Venustransit - Ferngläser

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hanz

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Hallo,

heute schöne Ergebnisse gehabt mit einfacher Ausrüstung:

0) Schlechteste Möglichkeit: Sofi Brille direkt vor den Augen - Venus nur knapp zu sehen (zu klein).

1) besser: mein gutes altes Leitz 10x25 mit vor die Objektive gesteckten Sofi-Brillenhälften (aus Wellpappe
2 kurze Röhren geklebt, in die die Objektivrohre grade reinpassen, davor mit Schmelzkleber die halben
Sofibrillen befestigt und unnötige Pappe abgeschnitten): die Arbeitskollegen waren begeistert.
Muß zu diesem Zweck aber wirklich nicht Leica sein, Aldi "Rotauge" geht sicher genauso gut.

2) Noch besser: mein Canon 10x30 IS mit ganz einfach vor den Objektiven befestigter Sofi-Brille (Gummiringe,
Klebeband, Augenabstand der Brille stimmt gerade) - noch eine Klasse besser durch Stabi, hatte die Familie
solange in Gebrauch.

Bis zum nächsten Venus-Transit in D im Jahr 2125 oder so..., hebt auf alle Fälle die Sofi-Brillen auf!

Gruß

PS: zum erstenmal seit ich mit diesem Gerät die Sonne betrachte hat man heute keinerlei Sonnenflecke gesehen,
deshalb habe ich anfangs schon gedacht, da ist was kaputt - aber auf der ESA-Seite von SOHO dann fastgestellt,
daß heute tatsächlich außer 2 absolut winzigen keine Sonnenflecke da waren!
 
warum hast du nicht kleine Objektivfilter gebastelt aus Baader-Folie ? Ist bei mir mit meinem Leica 10x42 perfekt gewesen: die 2 Flecken waren auch zu erkennen ziemlich zentral.

Mfg,
Wolfi.
 
Hallo hanz,

auch ich habe mit zwei Ferngläsern von Anfang bis Ende immer wieder mal für ein paar Minuten beobachtet. Meine beiden präparierten Ferngläser waren das Nikon 8x20 HG und das Leica Ultravid 12x50 BR.

1. Fürs Nikon 8x20 HG habe ich zwei schwarze Kodak-Filmdöschen genommen und den Boden bündig mit dem Innenrand der Seitenwände herausgeschnitten, so daß eine offene Röhre entsteht. Das andere Ende, auf dem sonst der Deckel der Dose sitzt und der außen eine leichte Verdickung hat, paßt haargenau auf die vorderen Fernglasfassungen und hält dort sicher; das sieht dann zunächst auch wie lange Taukappen vor den Objektiven. Dann habe ich die schwarzen Deckel von Fuji-Flmdöschen genommen und ebenfalls deren Innenteil bündig mit der Innenseite des kräftigen Deckelrandes herausgeschnitten. Der so entstandene stabile Deckelring läßt sich nun auf das ausgeschnittene Ende der Kodak-Dose mit etwas Druck aufsetzen und hält sehr fest. Dann habe ich aber vor dem Zusammenstecken die einander berührenden Kanten (innen am Kodak-Dosenrohr, außen am Fuji-Deckelring) mit Zweikomponentenkleber dünn eingestrichen und ein kleines Stück Baader-Sonnenfolie dazwischengelegt. Die wird beim Zusammenstecken locker gespannt und kann, bevor der Kleber hart wird, durch leichtes Ziehen an den überstehenden Folienrändern zurechtgezupft werden, bis die Folie in der kreisrunden Deckelöffnung keine Falten wirft. Nach dem Erhärten des Klebers wird die überstehende Baader-Folie mit einem scharfen Grafikermesser randbündig abgeschnitten. Der somit fertige „Sonnenfiltervorsatz” kann dann langsam (damit Überdruck der „gestauchten” Luft entweichen kann und die Folie nicht nach außen wölbt) auf die Objektivfassungen aufgesteckt werden.

Leider ist der äußere Fassungsdurchmesser des Nikon 10x25 HG etwas größer, so daß die Filmdosen dort nicht aufgesteckt werden können. Sonst hätte ich natürlich lieber dieses stärker vergrößernde Kompaktfernglas benutzt. Aber da mein Leica 8x20 BC Titan einen kleineren Außendurchmesser als das Nikon 8x20 HG hat, dürfte wohl auch Dein Leica 10x25 BC einen kleineren Außendurchmesser der Objektivfassungen haben als das Nikon 10x25 HG. Probier's doch einfach mal aus, vielleicht passen die Kodak-Filmdosen auf Dein Leica-Glas!

2. Fürs Ultravid 12x50 BR habe ich bei drei Foto-Gebrauchtwarenhändlern solange in Ramschkisten mit alten Plastik-Objektivdeckeln gewühlt, bis ich zwei identische gefunden hatte, die exakt auf die Fassung der Objektive paßten. In diese Deckel habe ich kreisrunde Löcher von 50 mm Durchmesser geschnitten (die sich später als zu groß erwiesen). Dann habe ich aus der Baader-Sonnenfolie zwei Kreisscheiben von ca. 58 mm Durchmesser (minimal kleiner als der Innendurchmesser der Deckel bzw. Außendurchmesser der Ultravidfassung) und aus schwarzem Karton zwei Ringe mit demselben Außen- und 50 mm Innendurchmesser geschnitten. Wieder mit dem Zweikomponentenkleber habe ich dann die ausgeschnittenen Deckel innenseitig dünn eingestrichen und die Baader-Folie von innen aufgelegt. Dann habe ich die Kartonringe einseitig am Rand mit Kleber eingestrichen und auf die Baaderfolie gelegt, so daß sie sowohl mit dem Folienrand als auch innen mit dem Deckel verklebt wurden. Nach der Aushärtung hatte ich zwei leicht aufzusetzenden und abzunehmende, aber dennoch sicher haltende Sonnenfilter in stabilen Fassungen. Wie sich dann aber schon am Vortag beim Test an der Sonne zeigte, war das Bild der Sonnen viel zu hell und blendete. Offenbar ist die 50-mm-Öffnung für 12fache Vergrößerung (bzw. eine ca. 4,2 mm große Austrittspupille) in Verbindung mit der hohen Transmission dieses Fernglases noch zu groß. Also habe ich nochmals Ringscheiben aus schwarzem Karton mit nunmehr nur noch 35 mm Innendurchmesser geschnitten und von innen in meine Filterdeckel geklebt. Das Bild ist immer noch ziemlich hell; wahrscheinlich wären 30 mm Innendurchmesser für 2,5 mm Austrittspupille (wie beim Nikon 8x20 HG) noch besser gewesen.

Übrigens ist die Befürchtung, daß man durch die so entstandene Verkleinerung der Öffnung Auflösung verliert, völlig unbegründet. Denn die durch Beugung hervorgerufene Auflösungsbegrenzung wird fürs Auge erst bei Vergrößerungen sichtbar, die bekanntlich beim 1,5- bis 2fachen des in Millimeter gemessenen Öffnungsdurchmessers liegen, bei 30 mm Duchmesser als erst bei 45- bis 60facher Vergrößerung, während das Fernglas ja nur 12fache Vergrößerung liefert. Man braucht also keine Bedenken zu haben, daß man Schärfe verliert.

Die Beobachtung war ein voller Erfolg, und auch einige Nachbarn, die mich dabei sahen und dann ebenfalls durchschauen durften, waren begeistert, das selbst zu sehen, wovon sie im Fernsehen und in der Zeitung erfahren hatten. Die stärkere Vergrößerung des Utravids brachte natürlich das schönere Ergebnis: Venus war viel klarer als Scheibchen auszumachen (fast meinte man, ein „Kügelchen” zu sehen) und die beiden fast mittigen kleinen Sonnenflecken waren sehr gut und konturenscharf zu sehen, während man diese beim kleinen Nikon 8x20 HG nicht bemerkt hätte, wenn man sie nicht zuvor im Ultravid erkannt und daraufhin beim Nikon gezielt an der richtigen Stelle gesucht hätte (aber sie waren doch mehr zu ahnen, als wirklich zu erkennen). Beim Ultravid konnte ich darüber hinaus rechts oben nahe dem Rand eine weit ausgedehnte helle „Schliere” auf der Sonnenoberfläche ausmachen, die ich dann später bei der Suche im Internet nach aktuellen Sonnenaufnahmen tatsächlich wiederfand.

Ich werde gelegentlich den innen eingelegten Kartonring mit 35 mm Durchmesser durch einen mit 30 mm Durchmesser (für 2,5 mm Austrittspupille) ersetzen und künftig öfter mal mit diesen Sonnenfiltern und dem Ultravid die Sonne betrachten; es kommen ja gewiß wieder Zeiten mit mehr Sonnenflecken. Da ich den Venustransit nur freihändig beobachtete und dennoch viel sah, erhoffe ich mir bei Stativunterstützung noch einen Zugewinn an sichtbaren Details.

Mich würde interessieren, mit welcher Austrittspupille andere Fernglasbeobachter an der Sonne die besten Ergebnisse erzielten bzw. den Eindruck angenehmster Sonnenhelligkeit hatten.

MfG Walter E. Schön
 
Hallo Walter,

ich habe mein 20x80 TS-Glas benutzt. Habe mir 4 ca. 3 cm breite Streifen aus Karton geschnitten und die Länge an den Umfang des Tubus angepaßt, so daß ca. 5 cm Überstand vorliegt. Dann Pritt Kraftkleber drauf (UHU feuchtet beim Anpassen durch und löst den Lack an!) und den ersten Ring möglichst fest an den Tubusumfang angepaßt, damit er stramm sitzt. Man kann es auch etwas lockerer anpassen und dann mit tesa Baumwollband innen nach und nach Streifen einkleben, bis es perfekt sitzt. Auf den ersten (inneren) Pappring kommt dann rundum ein dünner Streifen doppelseitiges Teppichklebeband. Dann die Baader-Folie einfach rechteckig passend zuschneiden und straff gezogen erst an zwei Punkten fixieren, dann rundum langsam ohne Falten nacharbeiten. Auf diese Konstruktion kommt der zweite Pappring, der ebenfalls fest verklebt wird (nun mit Uhu, da ja nichts mehr durchfeuchten kann).

Das Ganze habe ich außen noch mit Tesa Baumwollband verstärkt.

Fertig ist der Sonnenfilter. Es liest sich schlimmer, als es ist. Am Montag Abend habe ich mir auf die selbe Weise noch schnell eine Halterung für den Sucher am scope gebastelt, hat gerade mal 10 min. gedauert.

Trotz 80er Öffnung war das Bild nicht zu hell, was mir etliche Kollegen im Büro bestätigten, die auch mal durchgucken wollten. Deine Aussage wundert mich ein wenig, da Dein 12x50 ja auch nur eine AP von 4,17 mm gegenüber dem TS 20x80 mit 4 mm hat.

Das erzielte Abbildungsergebnis war einwandfrei.

=> "Beim Ultravid konnte ich darüber hinaus rechts oben nahe dem Rand eine weit ausgedehnte helle „Schliere” auf der Sonnenoberfläche ausmachen."

Die Schliere habe ich auch gesehen. Interessanterweise ist sie auf vielen Fotos, die hier mittlerweile eingestellt wurden, nicht zu sehen. Vielleicht sind wir am Bino hier doch im Vorteil?!

carpe noctem
Matthias
 
Hallo,

habe ein altes mit Pappringen und Baader Folie ausgerüstetes 10x40 Glas mit zur Arbeit genommen und immer mal wieder einen Blick auf den Transit riskiert.

Umwerfend war die direkte sinnliche Erfahrung des Größenverhältnisses Kügelchen Venus - Kugel Sonne.
Astronomische Dimensionen so klar und unvermittelt
mit den eigenen Augen erleben zu dürfen hat auch viele
meiner Kollegen beeindruckt, hinter dem Fernglas bildete
sich zu meinem nicht geringen Erstaunen nämlich:
eine Schlange. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

cs
Harald
 
Hallo zusammen,

ich habe den Transit mit meinem Zeiss Victory 8x20 beobachtet. Die Venus war wunderbar als scharfer Kreis vor der Sonnenscheibe zu sehen; man hatte fast einen räumlichen Eindruck.

Um das Fernglas sonnenfest zu machen, habe ich die Schraubdeckel von (schleichwerb <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/blush.gif" alt="" /> ) Bärenmarke Kaffemilchfläschchen verwendet, die wunderbar stramm auf dem Fernglas sassen. Die Milchöffnung habe ich mit 'nem Cutter auf ca. 25 mm aufgepröckelt, rundgefeilt und mit Sekundenkleber kleine rechteckige Stückchen Baaderfolie davor geklebt. Das hielt bombenfest. Die Folie habe ich dann noch mit einer Rasierklinge rund geschnitten. Die Bärenmarke-Sonnenfilter haben zusätzlich noch den Vorteil, dass sie verschliessbare Deckel besitzen, so dass man sie vor das Fernglas stecken kann, ohne auf die Folie zu patschen.

Insgesamt habe ich davon vier Stück gemacht, zwei für mich und zwei für meine Eltern, die auch ein Zeiss Victory besitzen.

Mit sonnigen Grüssen,

stolpe


PS

Braucht noch jemand ganz hervorragende Bärenmarke Kaffeemilch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ? Ich hätte da noch vier Fläschchen, aber ohne verschliessbaren Kunststoff-Schraubdeckel. Sie sind auch noch mit einem Kronkorken verschlossen und in der Haltbarkeitszeit <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> .
 
Größenverhältnis Venus zu Sonne

Hallo Harald,

dieses im Original und nicht nur auf Fotos oder Zeichnungen erfahrbare Größenverhältnis (das dem Astrofreund theoretisch ja nichts Neues ist, aber dennoch fasziniert, wenn man es so vorgeführt bekommt) fand auch ich bemerkenswert, und es hat meine Mit-durchs-Fernglas-Gucker erst recht beeindruckt, als ich ihnen sagte, daß die Venus fast genauso groß wie die Erde ist, die Erde vor der Sonne bei gleichen Entfernungen also auch kaum größer zu sehen gewesen wäre.

Nun haben wir allerdings die wahren Größenverhältnisse dennoch nicht gesehen, denn die Größen von Venus und Sonne sind beim von der Erde aus beobachteten Venustransit nicht maßstabgleich: Da die Venus zu diesem Zeitpunkt nur ca. 50 Mio. km, die Sonne aber ca. 150 Mio. km von uns entfernt war, erschien uns die Venus im Verhältnis zur dreimal so weit entfernten Sonne im Durchmesser dreimal so groß, wie sie im Vergleich zur Sonne wirklich ist! Wäre die Venus unmittelbar vor der Sonnenoberfläche vorbei gezogen (und dabei nicht verdampft), hätten wir sie nur 1/3 so groß gesehen wie gestern. Das heißt, daß im Vergleich zur Sonne auch die der Venus in der Größe ähnliche Erde sehr, sehr winzig ist.

Das sollte die Menschheit etwas bescheidener machen.

MfG Walter E. Schön
 
Blendung bei AP 4,17 mm und Baader-Folie

(Zitat:) „Trotz 80er Öffnung war das Bild nicht zu hell, was mir etliche Kollegen im Büro bestätigten, die auch mal durchgucken wollten. Deine Aussage wundert mich ein wenig, da Dein 12x50 ja auch nur eine AP von 4,17 mm gegenüber dem TS 20x80 mit 4 mm hat.” (Zitat-Ende)

Hallo Mathias,

den Blendeffekt beim Ultravid 12x50 hatte ich auch nicht erwartet, denn sonst hätte ich ja gleich die Löcher in den als Filterfassung verwendeten Deckeln kleiner geschnitten. Die exzellente Transmission des Ultravids und eine möglicherweise deutlich niedrigere Transmission beim TS 20x80, das Dich nicht geblendet hat, reicht da allein zur Erklärung nicht aus. Denn beim Ultravid kann die Transmission maximal ganz knapp über 90% liegen, und beim TS 20x80 dürfte sie kaum wesentlich unter 80% sein. Ich vermute daher, daß es bei der Baader-Sonnenfolie wohl Transmissionsschwankungen in der Größenordnung eines Faktors 2 (oder größer) geben dürfte. Bedenkt man, daß die Dämpfung ca. 1:100000 beträgt, so sind Schwankungen in dieser Größenordnung nichts Ehrenrühriges. Denn wenn die beidseitig aufgebrachten Schichten für eine Dämpfung von 1:100000 zusammen 99,999 % absorbieren sollen und dann aufgrund von Dickenschwankungen tatsächlich (bei meiner Folie) nur 99,998% schaffen, dann geht ja schon genau doppelt soviel durch und macht das Bild in meinem Fernglas so hell, daß es blendet. Vielleicht frage ich mal bei Baader nach, ob dort bekannt ist, wie groß die Dichte- bzw. Transmissionstoleranzen sind.

Es wäre also wohl nützlich gewesen, vor dem Zuschneiden ein Stück Folie einfach mal provisorisch vor die Objektive zu halten oder zu kleben, um zu prüfen, ob die Sonne noch blendet, und um dann evtl. die Öffnung in der Filterfassung kleiner als die Objektivöffnung zu schneiden. Das wäre dann auch als Test für Teleskope zu empfehlen.

MfG Walter E. Schön


 
Re: Blendung bei AP 4,17 mm und Baader-Folie

Hallo Walter,

hast Du vielleicht aus Versehen fotografische Folie D = 3,8 genommen ? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Dann wäre fürs visuelle Betrachten noch ein Neutralgraufilter D2 notwendig und der Blendeffekt erklärt!

carpe noctem
Matthias

 
Fotogr. Folie ND 3,8 hat 16fache Transmission!

Hallo Matthias,

natürlich habe ich nicht fotografische Baader-Folie mit ND 3,8 genommen. Die hätte ja fast die 16fache Transmission wie die visuelle Folie ND 5 (denn der Unterschied ist ND 1,2 und 10ˆ1,2 = ca. 15,85). Da hätte es längst nicht ausgereicht, den Öffnungsdurchmesser von 50 mm auf 35 mm zu reduzieren, um nicht mehr zu blenden. Vielmehr hätte ich den Durchmesser auf ein Viertel des ursprünglichen, also von 50 mm auf 12,5 mm verkleinern müssen, um den Faktor 16 zu kompensieren und Blendung zu vermeiden. Es dürfte daher doch die von mir vermutete Toleranz Ursache der Blendung gewesen sein.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Fotogr. Folie ND 3,8 hat 16fache Transmission!

Hallo Walter,

bist du sicher, dass Deine Überlegungen schlüssig sind? Um eine lineares Helligkeitsempfinden zu erklären, zum Beispiel eine doppelt so große Helligkeit des Sonnenbilds, muss der Reiz in logarithmischen Stufen steigen. Deswegen könnte ich mir schon vorstellen, dass Du ein Stück Fotofolie erwischt hast.

Experimentell ließe sich dieser Punkt leicht klären: Einfach zwei Folienstücke übereinander legen und schauen, ob sich die Sonnenhelligkeit deutlich verändert. Wenn ja, reicht die halbe Lichtmenge, um das Helligkeitsempfinden zu beeinflussen.

Viele Grüße
Andreas
 
Deine Überlegung ist falsch, nicht meine!

Hallo Andreas,

ja, ich bin sicher, daß meine weiter oben geäußerten Überlegungen schlüssig sind. Du hast offenbar meinen Text nicht richtig gelesen und selbst einen kapitalen Denkfehler gemacht, wie ich gleich nachweisen werde.

1. Ich habe nirgendwo von einem (linearen) Helligkeitsempfinden geschrieben, sondern nur, daß bei 50 mm Öffnung die Sonne noch blendete, bei 35 mm Öffnung aber nicht mehr, obwohl sie mir immer noch ein wenig zu hell war. Das bedeutet, daß eine Reduzierung der physikalischen Helligkeit, also der Leuchtdichte des virtuellen Bildes im Fernglas und nicht irgendeiner physiologischen Empfindung, von der nie die Rede war, um etwa den Faktor 2 (nämlich (50:35)ˆ2 = 2,0408) ausgereicht hat, die Blendung zu vermeiden. Das entspricht fototechnisch einer Blendenstufe. Da Blendenstufen ebenso wie das physiologische Helligkeitsempfinden in Bezug auf die Leuchtdichte logarithmisch skaliert sind, kann man anhand von Blendenstufen unterschiedlich empfundene Helligkeiten gut zahlenmäßig ausdrücken. Der Unterschied zwischen ND 5 (der visuellen Baader-Folie) und ND 3,8 (der fotografischen Baader-Folie) ist ND 1,2 entsprechend einem Faktor von knapp 16 (genauer: ca. 15,85) oder vier Blendenstufen, da 16 = 2ˆ4. Hätte ich den Eintrittspupillendurchmesser für diesen Unterschied korrigieren müssen, hätte ich den Durchmesser von 50 mm auf ca. 12,56 mm reduzieren müssen und nicht auf 35 mm, wie ich ja schon weiter oben in meinem ersten Beitrag geschrieben hatte.

2. Nun zu Deinem Denkfehler: Wenn Du zwei Folienstücke übereinander legst, wird die durchgelassene Lichtmenge nicht halbiert, sondern es multiplizieren sich die Transmissionen*) oder es addieren sich die logarithmischen Dichten (= ND-Werte). Wenn ich also zwei ND-5-Folien mit einer Transmission von je 0,00001 (= 1/100000) übereinanderlege, dann erhalte ich ein ND-10 Filter mit der Transmission 0,00001 · 0,00001 = 0,0000000001 und keineswegs „die halbe Menge” 0,000005, wie Du schreibst. Lege doch einfach mal zwei solche Folienstücke übereinanden und versuche durchzuschauen. Du wirst feststellen, daß sich die Sonnenhelligkeit sehr wohl deutlich verändert, denn Du wirst gar nichts (außer evtl. Deinem Spiegelbild in der Rückseite der hinteren Folie) sehen, weil die Transmission dann so niedrig ist, daß die Sonne zum Zeitpunkt der Beobachtung als Nova oder Supernova explodieren müßte, um durch die Folien-Doppellage hindurch sichtbar zu sein. Gott bewahre uns Erdenmenschen vor dieser Beobachtung!

MfG Walter E. Schön


*) Um das besser zu verstehen, sollte man den Vorgang wie folgt logisch auflösen: Die erste Folie läßt von dem von vorn in voller Intensität einfallenden Sonnenlicht 1/100000 durch. Dieses Licht fällt anschließend wieder von vorn auf die zweite Folie, und die macht nun dasselbe wie die erste Folie, läßt also davon (= von 1/100000 des ursprünglichen Sonnenlichts) wiederum 1/100000 durch, so daß am Ende nur 1/100000 · 1/100000 = 1/10000000000 hinten herauskommt. Alles klar?


NACHTRAG aufgrund der nachfolgenden Antwort von Andreas:
Entschuldige, Andreas, ich wollte Dich nicht kränken und möchte auch nicht arrogant sein. Also habe ich den obigen Text nach Erhalt Deiner unten folgenden Entgegnung „entschärft”, bevor andere Gelegenheit haben werden, ihn zu lesen. Ich hoffe, Du kannst ihn so akzeptieren. Ich hatte meinen ursprünglichen Text wirklich nur als „kleinen Seitenhieb” beabsichtigt und verstanden. Wenn Du empfindlicher reagierst und ihn anders auffaßt, nehme ich das gern zurück.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Deine Überlegung ist falsch, nicht meine!

Hallo Walter!

Was lernt man daraus? Man sollte schon selbst richtig rechnen können und mit logarithmischen Maßstäben vertraut sein, wenn man anderen einen Fehler nachweisen möchte. (Ich hoffe, Du nimmst mir diesen Seitenhieb nicht übel.)

Dieses und andere mögliche Zitate aus Deinem Text nehme ich Dir sehr wohl übel, spricht doch daraus eine gewaltige Portion Arroganz. Ich denke, wir diskutieren hier in lockerer Runde und jeder gibt sein Wissen oder auch nur seine Überlegungen zu den Themen weiter, die ihn interessieren.

Natürlich hast Du inhaltlich in allen Punkten Recht, wie ich gerade selber experimentell festgestellt habe. Dennoch empfinde ich Deinen Text formal sehr respektlos mir gegenüber.

Ich hoffe sehr für Dich, dass Du, falls Du mal Unrecht haben solltest, in diesem Fall nicht mit Seitenhieben auf Deine punktuelle Inkompetenz hingewiesen wirst.

Viele Grüße
Andreas
 
Re: Größenverhältnis Venus zu Sonne

Hallo Walter,

vielen Dank für deine Klarstellung. Ich war so sehr im
ästhetischen Erlebnis gefangen, daß die zwar wahrgenommene
aber gestern wohl zu leise Stimme, daß die Venus "irgendwie" zu groß, also "irgendwas" nicht richtig war, nicht über ein Unbehagen hinaus kam.
Das die Venus fast genauso groß wie Erde ist, habe auch ich fleißig kundgetan. Das wir auf dem Weg zur Bescheidenheit
vielleicht doch Fortschritte machen schließe ich aus den
allermeisten Kommentaren der Beobachter: so klein hatten sie
sich die Venus (und damit die Erde) nicht vorgestellt. Da darf ich ja jetzt den Hebel nochmals ansetzen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Viele Grüsse
Harald
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Fotogr. Folie ND 3,8 hat 16fache Transmission!

Hallo,
zu dieser 16fachen Transmission hätte ich eine Frage, ich weiss nicht wie hoch der "Sicherheitspuffer" bei der visuellen Folie ist, daher würde mich mal interessieren ob man bei der Fotofolie, wenn man damit bloßen Auges (also nicht durch Fernglas, etc.) die Sonne betrachtet, aufgrund der größeren Transmission bereits Netzhautschäden davontragen kann?! Oder ist die visuelle Folie so "dicht", dass prinzipiell auch bei einer 16fach durchlässigeren Folie keine Gefahr besteht?.

PS: mein erster Post, also Hallo an alle <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

cu
Astronomicon
 
Re: Deine Überlegung ist falsch, nicht meine!

Hallo Walter,

jetzt ist statt der Supernova der Andreas explodiert - eine große Explosion für ihn, aber deutlich weniger schlimm
für die Menschheit, als wenn es den G3 Stern getroffen hätte. Wir neigen wohl beide etwas dazu, Emotionen
zu wecken - immerhin besser als es passiert hier wieder wie neulich 3 Tage gar nichts

Entschuldige Andreas,
aber ich habe mich auch schon mit Walter gekabbelt und eigentlich ist das ja auch nötig und schön, daß das geht).
Political Correctness = totale Verlogenheit ist jedenfalls nicht mein Fall. Und der Walter hat ja recht! Und Du kannst
ihm ja auch genauso hier die Meinung sagen. So sollte es doch wohl sein?

Es gibt sicher hier einige, die Walter gern mal auf dem linken Fuß erwischen würden, ist bloß nicht so einfach..., meist
steht er nämlich mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen!

Gruß
 
Re: Deine Überlegung ist falsch, nicht meine!

Hallo hanz,

mehr als meine Meinung habe ich nicht gesagt - das Recht gilt vermutlich auch für mich. Explodiert bin ich jedenfalls nicht, zum Glück.

Das der Walter in seiner klaren Logik und mit seinem Fachwissen meistens Recht hat, so auch in diesem Fall, stelle ich ja gar nicht in Zweifel. Den Begriff Verlogenheit kann ich mit dieser Diskussion allerdings nicht verbinden.

Was solls, ich habe wieder was gelernt, nicht nur über die rechnerischen Fähigkeiten von Walter und die Lichtdurchlässigkeit von Filterfolien, sondern auch über Menschen.

Viele Grüße
Andreas
 
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