Ultravid mit Leder oder Gummiarmierung?

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chipsy

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Eine Freundin von mir möchte sich ein Leica Ultravid (wahrscheinlich das 10x25, vielleicht auch das 8x20, wozu ich ihr rate) leisten. Die Frage: Soll sie eines mit Leder oder Gummiarmierung nehmen? Wird das Leder nicht im Laufe der Jahre spröde, bzw. rissig oder sogar brüchig und lässt hässliche Lücken entstehen?
Es soll zwar nicht bei strömendem Regen benutzt werden, aber es kann durchaus mal passieren, dass ein paar Tropfen drauf kleckern. Und Seeluft bzw. Gischt? Wie hält das Leder im Vergleich zu Gummi wohl aus im Lauf der Zeit?
Hat jemand ERfahrung damit?
 
Ach ja, noch eine Ergänzungsfrage: Ist es in irgendeiner Weise abzuraten, ein neues Ultravid zu erstehen, das wohl eines der ersten aus der Fabrik ist? Sind dann irgendwelche Mängel bzw. ist dann eine nicht ganz so perfekte Verarbeitung zu erwarten? Irgendeiner hier im Forum berichtete einmal von einem neuem Zeiss-Fernglas, bei dem die Gummierung schlecht verarbeitet war - daher meine Frage (Hätte ich übrigens nicht von Zeiss erwartet).
 
Besser: Ultravid 8x20 mit Gummiarmierung!

1. Zunächst zur Vergrößerung: Ich rate ebenfalls zum 8x20, denn …

1.1 ist es noch ein bißchen kompakter und leichter (das ist ja eines der Hauptargumente für ein Kompaktfernglas),

1.2 erleichtert das größere wahre Gesichtsfeld des 8x20 gegenüber dem 10x25 das Auffinden und bei bewegten Zielen das Verfolgen des zu beobachtenden Gegenstandes; dieses Argument halte ich bei Kompaktferngläsern für wichtiger als bei den großen, weil nämlich die scheinbaren Gesichtsfelder der Kompaktferngläser relativ zu denen der größeren Modelle ziemlich „mickrig” sind (Größenordnung nur etwa 48° bis 52° gegenüber etwa 58° bis 68° bei den großen),

1.3 ist das Bild beim 8x20 merklich stabiler, auch wenn man eine „ruhige Hand” wie angeblich unser Kanzler hat, was bei Kompaktferngläsern wegen des sehr geringen Gewichts viel wichtiger als bei großen Ferngläsern ist, deren mehrfach größere „träge Masse” ein stabilisierender Faktor gegen das Bildzittern ist,

1.4 zeigt ein 8fach vergrößerndes Fernglas eine um 56% größere Schärfentiefe, so daß man einen größeren Tiefenbereich scharf übersieht und weniger oft nachfokussieren muß.


2. Dann zur Frage, ob Leder oder Gummiarmierung: Ich rate zur Gummiarmierung, denn …

2.1 fühlt sich das Fernglas in der nahezu alles umschließenden Gummihülle auch bei größter Kälte stets angenehm an, während bei den belederten Modellen große Metallflächen sich dann eisig anfühlen,

2.2 ein Kompaktfernglas ist doch ein „Immer-dabei-Fernglas”, das darum viel öfter und härter beansprucht wird als ein viel seltener benutztes großes; die Gummiarmierung schützt nicht nur die empfindliche Optik, an ihr kann es auch zu keinen Lackabsplitterungen (wie an lackierten Metallteilen) bei unsanften Stößen kommen, die auch bei sorgfältigstem Umgang hin und wieder möglich sind,

2.3 die Gummiarmierung nimmt es nicht so übel wie die lackierten Metallteile, wenn das Fernglas um den Hals baumelt und am Metallreißverschluß des Anoraks (der Winter kommt bald!) scheuert,

2.4 Gummiarmierung macht jedes (auch ein großes) Fernglas zu einem „leisen” Fernglas, das keine oder zumindest nur wesentlich leisere Gräusche verursacht, wenn man es auf einer harten Unterlage ablegt, gegen einen Baum oder Ast oder eine ebenfalls umgehängte Kamera stößt, und so verscheucht man nicht so schnell scheue Vögel oder Wild - jeder erfahrene Jäger achtet auf dieses Ausstattungsmerkmal,

2.5 ein wasserdichtes Fernglas hat in der Belederung eindeutig eine Schwachstelle, auch wenn das Leder gut imprägniert ist, ist es Wasser gegenüber immer empfindlicher als die Gummiarmierung.

Nachtrag: Wenn ich immer von Gummi spreche, so meine ich nicht nur Gummi im strengen Sinne, sondern natürlich auch andere als Armierung von Ferngläsern verwendete Kunststoffe wie „Silikongummi”, Polyurethan usw.


3. Schließlich noch zur Zusatzfrage: Ich hätte keine Bedenken, eines der ersten kleinen Ultravids zu kaufen, denn die hier verwendete Gummiarmierung und die zur Ummantelung benutzte Technologie sind für Leica nicht neu. Ich kann auch von meiner kritischen Begutachtung der neuen kleinen Ultravids auf der „photokina” nur Positives über sowohl die optische Qualität wie meinen Gesamteindruck hinsichtlich Verarbeitung und Materialien berichten.

Walter E. Schön
 
Re: Besser: Ultravid 8x20 mit Gummiarmierung!

Danke für die ausführliche und kompetente Stellungnahme!
Ich werde diese Antwort wiedergeben und zu einem gummiarmierten 8x20 raten. Die Argumente sind eindeutig und überzeugend.
 
Re: Besser: Ultravid 8x20 mit Gummiarmierung!

Hallo!

trotz Walters guter Argumentation möchte ich anmerken, dass manche Leute ein lederüberzogene Fernglas viel schöner finden, als ein gummiarmiertes. Bei so einem teuren Stück würde ich persönlich mich nicht von rein praktisch-rationalen Gesichtspunkten leiten lassen, sondern auch auf den Bauch hören. Es geht ja schließlich nicht um ein Abschreibungsobjekt.

Letzendlich sind zwischen beiden Gläsern keine optischen Unterschiede vorhanden, und auch die alten belederten Zeiss Jena Ferngläser sind nach vielen Jahren meistens noch in guter äußerlicher Kondition.

Außerdem ist Leder ein Material, was sich nach meiner Meinung angenehmer anfühlt, als eine Kunstgummimischung.

Die Dame sollte sich einfach beide Gläser mal in natura anschauen und in die Hand nehmen.
Viele Grüße
Andreas
 
Re: Besser: Ultravid 8x20 mit Gummiarmierung!

Vom ästhetischen und haptischen Standpunkt aus gesehen ist Leder natürlich unschlagbar. Allerdings ist gerade ein Leica für längeren Nutzen gedacht, und wenn das Leder bei Nässe oder Salzluft nach wenigen Jahren deutlich mitgenommen aussieht, wäre es sehr schade. Bei der Gummiarmierung sollte das nicht der FAll sein.
Auch ich finde die Belederung einfach nur passend zu einem Fernglas - mit dem Nachteil des geringeren Nutzwertes.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Kein echtes Leder!

> Außerdem ist Leder ein Material, was sich
> nach meiner Meinung angenehmer anfühlt,
> als eine Kunstgummimischung

Hallo Andreas, hallo zusammen,

beledert heißt nicht Leder. Bei dem Matrerial, daß Leica für die Ummantelung der BL-Ferngläser benutzt handelt es sich um ein synthetisches Material, sprich Kunstleder. Es ist wohl das gleich Material, daß auch schon seit vielen Jahren bei den M-Kameras der Solmser Verwendung findet (diese kann man übrigens seit kurzem für einen saftigen Aufpreis auch mit echtem Lederbezug bestellen => "Leica á la carte".)

Ansonsten kann ich mich nur Walters Ausführungen anschließen.

Viele Grüße
Frank
 
Re: Kein echtes Leder!

Ist ja interessant! Das heißt, Nässe, Salz usw. machen dem Kunstleder so viel aus wie der Gummiarmierung?
Ein wenig befremdend finde ich allerdings, dass Leica bei den stolzen Preisen kein echtes Leder verbaut.
 
Re: Kein echtes Leder!

Hallo chipsy,

> Ist ja interessant! Das heißt, Nässe, Salz usw.
> machen dem Kunstleder so viel aus wie der Gummiarmierung?

Das Material sollte genauso resistent ein. Wie es mit der Befestigung desselben aussieht, weiß ich leider nicht. Ich habe aber noch nie Auflösungserscheinungen an einem solchen Glas gesehen.

> Ein wenig befremdend finde ich allerdings, dass Leica bei
> den stolzen Preisen kein echtes Leder verbaut

1. Echtes Leder wäre eben nicht so alltagstauglich. Ein Fernglas ist in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand.

2. Wer sagt, daß dieses "Kunstleder" preiswerter ist als Tierhaut? Ich vermute eher das Gegenteil.

Die gummiarmierten Gläser sind m.E. in jedem Fall vozuziehen, alleine schon weil die belederten eben nicht *vollständig* beledert sind.

Gruß
Frank

P.S.:

So sieht es aus, wenn bei Leica ein Gerät "beledert" wird:

http://www.leica-camera.de/imperia/md/images/leica/alacarte/werkstattrundgang/4.jpg

Da arbeiten nur Damen mit schönen Händen und gepflegten, frisch lackierten Fingernägeln. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
 
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