Verzerrung des Objektivs

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Hallo Clemens,

ich tippe mal auf ein Weitwinkel-Objektiv mit kissenförmiger Verzeichnung, kombiniert mit einem Nachführfehler. Die Verzeichnung alleine würde, jedenfalls wenn sie symmetrisch ist, die Sterne radial auseinanderziehen und auch auf den Einzelbildern genauso stark ausfallen. So sehen sie aber nicht aus, vor allem sind die Einzelbilder schwächer verzeichnet, wenn auch nicht ganz. Und die Verzerrung ist nicht axialsymmetrisch, sondern tendenziell nach einer Seite hin orientiert.

Beim Stacken wird die Verzeichnung am Rand durch die gestreckte Perspektive auseinandergezogen, viel stärker als der Nachführfehler sich in der Mitte bemerkbar macht, bei der kurzen Brennweite.

Mit Rausrechnen geht da nicht viel. Abblenden, genauer einnorden und Nachführen wäre mein Rat fürs erste.

Grüße,

Klaus
 
Hallo Klaus,
Ich habe nicht nachgeführt, sondern:
100x10s (ich weiß, etwas zu lang)
30mm f/6.4
Sony Billigzoom 18-50

Dass das ganze nicht ganz symmetrisch ausfällt kann auch an der Beschneidung des Bildes liegen, ich habe es von Hand beschnitten.
Wird das mit teurerer Festbrennweite besser? Am Wochenende kam mein 35mm f/1.8 mich würde interessieren ob es da besser ist

Viele Grüße,
Clemens
 
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Hallo Clemens,

nicht nachführen ist auch eine Art Nachführfehler, zumindest passiert etwas ähnliches. :/

Es gibt eigentlich kein so kurzbrennweitiges Objektiv, das nicht irgendwie verzeichnet. Wenn ich mir das Einzelbild anschaue, war deines eigentlich gar nicht schlecht. Was fehlte, war hier die Nachführung - dadurch hat die Stacking-Software über einen Strich gemittelt, anstatt über einen Punkt oder ein kurzes Oval.

Im Photoshop gibt es zwar eine Verzeichnungskorrektur, allerdings kann die auch keine Wunder bewirken. So wie Du Deinen Fall schilderst, ist Nachführung (und moderates Abblenden) wahrscheinlich die Lösung.

Grüße,

Klaus
 
Hallo Klaus,

heißt das, dass der Fehler bei 3 Sekunden Belichtungszeit nahezu weg wäre? Das ist also nur das Problem, dass die Stacksoftware nicht weiß, wie es die Bilder aufeinander legen soll? Kann ich das DSS irgendwie mitteilen?
Sind 100 Bilder zu viel? Das Rauschen habe ich ja relativ gut unter Kontrolle?
Ich sehe allerdings, dass die Sterne radial nach außen verzogen werden. Das macht für mich nur so Sinn, dass die äußeren Sterne durch die Verzeichnung auf unterschiedlichen Bildern nicht mehr den gleichen Abstand zueinander haben und DSS gar keine Chance hat, alle Sterne aufeinander zu bringen?
Macht ein Nachführfehler nicht einfach nur alle Sterne matschig, da die Sterne auf Einzelbildern schon Striche sind?

Ich habe von 5 auf 6.4 abgeblendet, genau dort sollte auch der beste Arbeitspunkt des Objektivs liegen. Mir geht es auch mehr darum, den Effekt beim neuen Objektiv zu verhindern, bzw. will ich das Objektiv ja testen und dazu sollte ich wissen, was vom Objektiv kommt, was von der Aufnahmemethode und was vom Stacking.

Viele Grüße,
Clemens

edit: Auf älteren, ähnlichen Aufnahmen mit einer anderen Kamera und anderem Objektiv treten solche Dinge selbst bei kleinerer Brennweite überhaupt nicht auf...
 
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Die Verzeichnung scheint durch die fehlende Nachführung verstärkt zu werden, so sieht das jedenfalls aus. Wenn Du genau auf das Einzelbild schaust, siehst Du die Streckung schon, auch im Verhältnis zur Bildmitte. Der DSS kann dann wirklich nicht anders. 10 Sekunden schaffen dann in der Mitte gerade noch gleichmäßig runde Sterne, aber weiter draußen rechnet er Dir praktisch Strichspuren zusammen. Der DSS kann das nicht kompensieren, an irgend etwa muss er sich ja halten.

Deine Einzelbilder scheinen wie gesagt auch gar nicht sooo schlecht zu sein, jedenfalls hinsichtlich der Distorsion, und abgeblendet hast Du schon. Die Lösung lautet dann eben nachführen.

Extrem kurze Zeiten erleichtern die Sache schon, weil die Strecke, auf die die Sterne ausgezogen werden, dann viel kleiner ist. Wenn Du eine halbe Stunde klaren Himmel ausnutzen willst, kannst Du sogar radikale Lösungen finden, wie diese hier:

http://www.astrobin.com/237260/

75 mal zwei Sekunden mit 135 mm, und 2,8 abgeblendet auf 4, und dann Hängen und Würgen bei der Bearbeitung. So etwas mache ich aber nur, wenn ich Entzugserscheinungen bekomme.

Grüße,

Klaus
 
Hi Clemens,

soweit ich das Anhand des Einzelbildes ersehen kann, kannst du mit THELI THELI die Verzeichnung vollstaendig auskorrigieren.
Allerdings laeuft das nur unter Linux. Hilfestellung gibts im THELI Forum

LG

mischa
 
rausrechnen lassen sich solche verzerrungen durchaus:

- in fitsworks im batchmode mit etwas uebung - ueber die funktion Pixelgeometrie -> Bildfeld Entzerrung
- in PI ueber star-align im Spline-Modus
- in PS über automatische Objektiv-Korrektur (ok, als Teil des Stacking-Prozesses nicht wirklich anwendbar)

sinnvoller ist aber definitiv die Nachführung :)

Jonas
 
Danke euch! Die Varianten werde ich mal durchgehen und ein bisschen rumspielen. Außerdem hoffe ich, dass die Verzerrung bei meinem neuen Objektiv weniger stark ist - kann man das irgendwie ohne Himmel testen, der Wetterbericht sagt noch mindestens eine Woche regen und ich habe nur zwei Wochen Rückgaberecht...

Die Nachführung fände ich natürlich auch toll, allerdings wären das dann die nächsten 300-400 Euro für einen Student, der gerade 1000€ für eine Kamera ausgegeben hat :confused:

Bleibt aber das nächste Projekt, vielleicht bastel ich auch eine Barndoor, mal schauen.

Viele Grüße,
Clemens
 
Hallo Clemens,

Wenn Du dir so ein Testbild bastelst kann man sehr gut die Verzeichnungen erkennen.
Bei dem Bild sind auch gleich noch Ansichten von Tonnen und Kissen förmiger Verzeichnung abgebildet.
Als besonders gehässige Form der Verzeichnungen gibt es noch eine Kombination aus beiden Formen.
Man kann aber generell sagen, je kürzer die Brennweite umso stärker die Verzeichnungen.
Festbrennweiten könnten dabei besser abschneiden.
Übrigens die Blende hat keinerlei Auswirkungen auf die Verzeichnungen.

VG Cl.-D.
 
Hallo,

wie Klaus schon sagte wird die Verzeichnung durch die fehlende Nachführung verstärkt.
Du läßt die Verzeichnung dadurch über den Himmel wandern.
Der DSS kann dann nur einen kleinen, unverzeichneten Teil des Bildes genau übereinander legen, im Rest des Feldes muß es dann längliche bis in alle mögliche Formen verzerrte Sternabbildungen geben.
Mit einer Nachführung wird das vermieden, es bleiben aber natürlich die Abbildungsfehler, die das Objektiv hat.

Verzeichnung macht es auch schwierig oder unmöglich zwei Bilder, die mit Weitwinkel-Objektiven aufgenommen wurden zu stitchen.

Wenn du weiter ohne Nachführung Astrofotos machen möchtest, empfehle ich ein verzeichnungsarmes Objektiv um 50mm Brennweite.
Ich habe sehr gute Ergebnisse mit einem 1,4/50mm Zuiko Objektiv, abgeblendet auf 2,8 und Belichtungszeiten von zwei bis drei Sekunden.
Das Olympus-Objektiv habe ich per Adapter an eine Canon EOS-Kamera angesetzt.
Eine Serie von ca. 200 Aufnahmen ergibt sehr bruchbare Bilder nach dem Stacken. Der Bildrand wird dabei ungleichmäßig belichtet, es entsteht aber kein großer Verlust, wenn man ihn nach der Verarbeitung wegschneidet.

Mit dem neuen 35mm Objektiv solltest du etwas bessere Ergebnisse bekommen, aber meistens sind Objektive von 50mm noch etwas verzeichnungsfreier.

Grüße

*entfernt*
 
Mit Drizzling liesse sich die Verzeichnung korrigieren, weil man die Pixel nicht nur um einen subpixelgenauen Offset verschieben muss, sondern im Prinzip jede Abbildung möglich wäre. Aber ich kenne keine übliche Software, mit der man die Verzeichnung mal eben korrigieren kann.

Prinzipiell sollte das mit den HEAsoft Programmen gehen, weil die Korrektur optischer Fehler im Paper zu Drizzling erwähnt wird und das schließlich das Original ist. Ich habe aber noch nicht gesehen, dass hier jemand damit arbeitet, warum auch immer.

Michael
 
Ja leider ist das "noch" so.
Bei den lichtstarken Kompaktkameras ist das gang und gebe.
Meine Sony DSC RX100III z.B. korrigiert die Verzeichnungen raus bevor das .jpeg Bild gespeichert wird.
Man kann auch RAW Aufnahmen machen, erhält dann jedoch starke effekte am Rand die dem lichtstarken Objektiv geschuldet sind.
Anderenfalls müsste die Frontlinse viel grösser sein.
In einem Testbericht bei dkamera.de heisst es hier:
http://www.dkamera.de/testbericht/sony-cyber-shot-dsc-rx100-iii/fazit.html
Die Bildschärfe fällt bei 24mm an den Bildrändern und im Nahbereich sichtbar ab. Dies liegt auch an der sehr starken tonnenförmigen Verzeichnung des Objektivs, die bei nicht korrigierten RAW-Bildern erkennbar ist. Bei JPEG-Bildern wurde die Verzeichnung allerdings nahezu optimal ausgeglichen. Chromatische Aberrationen wurden zudem, genauso wie die Randabschattung, gut korrigiert.
Es ist also nur eine Frage der Zeit bis entsprechende Plugins zur Korrektur der Objektivfehler für die gängigen Bilbearbeitungsprogramme zur Verfügung stehen.
Da könnte ich mir sogar vorstellen das die Teleskophersteller nachziehen ;)
 
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Hallo zusammen,

heißt das, in jpeg fotografieren wäre besser?

Konnte heute das neue Objektiv testen und bin sehr enttäuscht, genau das gleiche Spiel. Wie teste ich die Qualität des Objektivs, wenn ich solche Ergebnisse bekomme? Wird das mit Nachführung definitiv besser? Diese wird dann nämlich mit Sicherheit mein nächstes Projekt, so macht das keinen Spaß.

Orion heute

Viele Grüße,
Clemens
 
Habe gerade mal die Verzeichnung auf Karopapier getestet. Also relativ stark kissenförmig bei f/3.5, kein Unterschied zwische RAW und jpeg...
Sieht so aus als hätte das neue Objektiv eine noch viel stärkere Verzeichnung als das billige alte. Das muss doch in der Astrofotografie irgendwie Thema sein? Es führt ja nicht jeder nach, ich sehe immer wieder Stacks mit 6 Sekunden-Bildern.

Die Widerrufsfrist ist dank dem Wetter abgelaufen, zählt das als Mangel?

Viele Grüße,
Clemens
 
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Hi,

wenn das Objektiv funktioniert wies soll ist das natürlich kein Mangel.

Vielleicht hilft Dir ja diese Seite

http://www.dpreview.com

etwas weiter bevor Du das nächste Objektiv anschaffst.

Möglicherweise musst Du auch Deine Vorstellung von billig/teuer etwas revidieren.

Grüßlis

Klaus
 
Nein, die fassförmige Verzeichnung ist ja normal. Falls es das Sony DT 35 mm f/1.8 SAM ist, ist auch die abartige Koma "serienmäßig" und somit kein Reklamationsgrund. Auch wenn es dadurch für die Astrofotografie eher unbrauchbar ist.
Es ist eine kissenförmige Verzeichnung, was auch mich etwas wundert. Nein, es ist das Sony SEL 35 f/1.8.
Ist das Objektiv mit Nachführung auch unbrauchbar?

Vielleicht hilft Dir ja diese Seite [...] etwas weiter bevor Du das nächste Objektiv anschaffst.
Danke, werde ich mir merken, auch wenn ich viele gute Kritiken zum besagten Objektiv gelesen habe. Für leichte Verzeichnungen interessiert sich halt sonst niemand.

Möglicherweise musst Du auch Deine Vorstellung von billig/teuer etwas revidieren.
Die beiden Begriffe waren zur Unterscheidung meiner Objektive gedacht - ich weiß natürlich, dass 400€ alles andere als die Oberklasse der Objektive darstellt ;)
 
Hallo Clemens,

mit Nachführung ist das Objektiv brauchbar, weil die Sterne da immer an der gleichen Stelle abgebildet werden.
Die Abbildungsfehler bleiben aber erhalten.
Da kannst Du nur testen bei welcher Blende der beste Kompromiss besteht.
Bei Weitwinkel Objektiven ist immer mit Verzeichnungen zu rechnen, je kürzer die Brennweite desto stärker.
DXO Optics Pro wäre noch eine Softwarelösung zur Beseitigung von Verzeichnungen und Chromatischen Aberrationen.
Und das automatisch! Kannst Dir ja mal die Testversion herunterladen.

VG Cl.-D.
 
Nachtrag:
Verzerrungen des Objektivs stören genau dann, wenn Sterne der Bildmitte irgendwann etwas weiter am Bildrand abgebildet werden. Deshalb habe ich einfach alle 30 Bilder Orion wieder in die Mitte gerückt. Die Verzerrung bleibt, man sieht sie aber nach dem stacken nicht. Es hat funktioniert:

108 mal 8 Sekunden f/2.8:
Orion

Mit Nachführung ist es natürlich angenehmer - es funktioniert aber auch ohne.

CS, Clemens
 
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