Spezialfarbe, Wärmeschutzfarbe für Solar-Cassegrain, hochreflektiv, rauh

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Ehemaliges Mitglied 78007
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Ehemaliges Mitglied 78007

Hallo liebe Sternfreunde,

für mein Sonnenteleskop suche ich extrem matte, rauhe, weiße Lackfarbe, quasi weißen Schultafellack.
Auspufffarbe, Leinwandfarbe, Projektionsfarbe könnten geeignet sein. Alles etwas teuer, um sich durchzutesten.
Wanddispersionsfarbe möchte ich nicht nehmen, da sie zu dick aufträgt und auf Metall nicht belastbar genug ist.

Habt ihr Erfahrungen? Tips auf bestimmte Produkte?

Kurz zum Hintergrund: Das Leibnitz-Institut für Sonnenphysik erläutert für GREGOR eine Oberflächenstruktur, welche die Tragwerktemperatur maximal 0,2K über die Umgebungstemperatur steigen lässt. Bei genauer Beschau von weiteren Fotos bemerke ich eine eher graue Farbgebung für das Tragwerk, während alle anderen Teile offenbar in Mattweiß gehalten sind.

Die graue Farbgebung für das Tragwerk erinnert mich an Diaprojektionsleinwände.

Bei GREGOR stand wohl das Prinzip im Vordergrund, hochreflektiv und gleichzeitig rauh. Weil rauhe Oberflächen bessere Wärmestrahler sind.

Da böten sich vielleicht Beamer-Projektionsfarben an. Habt ihr die schon mal verarbeitet?
Wärmereflektionsfarben? Wärmeschutzfarben?

An den Spinnenarmen des Solar-Cassegrain soll es in der Schrägsicht natürlich nicht reflektieren. Da würde ich eventuell zu Mattweiß wechseln.

Ich freue mich über eure Beiträge. Danke.

Grüße, *entfernt*
 
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Wenn sich eine Oberfläche in der Sonne wenig erhitzen soll, muss das Verhältnis von Absorptionsgrad und Emissionsgrad der Oberfläche möglichst klein sein.

Da der Emissionsgrad unter dem Bruchstrich steht, sind Oberflächen mit kleinen Emissionsgraden im Nachteil. Dazu zählen polierte Metalle, die zwar schön ausschauen und zielgerichtet reflektieren, aber leider schlecht emittieren.

Auf der Homepage von Anton Schweizer habe ich eine sehr umfangreiche Tabelle von Emissionsgraden gefunden, mit einem eigenen Abschnitt für Anstriche.


Jetzt bräuchte es noch eine ähnlich ausführliche Tabelle der Absorptionsgrade von Oberflächen beziehungsweise Anstrichen.

Im Moment ist „Matt Weiß“ erwartbar erste Wahl.

Interessant ist, dass Eloxiertes Aluminium auf einen Emissionsgrad von 0,9 kommt. Immerhin. Die rauhe Oberflächenstruktur machts. Nach meinen Recherchen lässt sich Aluminium nicht weiß eloxieren. Und leider auch nicht so ganz einfach haltbar lackieren.

Grüße, Reinhokd
 
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Hallo Reinhold,
ich habe eine englische Seite für Künstlerbedarf gefunden. Dort gibt es ausser dem Black 3.0 auch das White 2.0. einfach mal googeln. Vielleicht ist das ja, in Verbindung mit einer angerauten Oberfläche, was für dich.
CS Horst
 
Mattes dc-fix ?

Nur ne Idee.

Hatte blaues, bei Wind und Wetter, 4 Jahre auf der Heckflosse (Dachkante) von meinem Clio.

Gruß Markus
 
Hi Reinhold,
viel Erfolg beim Projekt. Die Sache hat ja damit zu tun, dass die Oberfläche im Wellenlängenbereich um das sichtbare Sonnenlicht und im nahen Infrarot, also ca. 400-1000nm, hell (also stark reflektierend), im thermischen (fernen) Infrarot (bei ca. 10000 nm Wellenlänge), wo die Emission von Körpern auf Umgebungstemperatur stattfindet, hingegen dunkel, also gut emittierend sein muss. Also im sichtbaren bereich hell, im IR dunkel. Schnee würde da beispielsweise gut funktionieren, so stabilisiert sich eine Schneedecke, ein Gletscher oder eine Polkappe... ;)

Jetzt bräuchte es noch eine ähnlich ausführliche Tabelle der Absorptionsgrade von Oberflächen beziehungsweise Anstrichen.
Im sichtbaren Wellenlängenbereich hat die helle Oberfläche (viel Reflexion, wenig Absorption) immer automatisch auch einen niedrigen Emissionsgrad, da dieser naturgesetzmäßig immer gleich dem Absorptionsgrad im selben Wellenlängenbereich ist. (Das kann man auch mit rauh oder matt nicht austricksen und es wäre eine Art Perpetuum mobile und würde Energie vom kälteren zum wärmeren Bereich fließen lassen, also unmöglich.) Da die Abstrahlung aber nicht in diesem sichtbaren Wellenlängenbereich, sondern gemäß Wien'schem Verschiebungsgesetz aufgrund der verglichen mit der Sonne niedereren Temperatur des Geräts weit im Infrarot erfolgt, kann es funktionieren und du brauchst die Absorptions(=Emissions)grade im IR. Dass es mit glänzenden Metallen nicht geht liegt daran, dass diese meist im IR auch glänzend reflektieren.

Meines Wissens strich man solche Bauteile seinerzeit mit einem (reinweißen) Titandioxid-Pigment, das diese Eigenschaft offenbar hat, das ist aber vielleicht nicht der neueste Stand der Technik mehr. Die graue Farbe der Tragkonstruktion könnte vielleicht mit dem Korrosionsschutz zusammenhängen ... oder diese Teile sind dem direkten Sonnenlicht nicht ausgesetzt, wer weiß? - Nur so eine Idee: Mal beim Institut selbst nachfragen...

Genau umgekehrt funktioniert ja übrigens der thermische Solarkollektor, der soll die Sonnenstrahlung möglichst vollständig aufnehmen und im IR wenig abstrahlen, nennt sich "Selektiver Absorber".

Und eine Fangspiegelstrebe ist ja im Strahlengang, sollte bzw. muss sie da nicht dunkel (mattschwarz) sein, wegen dem
Streulicht :unsure:?

CS, Nik
 

Hi Nik,

danke.


Und eine Fangspiegelstrebe ist ja im Strahlengang, sollte bzw. muss sie da nicht dunkel (mattschwarz) sein, wegen dem
Streulicht :unsure:?

Ich sehe die Luftschlierenbildung an Bauteilen, die heisser sind als die Umgebung, als die Problemzone. Es käme nicht gut, wenn sich an den Fangspiegelarmen Luftschlieren bilden würden.

Die Farbe Weiß ist an der Stelle ein Kompromiß. Im Tubusinneren das Gleiche. Daher wäre ein offener Gitterrohrtubus die bessere Wahl an der Sonne.

Alternative oder Ergänzung wäre künstliche Ventilation, welche Luftschlieren zerstört. Ventilatoren wollte ich zunächst vermeiden.

Grüße, *entfernt*
 

Hi Markus,

daran dachte ich ursprünglich, gibt es nämlich in weiß. Auf den Fangspiegelarmen trägt es zu dick auf. Das wäre nicht das Problem, dort kann ich mir behelfen.

Dieses dc-fix Velours habe ich bislang nur in selbstklebend gefunden. Die Trägerschicht ist aus Kunststoff und sehr dick. Wie lange geht das in der Sonne gut?
Das gab es allerdings mal als Velours auf Papierträger in Schwarz, vor zig Jahren. Vor einiger Zeit brauchte ich wieder welches, wurde aber in der Papierträgerversion nicht wieder fündig. Ich denke, ich nehme deinen Tipp zum Anlass, mich nochmal auf die Suche nach einer Papierträgerversion, diesmal in Weiß, zu begeben. Danke.

Grüße, *entfernt*
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Dieses dc-fix Velours habe ich bislang nur in selbstklebend gefunden. Die Trägerschicht ist aus Kunststoff und sehr dick. Wie lange geht das in der Sonne gut?

Hatte blaues, bei Wind und Wetter, 4 Jahre auf der Heckflosse (Dachkante) von meinem Clio.

Da war das kein Problem.
Bei Wind und Wetter. Sonne Frost.
Waschstraße.

Ansonsten evtl. richtige Carwrap Folie.
Die ist ja für thermische Belastungen ausgelegt.

Gruß Markus
 
Alternative oder Ergänzung wäre künstliche Ventilation, welche Luftschlieren zerstört. Ventilatoren wollte ich zunächst vermeiden.
Hallo Reinhold

Ehrlich gesagt halte ich die Ventilation für den wirkungsvollsten Ansatz und das in einem Volltubus.
Nur so kannst du wirklich sicherstellen das die sich durch Erwärmung bildende Grenzschicht auf Bauteilen weggesaugt wird.
Der Volltubus stellt dabei sicher das die Luftströmung auch über die relevanten Bauteile geleitet wird.
Zudem verhindert ein Volltubus Lokales Seeing von aufgezeichnet Bodenplatten, Körperwärme, usw.
So gesehen unterscheidet sich der Solar Cassegrain nicht von dem der zur Nachtanwendung.
Jedoch ist die Energiemenge der Sonne enorm!
Also je nach Öffnung werden sich die Spiegel auf jeden Fall aufwärmen und eine Grenzschicht ausbilden.
Idealerweise sollten die unbeschichteten Spiegel mit einer DERF oder einer IR Beschichtung bedampft sein.
Die Farbe wirkt hingegen ja nur an optisch nicht relevanten Stellen, außer dem Fangspiegel und der Spinne.
Der Lüfter oder die Lüfter sollten entsprechend Power haben.
Ein weißer Blendring um die Öffnung welcher Schatten wirft ist auch sehr hilfreich.

Gruß
CS
 
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