigen Belangen überrascht hat. Selbst nach mehrjähriger Beobachtungserfahrung muss man auf Neues gefasst sein. Wie von der Wettervorhersage vorausgesehen riss der Himmel gegen Abend bei uns auf und ich startete mit meinem 10" ACF. Die Luftruhe war laut mb nur durchschnittlich gemeldet. Was mir schon merkwürdig vorkam, denn es war deutlich besser als normalerweise und ich konnte gut über 250x vergrößern. "Ein hoffnungsvoller Einstieg", dachte ich bei mir beim knackscharfen Anblick vom tiefstehenden Saturn am Westhimmel.

Ab 21.45 Uhr gings dann mit dem Doppel-doppel weiter und die Sternlein zeigten sich wie ausgestanzt. Auch Albireo konnte ich höchstvergrößern. Und das in meinem ACF-Spieglein. Um die Lichtpünktchen stand ruhig ein sich langsam drehender, heller Lichtring und dann noch ein paar weitere hauchzarte. "Wie in der Rhön!" Dort haben wir vergangenes Jahr auch solche Bedingungen gehabt. Sensationell...
Ich vergrößerte bis gut 500x und die Sterne standen wie eine Eins!!!

Nach dem Ringnebel der ab und an den Zentralstern Preis gab und M 27 fuhr ich mein erstes Ziel an. Den PN NGC 6905 Blue Flash. Diesen habe mit dem Bleistift dokumentiert (siehe unten). Hübsch fand ich das helle, einrahmende Trapez und die "hinführende" Sternkette! Kurz vor 23.00 Uhr ging es dann mit dem Stropek und der Koordinatenliste bewaffnet auf die Jagd nach den Himmelsschätzen am Süd-Ost-Himmel. Die Altbekannten lass ich jetzt mal außen vor, aber was mich absolut begeisterte war die Tatsache, dass ich auch an Galaxien und anderen Deep-Sky-Objekten Freude an der Hochvergrößerung fand und auch der visuelle Eindruck entsprechend gut war. So wie beim Blue-Snowball bsw., den ich gegen 2.00 Uhr zeichnete. Normal bin ich einer, der eher moderat vergrößert, um noch ein wenig Fleisch drumrum zu haben. Aber wenn´s funzt, ist´s um so schöner.

Und gestern war das so. Das spricht für sich! Einige schwache KS, die wir auch auf der Kissinger Hütte als Wattebäuschchen erkannt haben konnte ich in den Randbereichen Auflösen! Das hätte ich nicht gedacht, zumal die nächsten Nächte noch besser gemeldet waren! Unsere Milchstraße war zumindest so deutlich wie selten. Ich schätze die Grenzgröße auf gut 6,5 mag, eine unwahrscheinliche Transparenz bei trockener Luft.

Als besondere Objekte im Cyg, Del, Peg fischte ich folgende aus dem Stropek:

IC 4996 (OH mit einigen hellen Sternen, ähnlich einer GLX)
NGC 7006 KS
NGC 7042 GLX
NGC 16 GLX
NGC 206 (in Andromeda)
NGC 266 GLX
NGC 272 OH
NGC 7246 GLX
NCG 7265 GLX
NGC 7286 GLX
NGC 7292 GLX (schwer!!)
NGC 7315 GLX
NGC 7330 GLX
NGC 7331 hellste GLX in Peg und Stephans Quintett HCG92
NGC 7457 GLX
NGC 7490 GLX
NGC 7460 GLX (edge on, sehr groß, leicht strukturiert) gut!!
NGC 7753 GLX (wechselwirksame Galaxie, die schwächere ist aber zu schwach)

Natürlich waren darunter wieder zahlreiche "Fizzelchen" an der absoluten Wahrnehmungsgrenze... das bedeutet absolute Konzentration!

Dazu war es gestern etwas mühselig einige Objekte anzusteuern, da ich die Koordinaten eingeben musste. In der FS2 waren sie in den Katalogen nicht enthalten. Das bedeutet gleichzeitig, das sie äußerst grenzwertig für mein Gerät daherkommen.

Nach meinem: "Wow!" über den blauen Schneeball und der Dokumentation für meine Zeichenmappe sollten noch ein paar Leckerbissen herhalten.

M 31 mit zwei deutlichen Dunkelbändern konnte ich gestern richtig absurfen. Ein Besuch bei G1 dem hellsten KS der Andromedagalaxie ließ ich mir nicht nehmen. NGC 206 leuchtete quasi aus der Riesengalaxis.

M 74 mit der SN war natürlich auch im Programm dabei. Zwischendurch lehnte ich mich entspannt zurück und genoss den Blick ohne Gerät nach oben.

Ein paar sehr helle, grünlich bis gebliche Sternschnuppen durchschnitten den tollen Nachthimmel, der mit seiner prachtvollen Milchstraße und dunkelstem Himmel bis an den Horizont daher kam.

Gegen 3.00 Uhr endete ich diese herrliche Nacht bei angenehmen Temperaturen. Der Mond war bereits aufgegangen und stand als breitere Sichel zwischen M45 und Aldebaran.

In den folgenden Nächten wurde natürlich auch beobachtet. Am Freitag ging´s dann tatsächlich in die Rhön, aber die Voraussetzungen waren nicht mehr so gut. Alles in allem haben sich die Tage bis zum Sonntag diese Woche absolut gelohnt. Und das alles bei angenehmen Temperaturen.

Die weiteren Berichte sind auf www.forum-stellarum.de zu finden.
Leider kann mein Scanner die feinen Graustufen der Bleistiftzeichnung nur rudimentär umsetzen. Aber ich bin mit beiden Ergebnissen sehr zufrieden.

CS Uwe
 

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Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Sehr schöne Zeichnungen! Diese Sternenketten wären vllt. auch was fürs Fernglas, obwohl man den PN wohl nicht sehen kann.

Habe aus Neugier mal im Cartes du Ciel einen Ausschnitt gemacht, der deiner Zeichnung etwa entspricht:

Link zur Grafik: https://dl.dropboxusercontent.com/u/15892273/blueflash.jpg

Hier auch ein (etwas kleinerer,etwas anders rotierter) Ausschnitt aus dem Deep Sky Survey (DSS)

Link zur Grafik: https://dl.dropboxusercontent.com/u/15892273/blueflash_dss.jpg

Man kann die Sternketten glaube ich gut erkennen obwohl sie ein bisschen anders zum Blue Flash hinführen als auf deiner Zeichnung. Das einrahmende Trapez kann man auch erkennen.

Thomas
 
hallo,

schöner bericht,
den blauen schneeball mag ich auch sehr
gerne ... :)

ngc 6818 kann ich auch sehr empfehlen,
der hat auch einen bläulichen schimmer

hab auch den stropek,
ein klasse atlas für dobsonauten ;)
 
Hallo Thomas,

du müsstest die Sternkarten noch vertikal spiegeln und etwas drehen, dann passt die Sternkette.

Das kommt vom Einsatz des Zenithspiegels.

Gruß Uwe
 
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