Umstieg in die Astrofotografie

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Calavera21

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Hallo an alle Freunde der Astronomie und Fotografie,

seit ich 10 Jahre alt war und mir ein Aldi-Teleskop geschenkt wurde war ich hin und weg von dem Gedanken alles im Sternenhimmel erforschen zu wollen :P

Mittlerweile ist es eingestaubt und beruflich bin ich viel mit meiner Nikon D7000 unterwegs und dachte mir warum nicht den Kindheitstraum mit der Fotografie kombinieren?

Leider hatte ich nie soviel Erfahrung mit Teleskopen gehabt, als das ich nun einfach mal drauflos kaufen könnte :P daher wollte ich hier mal fragen was ihr für eine gute Astrofotografie Austattung haltet.

Teleskop, Montierung, Okulare, Zubehör sollten das geplante Budget von 2.200 Euro nicht groß übersteigen.

Dachte da im ersten moment an sowas:
Skywatcher Maksutov Teleskop MC 180/2700 SkyMax NEQ-5 Pro SynScan GoTo

Primär soll das Teleskop zur Planetenfotografie dienen, jedoch will ich natürlich nicht Deep Sky Fotografie ganz vernachlässigen.

Viele grüße
Michel
und danke für jede Antwort ;)
 
Hallo Michael,

Wenn Dein primäres Ziel die Planetenfotografie ist, dann vergiss bitte ganz schnell die DSLR. Planeten nimmt man mit einer Kamera ohne mechanischen Verschluß auf. Und mit Sensoren die deutlich weniger Pixel aufweisen. :)

Der Grund dafür liegt

a) in der Abbildungsgröße von Planeten
b) in der Luftunruhe
c) in der notwendigen Anzahl der Einzelbilder

Um Planeten in befriedigender Auflösung zu fotografieren, sollte die Brennweite des Teleskopes um die 4-6 Meter liegen. So eine große Brennweite erreicht man mit SC´s oder über Barlow-Linsen oder per Okularprojektion.

Das verwendete Teleskop sollte dabei mindestens 6" Öffnung haben. Viele Planetenfotografen nutzen Newtons (8 oder mehr Zoll) oder Cassegrainsysteme (C9.25, C11, C14).

Stativ und motorisierte Montierung müssen dabei so dimensioniert sein, daß sie das Gewicht des angepeilten Teleskopes tragen können.

Als Einstieg in die Planetenfotografie kannst mit einer astrotauglichen Webcam loslegen. Da hast gleich ein "buntes" Bild. Du nimmst die Webcam, schraubst einen UV-IR-Sperrfilter in den 1 1/4" Adapter und schiebst sie wie ein Okular in den Okularauszug. Das Signal der Webcam geht per USB-Kabel in den Laptop. Mit einem Freeware Aufnahmeproggy (ich nutze Giotto 2.21) wird das Livebild am Bildschirm dargestellt. Du schaust auf den Bildschirm und drehst am Okularauszug, bis der Planet am schärfsten ist.

Belichtungszeit (1/25 bis 1/250 Sekunde), Helligkeit und Farbbalance kannst an Schiebereglern optimal einstellen. Dann nimmst 3 Minuten so viele Bilder wie möglich auf. Entweder als bmp oder als avi. Diese Bilder werden dann von Giotto oder einem anderen Programm zum "Stacken" analysiert, die besten x % übereinander gelegt um das Rauschen zu minimieren und dieses Summenbild wird anschließend geschärft, noch ein bissy an der Farbbalance und dem Kontrast gedreht, dann hast ein schönes Abbild des Planeten.

Nimmst länger als 3 Minuten auf, kommt es durch die Rotation des Planeten zu Unschärfe.

Wenn Du nach einiger Zeit sicher bist, daß Planetenfotografie Dein Ding ist, wirst vermutlich auf eine bessere Kamera umsteigen. Das wäre dann eine s/w Kamera wie die DMK´s, Lumeneras... Um nun trotzdem farbige Bilder zu bekommen, brauchst noch ein Filterrad und CCD-Farbfilter.

Für Deepsky kannst dagegen Deine DSLR hernehmen. Aber da brauchst dann wesentlich kürzere Brennweiten. 1 Meter oder kürzer. Viele Objekte werden sogar mit Fotoobjektiven (200-500 mm Festbrennweite) Huckepack auf dem eigentlichen Teleskop aufgenommen.

1 Teleskop für alles (visuell, fotografisch (Planeten und Deepsky), also die eierlegende Wollmilchsau), das wirst nicht finden.

Dazu kommt, daß bei Deepskyfotografie ganz andere Anforderungen an die Einnordung und Nachführgenauigkeit gestellt werden. Da reden wir über Belichtungszeiten von mehreren Minuten pro Einzelbild. Ohne zusätzliches Guiding (Auge am Okular oder 2. Kamera), geht nicht viel. Auch der Standort, von wo aus Du Deepsky-Fotografie betreiben möchtest, ist ein wichtiges Kriterium.

Planeten gehen prima vom Balkon mitten aus der Stadt, Deepsky erfordert sehr dunklen Himmel, oder es artet in eine Materialschlacht mit Schmalbandfiltern und gekühlter CCD-Kamera aus, die sehr weit über Deinem Budget liegt.


 
danke für deine Informative Antwort Fee!

Also für Planetenfotografie brauch man eine astrotaugliche Webcam bzw. CCD-Kamera, gibts da welche die man empfehlen kann? Vielleicht für CCD eine ALCCD5T fürn Anfang?

Zu dem Teleskop + Montierung:
Desweiteren brauch man für die Planetenfotografie eine hohe Brennweite. Da liege ich doch mit der "Skywatcher Maksutov Teleskop MC 180/2700 SkyMax NEQ-5 Pro SynScan GoTo"
garnicht so verkehrt oder?

als alternative habe ich noch "Celestron Schmidt-Cassegrain Teleskop SC 235/2350 Advanced C925 AS-GT GoTo" rausgesucht.

Eine C11 würde leider etwas den Rahmen sprengen :P besonders da ne Kamera nun ja noch dazu kommt.

Wenn jemand Erfahungen mit den Teleskopen/Montierungen hat kann er sie gerne mitteilen.

Um der Unschärfe durch die Rotation der Planeten entgegenzuwirken benötige ich ja auch GoTo Montierung mit automatischer Nachführung :O die rausgesuchten 2 sind wenn ich mich nicht irre welche.

Für Deep Sky Fotografie dachte ich dann wirklich an ne Huckepack Montierung weil ich zur DSLR ein 300mm Objektiv habe.
 
Hallo Michel,

vergiß bei den angestrebten Brennweiten und Teleskopgewichten schnell die Skywatcher NEQ5 Pro und die AS-GT alias CAM alias CG-5. Für die angegebenen Teleskope sind die Montierungen zu schwach.

Gruß
Markus
 
Hi,

Also für Planetenfotografie brauch man eine astrotaugliche Webcam bzw. CCD-Kamera, gibts da welche die man empfehlen kann?

diese Webcams sind für den Einstieg ganz brauchbar:

TSSSI

SSI

Du solltest aber bei beiden noch nen UV-IR-Sperrfilter dazukaufen, die Webcams sind im IR-Bereich noch empfindlich. Der Filter ist dann auch gleichzeitig noch ein Staubschutz für den Webcamchip. :)

Sperrfilter

Zu dem Teleskop + Montierung:
Desweiteren brauch man für die Planetenfotografie eine hohe Brennweite. Da liege ich doch mit der "Skywatcher Maksutov Teleskop MC 180/2700 SkyMax NEQ-5 Pro SynScan GoTo"
garnicht so verkehrt oder?

Öffnung/Brennweite sind für Planeten in Ordnung. Allerdings kann ich nix zur Praxis sagen - ich hab 2 Newtons. Die haben nen Okularauszug, deren Hauptspiegel ist fest. Beim Mak wird der ganze Spiegel verstellt beim Fokussieren. Ob da Spiegelshifting auftritt, weiß ich nicht aus eigener Anschauung. Du solltest den Mak aber lieber auf eine stabilere Montierung setzen. EQ6 würde ich sagen...

als alternative habe ich noch "Celestron Schmidt-Cassegrain Teleskop SC 235/2350 Advanced C925 AS-GT GoTo" rausgesucht.

hier gilt das gleiche...

bei beiden Teleskopen solltest die Brennweite mit ner 2x Barlow verlängern...

Für ausgedehnte Deepsky-Objekte sind aber die Originalbrennweiten dieser Teleskope schon etwas zu hoch.

Von wo aus (Großstadt, Kleinstadt, Dorf) willst denn beobachten? Oder fährst mit dem ganzen Krempel jedesmal ins Dunkle raus?

Um der Unschärfe durch die Rotation der Planeten entgegenzuwirken benötige ich ja auch GoTo Montierung mit automatischer Nachführung

hey, eine Gotomontierung hält nicht Jupiter von der Rotation um seine Achse ab. :totlach: Die Nachführung der Montierung sorgt nur dafür, daß er im Gesichtsfeld der Kamera bleibt.

Im Ernst, die Rotation von Jupiter ist so schnell, daß es Unschärfe gibt, wenn Du länger als 3 Minuten auf ihn drauf hältst!

 
die TSSSI schaut ganz gut aus fürn Anfang, wobei das abgebildete Beispielbild doch etwas unscharf ist... könnte aber auch am Seeing oder am Teleskop selbst in dem Test liegen ka.

Für DeepSky Fotografie könnte ich doch auch das gegenstück zur Barlow Linse verwenden, so einen 0,5x Brennweiten Reducer oder?

Ich wohne in einem Dorf mit einer Kleinstadt in unmittelbarer umgebung, jedoch ist es kein problem auch mal aufs Feld rauszufahren da hab ich dann meherere Kilometer kein Licht am Boden.

Wie ist es eigentlich mit Straßenbeleuchtung? bei uns in der straße sind schon diese neuen super starken orangenen lichter die alles hell erstrahlen lassen. Ist dies ein großes Problem wenn ich mit einem Teleskop was sehen will?


Also von der Montierung spricht dann alles für eine EQ6.
Ist nurnoch die Frage ob die "bessere" C9.25 235/2350mm f10 den mehrpreis von fast 400 Euro rechtfertigt gegenüber dem Mak 180/2700mm f15. ich versuche mal vergleichsfotos oder erfahrungsberichte zu finden...

und ja irgendwie hätte es mir selbst auch einleuchten müssen das der Jupiter ne eigen Rotation hat xD hehe

gruß,
Michel
 
Hi Michel,

die TSSSI schaut ganz gut aus fürn Anfang, wobei das abgebildete Beispielbild doch etwas unscharf ist... könnte aber auch am Seeing oder am Teleskop selbst in dem Test liegen ka.

das Foto ist vermutlich aus dem Jahr 2009, da stand Jupiter viel tiefer als dieses Jahr. Das macht sehr viel beim Seeing aus. Meine Bilder aus 2009 sind nicht so scharf wie die vom letzten Jahr. Wenn das Seeing paßt, das Teleskop richtig ausgekühlt und sauber justiert ist, geht noch mehr. :Trost:

Allerdings darfst von ner simplen Webcam auch keine Wunder erwarten. Die Knallerbilder hier im Forum sind mit besseren (teureren) Kameras aufgenommen...

Für DeepSky Fotografie könnte ich doch auch das gegenstück zur Barlow Linse verwenden, so einen 0,5x Brennweiten Reducer oder?

Deepsky geht mit der TSSSI nicht. Die kann nur kurze Belichtungszeiten. Zwischen 1/10.000 Sekunde und 1/25 Sekunde.
Der Reducer macht bei der Webcam Sinn, wenn Du Sonne oder Mond aufnimmst. Dann hast mit dem Reducer das doppelte Gesichtsfeld, kriegst also mehr Krater oder Sonnenflecken auf den Chip. :)

Wie ist es eigentlich mit Straßenbeleuchtung? bei uns in der straße sind schon diese neuen super starken orangenen lichter die alles hell erstrahlen lassen. Ist dies ein großes Problem wenn ich mit einem Teleskop was sehen will?

Für Deepsky-Fotografie und visuellem Deepsky-Spechteln solltest unbedingt aufs Feld raus, denn die Straßenlampen sind da sehr störend. Bei Planeten ist es nicht ganz so tragisch, solange sie nicht ins Teleskop reinleuchten. Ach ja, ne längere Taukappe hilft nicht nur gegen Beschlag, sondern blendet auch Streulicht von den Lampen aus. :)

Also von der Montierung spricht dann alles für eine EQ6.

ja, da darfst nicht sparen. Du brauchst nen richtig soliden Unterbau, der die Teleskope schwingungsfrei tragen kann. Und zur EQ6 gibt es viele Erfahrungsberichte, die ist weit verbreitet und wenn Probleme auftauchen, gibts jede Menge Hilfe :)

Ist nurnoch die Frage ob die "bessere" C9.25 235/2350mm f10 den mehrpreis von fast 400 Euro rechtfertigt gegenüber dem Mak 180/2700mm f15.

wenn ich die Wahl hätte, würde ich das C9.25 nehmen. Weil Du mehr Öffnung hast. Das bedeutet, das Bild ist heller und Du kannst bei gutem Seeing mehr Details abbilden als mit 180 mm Öffnung. Da es nen halben Meter weniger Brennweite hat, taugt es visuell auch bei Deepsky besser als der f=15 Mak.

Lieber noch ein bissy sparen und gleich was Gscheites kaufen. Der Himmel läuft Dir net weg.
 
ok ;) vielen dank für die Hilfe!

dann werde ich mich noch etwas Gedulden und mich derweil mit Theorie (Lektüre) rumschlagen :P

seit gespannt auf meine ersten Bilder^^ ich bleib auf jedenfall am Ball ;)

gruß,
Michel
 
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