Bernd Limburg
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
das Thema Lichtverschmutzung ist bei mir ein sehr lokales, will sagen der Himmel an sich ist gar nicht mal so aufgehellt, Bortle 4, finde ich eigentlich gar nicht so schlecht. Ein größeres Problem stellen aber die Straßenlaternen dar, die ich in direkter Nähe und quasi auf Augenhöhe habe, da ich vom Balkon aus beobachte. Nach oben hin sind die zwar ganz gut abgeschirmt, so wie es sein soll, aber mein Beobachtungsplatz ist noch voll im seitlichen Lichtkegel. Dadurch kann ich mit dem APO keine Aufnahmen unter 45° Alt machen, ohne böse Gradienten reinzubekommen.
Also musste eine verlängerte Streulichtblende her. Die bestehende habe ich erst mal mit Velours ausgekleidet, was visuell und gerade bei streifendem Lichteinfall schonmal viel schwärzer ist als vorher. Aber wie das Rohr verlängern? Und vor allem wie lang darf es werden, ohne dass es zu zusätzlicher Vignettierung kommt?
Erst mal die Frage nach der maximalen Länge. Die Strahlengeometrie hilft weiter, unter der Annahme, dass die Eintrittspupille des Teleskops gleich der Objektivfassung ist und der Fokus auf unendlich steht. Gesucht ist die maximal mögliche Länge der Blende (gerechnet vom Objektiv aus), wenn die Blende einen Innendurchmesser D2 hat und das Teleskop eine effektive Öffnung von D1. Die Brennweite ist f und die Chipdiagonale der verwendeten Kamera d.
Durch das auf unendlich fokussierte Teleskop fallen parallele Strahlenbündel auf das Objektiv, und der maximale Winkel, um bis in die Ecke des Sensors zu kommen, ist durch das Verhältnis halbe Chipdiagonale d/2 zu Brennweite f gegeben. Es gilt tan(a) = (d/2)/f. Damit die Kappe das Strahlenbündel, das unter dem gleichen Winkel a einfällt, nicht beschneidet, muss gleichzeitig gelten tan(a) = (D2-D1)/2 / L. Nun setzt man gleich und bekommt
L(max) = f * (D2-D1)/d
Bei meinem APO mit D1 = 130 mm, D2 = 170 mm, f = 730 mm (mit Reducer) und d = 23.2 mm (ASI294MC) ergibt sich ein maximales L von knapp 1.26 m! So lang wollte ich dann doch nicht werden
, bin dann auf 50 cm ab Objektiv gegangen. Die Originalblende ist 25 cm, also habe ich die effektiv verdoppelt.
Zunächst habe ich es mit einem gerollten schwarzen Schaumstoff (Aquariumunterlage) probiert, den ich innen mit Velours bekleben wollte. Das hat aber hinten und vorne nicht geklappt, das wurde nicht gescheit rund, und die Veloursfolie hat in dem labberigen "Rohr" Falten ohne Ende geworfen. Habe mir dann ein Acrylrohr mit 172 mm Innendurchmesser besorgt, das perfekt auf die bestehende 170 mm Kappe geschoben werden kann. Die 2 mm Differenz habe ich mit 3D-gedruckten 1 mm dicken Ringen aufgefüttert, die ich außen auf die Kappe des Teleskops geklebt habe. Das Acrylrohr habe ich dann innen mit Velours ausgekleidet, außer in dem Bereich, der über die Kappe geschoben wird. Das hat im Gegensatz zu den Versuchen mit der Schaumstoffplatte perfekt funktioniert. Außen habe ich das Acrylrohr dann noch mit der Aquariummatte beklebt, weil ich die ja schon hatte und ich fand, dass das besser aussieht und auch nochmal zusätzlichen Lichtschutz bietet (das Acrylrohr an sich ist ja transparent), weil die Veloursfolie nicht 100 % lichtdicht ist (zumindest wenn man sie gegen die Sonne hält...).
So sieht das jetzt aus:




Getestet und für gut befunden habe ich es auch, ich kann nun den Pferdekopfnebel, der auf etwa 38° Alt kulminiert, nun sauber aufnehmen, was vorher unmöglich war.
Die obige Rechnung gilt auch für Reflektoren, wobei man da aber beachten muss, dass die Maximallänge ab der Apertur, sprich ab dem Hauptspiegel gemessen wird. Wenn man beim Newton also eine Streulichtkappe aufsetzt, ist die effektive Länge dann die Länge der Kappe selbst plus die Tubuslänge. Da aber der Kappeninnendurchmesser D2 um einiges größer sein wird als der Spiegeldurchmesser, sollte man auch hier noch einiges an Reserve haben. Aber besser mal nach obiger Formel rechnen, denn der Tubus selbst stellt ja schon eine Kappe der (ungefähren) Länge f dar...
CS
Bernd
das Thema Lichtverschmutzung ist bei mir ein sehr lokales, will sagen der Himmel an sich ist gar nicht mal so aufgehellt, Bortle 4, finde ich eigentlich gar nicht so schlecht. Ein größeres Problem stellen aber die Straßenlaternen dar, die ich in direkter Nähe und quasi auf Augenhöhe habe, da ich vom Balkon aus beobachte. Nach oben hin sind die zwar ganz gut abgeschirmt, so wie es sein soll, aber mein Beobachtungsplatz ist noch voll im seitlichen Lichtkegel. Dadurch kann ich mit dem APO keine Aufnahmen unter 45° Alt machen, ohne böse Gradienten reinzubekommen.
Also musste eine verlängerte Streulichtblende her. Die bestehende habe ich erst mal mit Velours ausgekleidet, was visuell und gerade bei streifendem Lichteinfall schonmal viel schwärzer ist als vorher. Aber wie das Rohr verlängern? Und vor allem wie lang darf es werden, ohne dass es zu zusätzlicher Vignettierung kommt?
Erst mal die Frage nach der maximalen Länge. Die Strahlengeometrie hilft weiter, unter der Annahme, dass die Eintrittspupille des Teleskops gleich der Objektivfassung ist und der Fokus auf unendlich steht. Gesucht ist die maximal mögliche Länge der Blende (gerechnet vom Objektiv aus), wenn die Blende einen Innendurchmesser D2 hat und das Teleskop eine effektive Öffnung von D1. Die Brennweite ist f und die Chipdiagonale der verwendeten Kamera d.
Durch das auf unendlich fokussierte Teleskop fallen parallele Strahlenbündel auf das Objektiv, und der maximale Winkel, um bis in die Ecke des Sensors zu kommen, ist durch das Verhältnis halbe Chipdiagonale d/2 zu Brennweite f gegeben. Es gilt tan(a) = (d/2)/f. Damit die Kappe das Strahlenbündel, das unter dem gleichen Winkel a einfällt, nicht beschneidet, muss gleichzeitig gelten tan(a) = (D2-D1)/2 / L. Nun setzt man gleich und bekommt
L(max) = f * (D2-D1)/d
Bei meinem APO mit D1 = 130 mm, D2 = 170 mm, f = 730 mm (mit Reducer) und d = 23.2 mm (ASI294MC) ergibt sich ein maximales L von knapp 1.26 m! So lang wollte ich dann doch nicht werden
Zunächst habe ich es mit einem gerollten schwarzen Schaumstoff (Aquariumunterlage) probiert, den ich innen mit Velours bekleben wollte. Das hat aber hinten und vorne nicht geklappt, das wurde nicht gescheit rund, und die Veloursfolie hat in dem labberigen "Rohr" Falten ohne Ende geworfen. Habe mir dann ein Acrylrohr mit 172 mm Innendurchmesser besorgt, das perfekt auf die bestehende 170 mm Kappe geschoben werden kann. Die 2 mm Differenz habe ich mit 3D-gedruckten 1 mm dicken Ringen aufgefüttert, die ich außen auf die Kappe des Teleskops geklebt habe. Das Acrylrohr habe ich dann innen mit Velours ausgekleidet, außer in dem Bereich, der über die Kappe geschoben wird. Das hat im Gegensatz zu den Versuchen mit der Schaumstoffplatte perfekt funktioniert. Außen habe ich das Acrylrohr dann noch mit der Aquariummatte beklebt, weil ich die ja schon hatte und ich fand, dass das besser aussieht und auch nochmal zusätzlichen Lichtschutz bietet (das Acrylrohr an sich ist ja transparent), weil die Veloursfolie nicht 100 % lichtdicht ist (zumindest wenn man sie gegen die Sonne hält...).
So sieht das jetzt aus:




Getestet und für gut befunden habe ich es auch, ich kann nun den Pferdekopfnebel, der auf etwa 38° Alt kulminiert, nun sauber aufnehmen, was vorher unmöglich war.
Die obige Rechnung gilt auch für Reflektoren, wobei man da aber beachten muss, dass die Maximallänge ab der Apertur, sprich ab dem Hauptspiegel gemessen wird. Wenn man beim Newton also eine Streulichtkappe aufsetzt, ist die effektive Länge dann die Länge der Kappe selbst plus die Tubuslänge. Da aber der Kappeninnendurchmesser D2 um einiges größer sein wird als der Spiegeldurchmesser, sollte man auch hier noch einiges an Reserve haben. Aber besser mal nach obiger Formel rechnen, denn der Tubus selbst stellt ja schon eine Kappe der (ungefähren) Länge f dar...
CS
Bernd