"Ringe" nach Schärfung der Jupiteraufnahme

Centes

Aktives Mitglied
Hallo,
gestern habe ich mich seit langem mal wieder der Planetenfotografie ( Jupiter und Mars ) beschäftigt.

Hier das eingesetzte Setup: Skywatcher Equinox 120/900; 3-fach Barlow ( TS-Shorty ), SV Bony 305C

Bei den Aufnahmen am Laptop und auch die Rohdaten ( ser-Video ) sah Jupiter vielversprechend aus.
Rohdaten.JPG


1713.JPG


Nach dem Stacken in Registax6, aber auch in AstraImage war die Enttäuschung doch sehr groß.

Hier das Ergebnis mit Registax6 ( vergrößert ). Mit AstraImage erhielt ich fas das gleiche Ergebnis.
Diese "seltsamen" Kreise um den Planetenrand.
1713_vergrößert.JPG


Nachstehend die gewählten Schärfungseinstellungen in Registax.
Einstellungen_RS6.JPG


Selbst wenn ich die Denoise-Werte auf 20 anhebe, bleiben die "Ringe" sichtbar.

Gründe?
- zu aggressiv geschärft?
- Stakkingfehler?
- Framerate ( 10 FPS ) der Kamera zu miedrig?
- Seeingproblem?
- "Nachführporblem" ( Planet wanderte langsam durch das Bild )
- ? ? ? ?

Grüße
Jürgen








Nach dem
 
Hallo Jürgen.

Also 10 FPS sind schon arg wenig am Planeten.
Womit hast du denn aufgenommen? Ich nutze immer Firecapture und bekomme in der Regel um die 200 FPS aus der SVBony raus.
Ich denke dass die Framerate einfach zu niedrig ist und das Bild dadurch nicht schnell genau aufgenommen. Kannst du irgendwo das Video hochladen ?
Die Ringe entstehen aber meist beim Schärfen und falschem Stacking.
 
Hallo Jürgen,

ich hatte derartige Ringe plötzlich für ein paar Tage in meinen Mono Aufnahmen:
Jupiter_310125_174312_lapl5_ap442_8.jpg

Ich hatte mich schon beim Livebild über den blassen Eindruck gewundert bis ich bermerkt hatte, dass ich zufällig den Gammaregler in firecapture von normal 50 auf 59 verstellt hatte. Die kurze Farbaufnahme mit der As120mc zeigte die Ringe nicht, da hatte ich den Gammawert auch nicht verstellt.

Als ich das bei der Asi462mm wieder auf den normalen Wert gesetzt hatte, war seitdem auch bei der Bearbeitung wieder alles normal.

Gruß,
Holger
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Jürgen,
die Zwiebelringe entstehen meiner Meinung nach bei aggressiver Schärfung bevorzugt dort, wo große Kontraste auftauchen - daher auch normalerweise stärker am schärferen, der Sonne zugewandten Planetenrand als auf der Schattenseite.
Zur Verdeutlichung habe ich dir einmal ein paar Bilder hochgeladen. Das Ausgangsbild entspricht einer ROI von 400x400 px und einem Planetendurchmesser von 300 px (kommt meinem Setup nahe). Das Ausgangsbild habe ich mithilfe des Filters Gauß'sche Unschärfe in der linken Hälfte stärker verschmiert als rechts. Bei einer übertriebenen Schärfung durch Deconvolution sieht man, dass die schärferen Bildteile stärker betroffen sind. Maskiert man den "Planeten" mit einer Maske mit unscharfen Rändern, verschwinden die Schärfungsartefakte am Rand fast vollständig.
00 Ausgangsbild.jpg


01 Ausgangsbild_unscharf.jpg


02 Doppelkonturen_ohneMaske_DV4_50x.jpg


03 Doppelkonturen_mitMaske_DV4_50x.jpg


Viele Grüße
moelle
 
Hallo,
vielen Dank für eure Antworten.
Möchte hier kurz auf die Antworten eingehen.

@Ronald: habe mir den Thread durchgelesen, der äußerst interssant ist.
Ich habe das gestakkte Summenbild in PixInsight die drei Kanäle RGB zerlegt.
Die Einzelbilder lassen sich aber mit Registax ( meiner Hauptschärfungssoftware nicht öffnen ).
Ich denke, Astrohardy hat das damals in Fitswork geschärft. Da bin ich nicht bewandert.

@Neuge: Bei der maximalen Aufnahmegröße komme ich nur auf 10FPS.
Bei ROI 640x480 komme ich auf 30-40 FPS, je nach Einstellung der Bel.Zeit und Gain.
An einen Fehler beim stakken habe ich auch schon gedacht. Vielleicht sollte ich es
mal mit einem anderen Stakkingprogramm versuchen.

@komposer: Den Gamma-Wert hatte ich gar nicht aktiviert.

@moelle: sieht mir nach einem sehr interessanten Lösungsansatz aus.
Nur erschließt sich mir die Umsetzung der "Lösung" aus Bild 4 "Mehrfachkonturen und
Zwiebelringe mit unscharfer Planetenmaske Deconvolutin, PSF 4Px, 50 Durchgänge"
nocht so recht. Mit welchem Programm / Schrittabfolge?


Bei meinen Aufnahmen hatte ich folgende Parameter:
Shutter: 100.0ms
Gain=79 ( 10%)
Gamma: deaktiviert

Eine Sequenz am Mond habe ich gestern auch gemacht, und auf Grund des starken
"Waberns" gehe ich von einem schlechten Seeing aus.

Grüße
Jürgen
 
Also die SV305 sollte bei VGA Auflösung auch ihre 150 FPS schaffen. Wie Holger schon schrieb, sind 100ms viel zu lange.
Man sollte am Planeten ja so viel wie möglich Bilder pro Sekunde aufnehmen, auch wenn man durch das Gain mehr Rauschen ins Bild bekommt. Das hat zum einen den Vorteil, dass man viel mehr Bilder hat, und zum Anderen mehr Details. Das Rauschen bekommt man durch das Stacking wieder raus. Es kommt natürlich darauf an, welches Teleskop du nutzt. Mit einem 5" und 3x Barlow sollte aber durchaus 130 FPS mit dieser Kamera drin sein.

Tino
 
Hallo Jürgen,
ich habe in PixInsight mit "RangeSelection" eine Maske erstellt (Smoothness auf "2"). Diese Maske wird mit "Morphological Transformation" schrittweise verkleinert. Als Ergebnis erhält man eine weiße Scheibe, etwas kleiner als der Jupiter, mit unscharfem Rand auf schwarzem Untergrund. Dieses wird dem zu schärfenden Bild als Maske hinzugefügt und das Bild anschließend mit einem beliebigen Verfahren geschärft. Vermutlich steht dir PixInsight nicht zur Verfügung - mit Affinity Photo (und sehr sicher auch mit PhotoShop) kann man das Verfahren nachahmen. In Affinity würde ich z.B. den Filter "Schwellenwert" auf eine Ebenenkopie des Jupiters anwenden und das so entstandene Schwarz-Weiß-Bild mit Gauß'scher Unschärfe bearbeiten. Dieses Bild wird als Maske für den Jupiter verwendet, sodass der Rand beim anschließenden Schärfen nicht berücksichtigt wird. Registax verwende ich nicht, kann mir aber vorstellen, dass du ausschließlich mit Registax das Verfahren nicht nachbilden kannst.
Die von dir verwendete Belichtungszeit halte ich für zu lang - Luftturbulenzen haben typischerweise Auswirkungen im 30ms-Bereich. Ich selbst fotografiere Jupiter mit einer Belichtungszeit von etwa 8 ms. Den Gain kannst du beruhigt dramatisch erhöhen (50%-60%), das Bildrauschen stört nicht und wird zum größten Teil durch das Stacking entfernt.

Viele Grüße
moelle
 
Hallo moelle,

doch, PixInsight steht mir zur Verfügung. Nur benutze ich PI bisher ausschließlich für DS.
Werde das mal nachvollziehen.

Bei der Belichtungszeit habe ich mich von einem Video verleiten lassen, indem es hieß,
den Gain möglichst niedrig halten, dafür die Belichtungszeit erhöhen, damit das
Rauschen reduziert wird.

Nun ja, vielleicht ergibt sich in den nächsten Tagen/Wochen nochmalös die Gelegenheit
auf Jupiter und Mars zu halten. Dann werde ich aber meinen 10"-Newton verwenden.
Habe heute gelesen, dass bei Planetenaufnahmen eine größere Öffnung vorteilhafter
ist als ein Refraktor. Hoffe, das wenigstens das stimmt. :giggle:

Hier noch der Mars von gestern.
2025-02-08-1814_1-U-RGB-Jup_lapl5_ap1_RS6_4PI_CS_HT.jpg


Nochmals vielen Dank an Alle.

Grüße und CS
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

mal ein paar Hinweise:
- Gain hoch, Belichtungszeit runter und damit viele Bilder generieren ( Gain 30-50% Bel 8-20ms am 10Zöller )
- Bei Schärfen in Registax Werte für Sharpen > 0,1 ( z.B 0,15 ) im Gegenzug Denoise hochziehen ( 0,15-0,25) Preview 50-85 -- also deutlich stärker schärfen.
- mit kleinem ROI arbeiten.

Gruß Thomas
 
Hallo,
danke nochmals für die zahlreichen Tipps und Hinweise.
Hoffe auf bald beseres Wetter, damit ich nochmals einen Versuch starten kann.
( Die nächsten Tage sieht der Wetterbericht aber nicht vielversprechend aus. )

Habe heute nochmals das Video komplett neu bearbeitet.
- nur 10% gestakkt; dezenter mit Registax geschärft; mit Giotto etwas nachgeschärft
und mit PI Helligkeit/Kontrast und den Grünwert etwas reduziert.

Die "Zwiebelringe" sind bei höherer Vergrößerung kaum zu sehen und bei
100% ist das Bild ganz ansehnlich und finde ich ok.
Crop3.JPG


100%
Crop4.JPG


Nochmals Danke für eure Unterstützung :y:


Grüße und CS
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

du kannst z.B. auch in gimp über Ebenen den Rand einer weichen wenig geschärften Version in die harte einarbeiten.

Gruß,
Holger
 
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