klawipo
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Hallo liebe Freunde des gepflegten Beobachtungsberichtes,
ich konnte nicht widerstehen und habe mir das 20 EUR Zoom-Fernglas zugelegt, das es letzte Woche bei Lidl gab - auch wenn ich bereits ein Skymaster 15x70 besitze. Bei dem Billigprodukt handelt sich um einen 10-30x60-Feldstecher von (immerhin) Bresser.
Mit etwa 1kg Gewicht leicht zu transportieren, nahm ich es neben dem 12 Zoll-Gitterrohr mit zu einer Beobachtungssession am Mittwoch. Nach längerer Suche hatte ich ein Plätzchen in der Eifel gefunden, das einen erstaunlich dunklen Himmel bot. Eigentlich wollte ich den 12er Dob aufbauen. Leider war mit der Untergrund zu glitschig und mehr noch störte mich der doch noch zu rege Straßenverkehr. Daher ließ ich den "Großen" erstmal im Auto und griff zum Fernglas. Der Blick fiel, klar, auf den noch recht tief stehenden Orionnebel. Ich war verblüfft. Bei 30facher Vergrößerung waren deutlich die "Schwingen" des Nebels zu erkennen. Die hatte ich bei aufgehelltem Himmel im Achtzöller nicht gesehen. Weiter zum Andomedanebel. Für das Erahnen von Strukturen blieb der Anblick zu verwackelt, ich hatte kein Stativ für das Fernglas eingepackt und schaute also freihändig hindurch. Was aber dennoch auffiel: Man sah deutlich mehr als den Kern, der in der näheren Umgebung meines Wohnortes auch mit großen Instrumenten das einzig Sichtbare bleibt.
Ich fuhr daraufhin zu meinem gewohnten, etwas weniger dunklen, aber dafür mit befestigtem Boden ausgestatteten, Beobachtungsort um noch meinen Dobson zu nutzen. Nach kurzen Abstechern in den Orion, (M42, M78) zog es sich leider binnen Minuten zu. Vom Reflexionsnebel M78 sah ich nur etwas Matsche um zwei Sternchen, allerdings waren in dem Moment, glaube ich, bereits ein paar dünne Wolken im Weg.
Von den Ersterlebnissen mit dem Schäppchengerät angefixt, fuhr ich gestern abend erneut, allerdings wesentlich später, los. Diesmal hatte ich das Fernglas und ein passendes, recht stabiles Fotostativ dabei. Der gute Eindruck des Orionnebels bestätigte sich. Auch M43 war gut zu sehen. M78 war als kleines verwaschenes Fleckchen zu erkennen, die beiden Sterne waren dadrin nicht zu sehen. Ein Genuss für das Binokular waren die offenen Sternhaufe M 41 (unter Sirius) und h und Chi im Perseus. Der Andromedanebel war so erstaunlich groß wie ich es zwei Tage zuvor geahnt hatte. Leider stand M 31 recht ungünstig in Richtung des nächsten Örtchens, wo der Himmel schon deutlich heller war. So waren auch keine Begleitgalaxien oder sonstige Details zu sehen, und der kontrast zum Hintergrund war weniger schön als am Mittwoch.
Natürlich ist die kleine Optik in keiner Weise randscharf. Das empfand ich aber nicht als sehr störend. Mehr fiel negativ auf, dass man beim Zoomen immer erneut nachstellen musste, generell verstellt sich der Auszug sehr schnell, so dass man eine Menge Zeit mit fokussieren verbringt. Außerdem wird man mit dem Fotostativ bei Beobachtungen im Zenit natürlich nicht froh.
Sieht man von den mechanischen Problemen ab, ist es erstaunlich, wieviel so ein günstiges Gerät am Nachthimmel zeigen kann. Für astronomische Beobachtung mit geeignetem Stativ ist es zu empfehlen. Für diesen Zweck kann man den Zoom eigentlich auf Anschlag lassen, denn neben der Vergrößerung ist dann auch der Kontrast und das scheinbare Gesichtsfeld mit geschätzt an die 60 Grad am größten. Der eigentliche Sinn dieses Fernglases, nämlich bei Tage terrestrische Ziele in passende Größe zu zoomen, wird einem durch den Tunnelblick (bestimmt unter 40 Grad sGf bei 10x) und die krasse Kissenverzerrung bei kleiner Vergößerung verleidet. Aber das kann mir ja egal sein.
Mir haben die beiden Nächte mit dem Bresser Freude gemacht und mir deutlich vor Augen geführt, wie viel ein guter Himmel ausmacht. Ein Fernglas kann in einem wirklich ländlichem Gebiet an größeren Objekten mehr zeigen als ein dicker Dobson bei moderater, aber merkbarer Lichtverschmutzung durch großstädtische Lichtdöme in 20-30km Entfernung, wie ich sie im Dreieck Köln/Düren/Aachen habe, wo ich schon des Öfteren in die Sterne geschaut habe.
Vom Öffnungsfieber bin ich durch das Gesehene jedenfalls erstmal kuriert. Es wurde vom Dark-Sky-Virus verdrängt...
VG & CS,
Klaus
ich konnte nicht widerstehen und habe mir das 20 EUR Zoom-Fernglas zugelegt, das es letzte Woche bei Lidl gab - auch wenn ich bereits ein Skymaster 15x70 besitze. Bei dem Billigprodukt handelt sich um einen 10-30x60-Feldstecher von (immerhin) Bresser.
Mit etwa 1kg Gewicht leicht zu transportieren, nahm ich es neben dem 12 Zoll-Gitterrohr mit zu einer Beobachtungssession am Mittwoch. Nach längerer Suche hatte ich ein Plätzchen in der Eifel gefunden, das einen erstaunlich dunklen Himmel bot. Eigentlich wollte ich den 12er Dob aufbauen. Leider war mit der Untergrund zu glitschig und mehr noch störte mich der doch noch zu rege Straßenverkehr. Daher ließ ich den "Großen" erstmal im Auto und griff zum Fernglas. Der Blick fiel, klar, auf den noch recht tief stehenden Orionnebel. Ich war verblüfft. Bei 30facher Vergrößerung waren deutlich die "Schwingen" des Nebels zu erkennen. Die hatte ich bei aufgehelltem Himmel im Achtzöller nicht gesehen. Weiter zum Andomedanebel. Für das Erahnen von Strukturen blieb der Anblick zu verwackelt, ich hatte kein Stativ für das Fernglas eingepackt und schaute also freihändig hindurch. Was aber dennoch auffiel: Man sah deutlich mehr als den Kern, der in der näheren Umgebung meines Wohnortes auch mit großen Instrumenten das einzig Sichtbare bleibt.
Ich fuhr daraufhin zu meinem gewohnten, etwas weniger dunklen, aber dafür mit befestigtem Boden ausgestatteten, Beobachtungsort um noch meinen Dobson zu nutzen. Nach kurzen Abstechern in den Orion, (M42, M78) zog es sich leider binnen Minuten zu. Vom Reflexionsnebel M78 sah ich nur etwas Matsche um zwei Sternchen, allerdings waren in dem Moment, glaube ich, bereits ein paar dünne Wolken im Weg.
Von den Ersterlebnissen mit dem Schäppchengerät angefixt, fuhr ich gestern abend erneut, allerdings wesentlich später, los. Diesmal hatte ich das Fernglas und ein passendes, recht stabiles Fotostativ dabei. Der gute Eindruck des Orionnebels bestätigte sich. Auch M43 war gut zu sehen. M78 war als kleines verwaschenes Fleckchen zu erkennen, die beiden Sterne waren dadrin nicht zu sehen. Ein Genuss für das Binokular waren die offenen Sternhaufe M 41 (unter Sirius) und h und Chi im Perseus. Der Andromedanebel war so erstaunlich groß wie ich es zwei Tage zuvor geahnt hatte. Leider stand M 31 recht ungünstig in Richtung des nächsten Örtchens, wo der Himmel schon deutlich heller war. So waren auch keine Begleitgalaxien oder sonstige Details zu sehen, und der kontrast zum Hintergrund war weniger schön als am Mittwoch.
Natürlich ist die kleine Optik in keiner Weise randscharf. Das empfand ich aber nicht als sehr störend. Mehr fiel negativ auf, dass man beim Zoomen immer erneut nachstellen musste, generell verstellt sich der Auszug sehr schnell, so dass man eine Menge Zeit mit fokussieren verbringt. Außerdem wird man mit dem Fotostativ bei Beobachtungen im Zenit natürlich nicht froh.
Sieht man von den mechanischen Problemen ab, ist es erstaunlich, wieviel so ein günstiges Gerät am Nachthimmel zeigen kann. Für astronomische Beobachtung mit geeignetem Stativ ist es zu empfehlen. Für diesen Zweck kann man den Zoom eigentlich auf Anschlag lassen, denn neben der Vergrößerung ist dann auch der Kontrast und das scheinbare Gesichtsfeld mit geschätzt an die 60 Grad am größten. Der eigentliche Sinn dieses Fernglases, nämlich bei Tage terrestrische Ziele in passende Größe zu zoomen, wird einem durch den Tunnelblick (bestimmt unter 40 Grad sGf bei 10x) und die krasse Kissenverzerrung bei kleiner Vergößerung verleidet. Aber das kann mir ja egal sein.
Mir haben die beiden Nächte mit dem Bresser Freude gemacht und mir deutlich vor Augen geführt, wie viel ein guter Himmel ausmacht. Ein Fernglas kann in einem wirklich ländlichem Gebiet an größeren Objekten mehr zeigen als ein dicker Dobson bei moderater, aber merkbarer Lichtverschmutzung durch großstädtische Lichtdöme in 20-30km Entfernung, wie ich sie im Dreieck Köln/Düren/Aachen habe, wo ich schon des Öfteren in die Sterne geschaut habe.
Vom Öffnungsfieber bin ich durch das Gesehene jedenfalls erstmal kuriert. Es wurde vom Dark-Sky-Virus verdrängt...
VG & CS,
Klaus