anbuman
Aktives Mitglied
Hallo
hier mal mein erster umfassender BB einer Mondbeobachtung. Eigentlich halte ich ja den Mond eher für einen Deep-Sky-Störenfried, doch gestern abend hab ich mir vorgenommen: "Rück doch dem Mond selbst mal auf den Pelz!" Bewaffnet mit meinem 6"-Refraktor, Bino und Schreibblock ging es denn also los.
Dabei hab ich es so gehändelt, daß ich einfach nur beobachtet habe, meine Wahrnehmungen niedergeschrieben und später dann mit dem Rükl-Atlas verglichen habe, was ich denn da überhaupt gesehen habe (bin ja Moon-Greenhorn).
Los ging es weit nördlich mit einem großen dunklen Krater, der sich Plato nennt und dessen Boden nahezu glatt ist. Ein sehr auffallendes Objekt. Kaum zu glauben, dass das der erste Krater des Mondes gewesen sein soll, aber direkt süd-süd-westlich davon steht eine 1. Besser gesagt, sie liegt schon fast, denn sie ist nach rechts umgekippt und liegt fast auf der Seite. Rükl offenbart, dass es die Teneriffe-Montes waren und die 1 endet "unten" am Mons Pico.
Nördlich der oberen Spitze der 1 ist dann die markante Haifischrückenflosse aufgetaucht und zieht ruhig durch das "Wasser". Doch damit nicht genug! Westlich dieser Flosse schaut ein Krokodilskopf aus dem Wasser
Je länger man schaut, desto besser sieht man die Konturen, die "Nüstern" und sogar die Krokodilsaugen. Schaut man sich diesen Kopf an, stellt man fest, dass er sich auf den Haifisch zubewegt, denn deutlich ist südlich ausgehend von der Schnauzenspitze eine "Welle" wahrzunehmen - ohne Frage - das Krokodil bewegt sich!!! Westlich direkt am Terminator wird das Geschehen von zwei großen Augen inspiziert, die tiefdunkel in ihren Höhlen liegen und gerade am Mondrand erscheinen. Rükl nennt den Krokodilskopf Montes Recti und die "Augen" Ia Condamine und Maupertuis.
Ich verlasse schleunigst diese gefährliche Region und wandere nun südöstlich von Plato die Alpen entlang, vorbei am Alpental bis ich am Südende der Alpen auf ein riesiges Spiegelei treffe, das Rükl "Cassini" nennt.
Östlich vom Spiegelei erscheint eine Formation, die aussieht wie ein Vogelkopf, so eine Art Kauz. Ein Auge des Kauzes nennt Rükl Calippus, das andere Auge bleibt unbenannt. Im "Schnabel" ist ein kurzes dunkles Stück Holz. Der Vogelkopf selbst heißt Montes Caucasus. Auffälligerweise hat dieser Kauz einen gaaaanz langen Bart, der sich in südwestlicher Richtung hinzieht, und der von Rükl "Montes Apenninius" bezeichnet wird.
Am Ende dieses langen Vogelbartes dann hängt eine wunderschöne Uhr. Das Zifferblatt wirkt sehr sauber gearbeitet und der Rand ist gleichmäßig hübsch gemustert.
Diese Uhr hat leuchtend helle Zeiger(Zentralberge) und zeigt genau auf 22.00 Uhr. Ich vergleiche, und stelle eine Abweichung zu meiner Uhr fest. Nun begreife ich, warum es manchmal heißt: "Deine Uhr geht wohl nach dem Mond" - was solls, hübsch anzusehen ist diese Monduhr allemal! Ach so, Rükl bezeichnet sie als "Eratosthenes" - ich finde "Monduhr" ist passender und außerdem einfacher auszusprechen. :biggrin:
Weiter in südwestlicher Richtung kommt dann der Könich - Copernicus. Nun, dieses Hammerteil kennt wohl jeder, mir fällt jedoch nördlich davon eine sehr seltsame Formation auf. Die springt förmlich ins Auge, aber wie soll man sie beschreiben? Nach längerem Beobachten und überlegen kommt mir in den Sinn, dass ja bald die Fußballeuropameisterschaft beginnt. Ein Ball ist schnell auszumachen - Gay Lussac. Drum herum ist viel Wirbel, Die Spieler bilden ein regelrechtes Knäuel, von rechts kommt grad noch einer dazugerannt. Meine Güte - was für eine Action! Rükl nennt diese dramatische Situation schlicht Montes Carpatus.
Im völligen Kontrast zu den wilden Karpaten fällt mir nun die Region zwischen der Monduhr und Copernicus auf. Eine ungeheure Anzahl an Mini- und Kleinkratern bilden in Reihen regelrechte Fußspuren ab. Dieses Spurengewirr wirkt, wie Vogelspuren im Winterschnee um ein Futterhaus. Auffällig dabei ist, dass nahezu alle Fußspuren mehr oder weniger in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Direkt östlich von Copernicus ist das grösste Spurengewirr - hier muß das Futterhaus gestanden haben!
Ein ganzes Stück südöstlich davon ist ein riesiger Krater - Ptolemaeus. Südwestlich von ihm scheint sich ein einziges kleines Vögelchen verirrt zu haben, denn zwischen ihm und Davy ist eine einzelne kleine Ost-West Fußspur wahrzunehmen. Es scheint, als sei hier ein Vögelchen aus einem Krater rausgekrochen, ein Stück gelaufen, und dann in den nächsten Krater wieder reingefallen. Das arme Ding!.
Südlich dieser Fußspur findet sich die sogenannte "gerade Wand". Als ich gestern Abend einen kurzen Testblick auf diese Region geworfen habe (noch nahe am Terminator) sah das Ding aus wie ein aufrechtes Schwert. Jetzt, da es nicht mehr so nahe am Terminator ist, wirkt es nicht mehr ganz so eindrucksvoll, eher wie ein Gartengerät - ein Grubber oder Laubbesen.
Am südlichen Ende meiner Tour stoße ich dann noch auf einen weiteren bemerkenswerten Krater - Clavius. Er hat die Besonderheit, dass etwa 6 Krater in seinem Innern einen Halb-bogen bilden. Wie an einer Schnur sind die Krater der Größe nach aufgereiht und bilden so den sehenswerten Abschluß meiner ersten gezielten und dokumentierten Mondbeobachtung.
Gemäß dem Schöpfungsbericht bildete Gott das "kleinere Licht" - den Mond - zur Beherrschung der Nacht, damit er auf die Erde leuchte. Bislang sorgte dieses "kleinere Licht" in meinen Augen aus astronomischer Sicht eher für Lichtverschmutzung. Nach der letzten Nacht muß ich mich jedoch korrigieren - ein Ausflug auf den Mond kann hochinteressant sein! Es war bestimmt nicht mein letzter!
Fairerweise ist der Mond ja auch nicht immer sichtbar, und wenn er da ist, verändert er oft schon nach einigen Stunden sein Antlitz, sodass es noch sehr viel mehr zu entdecken geben wird.
Viele Grüße
André :huhu:
hier mal mein erster umfassender BB einer Mondbeobachtung. Eigentlich halte ich ja den Mond eher für einen Deep-Sky-Störenfried, doch gestern abend hab ich mir vorgenommen: "Rück doch dem Mond selbst mal auf den Pelz!" Bewaffnet mit meinem 6"-Refraktor, Bino und Schreibblock ging es denn also los.
Dabei hab ich es so gehändelt, daß ich einfach nur beobachtet habe, meine Wahrnehmungen niedergeschrieben und später dann mit dem Rükl-Atlas verglichen habe, was ich denn da überhaupt gesehen habe (bin ja Moon-Greenhorn).
Los ging es weit nördlich mit einem großen dunklen Krater, der sich Plato nennt und dessen Boden nahezu glatt ist. Ein sehr auffallendes Objekt. Kaum zu glauben, dass das der erste Krater des Mondes gewesen sein soll, aber direkt süd-süd-westlich davon steht eine 1. Besser gesagt, sie liegt schon fast, denn sie ist nach rechts umgekippt und liegt fast auf der Seite. Rükl offenbart, dass es die Teneriffe-Montes waren und die 1 endet "unten" am Mons Pico.
Nördlich der oberen Spitze der 1 ist dann die markante Haifischrückenflosse aufgetaucht und zieht ruhig durch das "Wasser". Doch damit nicht genug! Westlich dieser Flosse schaut ein Krokodilskopf aus dem Wasser
Ich verlasse schleunigst diese gefährliche Region und wandere nun südöstlich von Plato die Alpen entlang, vorbei am Alpental bis ich am Südende der Alpen auf ein riesiges Spiegelei treffe, das Rükl "Cassini" nennt.
Östlich vom Spiegelei erscheint eine Formation, die aussieht wie ein Vogelkopf, so eine Art Kauz. Ein Auge des Kauzes nennt Rükl Calippus, das andere Auge bleibt unbenannt. Im "Schnabel" ist ein kurzes dunkles Stück Holz. Der Vogelkopf selbst heißt Montes Caucasus. Auffälligerweise hat dieser Kauz einen gaaaanz langen Bart, der sich in südwestlicher Richtung hinzieht, und der von Rükl "Montes Apenninius" bezeichnet wird.
Am Ende dieses langen Vogelbartes dann hängt eine wunderschöne Uhr. Das Zifferblatt wirkt sehr sauber gearbeitet und der Rand ist gleichmäßig hübsch gemustert.
Diese Uhr hat leuchtend helle Zeiger(Zentralberge) und zeigt genau auf 22.00 Uhr. Ich vergleiche, und stelle eine Abweichung zu meiner Uhr fest. Nun begreife ich, warum es manchmal heißt: "Deine Uhr geht wohl nach dem Mond" - was solls, hübsch anzusehen ist diese Monduhr allemal! Ach so, Rükl bezeichnet sie als "Eratosthenes" - ich finde "Monduhr" ist passender und außerdem einfacher auszusprechen. :biggrin:
Weiter in südwestlicher Richtung kommt dann der Könich - Copernicus. Nun, dieses Hammerteil kennt wohl jeder, mir fällt jedoch nördlich davon eine sehr seltsame Formation auf. Die springt förmlich ins Auge, aber wie soll man sie beschreiben? Nach längerem Beobachten und überlegen kommt mir in den Sinn, dass ja bald die Fußballeuropameisterschaft beginnt. Ein Ball ist schnell auszumachen - Gay Lussac. Drum herum ist viel Wirbel, Die Spieler bilden ein regelrechtes Knäuel, von rechts kommt grad noch einer dazugerannt. Meine Güte - was für eine Action! Rükl nennt diese dramatische Situation schlicht Montes Carpatus.
Im völligen Kontrast zu den wilden Karpaten fällt mir nun die Region zwischen der Monduhr und Copernicus auf. Eine ungeheure Anzahl an Mini- und Kleinkratern bilden in Reihen regelrechte Fußspuren ab. Dieses Spurengewirr wirkt, wie Vogelspuren im Winterschnee um ein Futterhaus. Auffällig dabei ist, dass nahezu alle Fußspuren mehr oder weniger in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Direkt östlich von Copernicus ist das grösste Spurengewirr - hier muß das Futterhaus gestanden haben!
Ein ganzes Stück südöstlich davon ist ein riesiger Krater - Ptolemaeus. Südwestlich von ihm scheint sich ein einziges kleines Vögelchen verirrt zu haben, denn zwischen ihm und Davy ist eine einzelne kleine Ost-West Fußspur wahrzunehmen. Es scheint, als sei hier ein Vögelchen aus einem Krater rausgekrochen, ein Stück gelaufen, und dann in den nächsten Krater wieder reingefallen. Das arme Ding!.
Südlich dieser Fußspur findet sich die sogenannte "gerade Wand". Als ich gestern Abend einen kurzen Testblick auf diese Region geworfen habe (noch nahe am Terminator) sah das Ding aus wie ein aufrechtes Schwert. Jetzt, da es nicht mehr so nahe am Terminator ist, wirkt es nicht mehr ganz so eindrucksvoll, eher wie ein Gartengerät - ein Grubber oder Laubbesen.
Am südlichen Ende meiner Tour stoße ich dann noch auf einen weiteren bemerkenswerten Krater - Clavius. Er hat die Besonderheit, dass etwa 6 Krater in seinem Innern einen Halb-bogen bilden. Wie an einer Schnur sind die Krater der Größe nach aufgereiht und bilden so den sehenswerten Abschluß meiner ersten gezielten und dokumentierten Mondbeobachtung.
Gemäß dem Schöpfungsbericht bildete Gott das "kleinere Licht" - den Mond - zur Beherrschung der Nacht, damit er auf die Erde leuchte. Bislang sorgte dieses "kleinere Licht" in meinen Augen aus astronomischer Sicht eher für Lichtverschmutzung. Nach der letzten Nacht muß ich mich jedoch korrigieren - ein Ausflug auf den Mond kann hochinteressant sein! Es war bestimmt nicht mein letzter!
Fairerweise ist der Mond ja auch nicht immer sichtbar, und wenn er da ist, verändert er oft schon nach einigen Stunden sein Antlitz, sodass es noch sehr viel mehr zu entdecken geben wird.
Viele Grüße
André :huhu:
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