Test des TS 25x100 , Skybeamer und roter Mond

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olafkolbrueck

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Hallo Astrogemeinde:


Was für ein Riesenpaket von Teleskop-Service. Was für ein Brocken. So groß hatte ich es mir gar nicht vorgestellt.
Aber was hatte ich auch erwartet. Immerhin wiegt das Stück gute 5,5 kg.
Aber von vorn. Was waren die zentralen Überlegungen für den Kauf:
-Es sollte zum zwanglosen Schnellspechteln nach einem langen Bürotag dienen, wenn ich keine Lust mehr auf große Schleppereien habe und als Reisegerät dienen.
-Es sollte vor allem ausreichend Öffnung für Deep Sky bieten, die auch noch unter im Zweifel etwas aufgehelltem Himmel Objekte reichlich zeigt.
-Es sollte eine brauchbar hohe Vergrößerung liefern, um mehr als nur äußerst verwaschene Mäusefürze zu zeigen.
-Es musste an Planeten keine Wettkämpfe gewinnen. Planeten muss ich nicht auf der Reise sehen, denn die habe ich zu Hause auch, und wenn das Seeing gut genug ist, kommt ohnehin der 8er Dobson raus.
-Es soll nur für die nächtliche Anwendung sein
-Der Preis sollte im Verhältnis zu Nutzungshäufigkeit stehen, die sich eher in überschaubaren Grenzen halten dürfte.
Öffnungen mit 70-80 vielen daher aus, zumal ich schon ein TS 10x60 fürs großfläche Lustsurfen durch die Milchstraße und für die Tagesbeobachtung habe.
45-Schrägeinblick fiel auch aus, weil bei mir jenseits von 1000 Euro die Schmerzgrenze anfängt und der Spaß aufhört. Ein günstigeres kleineres 45-er-Schrägeinblick fiel wiederum wegen der dann her zu klein dimensionierten Öffnung aus dem Raster.

Dennoch: erst am Himmel zeigt sich, ob billig gekauft nicht am Ende auch teuer gekauft ist (by the way: In Alt-Mark gerechnet bewegt sich das Glas bei 700++ DM und wenn man nur ein begrenztes Konto hat, ist eben irgendwann Ende. Allen anderen sei ihr Takamiyauchshibashihasi gegönnt).

Jedenfalls ist die Verarbeitung schon einmal gut und das Glas in der Fototasche gut gepolstert. An der zentralen Stange mit den integrierten Stativadapter lässt sich das Bino gut tragen.
Das Bino steht bei mir derzeit auf einem bei ebay abgestaubten Manfrotto-Stativ Tripod 028 B das bis zu 12 kg aufnimmt und sich bis auf 2,20 ausfahren lässt und die braucht man als 1,80-Meter-Mensch im Zenit schon. Das sollte also reichen. Dazu gehört ein 3D-Neiger, 029, ebenfalls Manfrotto, der 8kg packt (Das Bino wird umgekehrt eingesetzt, um einen 90-Grad-blick nach oben zu ermöglichem, da die Neiger eigentlich so gebaut sind das man gut Objekte auf dem Boden fotografieren kann). Immer noch ausreichend.
Darunter würde ich es aber nicht tun. Selbst in dieser Kombi ist ein leichtes Zittern bei der Beobachtung nicht immer zu vermeiden.

Die zentralen Stange mit den integrierten Stativadapter muss nicht nur per Hand festgezurrt werden, sondern am besten gleich mit der Rohrzange. Sonst gibt es zuviel Spiel, jedenfalls wenn ich meine Kräfte beim Zudrehen als Masstab nehme.
Der Einzelfokussierung funktioniert gut, wenn auch etwas schwergängig, was die Feinabstimmung erschwert. Dafür verstellen sie sich beim Transport mit Sicherheit nicht.
Die Augenmuschel lassen sich leicht zurückklappen und erlauben dann auch mir als Brillenträger problemlosen Beobachtungskomfort (siehe Fazit) bei angegebenen 18mm Augenabstand.
Und was ist nun mit der Leistung? Und was ist mit Farbee?
Der Mond war in den letzten Tagen in Horizontnähe ohnehin durch den Dunst staubrot. Schöner als bei der Mondfinsternis. Dafür sind die Krater in dem Glas knackig und klar konturiert. Da war also nicht mir Farbtest.
Die Sonne zeigt aber in der Tat einen schmalen gelben und ansatzweiße auch grünen Farbsaum. Auch beim Mond dürfte etwas Farbe zu sehen sein. Aber ich habe schon schlimmere kurzbauende Refraktoren gesehen. Jedenfalls, da kannn ICH mit leben
Ach ja, die Kollimation ist einwandfrei. Reflektionen halten sich in engen Grenzen.
Wie schlägt sich nun das Bino, dessen angebene 2,5° Gesichtsfeld so eben hinkommen, am Deep-Sky-Himmel.
Die Sterne sind am aufgehellten dunstigen Dorfrandhimmel (roter, roter, roter Mond) samt beleuchteter Erntewagen und Skybeamer vom Seefest (Grrrrrrrrr) in der Mitte sind scharf (wenn auch nicht so stechend scharf wie Stecknadeln) bis zu ca 70 Prozent des Gesichtsfeldes. Danach lääst die Schärfe nach, aber nicht so dramatisch, dass man meint, man müsste dauern die Schärfe nachstellen. Beim Surfen durch die Milchstraße wird man auch nicht seekrank.
M 13 ist fast schon erschreckend hell, M 15 dito, Hantelnebel ist mit Konturen eine wahre Freude, Hatschi ist in jedem Glas schön, hier aber zeigt sich das das Glas eine durchweg gute Abbildung liefert, noch deutlicher wird das beim schwachen Sternhaufen NGC 7789. Ein Cirrusbogen ist trotz der oben beschriebenen Bedingungen zu erkennen, wenn man weiß wie er aussieht. Andromede und Bgeleiter sind selbst unter den Bedingungenn kein Problem. In einer kurzfristig besseren weiteren Nacht war zudem das Stolpern durch den Schützen ein einziger Genuss mit deutlich erkennbaren Nebelstrukturen bei den Objekten.
Ich freu mich schon auf vernüftige Beobachtungsbedingungen.
Fazit 1 Bild: für diesen Preis ist das Bino, das mich ziemlich baugleich mit dem Apogee 25x100 dünkt, mehr als ein echter Hit. Randschärfe-Puristen und Farb-Stalinsten werden in dieser Preisklasse sicher nicht auf Dauer glücklich.
Fazit 2 Komfort: Wer einen ganze Nacht lang nur mit dem Bino beobachten will benötigt speziell in Zenitnähe bei dem Gradsichtglas einen guten Rücken und Nacken. Allerdings gibt es auch in bequemer Position reichlich zu sehen. Nach 2 Stunden wurde es mir allmählich ungemütlich (ich bin 39 J.). Aber wenn der Himmel längere Sessions ermöglicht will ich ohnehin nicht nur das Bino nehmen. Und wie gesagt, MIR ist diese Bequemlichkeit den Mehrpreis nicht wert., zumal sich auch in Zenitnähe bei ausgefahrenem Stativ noch gewinnbringend mit dem Glas beobachten lässt. Natürlich wird man dann nicht eine halbe Stunde lang auf NGC 7000 starren wollen. Jedenfalls habe ich im Miy. 22x77 zwar bequemer gesehen, aber mit ähnlich Farbe und deutlich dunkleren Objekten
Fazit 3: Das Glas ist auch angesichts der Verarbeitung sein Geld mehr als wert und ein gelungener Begleiter für die oben beschriebenen Anforderungen.
Fazit 4: Das Glas braucht einen ausreichend großzügig dimensionierten Aufbau und ein Stativ, das sich hoch ausziehen lässt. Ein billiges Fotostativ tut es nicht.
Fazit 5: Ich verstehe nicht, warum Händler Binos dieser große nicht gleich mit einem Leuchtpunktsucher ausliefern oder Anbieten. Mir würde es zumindest das Anpeilen der Objekte erleichtern. Deswegen werde ich mir gleich mal Gedanken machen wie ich meinen am Besten montiere.

Olaf
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Olaf,

da will ich mich doch mal schnell anschließen und Dir ebenfalls für den anschaulichen und gut zu lesenden Beitrag danken.

Eine Frage habe ich. Du schreibst:

=> "(Das Bino wird umgekehrt eingesetzt, um einen 90-Grad-blick nach oben zu ermöglichem, da die Neiger eigentlich so gebaut sind das man gut Objekte auf dem Boden fotografieren kann)"

Wie muß ich mir das vorstellen? Drehst Du den Stativadapter um 180° oder befestigst Du den Neiger kopfüber auf dem Stativ?

Als Spechtler mit einem Geradsichtbino 20x80 bin ich ja im Auftrag meines Orthopäden für jeden Tip zur Schonung meiner Halswirbel dankbar <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

carpe noctem
Matthias
 
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