Spechteln ist ein feines Hobby

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ddehnert

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Nach nunmehr 9 Wochen Abstinenz - ja die Sucht lässt einen ganz kribbelig werden - versprach die Nacht von Freitag auf Samstag (20./21.02.04) vielversprechend zu werden. Deshalb habe ich mir den Segen meiner Heimleitung und der beiden Kinder geholt, diese wollten mich gar nicht gehen lassen, aber ich konnte sie dann doch überreden ;-) und bin mit meinem ganzen Geraffel zu meinem Kumpel Achim in den finsteren Taunus nach Strinz Trinitatis gefahren. Zum einen ist sein Garten ideal zum bequemen Spechteln, ich bin knapp 40 und Achim ist knapp vor 50 und wir lieben die Bequemlichkeit, und zum anderen hat es hier unter besten Bedingungen ca. 5,5 - 6 Mag Grenzhelligkeit. Trotz eingeschränktem Horizont - Achims Haus liegt in einer Senke einer Art natürlichen Tubus -, welcher bedingt durch Bäume und Hügel die Sicht auf ca. alles über 30° einschränkt, ist die Möglichkeit den Strom aus der Steckdose zu beziehen und sich gelegentlich im warmen Häuschen aufzuwärmen nicht zu verachten.

Weiterhin hatte ich ein brennendes Interesse Achims neue Errungenschaften, einen TS-Newton mit 12" Öffnung (f/4) auf OTE150 mit FS2-GoTo und Woodmaster Eigenbau als Standbein in Aktion zu sehen und vor allem mal durch den Newton zu schauen. Wolfi Ransburg meinte zu Achim, als er ihn zu Weihnachten probeweise bestellte, "Wenn Sie durch den einmal M42 gesehen haben, geben Sie den nicht mehr her." Das hat bei Achim gewirkt. Das wollte ich ebenfalls sehen.

Mein Equipment, ein Vixen R135S 5,3" (f/5,3) - nettes Zahlenspiel 5,3 zum Quadrat - auf GP-E mit Boxdörfer MTS-3 SDI plus ESCAP Motoren und Berlebach UNI 28L Unterbau nimmt sich dagegen recht bescheiden aus. Aber wie heisst es so schön, klein, fein und mein;-)
Lange Rede kurzer Sinn, nach dem Aufbau mit Einnordung mittels Polsucher gegen 19:30 Uhr fing, wie es bei jedem neuen Spielzeug der Fall ist, die Testerei an. Achim zeigte seiner FS2 einen Referenzstern und konnte nicht umhin mir immer wieder von den Vorzügen des GoTo zu berichten. Ja, ja, wie sich die Zeiten ändern. Vor einem Jahr hörte sich das bei ihm noch ganz anders an. Damals mit dem VMC200L auf GP und DD1 war auch bei ihm Star Hopping angesagt. O-Ton Achim damals: "GoTo ist was für Weicheier. Nur mit Star Hopping lernt man den Himmel wirklich kennen und das Aufsuchen des Objektes macht doch erst den Reiz aus." Und heute. Da wir beide ebenfalls mit CCD Fotografieren meint Achim: "Jetzt brauch ich mit GoTo keine Zeit mehr mit dem Aufsuchen der Objekte verplempern. Referenz eingeben, Objekt aus der Liste aussuchen, hinfahren und mit der Belichtungsreihe loslegen. So schafft man mehr in einer Nacht."

Wo war ich stehen geblieben ... Ach ja, wir hatten unsere Gerätschaften eingenordet. Achim ging sofort auf M42. Nur als Anmerkung, während des Aufbauens mit allem drum und dran konnte der Spiegel ca. eine Stunde auskühlen. Bei 60 facher Vergrößerung war das Trapez sauber aufgelöst und alle vier Komponenten waren schön hell. Die Nebel waren knall hell und ich hatte den visuellen Eindruck die Trapezsterne seien am Ende des Fischmauls in einer dunklen Blase eingeschlossen. Strukturen in den hellen Nebelregionen waren ebenfalls zu sehen. Auf der anderen Seite der Trapezsterne gegenüber dem Fischmaul war deutlich eine scharf abgegrenzte dunkle Region zu erkennen. Und das alles bei direktem hinsehen. Einen farblichen Eindruck hatte ich allerdings nicht. Der Einsatz eines UHC-Filters brachte noch mehr Details in den Nebelregionen hervor ohne die Gesamthelligkeit wesentlich zu beeinflussen. Es war einfach alles da. Im direkten Vergleich mit meinen bescheidenen 5,3" war der Eindruck imposant. Im R135S bei ebenfalls 60 facher Vergrößerung waren die dunklen Region bei direktem hinsehen zu erahnen und erst bei indirektem Sehen deutlich zu erkennen. Die schwächste Komponente B von Theta Orionis war schwach zu erkennen. Alle vier Sterne waren ebenfalls deutlich getrennt. Von Strukturen in den hellen Nebelregionen konnte keine Rede sein. Ich habe es heute zwar nicht ausprobiert, Achim hatte meinen UHC-Filter, aber ich weiß aus Erfahrung das er bei 5,3" nach meinem visuellen Eindruck etwa die Hälfte des Lichtes nimmt. Die Öffnung ist einfach zu klein. Wow kann ich da nur sagen. Ich bin von der Abbildungsleistung dieses 12" beeindruckt. Da kann ich Wolfi Ransburg nur beipflichten.

Danach kam Saturn. Bei 266 fach war er zwar schön groß, aber das Seeing ließ mich die Cassini-Teilung nur Blickweise vollständig umlaufend erkennen. Dann aber klar und deutlich. Auf Saturn selbst waren Wolkenbänder zu erkennen. Das alles in hellgelbbrauner Farbe. Der Schatten des Planeten auf den Ringen war fast immer knackscharf und satt schwarz zu sehen.

Achim wollte sich nun einen Kugelsternhaufen anschauen, nachdem wir in der Praesepe mit 30 fach schon einen schönen Blick auf einen offen Haufen genossen hatten. Der einzige den mir Starry Night bekanntgab war NGC2419. Die Information "Intergalactic wanderer" ließ auf einen weit entfernten Kugelhaufen schließen. Eine genaue Entfernung konnte ich nur im Nachhinein beim Schreiben dieses Berichts mit 340000 LJ recherchieren. Jo, Jo, GoTo macht es möglich. Eingabe des Objektes und die FS2 positionierte korrekt. Im Okular war bei hoher Vergrößerung 133 oder 266 fach, ich weiß es nicht mehr genau, das Alter, aber nur ein schwacher Nebel zu erkennen. Einzelne Sterne hätten mich im Nachhinein bei der Entfernung auch gewundert. Da hilft dann wohl nur mehr Öffnung, eine rabenschwarze Nacht und eine starre Luftsäule über dem Teleskop;-)

Als Jupiter hoch genug im Osten stand war seine Anblick bei 266 fach und diesem miesen Seeing sehr enttäuschend. Außer zwei Wolkenbändern konnte ich nicht viel erkennen. Da müssen wir eine bessere Nacht abwarten.

Einen Sterntest haben wir mit 200 fach versucht. Aber die Beugungsringe gingen im allgemeinen Gewaber total unter.

Den Rest der Nacht widmeten wir beide der CCD Astrofotografie mit LRGB Aufnahmen von Objekten um den großen Wagen. Bei dieser Gelegenheit stellten wir fest, daß Achims MX916 hervorragend mit dem 12" TS Newton harmoniert. Dies betrifft die Chipgröße in Kombination mit den 1200mm Brennweite. Die Bilder von M51 und M101 sehen von den Proportionen her sehr gut aus. Das paßt wie die Faust aufs Auge.

Gegen 5:30 Uhr bauten wir beide unsere vereisten Geräte höchst zufrieden, durchgefroren und müde ab. Ich muß sagen, trotz des schlechten Seeings war dies meine schönste Spechtelnacht in meiner erst seit 18 Monaten dauernden Astronomiekarriere. Astronomie ist doch wunderbares Hobby.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen Clear Skies und immer eine ausreichend lange Stange ruhiger Luft über der Öffnung.

Gruß
Dirk Dehnert
 
Hallo Dirk,

ein toller Beobachtungsbericht. Das mit dem GoTo konntest Du Dir wohl nicht verkneifen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" />

Aber ich muß sagen - es hat wirklich Spass gemacht und die Ergebnisse
können sich auch sehen lassen.

Das müssen wir bei Gelegenheit wiederholen.

Gruss

Achim Lingnau
 
Hi,
ein schöner Bericht!

Den intergalactic wanderer - Ihr habts wohl auch den Night sky observer's guide, in dem er so tituliert wird <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> - hab ich mit meinem äquatorial montierten 10" Newton auch fein beobachten können - letztes jahr, auch bequem im Garten, man kann sich dann drinnen bei einem Täßchen Tee immer wieder aufwärmen und neue Objete im Atlas suchen.
GOTO ist wirklich bequem für solche Objekte, ich seh das bei meinem 10" EQ auch immer wieder. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/blush.gif" alt="" />

Viele Grüße

Markus


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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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DANUBIA - [COLOR="1070FF"]OBSERVATORIUM[/color]

Markus A. R. Langlotz
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