Tour durch die Milchstraße mit dem Fernglas

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Rudi
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Rudi

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Hallo Sternfreunde,

Ganz unverhofft kam ich gestern noch zum Spechteln.
Ich war zunächst noch bei einem Nachbarn, dessen PC nicht so richtig wollte. Gegen 23 Uhr war ich dann wieder zuhause, beim obligatorischen Blick nach oben wurde ich dann beinah von der Sternenfülle erschlagen. Jaaa, da machma nochwas <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />
Aber mit wem?? Grübel, grübel, das TAL aufbauen für ein paar Aufnahmen war mir dieser tolle Himmel zu schade. Der Dobson wäre schnell einsatzbereit gewesen, bin aber nicht vorbereitet für schwächere DeepSky-Objekte, die Standartsachen habe ich eh schon so oft gesehen. Da fiel mir das TS 15x70er Fernglas ein, das ich mir vor ein paar Monaten zugelegt habe. Damit wollte ich ja schon lange mal eine Milchstraßen-Tour machen. Gesagt, getan, mit Klappstuhl, Karkoschka und Fernglas mit Stativ raus auf die Wiese.

Erstmal orientieren: uups, Schütze steht schon im Südwesten, da bleibt nicht mehr viel Zeit. Die Schützenjagd beginne ich immer mit M8, der Lagunennebel ist das auffälligste Objekt, auch im Fernglas sind darin Details und der Sternhaufen gut zu sehen. Dann geht es erstmal nach Osten zu den KS M28 und M22, letzterer sehr hell und mit 20' Größe auch bei 15facher Vergrößerung ein ordentlicher Brocken und schön anzuschauen. Es geht dann wieder zurück zu M8, um dann nach oben die anderen Nebel abzufahren. Nicht sehr auffällig: M20 und 21 ganz im Gegensatz dazu die großen OS M23 und 25. Dazwischen die Milchstraßenwolke M24, die noch gut im Gesichtsfeld platz hat und hier so richtig zu Geltung kommt. Eine unendliche Ansammlung von unterschiedlich hellen Sternen, einer der Höhepunkte dieses Abends, die beiden Dunkelnebel B92 und 93 erkennt man auch. Diese Sternwolke ist Teil eines inneren Spiralarms unserer Milchstraße und nur deshalb zu sehen, weil der davor liegende Sagittarius-Carina-Arm an dieser Stelle ein Loch hat, der den Blick dahinterliegende Sterne freigibt.

Vorbei am unscheinbaren OS M18 geht's zu einem weiteren schönen Objekt: M17, der Schwanennebel, die Form des Schwans (im Fernglas auf dem Kopf stehend) leicht zu erkennen. Oberhalb ist noch M16 der Adlernebel, nicht so berrauschend, gut der Sternhaufen ist da, aber vom Nebel konnte ich nichts Eindeutiges sehen. Der große, aber schwierige KS M55 zeigte sich leider nicht, in dieser Richtung ist ein hoher Lichtkegel einer 20km entfernten Ölraffinerie, Attentatsgedanken steigen in mir hoch!!

Mars nahm ich auch noch kurz ins Visier, hier zeigt sich die einzige Schwäche des Fernglases. Beim extremen hell/dunkel-Vergleich, also z.B. der helle Mars im dunklen Hintergrund zeigen sich Reflexe. Mich stört's aber nicht, ansonsten ist die Abbildung kontrastreich und scharf, ein großes Gesichtsfeld mit guten Einblick hat es ja.

Nun geht es etwas höher, in dem Gebiet etwa südwestlich vom Adler findet man die größeren OS IC4665 und IC4756, der kleine M26 und sehr schwach konnte ich den KS NGC6712 erkennen. Vergessen darf man hier natürlich nicht M11, eigentlich als OS eingestuft, hat er im Fernglas gesehen, große Ähnlichkeiten mit den hellen KS wie z.B. M13 im Herkules oder M22 im Schützen. Knapp neben gamAql, also vielleicht 2 Grad nordwestlich von Atair in der Milchstraße ein sichelförmiger Dunkelnebel (B142-3), mehr als ein Grad groß, ideal für's Fernglas. Auf Anhieb nicht ganz einfach zu entdecken, man sucht ja nach was, was eigentlich nicht da ist. Sollte man aber versuchen.

Hinter mir merke ich eine Aufhellung, wer wird denn jetzt noch Licht machen?? Ich drehe mich um: der Mond, NEIN, was macht der denn jetzt schon. Noch ist die Milchstraße gut strukturiert zu sehen, aber nicht mehr lange. Collinger399, der Kleiderbügel, gehört für mich bei jeder Fernglasbeobachtung dazu, auch den klizekleinen OS NGC6802 knapp daneben konnte ich abhaken, auch M71 im Pfeil. Jetzt wurde es mir etwas zu unbequem, ich näherte mich dem Zenit, da wird's mit dem Stativ echt schwierig, also geht es freihändig weiter mit dem altbekannten Hantelnebel. und nicht weit davon Albireo. Auch ohne Stativ sind die beiden Sternchen deutlich getrennt und natürlich auch farbig, wie sich das gehört.

Nun komme ich endlich zu dem Objekt, was mich am meisten interessiert hat: NC7000 der Nordamerikanebel. Von Albireo durch den Schwan rauf zu Deneb und dann nach links müßte er irgendwo sein. Von wegen: Patsch, da war er dann auch gleich. Deutlich hebt sich die Form vom Hintergrund ab, das war einfacher als ich dachte. Die Durchsicht ist sehr gut diese Nacht und der Nebel steht ja auch im Zenit. Leicht hat er im Gesichtfeld Platz, die ideale Vergrößerung für dieses Objekt. Für mich das beste Objekt dieser Nacht, toll. Beim benachbarten Pelikannebel war ich mir aber nicht sicher etwas gesehen zu haben.

Ich streife nun entlang der Milchstraße wieder tiefer, einige Sternhaufen kreuzen den Weg, die eigentlich eh schon in einem Meer von Sternen schwimmen. Bei Cassiopeia und dem OS NGC457 halte ich inne, der Eulenhaufen ist einer meiner Lieblingssternhaufen, der auch im Fernglas bei 15fach als Eule sich zeigt. Noch tiefer die Doppelsternhaufen h+chi Persei, die sowieso ein ideales Fernglasobjekt sind. Wenn man der auffälligen Sternenkette Richtung Norden folgt, ein paar Grad weit, kommt man zu Stock2, dem Muskelmännchen, das mich auch heute wieder mit ausgestreckten Armen begrüßt. Solltet Ihr wirklich mal mit einem Fernglas versuchen, für's Teleskop ist dieses Sternengebilde fast schon zu groß.

Jetzt wird's langsam Zeit, der Mond macht sich nun doch sehr stark bemerkbar, ich steuere noch kurz die Andromedagalaxie M31 und M33 an, dann peile ich (etwas ungenau) auf den Mond, schaue durch und sehe die Plejaden. Heeh, das gibt's doch nicht, sind die auch schon wieder da, Wahnsinn wie schnell das alles geht, bald ist Winter! Nun letztendlich der Mond, bleibe doch länger hängen als geplant, muß wohl ziemlich genau Halbmond sein. Die Luft ist sehr klar, auch das aschgraue Mondlicht ist deutlich zu sehen. Am beeindrucksten waren am Terminator die Appeninen, die eigentlich schon im Schatten lagen, aber die Berggipfel noch tief in die dunkle Seite hinein von der Sonne beleuchtet waren.

Das alles war wieder ein schönes Erlebnis, auch ein Fernglas hat seinen eigenen Himmel mit unendich vielen schönen Objekten. Gut gelaunt packte ich zusammen und freu mich auf die nächste klare Nacht (aber mit ein paar Zoll mehr!).

Grüße Rudi



 
Hallo Rudi,

ja so ein Fernglas ist schon was feines zum schnellen Spechteln zwischendurch. Habe ich in letzter Zeit öfters mal vom Balkon aus gemacht, wenn es klar wurde, ich aber keine Zeit/Lust mehr hatte, noch rauszufahren.
Ist schon erstaunlich, was man selbst in einem guten 10x50 so alles sehen kann.
Dienstag Abend wars bei uns auch recht gut, aber ich war Rennradfahren und anschließend mit Freunden Eis essen gewesen und als ich dann nach Hause kam selbst fürs Fernglasspechteln zu müde <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/blush.gif" alt="" />
 
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