Hallo Alexander,
du sprichst hier ein Thema an, dass offensichtlich noch nicht so erforscht worden ist, dass man gesicherte Erkenntnisse hätte (vor allem wegen der Langzeitschäden). UV-Strahlen werden zwar durch normales Glas (Linsen sind aber kein normales Glas) weitgehend absorbiert, nur ist die Intensität am Meer und im Hochgebirge ganz enorm. Die Absorption wird für das Auge möglicherweise durch die verstärkende Wirkung der großen Eintrittspupille bei Optiken wieder aufgehoben. Dass die UV-Absorption von "Glas" nicht so großartig sein kann, sieht man daran, dass man ganz schnell einen Sonnenbrand bekommen kann, auch wenn man hinter Autoglasscheiben sitzt. Andere Anteile des UV werden aber so stark absorbiert, dass z.B. die Dunkelfärbung von autotrophen Brillengläsern im Auto nur schlecht oder garnicht funktioniert.
Die biologische Wirkung von Infrarotstrahlung bei Langzeitdisposition ist noch weniger erforscht. Zum einen geht Infrarot praktisch ungebremst, sowohl durch normales Glas, als auch durch Farbfilter (auch Graufilter) durch. Zum anderen benutzen viele Sonnenbeobachter starke Graufilter (ND 2, ND 3) zur Dämpfung bei der Verwendung von Herschelprismen und fotografischen Sonnenfiltern, um diese Filter auch visuell verwenden zu können.
Das man sich hier offensichtlich nicht einig ist, zeigen folgende Beispiele:
Baader verkauft sein Herschelprisma incl. Graufiltern, aber ohne UV/IR-Cutfilter.
Schneider Kreuznach warnt ausdrücklich vor der Verwendung von Graufiltern zur direkten Sonnenbeobachtung, wegen der hohen Transmission im Infrarot-Bereich.
Zitate in englischsprachigen Filterbroschüren:
B+W Filterfabriken Website:
B+W Neutral Density Filter 113
With its light reducing capability of 13 f-stops, this B+W Neutral Density Filter is used in astronomy for photographs of the sun and for recording the relative movements of heavenly bodies as light traces in ex-tremely long exposure times. For photographs of the sun, this filter must be positioned in front of the lens and under no circumstances should it be located near the primary focus in front of, or behind the eyepiece because of the intense heat at those loca-tions. It must not be used for observation of the sun (danger of blindness!) due to its greater transmission in the infrared range. The filter factor is 10000x.
Schneider Kreuznach Website:
B+W 120
This filter is especially made for observation and photography of the sun. Be cautioned, however, that direct observation of the sun through any filter is to be strictly avoided since long wavelength infrared radiation, which is harmful to the eye, is not blocked. Filter factor is 1,000,000.
Anläßlich der totalen Sonnenfinsternis in Europa am 11.08.1999 erschien ein Artikel in der Zeitschrift für praktische Augenheilkunde mit dem Titel "Die Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 aus ophthalmologischer Sicht"; Autoren: Wolfgang F. Schrader (Univ.-Augenklinik Würzburg) und Rudolf F. Horn (Augenarzt in Lahr/Schwarzwald). Hierin wird gefordert, für visuelle Beobachtungen den Infrarotbereich zumindest bis 1400nm zu blocken. Das Baader UV/IR-Cutfilter macht dies bis 1200nm sehr gut, läßt aber bei 1300nm und 1400nm 55% bzw. 70% passieren. In diesem Sinne ist das Baader-Filter visuell keineswegs ein Cutfilter. Wie groß die Risiken in diesem Bereich bei intensiver Sonnenbeobachtung in Fachkreisen eingeschätzt werden, konnte ich nicht herausfinden. Eine Beobachtung ganz ohne zusätzliches Ir-Filter scheint mir (und nicht nur mir) aber nach den vorliegenden Informationen, zumindest auf längere Sicht, sehr riskant zu sein.
Die beiden Autoren sind übrigens auch begeisterte "Finsternisbeobachter" und schreiben in dem Artikel, dass Sie keineswegs die Pferde scheu machen wollen und dass man sich eine Sonnenfinsternis auf gar keinen Fall wegen tatsächlicher oder vermeintlicher Risiken entgehen lassen sollte. Sie mahnen aber (natürlich) zu größter Vorsicht und Umsicht.
Soviel nur zur Abrundung des Themas.
Jetzt ist mein Beitrag schon ein bischen lang geworden. Man sieht aber an den Beispielen, Warnungen usw., dass die Verwirrung wohl groß ist. Es gibt offensichtlich nur wenige oder gar keine gesicherten Erkenntnisse. Ich vermute, dass es für die reine Verwendung von Ferngläsern so gut wie garnichts Gesichertes gibt.
Fotografisch sieht die ganze Sache anders aus.
UV-bedingte Unschärfen lassen sich auf Filmmaterial nachweisen. Betreibt man reine UV-Fotografie, dann verwendet man spezielle Quarzoptiken, um eine hohe Transmission zu erreichen plus Filter, um das sichtbare Spektrum abzublocken.
Normales Filmmaterial ist nur UV-empfindlich und muß zur Nutzung des sichtbaren Spektrums extra sensibilisiert werden. Für Infrarot hingegen ist es völlig unempfindlich. Für die Infrarotfotografie verwendet man spezielles Filmmaterial und Blockfilter, die alles höherfrequente Licht aussperren.
Gruß
Walter Wehr