joetaiga
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
vor zwei Tagen war es abends mal kurz klar. Die Mondphase habe ich mit meinem Dobson eigentlich schon bei so gutem Seeing abfotografiert, dass da höchstens noch mehr rauskommen könnte, wenn der Mond sehr nahe an der Erde steht. Mit 395.000km war der Mond aber eher in Erdferne. Auf das schwere Ding hatte ich vorm Abendessen eigentlich auch keine Lust. Daher habe ich schnell meine Geheimwaffe für "mal schnell schauen" rausgeholt und vorm Abendessen visuell den Mond beobachtet. Das Teleskop ist ein optimierter 80mm f/6 Triplett Apo mit 98% Strehl. Das Bild stand im Okular bei 50x komplett still. Das Seeing war sehr gut.
Nach dem Abendessen war das Bild immer noch gut aber nicht mehr ganz so ruhig wie vorher. Andere Luft ist reingezogen. Ich habe meine ASI178MM mit der Baader 2,25x Hyperion Barlow in den Okularauszug gesteckt um mal zu sehen, was da raus kommt.
Zuerst habe ich zwei Aufnahmen vom Südpol und dem Nordpol mit dem kompletten Chip gemacht. Je ca. 1000 Bilder à 10 oder 15ms mit dem Grünfilter, der das beste Bild lieferte.
Nordhalbkugel
Südhalbkugel
Danach habe ich noch mehrere Aufnahmen mit ROI gemacht. Portraits von Kratern werden wegen der kleinen Öffnung schwierig. Aber mit einigermaßen großem ROI gehen auch Detailaufnahmen.
Hier ein Bild von der Mondmitte mit Arzachel, Werner und vielen mehr. In Arzachel sieht man erstaunlicherweise auch die Rille, wenn auch nur als heller Strich. Testweise habe ich hier mal den Blaukanal 2% runter genommen um in dem SW Bild die Mondfarbe zu simulieren.
Am Ende habe ich noch eine Aufnahme vom Südpol mit Clavius und Moretus. Oben am Rand ist noch Tycho zu sehen.
Zum Spaß habe ich mal mit der LROC Quickmap die Kraterdurchmesser bestimmt. Dabei habe ich von Wallpeak zu Wallpeak gemessen. Die kleinsten als solche eindeutich erkennbaren Krater haben so 3,0-3,1km. Das Rayleigh Kriterium bei 550nm lag an dem Tag auf dem Mond bei ca. 3,1km, das Dawes Kriterium bei ca. 2,6km. Bei 2,5km geht die MTF auf null, d.h. spätestens hier kann man keine Kontraste mehr darstellen. Die Krater werden punktförmig. Mit 3km sind die Aufnahmen beugungsbegrenzt nach Rayleigh. Meiner Erfahrung nach geht nicht mehr. Soweit ich mich erinnere liegt beim Rayleigh Kriterium der Kontrastabfall zwischen zwei punktförmigen Strahlern nur bei etwa 20%, beim Dawes Kriterium bei 5%. D.h. da werden die Mondkrater schon SEHR blass. Mag sein, dass man kleinere Krater noch sehen kann, wenn die sehr prägnant mit viel Kontrast sind, aber man sieht nicht mehr eindeutig, dass es welche sind. Wesentlich unterschreiten kann man das Rayleighkriterium meiner Erfahrung nach auch auf Fotos nicht. Es ist aber interessant, dass man mit kleinen Optiken, bei denen das Seeing nicht so eine große Rolle spielt, dieses auch leicht erreichen kann. Auf Fotos geht mit kleinen Optiken einiges. Man kann z.B. bei Sternen die unterschiedliche Auflösung der einzelnen Farbkanäle erkennen. Die Beugungsringe haben ein wenig etwas von einem Regenbogen. Trotzdem ist bei Mondkrater beim Rayleighkriterium wohl mehr oder weniger Schluss. Immerhin erreicht man es mit kleinen Optiken. Mit meinem 12"er liege ich immer 10-20% darüber.
Hoffe die Bilder gefallen und die Analyse ist für einige interessant. Ich wünsche allen mal wieder klaren Himmel...also so richtig klaren. Nicht nur paar Wolkenlöcher.
Grüße,
Joachim
vor zwei Tagen war es abends mal kurz klar. Die Mondphase habe ich mit meinem Dobson eigentlich schon bei so gutem Seeing abfotografiert, dass da höchstens noch mehr rauskommen könnte, wenn der Mond sehr nahe an der Erde steht. Mit 395.000km war der Mond aber eher in Erdferne. Auf das schwere Ding hatte ich vorm Abendessen eigentlich auch keine Lust. Daher habe ich schnell meine Geheimwaffe für "mal schnell schauen" rausgeholt und vorm Abendessen visuell den Mond beobachtet. Das Teleskop ist ein optimierter 80mm f/6 Triplett Apo mit 98% Strehl. Das Bild stand im Okular bei 50x komplett still. Das Seeing war sehr gut.
Nach dem Abendessen war das Bild immer noch gut aber nicht mehr ganz so ruhig wie vorher. Andere Luft ist reingezogen. Ich habe meine ASI178MM mit der Baader 2,25x Hyperion Barlow in den Okularauszug gesteckt um mal zu sehen, was da raus kommt.
Zuerst habe ich zwei Aufnahmen vom Südpol und dem Nordpol mit dem kompletten Chip gemacht. Je ca. 1000 Bilder à 10 oder 15ms mit dem Grünfilter, der das beste Bild lieferte.
Nordhalbkugel
Südhalbkugel
Danach habe ich noch mehrere Aufnahmen mit ROI gemacht. Portraits von Kratern werden wegen der kleinen Öffnung schwierig. Aber mit einigermaßen großem ROI gehen auch Detailaufnahmen.
Hier ein Bild von der Mondmitte mit Arzachel, Werner und vielen mehr. In Arzachel sieht man erstaunlicherweise auch die Rille, wenn auch nur als heller Strich. Testweise habe ich hier mal den Blaukanal 2% runter genommen um in dem SW Bild die Mondfarbe zu simulieren.
Am Ende habe ich noch eine Aufnahme vom Südpol mit Clavius und Moretus. Oben am Rand ist noch Tycho zu sehen.
Zum Spaß habe ich mal mit der LROC Quickmap die Kraterdurchmesser bestimmt. Dabei habe ich von Wallpeak zu Wallpeak gemessen. Die kleinsten als solche eindeutich erkennbaren Krater haben so 3,0-3,1km. Das Rayleigh Kriterium bei 550nm lag an dem Tag auf dem Mond bei ca. 3,1km, das Dawes Kriterium bei ca. 2,6km. Bei 2,5km geht die MTF auf null, d.h. spätestens hier kann man keine Kontraste mehr darstellen. Die Krater werden punktförmig. Mit 3km sind die Aufnahmen beugungsbegrenzt nach Rayleigh. Meiner Erfahrung nach geht nicht mehr. Soweit ich mich erinnere liegt beim Rayleigh Kriterium der Kontrastabfall zwischen zwei punktförmigen Strahlern nur bei etwa 20%, beim Dawes Kriterium bei 5%. D.h. da werden die Mondkrater schon SEHR blass. Mag sein, dass man kleinere Krater noch sehen kann, wenn die sehr prägnant mit viel Kontrast sind, aber man sieht nicht mehr eindeutig, dass es welche sind. Wesentlich unterschreiten kann man das Rayleighkriterium meiner Erfahrung nach auch auf Fotos nicht. Es ist aber interessant, dass man mit kleinen Optiken, bei denen das Seeing nicht so eine große Rolle spielt, dieses auch leicht erreichen kann. Auf Fotos geht mit kleinen Optiken einiges. Man kann z.B. bei Sternen die unterschiedliche Auflösung der einzelnen Farbkanäle erkennen. Die Beugungsringe haben ein wenig etwas von einem Regenbogen. Trotzdem ist bei Mondkrater beim Rayleighkriterium wohl mehr oder weniger Schluss. Immerhin erreicht man es mit kleinen Optiken. Mit meinem 12"er liege ich immer 10-20% darüber.
Hoffe die Bilder gefallen und die Analyse ist für einige interessant. Ich wünsche allen mal wieder klaren Himmel...also so richtig klaren. Nicht nur paar Wolkenlöcher.
Grüße,
Joachim