Timm
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Beobachtungsbericht 21. Januar 2004
Ort: Gebirgshochtal (950m NN) bei Confrides / Costa Blanca
Temp.: 13°, später absinkend auf 9°, minimaler Wind
Seeing sehr gut, Grenzgröße weit über 6 m
Beobachungszeit: 20 Uhr bis 23 Uhr 30
Instrumente: 16 Zoll Dobson (das Baby)
und Canon 15x50 mit Stabilisator
Das ist Spechteln vom Feinsten!
Ich hatte ja schon berichtet aus Spanien... seit Wochen
herrscht hier Spechtelwetter!
Das grenzt ja schon an Schikane, wenn man immer wieder
das Teleskop ins Auto schleppen, in die Berge fahren, den
Dobson zusammenbauen, spechteln bis zum Abwinken, den
Dobson zerlegen, ins Auto packen und wieder den Berg runter
fahren muss... und das schon fast seit 5 Wochen! Ja, während der Zeit mit Mondschein konnte ich auf der Terrasse Mond und Planeten beobachten, ein Glas edlen spanischen Rotwein in der Hand und musste nicht fahren ... ;-)))
Höre ich da etwa einen Aufschrei der wolkengeschädigten
Astrofreunde in Deutschland? Leute, ich kann nichts dafür!
Aber ich kann ja erzählen, was ich alles gesehen habe.
Die erste Viertelstunde gehe ich mit dem Canon spazieren:
Orionnebel grandios... Rosettennebel sichtbar... alle OST im
Fuhrmann incl. 2281, dem "Broken Heart Cluster"...
M 31, M 33, M 81/82, natürlich h und chi, die Plejaden und
M 44 im Krebs... ich werde ganz nervös und packe den
Canon wieder ein. Höchste Zeit, dass das Baby zum Einsatz kommt. Und mehr Zeit zum Auskühlen gibt es nicht!
Es geht los mit dem NGC 6888 (Crescentnebel), der knapp über den Bergen kurz vor dem Untergang erwischt wird.
Mit dem 17mm Nagler und O III Filter recht gut zu sehen.
Ein Schwenk zum Cirrus... beide Teile hell und mit vielen Details, aber eben schon recht tief und wohl wieder besser im Sommer zu sehen. Der Nordamerikanebel zeigt noch den Golf von Mexico...
Jetzt geht es richtig los: Die Andromeda-Galaxis mit den 4 Begleitern M 32, NGC 205 und etwas entfernt NGC147 und NGC 185. Die beiden sind zusammen im Gesichtsfeld des 30mm Zeiss-Ultraweitwinkel.
M 31 im 17mm Nagler ist unglaublich hell mit vielen Details. Zwei Dunkelzonen am Rand der Spiralarme und auch die ganz weit entfernten Sternwolken an den Ansen sind zu sehen. Der Zentralbereich wirkt sternförmig und ist extrem hell. Die Details der Galaxis ziehen sich über mehrere Gesichtsfelder hin und scheinen nicht enden zu wollen!
Ein kurzer Schwenk zu NGC 278, die ich sofort finde.
Bei Höchstvergrößerung sehe ich schwach die Spiralstruktur.
Natürlich vergesse ich NGC 404 bei Beta And nicht und auch
Gamma, der schöne Doppelstern wird nicht ausgelassen.
Die Komponenten B und C kann ich heute nicht trennen,
bei 0,4" Abstand nur bei extrem guten Bedingungen zu schaffen.
Jetzt kommen wieder schwerere Objekte!
Die Telrad-Karten vom Brent Watson sind Klasse, wenn es um
solche Objekte geht. Mit diesen Karten finde ich auch ganz schnell NGC 2419, den extrem weit entfernten Kugelsternhaufen im Luchs. Ein recht auffälliger diffuser Fleck, der mit 16 Zoll nicht aufzulösen ist.
Ich sehe am Rand vier zarte Sternchen, aber mehr nicht.
Jetzt kommt M 33. Schon bei 15 facher Vergrößerung im Canon sehr eindrucksvoll! Im 16 Zöller sehe ich sehr deutlich die Spirale und den Gasnebel NGC 604. Hier spielt das 17mm Nagler sein Riesengesichtsfeld voll aus. Einfach genial...
Jetzt halte ich es nicht mehr aus, denn seit einigen Minuten lockt der Orion mit seinen Wundern! Er steht schon recht hoch, denn mein Beobachtungsort liegt ja bei rund 38° N schon sehr südlich.
Es geht los mit M 42... da sage ich besser nichts, sonst höre ich den Aufschrei aus Deutschland ohne technische Hilfsmittel rüberschallen! Na, ein bisschen sage ich schon: noch besser als neulich und ohne Filter blendend hell! Details ohne Ende, das Trapez mit dem 17mm Nagler bei
V 200x mit E- und F-Komponente und mit dem O III Filter völlig andere Details als mit dem H-beta Filter. Mit dem Filter schwenke ich hoch zu NGC 2024, dem Flammennebel und zum Pferdekopfnebel. Ganz klar sehe ich den dunklen Schatten in den aufgehellten Hintergrund ragend. Ja, das ist Spechteln vom Feinsten!
M 78 wird im Vorübergehen beobachtet, nach den Paradeobjekten nur einen kurzen Blick wert. Man ist ja verwöhnt!!!
Es geht weiter zum Rosettennebel: eine Granate! Sogar ohne O III sehe ich die nördlichen Gasmassen sehr deutlich und mit dem O III ist der ganze Ring zu sehen. Ein Paradeobjekt für das 30mm Zeiss mit seinen 85° Bildfeld und fast 7mm AP. Das erzeugt mal wieder Gänsehaut. Ein Schwenk in eine ganz andere Richtung:
Ich wollte schon immer mal die Galaxien-Pärchen im Kasten des UMA sehen und der steht jetzt schon recht hoch. Vorher schnell noch M 108 und den Eulennebel, den ich -claro- mit den Eulenaugen sehe!
Im Einzelnen:
NGC 3998, oval, zusammen mit NGC 3972 und der runden NGC 3982.
Dann die längliche NGC 3898 mit der ovalen 3888...
die schwache, runde NGC 3738 und die länglichen 3756...
die schwache, ovale NGC 3729 mit der 3718...
die ovale NGC 3613 mit der schwachen, runden 3619...
und dazu noch einige einzelnstehende, meist schwache Galaxien.
Dann rüber zu M 81/82... unglaublich schön, mit einigen Details, besonders bei M 82, wo man die dunkle Einkerbung nahe der Mitte sehr kontrastreich sieht. Die Galaxie ovale NGC 3077 und die helle, längliche NGC 2976 sehe ich in der Nachbarschaft.
Kurze Pause! Jetzt eine Tasse heißen Tee, die wärmere Jacke übergezogen, Mütze aufgesetzt und es geht weiter.
Die offenen Sternhaufen sind dran:
Ich beginne mit h und chi: S U P E R ! Im Pentax 40mm
eine Augenweide... ich kann mich mal wieder nicht satt sehen. Bei allen Vergrößerungen eine Pracht und Farbenvielfalt! Mehrere gelbe und rötliche Sternchen kann ich sehen und bei hoher Vergrößerung quillt das Gesichtsfeld über... so viele Sterne sehe ich!
Dann M 38 mit NGC 1907 im Fuhrmann, weiter zu M 36 und dann der grandiose M 37, mit dem rötlichen Sternchen im Zentrum. Ein Schwenk zu M 35 und dem aufgelösten NGC 2158 endet bei Saturn... einfach schön, aber die Adaption ist beim Teufel! Ich sehe die Cassini-Teilung rabenschwarz und auch die Encke-Teilung ist zart sichtbar!
Weiter zu den offenen Sternhaufen! Jetzt kurz und knapp, denn sonst liest keiner mehr den Bericht weiter...
M 41 bei Sirius, M 47 und M 46 (mit PL 2438) in Puppis, dann M 67 im Krebs, M 48 in der Hydra, hoch zum NGC 281, dem Gasnebel bei Alfa Cas, weiter zum Bubble-Nebel, dann NGC 2264 (Chrismas-Tree), Hubbles Variable und noch einmal den Rosettennebel, der jetzt noch höher steht, wie auch der Orionnebel und der Pferdekopfnebel und dann noch den M1 im Stier, bei V 360x viele Details... Wouh!!!
Ich trinke noch einmal Tee, esse ein belegtes Brötchen und dann fange ich wieder vorne an
))
Nein, jetzt ist Schluss! Eine halbe Stunde vor Mitternacht habe ich plötzlich keine Lust mehr und kann die vielen Eindrücke nicht mehr richtig verarbeiten! Ich habe keine Aufzeichnungen gemacht und deshalb schwirren alle Objekte im Kopf gleichzeitig herum.
Das Baby liegt in einer Minute zerlegt im Kofferraum und ein wunderschöner Spechtelabend geht zu Ende!
Hoffentlich kann ich an einem neuen Spechtelort in der Nähe von Navalon, den ich vor einigen Tagen gefunden habe,
(38° 55' 45 N / 0° 54' 27 W und 893m hoch und noch dunkler und einsamer gelegen), diese extrem gute Nacht noch einmal toppen!
CS
Timm
Ort: Gebirgshochtal (950m NN) bei Confrides / Costa Blanca
Temp.: 13°, später absinkend auf 9°, minimaler Wind
Seeing sehr gut, Grenzgröße weit über 6 m
Beobachungszeit: 20 Uhr bis 23 Uhr 30
Instrumente: 16 Zoll Dobson (das Baby)
und Canon 15x50 mit Stabilisator
Das ist Spechteln vom Feinsten!
Ich hatte ja schon berichtet aus Spanien... seit Wochen
herrscht hier Spechtelwetter!
Das grenzt ja schon an Schikane, wenn man immer wieder
das Teleskop ins Auto schleppen, in die Berge fahren, den
Dobson zusammenbauen, spechteln bis zum Abwinken, den
Dobson zerlegen, ins Auto packen und wieder den Berg runter
fahren muss... und das schon fast seit 5 Wochen! Ja, während der Zeit mit Mondschein konnte ich auf der Terrasse Mond und Planeten beobachten, ein Glas edlen spanischen Rotwein in der Hand und musste nicht fahren ... ;-)))
Höre ich da etwa einen Aufschrei der wolkengeschädigten
Astrofreunde in Deutschland? Leute, ich kann nichts dafür!
Aber ich kann ja erzählen, was ich alles gesehen habe.
Die erste Viertelstunde gehe ich mit dem Canon spazieren:
Orionnebel grandios... Rosettennebel sichtbar... alle OST im
Fuhrmann incl. 2281, dem "Broken Heart Cluster"...
M 31, M 33, M 81/82, natürlich h und chi, die Plejaden und
M 44 im Krebs... ich werde ganz nervös und packe den
Canon wieder ein. Höchste Zeit, dass das Baby zum Einsatz kommt. Und mehr Zeit zum Auskühlen gibt es nicht!
Es geht los mit dem NGC 6888 (Crescentnebel), der knapp über den Bergen kurz vor dem Untergang erwischt wird.
Mit dem 17mm Nagler und O III Filter recht gut zu sehen.
Ein Schwenk zum Cirrus... beide Teile hell und mit vielen Details, aber eben schon recht tief und wohl wieder besser im Sommer zu sehen. Der Nordamerikanebel zeigt noch den Golf von Mexico...
Jetzt geht es richtig los: Die Andromeda-Galaxis mit den 4 Begleitern M 32, NGC 205 und etwas entfernt NGC147 und NGC 185. Die beiden sind zusammen im Gesichtsfeld des 30mm Zeiss-Ultraweitwinkel.
M 31 im 17mm Nagler ist unglaublich hell mit vielen Details. Zwei Dunkelzonen am Rand der Spiralarme und auch die ganz weit entfernten Sternwolken an den Ansen sind zu sehen. Der Zentralbereich wirkt sternförmig und ist extrem hell. Die Details der Galaxis ziehen sich über mehrere Gesichtsfelder hin und scheinen nicht enden zu wollen!
Ein kurzer Schwenk zu NGC 278, die ich sofort finde.
Bei Höchstvergrößerung sehe ich schwach die Spiralstruktur.
Natürlich vergesse ich NGC 404 bei Beta And nicht und auch
Gamma, der schöne Doppelstern wird nicht ausgelassen.
Die Komponenten B und C kann ich heute nicht trennen,
bei 0,4" Abstand nur bei extrem guten Bedingungen zu schaffen.
Jetzt kommen wieder schwerere Objekte!
Die Telrad-Karten vom Brent Watson sind Klasse, wenn es um
solche Objekte geht. Mit diesen Karten finde ich auch ganz schnell NGC 2419, den extrem weit entfernten Kugelsternhaufen im Luchs. Ein recht auffälliger diffuser Fleck, der mit 16 Zoll nicht aufzulösen ist.
Ich sehe am Rand vier zarte Sternchen, aber mehr nicht.
Jetzt kommt M 33. Schon bei 15 facher Vergrößerung im Canon sehr eindrucksvoll! Im 16 Zöller sehe ich sehr deutlich die Spirale und den Gasnebel NGC 604. Hier spielt das 17mm Nagler sein Riesengesichtsfeld voll aus. Einfach genial...
Jetzt halte ich es nicht mehr aus, denn seit einigen Minuten lockt der Orion mit seinen Wundern! Er steht schon recht hoch, denn mein Beobachtungsort liegt ja bei rund 38° N schon sehr südlich.
Es geht los mit M 42... da sage ich besser nichts, sonst höre ich den Aufschrei aus Deutschland ohne technische Hilfsmittel rüberschallen! Na, ein bisschen sage ich schon: noch besser als neulich und ohne Filter blendend hell! Details ohne Ende, das Trapez mit dem 17mm Nagler bei
V 200x mit E- und F-Komponente und mit dem O III Filter völlig andere Details als mit dem H-beta Filter. Mit dem Filter schwenke ich hoch zu NGC 2024, dem Flammennebel und zum Pferdekopfnebel. Ganz klar sehe ich den dunklen Schatten in den aufgehellten Hintergrund ragend. Ja, das ist Spechteln vom Feinsten!
M 78 wird im Vorübergehen beobachtet, nach den Paradeobjekten nur einen kurzen Blick wert. Man ist ja verwöhnt!!!
Es geht weiter zum Rosettennebel: eine Granate! Sogar ohne O III sehe ich die nördlichen Gasmassen sehr deutlich und mit dem O III ist der ganze Ring zu sehen. Ein Paradeobjekt für das 30mm Zeiss mit seinen 85° Bildfeld und fast 7mm AP. Das erzeugt mal wieder Gänsehaut. Ein Schwenk in eine ganz andere Richtung:
Ich wollte schon immer mal die Galaxien-Pärchen im Kasten des UMA sehen und der steht jetzt schon recht hoch. Vorher schnell noch M 108 und den Eulennebel, den ich -claro- mit den Eulenaugen sehe!
Im Einzelnen:
NGC 3998, oval, zusammen mit NGC 3972 und der runden NGC 3982.
Dann die längliche NGC 3898 mit der ovalen 3888...
die schwache, runde NGC 3738 und die länglichen 3756...
die schwache, ovale NGC 3729 mit der 3718...
die ovale NGC 3613 mit der schwachen, runden 3619...
und dazu noch einige einzelnstehende, meist schwache Galaxien.
Dann rüber zu M 81/82... unglaublich schön, mit einigen Details, besonders bei M 82, wo man die dunkle Einkerbung nahe der Mitte sehr kontrastreich sieht. Die Galaxie ovale NGC 3077 und die helle, längliche NGC 2976 sehe ich in der Nachbarschaft.
Kurze Pause! Jetzt eine Tasse heißen Tee, die wärmere Jacke übergezogen, Mütze aufgesetzt und es geht weiter.
Die offenen Sternhaufen sind dran:
Ich beginne mit h und chi: S U P E R ! Im Pentax 40mm
eine Augenweide... ich kann mich mal wieder nicht satt sehen. Bei allen Vergrößerungen eine Pracht und Farbenvielfalt! Mehrere gelbe und rötliche Sternchen kann ich sehen und bei hoher Vergrößerung quillt das Gesichtsfeld über... so viele Sterne sehe ich!
Dann M 38 mit NGC 1907 im Fuhrmann, weiter zu M 36 und dann der grandiose M 37, mit dem rötlichen Sternchen im Zentrum. Ein Schwenk zu M 35 und dem aufgelösten NGC 2158 endet bei Saturn... einfach schön, aber die Adaption ist beim Teufel! Ich sehe die Cassini-Teilung rabenschwarz und auch die Encke-Teilung ist zart sichtbar!
Weiter zu den offenen Sternhaufen! Jetzt kurz und knapp, denn sonst liest keiner mehr den Bericht weiter...
M 41 bei Sirius, M 47 und M 46 (mit PL 2438) in Puppis, dann M 67 im Krebs, M 48 in der Hydra, hoch zum NGC 281, dem Gasnebel bei Alfa Cas, weiter zum Bubble-Nebel, dann NGC 2264 (Chrismas-Tree), Hubbles Variable und noch einmal den Rosettennebel, der jetzt noch höher steht, wie auch der Orionnebel und der Pferdekopfnebel und dann noch den M1 im Stier, bei V 360x viele Details... Wouh!!!
Ich trinke noch einmal Tee, esse ein belegtes Brötchen und dann fange ich wieder vorne an
Nein, jetzt ist Schluss! Eine halbe Stunde vor Mitternacht habe ich plötzlich keine Lust mehr und kann die vielen Eindrücke nicht mehr richtig verarbeiten! Ich habe keine Aufzeichnungen gemacht und deshalb schwirren alle Objekte im Kopf gleichzeitig herum.
Das Baby liegt in einer Minute zerlegt im Kofferraum und ein wunderschöner Spechtelabend geht zu Ende!
Hoffentlich kann ich an einem neuen Spechtelort in der Nähe von Navalon, den ich vor einigen Tagen gefunden habe,
(38° 55' 45 N / 0° 54' 27 W und 893m hoch und noch dunkler und einsamer gelegen), diese extrem gute Nacht noch einmal toppen!
CS
Timm