Variationen in der Himmelstransparenz

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martl

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Hallo Leute!

Der folgende Bericht wird wahrscheinlich von vielen unter Astronomenlatein eingereiht werden, trotzdem würde mich interessieren, ob jemandem was ähnliches schon passiert ist.
1996 oder 97 am ITT auf der Emberger Alm hatte ich gerade mit meinem 18" f4,5 einige faint fuzzies angeschaut und wollte mir zur Entspannung M 31 im 30mm Leitz reinziehen. Die Sicht war ziemlich gut (6m8), und ich erwartete eigentlich nichts Außergewöhnliches. Trotzdem fiel ich fast von der Leiter, da M 31 eher wie auf einer langbelichteten Aufnahme mit TP 2415 aussah. Ich hatte die noch nie annähernd so gut und hell in meinem 18" gesehen, der Unterschied zu normal war wie der Sprung von 12 auf 18". Natürlich rief ich gleich 2 anwesende Mitbeobachter, einer davon hatte ein 20"f5 Lomo. Die 2 konnten es auch nicht glauben. Nach 2 Minuten Spechteln gingen wir zum 20" und stellten, nachdem wir einige Leute verscheuchen mussten, ebenfalls die M31 mit einem 35mm Panopik ein. Das dauerte auch 2 Minuten, als wir sie endlich drin hatten, schaute M31 zwar auch gut aus, aber um Längen schlechter als im 18" mit dem 30er Leitz. Wir gaben das 30er Leitz in den 20" - auch nicht viel besser. Zuletzt gingen wir wieder zum 18" - und da sah M31 wieder wie sonst auch immer aus. Scheinbar hatten wir am 18" für ein paar Minuten extrem transparente Luft erwischt (obwohl freisichtig kein Unterschied zu merken war). Es waren weder Drogen noch Alkohol im Spiel <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> , und wenn meine Mitbeobachter die Sichtung am nächsten Tag nicht bestätigt hätten, hätte ich es selbst nicht geglaubt. Vielleicht hat ja irgendwer eine Erklärung?

Grüße
Martin
 
Hallo Martin!
Das ist ja mal interessant! Nicht schlecht! Außer Spekulationen hab ich jetzt auch nix zur Erklärung dieses Phänomens auf Lager, wie z. B. ein zufälliges lokales Auftreten einer besonders trockenen Luftströmung etc....wollte hier nur mal meine Faszination darüber kundtun, auf was für Naturerlebnisse unsereiner so stoßen kann <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />
transparent skies, Norman
 
Hi Martin,

wenn man bedenkt, daß doch zum Beispiel die Fernsicht von Gipfeln irgendwas zwischen 0 Kilometer (starker Nebel) und mehreren Hundert Kilometern betragen kann, dann mag ich gerne an deine Beschreibung glauben.

Die schnelle Änderung innerhalb von 20 Minuten ist zwar seltsam, aber doch nicht ausgeschlossen.

Allerdings bin ich jetzt echt neidisch! Aber ich nehms als Motivation. Das ist doch das schöne an unserem Hobby! Ausdauer wird immer wieder belohnt...
 
Hallo Martin,

ich würde das nicht unbedingt dem Himmel zuschreiben, sondern vielleicht einer Art psychologischen Effekt. Frappierend ähnliche Erlebnisse hatte ich auch schon ein paar Mal, und auch die Begleitumstände sind wohl ähnlich, auch wenn ich nur einen 4,5-Zöller verwende <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Meine Erlebnisse verlaufen meist so:

Ich beobachte einige faint fuzzies, alles ist normal, sprich die Dinger sind halt recht schwach und gerade so zu sehen. Dann irgendwann stelle ich eine neue Galaxie ein und erwarte wieder nichts besonderes sondern nur die nächste schwache Funzel. Doch beim Blick durchs Oku dann:
Hey, die ist ja erstaunlich hell! Äußerst klar zu erkennen, z.B. die Form oder die Helligkeitsverteilung. Ich beobachte also ein wenig und gehe dann rein (ich beobachte vom Balkon aus unter einem besser-als-6mag-Himmel :-) ) und spreche meine Beobachtung kurz aufs Diktiergerät, schau mir nochmal die Karte an etc. und gehe spätestens eine Minute später wieder raus, um nochmal zu schauen und z. B. andere Vergrößerungen zu probieren:
Doch was ist jetzt? Nun kann ich das Objekt aufeinmal kaum mehr erkennen, es ist deutlich schwächer als vorher und nun doch nur eine schwache Funzel <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Soweit zu mir...

Nun zum Vergleich der "Erlebnisse"

Die Gemeinsamkeiten:
  • vorher ausgiebig (?) faint fuzzies beobachtet
  • sehr kurzfristige und deutliche Änderung der Sichbarkeit
  • Änderung der Sichtbarkeit nicht direkt beim Beobachten, sondern durch eine Pause "ausgelöst", in der man kurz was andereres gemacht hat.
  • Eigentlich ohnehin schon gute Beobachtungsbedingungen
Die Unterschiede:
  • Mir bisher nur bei unbekannten Objekten passiert.
  • die Teleskopgröße. Sehr schwache Objekte gibt es aber für jede Größe <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Deutung: ?

Also ich vermute, das aufgrund der vorherigen verstärkten Beobachtung der faint fuzzies die Wahrnehmung gesteigert wird. Bei jeder Beobachtung eines Objektes hat man (aufgrund der Erfahrung, wenn man das Objekt schon kennt, oder der Objektdaten, wenn es neu ist) eine gewisse Erwartungshaltung, was auf einen "zukommt". Gleichzeitig hat man die faint fuzzies noch im Hinterkopf. Nun übertrifft das neue Objekt die Erwartung und man sieht deutlich mehr aufgrund der gesteigerten Wahrnehmung. (Salopp: Das Gehirn ist verblüfft und arbeitet noch im "faint-fuzzy-mode" <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> )
Durch die Ablenkung in der Beobachtungspause etc. wird man wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und die anschließende Zweitbeobachtung ist entsprechend enttäuschend.

Soweit nun zu meiner spekulativen (?) Vermutung, ich lasse mich gerne eines besseren belehren, zumal ich ja kein Psychologe etc. bin. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Viele Grüße

Christian
 
Hallo Martl,

gestern abend hatte ich sehr gute Beobachtungsbedingungen mit meinem C5. Bei Vollmond waren Details mit Mondbergen (Kratern und aus diesen herauragenden Zentralbergen) erkennbar. Ein Wabern, wie meist üblich war nicht festzustellen. Saturn war mit umlaufender Cassiniteilung, Aldebaran und Beteigeuze als sehr gut erkennbare Airy-Scheibchen zu beobachten.

Eigentlich wollte ich heute morgen Kometen Kudo beobachten.

Doch so gut wie am gestrigen abend lief es diesmal nicht. Selbst Jupiter war unter klarem Himmel und ohne hohe Wolken nur mit einer Koma um den Planeten beobachtbar.

Als ich mir daraufhin die Schmidtplatte ansah, hatte sich eine sehr sehr dünne Rauheisschicht gebildet.

Nur mit Taukappe konnte ich dieses noch verhindern.

Den Kometen Kudo habe ich aber trotzdem noch nicht mit Sicherheit gefunden. Auch M13 wirkte in dieser Vollmondnacht nur als fahler gerade erkennbarer Nebel.

Gruß
Friedrich Wilhelm
 
Hallo Leute!

Danke für eure Reaktionen!! Zum Posting von Christian: Die Theorie klingt recht interessant, mein einer Mitbeobachter machte jedoch gerade Pause und der andere am 20"Lomo zeigte helle Messier-Objekte. Beiden fiel allerdings die Kinnlade total runter, als sie M31 sahen (die wir übrigens am Vortag bei ähnlichen Bedingungen auch beobachtet hatten). Ich selbst hatte vorher schon 4 Jahre Beobachtungserfahrung mit meinem 18", und sowas ist mir noch nie passiert (leider auch seitdem nie wieder). Das "transparente Fenster" dauerte ca. 10 Minuten maximal (klingt fast wie aus Akte X <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ).
Seisdrum, ich wünsche allen ein frohes Fest und eine 7m5-Sicht über die Weihnachtsferien.

Martin
 
Re: Bingo

Hallo zusammen,

genau so ists mir auch schon gegangen!
ICh hab im Frühjahr heuer ausgiebig mit dem Optimus 70mm-Refraktor
im Virgogalaxiehaufen gewildert - mithin also auch faint fuzzies,
zumindest für 2 3/4 Zoll Öffnung <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/blush.gif" alt="" /> Naja, nach 3 Stunden und eineinhalb
Dutzend Galaxien hab ich vor dem Abbaun noch zu M13 geschwenkt und was soll ich sagen: 70mm Öffnung und M13 bis nahezu ins Zentrum aufgelöst und blendend hell, Anblick eher an 6"-8" Öffnung erinnernd. Auch ich war von jenem Ereignis
zwischen basser Erstaunung <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" /> und Euphorie <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> hin und hergerissen!
Nun, ich habs genau dem selben Effekt zugeschrieben: man is auf ganz lichtschwache Objekte fixiert, hat sich an seine physiologische Wahrnehmungsgrenze hochgearbeitet, Stück für Stück, bei jedem Objekt etwas mehr, quasi den gain voll aufgedreht und dann kommt ein solch ein Paradeobjekt und man hat den visuellen Eindruck eines Fotos!
Nachzulesen in meinem Bericht dieser Nacht:

Optimus auf Galaxienjagd

Ich kann das jedenfalls nachvollziehen und verbanne es nicht ins Reich astronomischer Mähr. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Viele Grüße

Markus


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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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DANUBIA - [COLOR="1070FF"]OBSERVATORIUM[/color]

Markus A. R. Langlotz
Vilsweg 2b
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Die Astroseite: www.N-T-L.de
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Die Mailadresse: ntl.observatory@freenet.de



 
Hi Martin,

deine Erfahrung kann ich gut nachvollziehen. Sie verdeutlicht, wie sehr gerade Flächenhelligkeiten von der jeweiligen Transparenz abhängig sind. Mir sind aus den letzten Jahren ähnliche Erlebnisse in Erinnerung. So habe ich mal einen Teil des M 27 Halos beobachtet, von dem, nur eine halbe Stunde später, nichts mehr zu sehen war - trotz genauer Kenntnis von Position und Größe der Filamente.

always crsipy skies, Jens
 
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