Venus 31. Mai 2016 (kein Schreibfehler)

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Canonist

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Hallo zusammen.

In den Wolkenlücken tagsüber habe ich gestern (30. Mai) nach Venus gesucht. Laut Guide stand sie 2,2 Grad von der Sonne entfernt. Weit genug weg, dachte ich mir, und hab's versucht. Die Auffindung war überraschend einfach, ich habe sogar gute Videos aufnehmen können, wenngleich enorme Mengen an Weidenpollen im Bild herumflogen, die im direkten Sonnengegenlicht sehr hell werden. Bilder dazu in einer späteren Mail.



Angespornt durch den Erfolg wollte ich es heute wieder probieren - nicht wissend, dass der Abstand sich nochmals auf 1,72 Grad verringert hat. Angesichts gut blauen Himmels (wenn mal gerade eine Wolkenbank vorüber war) dachte ich, Versuch macht klug. Sonne zentriert, Filter ab, sieben RA-Minuten nach links, ca.30 Minuten Deklination nach unten. Uaahhh: Hell!!!

Blick ins Okular ging nur mit zusätzlichen Filtern. Die größte Gefahr ging aber nicht unbedingt von der Sonne aus, die war noch gut außerhalb des Blickfeldes des Refraktor, sondern von überraschend heranziehenden Wolkenfetzen, die urplötzlich Sonnenhelle ins Okular brachten.

Wieder waren unglaubliche Mengen an Weidenpollen unterwegs, in mehreren gegenläufig verwehten Höhenschichten offensichtich, und nahe der Sonne noch heller als gestern. Das zweite große Problem bestand darin, in dem irren Gewusel eine stehenden Lichtfleck zu finden, von dem ich nicht wusste, wie hell er überhaupt so nah an der Sonne noch aussehen würde. Nach fast einer Stunde immer wieder durch Wolken erzwungener Pausen hat es dann am Nachmittag tatsächlich noch geklappt: Venus in nur 1,72 Grad von der Sonne!

Nach nochmal 20 Minuten hatte ich sie dann auch auf dem CCD-Chip. Die vier aufgenommenen Videos haben aber - bis auf eines - allen Bearbeitungsversuchen widerstanden. Weder AS2 noch das ansonsten robustere Giotto kamen mit den hellen Weidenpollen klar und addierten falsch.

Anstelle eines Bildes, das es zwar von einem der Videos gibt, aber auch nicht mehr als einen kleinen runden, hellen Punkt zeigt, weil ich nur bei 1600mm fokal aufnehmen konnte (mit Barlow zu viele Reflexe, noch mehr Helligkeit im Bildfeld, und Planet nicht mehr richtig zu finden) zeige ich deshalb gleich das Video:

Aufgenommen am 7"-Starfire mit IR-Pass-Filter und noch drei weiteren Gelb- und Orangefiltern vor der Kamera, weil niedrigstes Gain und kürzeste Zeit schon überbelichtet waren. Der Kontrast ist deutlich angehoben, visuell war Venus eine kleine blass-bläulich-weiße Scheibe inmitten von "Schneetreiben". Das zeigt ein anderes Farbvideo mit der ASI224MC ganz gut. Aus Platzgründen hier die DMK21-SW-Version in komprimierter Form:



www.diefotomaus.de/astro/Venus 31. Mai 2016.avi
(Bitte copy und paste in Browser, bei URL wird sonst nach dem Punkt abgeschnitten; sorry für die blöde Benennung)


Und merken: Don't do this at home - only in dedicated observatorys ;)

CS (jetzt rücken gerade die Gewitter an, von denen wir bislang noch gar nichts hatten)

Rudolf
 
Hallo Rudolf,

gratuliere zur Sichtung ! Da schwirrt ja ne ganze Menge Zeugs in der Luft rum. Kein Wunder, dass die Stackingprogramme ihre große Not haben. Momentan ist hier bei uns keine Sichtung möglich. Gruß, Jens
 
Danke Jens.
Habe für alle, die sich vielleicht nicht trauen, den Videolink zu nutzen, noch einmal ein Einzelbild im Ausschnitt ins Bilderforum gepostet. Das vermittelt ein wenig vom Eindruck.
CS
 
Hallo Rudolf,

beeindruckende Beobachtung und Dokumentation eines erfahrenen Beobachters bei schwierigen Beobachtungsbedingungen. Am 6. und 7. Juni wird Venus dann ja von der Sonne bedeckt. Habe mir erlaubt Dein Video einmal mit Registax zu bearbeiten. Bild anbei.

Lieber sternfreundlicher Gruß nach Bad Gandersheim

Günther
 

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Moin Günther.
Ja super, danke. Registax bekommt es also hin. Muss mich für solche Extremfälle wohl doch mal wieder damit befassen. Aber, die Zeit...

Die Streifen, die den Hintergrund durchziehen, sind übrigens keine Wolken, sondern Streulichtreflexionen.
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

Ahh, noch jemand der sich für solche Extremismen interessiert.

Ich habe mir für sowas vor ein paar Jahren eine Art Protuberanzenansatz gebaut. Damit konnte ich die Venus am Samstag bei nur noch 26' Abstand vom Sonnenrand recht leicht aufnehmen.

Venus bei der Sonne

Ich hab sogar kurz durchs Okular geschaut und konnte sie auch visuell erkennen, der Himmel war ganz hervorragend blau (zwischen den vielen Quellwolken).

Am Mittwoch kommt sie ja dann wieder hervor, mal sehen ob dann vom Wetter her was geht.

Grüße,
Martin

 
Hah. Das ist ja mehr, als ich je erwartet hätte. Aber an sich müsste es ja durchaus gehen. Schade, dass ich den bildlichen Beweis nicht anschauen kann, weil der Link nicht geht. Die Seite "Mondatlas" ist nicht auffindbar oder down?
CS
Rudolf
 
So, mit einem anderen Computer und neuerem Browser geht's doch.
Extrem beeindruckend!
Muss mir doch nochmal so einen Ansatz zulegen ;)
 
Hallo Rudolf,

Bei einem alten Bericht über den Venusring ist die Konstruktion zu sehen: (ganz unten)
Venusring 2012

Das ist nicht so schwierig und gut als Selbstbau möglich. Nur für das Teil mit der eigentlichen Blende braucht hab ich eine Drehbank benutzt. Habe mir das gestern nochmal für einen anderen Refraktor reproduziert, vielleicht geht morgen ja doch was.

Grüße, Martin
 
Hallo Rudolf,

Ich konnte die Venus nach der Konjunktion endlich gestern Mittag in einem guten Wolkenloch beobachten. Mit dem Protuberanzenansatz war sie ganz leicht zu sehen. Ein Versuch am Freitag Nachtmittag scheiterte an Zirren und unpassendem Fernrohr. Bild wieder unter dem selben Link auf www.mondatlas.de.

Bei Merkur bieten sich solche Gelegenheiten mit großer Sonnennähe ja häufiger, zb am 7. Juli oder sehr eng am 27. Oktober.

Frohe Grüße,
Martin
 
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