Selbstbau eines fotografisch optimerten Newtons

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Daniel

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Hallo

Ich werde mir in der nächsten Zeit einen Newton selbst bauen. Zur Zeit bin ich in der Planungsphase. Fest steht, daß es sich um einen 8" handeln soll. Der Grund für die 8" ist, daß ich damit meine ersten Spiegelschleiferfahrungen sammeln möchte und der Tubus soll auch auf meine vorhandene parallaktische Montierung passen.
Da ich mit dem 8 Zöller nicht nur beobachten will, sondern auch meiner zweiten großen Leidenschaft, der Astrofotografie genüge tun möchte habe ich folgende Fragen:

Was muß ich beachten wenn das Teleskop Fotografisch optimiert werden soll. Welche Möglichkeiten gibt es den Tubus möglichst leicht zu bauen (Papprolle?)
Wie berechne ich die fotografisch und optisch besten Kompromiß in der Fangspiegelgröße?
Ist es überhaupt möglich eine Teleskop zu bauen, was beiden Anforderungen gerecht wird?

Danke im Voraus für eure Antworten

Gruß Daniel
 
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Hi Daniel,


mit meinem Selbstbau (257/1140) hatte ich eine aehnliche Situation. Wenn es Dein 1. Spiegel ist, werde nicht zu kurzbrennweitig, da die Anforderungen an die Parabolisierung ansteigen und den Einsteiger ueberfordern koennten. Allerdings, bis ca. f/5 solltest Du schon runtergehen koennen, damits auch fotografisch interessant wird.

Tubus: Es gibt Firmen, die fuer Verpackungszwecke Hartpapierrohre machen. Ich bekam damals von einer Firma recht guenstig (naemlich geschenkt!) einen 5mm starken Hartpapiertubus. Ordentlich impraegniert und mit stabilen Holzrohrschellen ist der ganz ordentlich. Wenn Du in Spiegelnaehe eine Tuer einbaust, kannst Du "Durchzug" machen, der Spiegel kuehlt dann rasch aus und Du kannst ihn ohne Ausbau reinigen.

Okularauszug: Ich habe einen Flansch, an den ich einen verhaeltnismaessig langen Rack&Pinion fuer visuelle oder ein "entkerntes" 135mm-Tele als flachen Feinfokussierer fuer Fotozwecke anschliessen kann. Das Tele hat vorne noch sein 52mm-Filtergewinde. Leider laesst sich ein Off-Axis-Guider nicht ohne weiteres anschliessen.

Fangspiegel: Hab keine Angst vor Klodeckeln ! Mein Fangspiegel ist 80mm gross, also 29% Obstruktion. Ich habe das Fernrohr mit der Motivation Deepsky und Fotografie gebaut, weil ich Planeten langweilig fand. Nicht aber nachdem ich durch den Zehnzoeller schaute und was mir das Teil trotz grossem Fangspiegel am Planeten zeigt, ist fuer ein "Universalteleskop" immer noch mehr als genug. Wichtig ist vor allem eine gute Parabolisierung und ein guter Fangspiegel. Meiner ist von Keller (Astrooptik), kam mit Ronchigramm und macht keinen Aerger.


Vielleicht findest Du ein grosses Schrott-Tele, dessen Ausschlachtung Dir einen guten Fokussierer ergibt. Der Vorderteil darf sich freilich beim Fokussieren nicht mitdrehen, da er am Fernrohr fest angebracht wird. Man koennte darueber nachdenken, den Komakorrektor in solch ein Tele einzubauen --- bei meiner Kombination (2.8/135er Tele und Baader MPCC-Korrektor) geht das leider nicht, das Tele ist zu schlank.


Viel Erfolg beim Konzipieren <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> !


 
Re: Selbstbau eines fotografisch optimerten Newton

Hallo Daniel
in der S&W 8/99 (Seite 686-689) beschreibt D. Sprungmann den Umbau eines "Industrienewtons ... zum fotooptimierten Unikat".
In dem Artikel geht es weniger um´s Spiegelschleifen, es sind jedoch eine ganze Reihe nützliche Hinweise, wie ich finde, darin enthalten z.B. zum Okularauszug, Tubus, Lüftung u.s.w.
Ggf. sende ich dir den Artikel-bitte priv. Rücksprache (dzachow@mx.de).
Gruß, Dirk Zachow,...
 
Hallo Daniel,
ich kann Dir von meinen Erfahrungen berichten. Ich habe vor ein paar Jahren
einen 6"f4.5 gebaut, der fotografisch optimiert war. Er hatte einen 150mm
Hauptspiegel und einen 50mm! Fangspiegel, beide von MEADE. So ein Newton mit
f4.5 hat natürlich ganz schön Koma, deshalb war ein Komakorrektor notwendig.
Ich kann Dir den MPCC von Baader empfehlen, sehr gute Qualität und es werden
viele Adapter mitgeliefert (konnte ich später noch gut gebrauchen). Der große
Fangspiegel ist nötig um das fotografische Feld gut auszuleuchten. Du kannst
Dir ein paar Bilder, die ich mit dem Gerät gemacht habe auf meiner Homepage
http://www.starhopper.de ansehen.

Nun zu Deinen Fragen:

a) Fotografische optimierung
ich würde den Newton nur dann fotografisch optimiern, wenn Du über 80% der
Zeit fotografieren willst. Es ist nicht so sehr die allgemeine Bildqualität,
die unter dem großen Fangspiegel leidet, es ist der dunkle Fleck in Mitte, der
Dir den Spaß an der Beobachtung verderben wird. Mich hat das voll nervös gemacht.

b) Papprolle
wenn es bei Deiner Kalkulation das Tubusgewicht schon eine
wichtige Rolle spielt, dann ist den System wohl schon überlastet.
Bei Fokalfotografie tödlich. Ich hatte einen GEAX Tubus. Kriegst Du
zu normalen Preisen von Gert Neumann.

c) Kompromiss
Die Wahl des Fangspiegels ist in der Praxis gar nicht so schlimm, da
Du die Spiegel ja nicht in beliebiger Größe kriegst. Du mußt halt
eine Größe nehmen, die zwischen der visuellen- und der fotografischen
Optimierung liegt, wenn Du überhaupt eine Größe dazwischen kriegst.

Viel Spaß beim Konstruieren

 
Hallo

Danke erstmal für eure Tips! Die Sache mit dem alten Teleobjektiv hört sich sehr gut an, habe gerade ein defektes hier rumliegen :-) Gibts da irgendwo eine genaue Bauanleitung oder ein Foto wo man sich das mal ansehen kann?

@Starhopper

Das mit dem Tubusgewicht ist nicht ganz so kritisch. Ich habe bisher ein 6" f8 Newton mit Alutubus und zum Fotografieren noch die 1000 Russntonne drauf und da gabs bisher keine Probleme. Wenn ich den 8" Aus Pappe oder irgendeinem anderen leichtem Werkstoff baue müsste es gehen. Dazu kommt das der Tubus ja auch kürzer werden wird, da ich mich wohl für f5 entscheiden werde, damit ist der Hebel nicht mehr so groß.

 
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Entkerntes Tele als Okularauszug

Hi Daniel,


leider habe ich keine Bilder, versuche aber mal zu beschreiben. In einer der letzten Ausgaben von STERNE UND WELTRAUM hat jemand ebenfalls ueber diesen Trick berichtet.

Also, ich habe eine tubusseitige Platte mit 80mm Einsteckdurchmesser. Hierfuer habe ich mir dann Flansche drehenlassen, die ich dort wie ein Okular einstecken und klemmen kann. Und diese Flansche habe ich dann mit Okularauszuegen bestueckt, einmal Rack & Pinion und einmal das Tele. Ich nahm ein 2.8/135er, entfernte alle Linsen und Blenden. Der vordere Tubusteil dreht sich beim Fokussieren nicht mit. Ich liess mir einen Ring drehen, den ich mit Madenschrauben vorn am Tele befestigte. Der Aussendurchmesser dieses Ringes ist (fast) der Innendurchmesser des Flansches, sodass er sich dort wieder mit Madenschrauben befestigen laesst. Das Tele steckt dabei so tief im Flansch, dass noch gerade die Gummiriffelung des Fokussiertriebs greifbar ist.

Die Umruestung zwischen visuell und fotografisch dauert 2 Sekunden. Flansch loesen, rausziehen und neuen Flansch reinstecken, festziehen. So kann ich die Kamera mit Komakorrektor auch mal wieder in den Koffer legen und ein bisschen visuell spechteln, um dann wieder auf Astrofotografie umzuschwenken.


Eine weiterfuehrende Idee waere, den Fangspiegel mit drei Spitzen reproduzierbar einsteckbar zu machen. Dann kann man nach Loesung einer Fluegelmutter den fotografischen Klodeckel gegen den visuellen Winzling austauschen. Dieses Projekt habe ich allerdings nicht in Angriff genommen.



Viel Erfolg beim Schleifen !
 
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