Venusblende

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Ehemaliges Mitglieder [6370]

Hallo,
um die Venus als volle Scheibe zu sehen, habe ich eine Blende gebaut, die die beleuchtete Seite der Venus abblenden sollte. Ich habe es am Tageshimmel und am Abend versucht. Aber wie ich die Blende auch angeordnet habe, war das Ergebnis immer gleich. Es war sogar ganz egal, wie ich sie anordnete. Die defokussierte Venus spiegelte die Blende zwar wieder, fokussiert war die Wirkung so gut wie nicht vorhanden. Eine Blende vor der Öffnung scheint also nicht die gewünschte Wirkung zu haben.
Nächste Versuche werde ich mit Blenden im Okular machen. Vielleicht aktiviere ich auch wieder meinen zersprungenen Okular-Sonnenfilter, dessen eines Teil der beleuchteten Venushälfte entspricht.
venus7005.jpg

Grüße
*entfernt*
 
Hallo Dietrich!

Du musst deine Blende in der Ebene der Feldblende des Okulars setzen. Wir hatten das Thema hier bereits in Bezug auf die Abblendung des Mars, wenn man Phobos und Deimos beobachten möchte.


Gruß
Wolfgang
 
Hallo Dietrich,

Wolfgang hat recht. Mit deiner Konstruktion verringerst du nur deine Eintrittsöffnung und machst sie unrund. Es entsteht aber das volle Bild in der Brennebene. Eine Blende für deinen Zweck gehört ins Okular.

Venus als volle Scheibe habe ich allerdings in den letzten Tagen mehrfach ohne Blende hinbekommen. Die Beobachtung erfolgte mit einem Lichtenknecker 70/1000 jeweils in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang. Vor dem Sonnenschein schützte mich ein an der Gegengewichtsstange aufgespanntes Handtuch. Da der Himmel noch nicht dunkel war, überstrahlte der beleuchtete Venusteil nicht alles. Der unbeleuchtete Teil der Venus hob sich gegen den blauen Himmel deutlich ab. Am besten zu sehen war das bei 80 und 120 facher Vergrößerung.

Der Lchenknecker Refraktor ist übrigens ein tolles Klassiker Teleskop, das ich demnächst im Klassik Board vorstellen werde.

CS Gerhard
 
Hallo,
die Blende in der Bild"ebene" des Okulars müßte dann aber genau der beleuchteten Sichel entsprechen, auf einem dünnen Glas oder an einer Aufhängung. Das stelle ich mir recht kompliziert vor.
Woher kommt denn die Beleuchtung der dunklen Seite der Venus? Die nahe Erde/Mond dürfte ja die hellste Lichtquelle am Venus-Nachthimmel sein. Aber reicht das aus, um eine beobachtbare Beleuchtung zu erzeugen?
Oder was hast du im Lichtenknecker gesehen? Ansonsten sollte die unbeleuchtete Seite der Venus ebenso hell sein, wie der dahinterliegende Himmel und ebenso von der Erdatmosphäre eingebläut werden?
Grüße
*entfernt*
 
Hallo Dietrich,

da sehe ich keine Beleuchtung. Der unbeleuchtete Teil der Venus erscheint dunkler als die Umgebung. Offensichtlich kann man durch die "eingebläute" Erdatmosphäre hindurch sehen und es erreicht uns in dem Kegel Venus - Auge des Beobachters mehr (beleuchteter Teil der Venus) oder weniger (unbeleuchteter Venus Teil) Licht als das Streulicht des blauen Himmels, das ja übrigens auch bei der Streuung noch polarisiert wird. Da genügt sehr wenig Kontrast zur Umgebung, damit unser Gehirn die Venus Kugel komplettiert bekommt.

CS Gerhard
 
Hallo Dietrich!

Vor ein paar Jahren habe ich mir Venus am Taghimmel (mit Polarisationsfilter) angeschaut und habe genau das gesehen, das Gerhard auch beschrieben hat . Andere, die mit mir beobachten haben, konnten nichts dergleichen sehen. Mittlerweile bin ich etwas skeptisch, ob ich da nicht doch einer optischen Täuschung aufgesessen bin. Das ganze ist unter "Ashen light" bekannt. Es wird aber kontrovers diskutiert, ob es denn tatsächlich existiert oder doch nur eine optische Täuschung ist.


Gerhard, deine Erklärung verstehe ich nicht.
Offensichtlich kann man durch die "eingebläute" Erdatmosphäre hindurch sehen und es erreicht uns in dem Kegel Venus - Auge des Beobachters mehr (beleuchteter Teil der Venus) oder weniger (unbeleuchteter Venus Teil) Licht als das Streulicht des blauen Himmels, das ja übrigens auch bei der Streuung noch polarisiert wird.
Kannst du vielleicht nochmal erklären, was du genau meinst?

Gruß
Wolfgang
 
"Das stelle ich mir recht kompliziert vor. " - wird es auch werden. Du müsstest im Prinzip das Kegelblendenprinzip eines Protuberanzenansatzes nachbauen, nur, dass deine Kegelblende nicht rund, sondern die entprechende "Lichtgestalt" der Venus hat. Und dann muss das Ganze natürlich zur Brennweite deines Teleskops passen.

viele Grüße
 
Hallo Dietrich,

wie schon erwähnt, du musst die Blende ins Okular setzen, und zwar genau auf die Feldblende. Von der Form kann das so gebogen sein wie deine große Blende, oder ein Halbkreis, oder einfach ein dicker Streifen. Idealerweise verwendet man einen stark belichteten Teil eines Analogfilms, wie zum Beispiel vom Angang der Filmrolle. Durch diesen dunklen Teil kann man die helle Venus noch sehen. Das hilft zur Orientierung.

Zum Thema aschgraues Venuslicht:
Wo soll das denn herkommen? Venus hat keinen Mond. Ob die helle Erde und Sternlicht ausreichen bezweifle ich. Blitze wurden schon im Wiki-Artikel genannt. Ich könnte mir noch am ehesten vorstellen, dass durch die dichte Atmosphäre Sonnenlicht von der Vorderseite auf die Rückseite gestreut wird. Dann müsste auffallen, dass das aschgraue Licht in Richtung Terminator stärker ist.

Eines ist aber klar: Sollte es das aschgraue Venuslicht geben, dann ist die unbeleuchtete Venusseite mit Sicherheit heller als der umgebende Himmel, egal ob bei Tag oder Nacht beobachtet wird. Denn sonst müsste die dunkle Venusseite dunkler als komplett schwarz sein, sozusagen Antiphotonen aussenden.

Um euch nicht nahe treten zu wollen: Wer die unbeleuchtete Venusseite dunkler als den Hintergrund sieht, ist wohl einer optischen Täuschung erlegen. Das Gehirn versucht Formen zu interpretieren und schließt die Sichel zu vollständigen Kreis. Der starke Kontrast zum beleuchteten Teil lässt den unbeleuchteten Teil dann sehr dunkel erscheinen.

Viele Grüße
Andreas
 
Um euch nicht nahe treten zu wollen: Wer die unbeleuchtete Venusseite dunkler als den Hintergrund sieht, ist wohl einer optischen Täuschung erlegen

Ich empfinde das nicht als ein "zu nahe treten", denn man darf selbst nie so vermessen sein, dass es immer nur die anderen sind, die einer Täuschung unterliegen. Ich habe im Übrigen die dunkle Seite der Venus nicht dunkler als den Himmel gesehen, sondern in einem anderen Farbton, nämlich etwas grauer als den Himmelshintergrund. Aber wie gesagt: Ich habe heute selber Zweifel.

Gruß
Wolfgang
 
Moin zusammen!

> Das Gehirn versucht Formen zu interpretieren und schließt die Sichel zu vollständigen Kreis.

So sieht's aus. Das Einzige, was man wahrnehmen könnte, wären die berühmten "übergreifenden Hörnerspitzen" an der schmalen Venussichel. So kam man seinerzeit überhaupt drauf, daß der Planet eine dichte, wolkenverhangene Atmosphäre hat. Dieses Phänomen kann sich, wenn die Venus in Erdnähe ober- oder unterhalb der Sonne durchläuft, bis zu einem geschlossenen Ring erweitern.
Ich hatte dazu schon letztens eine Fotoserie gepostet: File:Phases Venus.jpg - Wikimedia Commons

Das sogen. "aschgraue Licht der Venus" halte ich - ebenso wie das berühmte "Tröpfchenphänomen" beim Venustransit - für eine opt. Täuschung.

Wenn die dunkle Seite der Venus beobachten, dann wartet doch bitte, bis die Sichel bzw. der beleuchtete Teil weiter abnimmt. Dann ist das Venusscheibchen auch entscheidend größer. Im Moment ist die Phase noch bei 33% - das ist deutlich zu früh.
 
Hallo Wolfgang,

bei einer Beobachtung am Taghimmel kommt ja noch die Farbkomponente hinzu. Da können erstaunliche Effekte herauskommen. Kennst du das Bild mit den grauen Erdbeeren ?

Gruß
Andreas
 
Hallo Dietrich, Wolfgang , Andreas und die anderen,

gestern Abend habe ich mal wieder kurz vor Sonnenuntergang geschaut. Leider waren die Bedingungen nicht ideal - ziemliche Luftunruhe und zwischendurch heftige Windböen. In den kurzen Momenten ruhiger Luft sah ich den unbeleuchteten Venusteil aber wieder dunkler als den Hintergrund. Ich will nicht behaupten, dass mein Gehirn mir das keinen Streich spielt, denken wir mal an die Marskanäle.

Trotzdem habe ich mal angefangen nach Quellen zu meinem Eindruck zu suchen, bei meinen etlichen hundert Astronomie Büchern ist das etwas aufwendig.

Fündig geworden bin ich schon mal in: The planet oberver's handbook, Cambridge university press 2000, Seite 114. Dort steht: "Couriously, some have reported seeing the dark side of Venus darker than the dark sky background in seeing conditions when it would be hard to accept it as a contrast effect. This apperance may have been due to the dark side of Venus being silhouetted against the sun's outer corona or against sunlight-scattering dust beyond Venus, something like the Zodiacal light."

Manchmal ist es ja auch einfach beruhigend, dass man nicht der einzige ist, obwohl man uns Menschen über 65 ja das meiste nachsieht.

Weiter viel Spaß beim Betrachten unseres Nachbarplaneten wünscht Gerhard
 
Hallo,

Ich habe dieses Phänomen bei der Beobachtung der Venussichel im Jahr 2015 beschrieben:

Bei der Beobachtung der schmalen Venussichel meine ich immer die dunkle Rückseite der Venus erkennen zu können.

Innerhalb der Sichel fällt mir ein Scheibchen auf, das nur wenig dunkler als der Himmelshintergrund ist, und nur genau gegenüber der Venussichel ohne sichtbare Kante in der Himmelshintergrund ausläuft.
Der Bereich, der nicht von der Venussichel umschlossen wird, bis genau gegenüber der Venussichel läuft mit einer deutlich sichtbaren Kante zum Himmelshintergrund aus.

Besonders bei transparenten Himmel ist dieses nur wenig dunklere Scheibchen gut zu sehen.

Ich bin mir nur nicht sicher, ob das nur ein Artefakt ist, hervorgerufen durch den Kontrast der hellen Venussichel zum Himmelshintergrund, oder ob diese Beobachtung real ist, und im Okular tatsächlich die dunkle Rückseite der Venus zu sehen ist.

Viele Grüße
*entfernt*
 
Hallo,

schon eine kurioses Phänomen, von den ich zuvor nie gehört habe. Das mit den übergreifenden Hörnerspitzen war mit bekannt, das ist ja ein Effekt der Venus Atmosphäre.

Wenn der unbeleuchtete Teil wirklich dunkler als der Hintergrund erscheint, kann das nur heißen, dass Hintergrundlicht geblockt wird. Was Gerhard zitiert klingt plausibel. In der aktuellen Stellung zur Sonne kann ich mir nicht vorstellen, dass die Korona in Frage kommt, schon eher das Zodiakallicht. Zumal Venus der Erde recht nahe steht und auf der Sichtlinie nur wenig interplanetarer Staub beiträgt, dahinter sehr wohl. Das Zodiakallicht zu beobachten ist schon nicht einfach. Jetzt aber die Blockung durch Venus, dazu noch am Tag-/Dämmerungs-Himmel ist schon sehr herausfordernd. Das müsste doch eher nach astr. Dämmerung am dunklen Himmel zu sehen sein?

Viele Grüße
Andreas
 
Moin zusammen!

Daß mehrere eine opt. Täuschung sehen, ist ja nichts besonderes. Es bleibt deshalb auch weiterhin eine Täuschung und ist nicht real. Oben der Ausschnitt aus dem "Observers Handbook" (das so einige Kuriositäten beschreibt, die auch mal nicht funktionieren wie das Apodisationsgitter) wird für die Erklärung auch der Konjunktiv benutzt. Geklärt ist das Phänomen damit nicht.

Lest mal die Threads während der beiden letzten Venus-Transite nach - auch da waren einige "felsenfest" davon überzeugt, das "Töpfchen-Phänomen" gesehen zu haben. Auf Fotos war davon allerdings nie was zu erkennen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo,
der Fall ist für mich erledigt, ich werde keine weiteren Bemühungen machen um einer optischen Täuschung zu erliegen. Die Begründungen für die Sichtbarkeit der unbeleuchteten Seite der Venus erscheinen mir dann doch zu krampfhaft bei den Haaren herbeigezogen (Korona, Zodikallicht ect.). Immerhin kann ich die Frontblende noch in eine schöne Sonnenfilterfassung umbauen, für wenn's mal wieder Sonnenflecke geben sollte...
Grüße
*entfernt*
 
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