Hallo Stoertebeker,
zu den konkret genannten Geräten kann ich keine Aussage aus eigener Erfahrung machen. Deshalb erzähle ich dir wie ich einen 80mm Refraktor (mit reduziertem Farbfehler) im Vergleich zu einem 200mm Newton sehe.
Was du geschrieben hast ist völlig richtig: mit größerer Öffnung sieht man mehr. Nur bei sehr schlechten atmosphärischen Verhältnissen ist es möglich dass der kleinere Refraktor bei Planeten ein besseres (weil ruhigeres) Bild zeigt.
Bei Deep-Sky Objekten, also Sternhaufen, Nebel und Galaxien, ist der 200mm Newton haushoch überlegen. Man sieht viel mehr Sterne, und viel mehr Strukturen in den Nebeln. Man kann diese auch stärker vergrößern ohne dass das Bild zu dunkel wird.
Bei Mond und Planeten bringt ein guter 200mm Newton ungefähr die Leistung eines 140-150mm Refraktors, aber nur wenn er wirklich gut justiert und an die Umgebungstemperatur angepasst ist.
Der 80mm ED-Refraktor hat den mitunter sehr wichtigen Vorteil dass er mit wenig Ballast auskommt, also keine große Montierung benötigt, und sehr schnell einsetzbar ist (braucht nicht so lange für die Temperaturanpassung). Evtl. mag auch das große erreichbare Gesichtsfeld interessant sein.
Also grobe Orientierung:
Wenn überwiegend die optische Leistung zählt -> 200er Newton
Wenn überwiegend die Ergonomie zählt -> 80er Refraktor.
Wobei auch die Frage der Montierung wichtig ist: reicht für den Newton eine Dobson-Montierung, oder soll sie Parallaktisch sein?
Ach ja, die Brennweite ist zunächst mal nicht so wichtig. Sie sagt nichts über die Fähigkeit zu hohen Vergrößerungen aus. Es sind auch mit kurzer Brennweite hohe Vergrößerungen möglich. Nach unten hin, wenn man also wenig vergrößern will um ein möglichst großes Stück Himmel zu sehen, kann eine längere Brennweite ungünstig sein.
Jeder Teleskoptyp hat aber einen Brennweiten-Bereich, wo er am besten funktioniert, bzw. ausserhalb dessen die optischen Fehler nicht mehr akzeptabel sind. Im allgemeinen ist eine längere Brennweite für die optische Qualität günstiger, macht das Gerät aber unhandlicher und schwerer.
Was man bei einem bestimmten Teleskop an Einzelheiten auf Mond, Saturn etc. sieht ist schwer anschaulich zu beschreiben, wenn man keinen Vergleichsmaßstab hat.
Vielleicht als Anhaltspunkt:
Auf dem Mond sieht man mit dem 200er tausende Krater, von groß bis winzig klein. Zahlreiche feine Rillen und Furchen, Gebirgszüge, bizarre Schattenphänomene,...
Bei Saturn sieht man natürlich den Ring in voller Pracht, genauer gesagt die beiden Ringe mit der berühmten Cassini-Teilung. Und einige Saturnmonde, allen voran der helle Titan, wo im Januar die Huygens-Sonde runterging. Saturn im Teleskop zu sehen ist _der_ Hit für "normale" Leute

)
Bei Deep-Sky hat man die Auswahl unter tausenden Nebel, Galaxien, Sternhaufen. Hier sind aber Neulinge eher enttäuscht: ein Nebel ist im besten Fall ein schwaches graues Wölkchen, und im schlechtesten Fall eigentlich gar nicht zu erahnen... _viel_ weniger spektakulär als auf Fotos, und nur schwarz-weiß bzw. grau.
Am besten Du stöberst mal in den vielen Beobachtungsberichten, die es hier auf dem Board gibt.
Viele Grüße
Martin