Von Planeten, Galaxien und Quasaren

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Dirkeb

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Hallo Leute,

Nach der Kurzfassung von "Die Tage" jetzt die ganze Nacht in Worten.


Diese Beobachtungsnacht lag in einem Zeitraum, in dem man deutlich spürt, dass der Frühlung mit großen Schritten naht. Die Nacht war mit -1 Grad noch recht frisch doch in der Luft lag dieser unverkennbare Geruch von Leben und dem nahenden Aufbruch der Natur sich zu entfalten. Dieses Leben und auch eine Art Aufbruch sollten wir in dieser Nacht noch zu spüren bekommen. Ich hatte mich mit einem guten Freund - einem absoluten Laien in der Astronomie - zum Beobachten verabredet. Gegen 20:00 Uhr starteten wir mit zwei Autos die Fahrt zum nahe gelegenem Beobachtungsplatz. Angekommen sahen wir im Südwesten die Lichtkuppel von Hannover im Nordwesten - schwach zu erkennen - die von Celle. Aber das sollte nicht weiter stören. Der erste Blick zum Himmel offenbarte mir eine einzigartige Transparenz und eine Fülle von Sternen und Objekten. Wir hatten hervorragende Seeingverhältnisse und es wehte kein Lüftchen. Nachdem ich mit meinem Begleiter die EQ-5 mit Polsucher ausgerichtet hatte und den 150`er Refraktor installiert hatte, begannen wir eine kleine Exkursion ohne optische Hilfsmittel. Ich zeigte meinem Begleiter einige markante Objekte wie die Plejaden im Osten, das Sternbild Orion, den großen Waagen, Cassiopeia, Jupiter im Krebs und Saturn oberhalb des Orion. Nach ca. einer halben Stunde wagten wir uns mit einem 25 mm Kellner Okular an den Jupiter. Ich muss ehrlich gestehen:" Ich war begeistert!" Ich hatte den Sonnentrabanten schon oft gesehen - aber nie in einer solchen Klarheit und Transparenz. Die Erdatmosphäre schien wie weg geblasen. Wir arbeiteten uns langsam bis zum 5 mm Kellner mit Barlow vor. Und selbst hier schien er an Klarheit nur minimal einzubüßen. Dann erfolgte ein Schwenk zum Saturn. Hier das gleich Spiel...aber der Kollege ist wohl doch schon a bissel weit weg um seine volle Pracht zu genießen. Wieder mit einem 25 mm Kellner bestückt machten wir uns auf den Weg zum goldenen Tor der Ekliptik. Der nüchterne Kommentar meines Begleiters:" Das sind ja nur Punkte!" Stimmt...nur Punkte aber irgendwie doch schön. Nach einige Erklärungen zu den Plejaden und Hyjaden und das hier jeder Planet einmal durchkommt ging`s weiter gen Orion. M42 kitzelte dann schon etwas mehr aus meinem Freund heraus. "Aha" war der Kommentar und die Frage:"Was ist das?" Nach meinen Ausführungen über den M42 und das Sternbild Orion und seine Bedeutung für die alten Ägypter legten wir eine Pause ein. Gemütlich - auf zwei Gartenstühlen in der Pampa sitzend - tranken wir ein Alsterwasser und redeten über Gott und die Welt. Mittlerweile war es 22:30 Uhr und mein Begleiter entschied sich aufgrund kalter Füsse lieber das Warme aufzusuchen. So stand ich dann allein auf weiter Flur. Wenn man eine Weile dort allein unter dem Himmelszelt in der Natur steht hört, sieht und riecht man Dinge und Sachen, die man im Alltag überhaupt nicht wahrnimmt. Es ist einfach nur still! Man nimmt jedes Rascheln wahr und aufgrund der eingeschränkten Sichtweite scheint der Geruchssinn ausgeprägter zu sein. Die Luft verkündete eindeutig den Frühling und den Duft von aufbrechender Erde. Als nächstes wagte ich mich an den Großen Bären. Alkor und Mizar waren mit dem 25 mm Kellner klar aufgelöst. Aber auch Mizar offenbarte seinen kleinen Freund in 60 Milliarden km Entfernung. M81 und M82 ersparte ich mir. Dafür hätte ich am Refraktor auf dem Boden zumkriechen müssen. Sie waren aber durch den Feldstecher eindeutig zu identifizieren.

Um mir das Gekrieche zu ersparen wagte ich etwas, was ich nie zuvor getan habe. Den Angriff auf Virgo-A in der Jungfrau. Das Sternbild Jungfrau stand knapp oberhalb der Lichtglocke von Uetze...war aber eindeutig auszumachen. Gen Süden nach unten versetzt tauchte auch schon das Sternbild Rabe auf. Der leicht rötliche Arktur aus dem Bärenhüter wies mir hier den Weg. Oberhalb des Arich versuchte ich den Quasar 3C 273 auszumachen. Ich muss ganz ehrlich gestehen:" Er könnte es gewesen sein aber ich weiss es nicht!" Vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet. Ich denke mit 150 mm Öffnung ist das nicht genau zu sagen. Oberhalb des Quasars sollte nun genannter Galaxienhaufen liegen. Ich machte mir eigentlich keine Offnung irgendwas zu sehen. Aber wie von Geisterhand schlichen sich nebulöse Flecken in das Gesichtsfeld. Ich glaube ich habe drei oder viermal hingeschaut bevor ich das glauben konnte. Da waren sie tatsächlich. Fünf bis sechs Galaxien auf einem Haufen. Die Jungs scheinen Geselligkeit wirklich zu lieben. Von diesem Anblick fasziniert merkte ich langsam wie`s ein bißchen kalt an den Beinen wurde. Aber jetzt einpacken und fahren? Nein, ich verabschiedete mich vom Virgo-Haufen mit der Hoffnung ihn bald wieder zu sehen und drehte ab auf M104. Die Sombrero Galaxie war schnell zu finden und zeigte mit einem 10 mm Okular auch schon einige Details. Mittlerweile war es 0:00 Uhr und der Mond würde meiner Galaxien-Jagd mit seinem Licht bald ein Ende setzen. Ich ergab mich in mein Schicksal und wollte schon zusammenpacken. Doch da sah ich einen alten Kollegen aus dem letzten Sommer am Himmel hoch kriechen. M13 im Herkules stand schon gut im Futter. Ein letzter Schwenk, freihand ohne Klemmen bescherte mir eine wunderschönen Abschied vom Himmel an diesem Abend.
Abschließend kann ich sagen, dass dies seit langer Zeit wieder mal ein wunderschöner Beobachtungsabend gewesen ist und das es sich lohnt auf die "grüne Wiese" zu fahren. Nicht nur der Sterne wegen. Auch die Ruhe die man dort in der Nacht findet ist faszinierend. Mir ist in jenen dunklen Stunden auch wieder klar geworden, was wir doch für ein Gewürm auf diesem Planeten sind und von welchen großen Dingen wir umgeben sind. Dinge die wir zwar sehen, uns aber oft nicht erklären und noch weniger wirklich für uns und unseren Alltag realisieren können.

Ich wünsche Euch was. Träumt von Euren vergangenen und zukünftigen Entdeckungen!

Gruß
Dirk
 
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