Was lohnt sich als Terrassenteleskop in der Stadt?

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der_christian

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Hallo,

ich wohne in Kiel, in einem Randbezirk, und will mir nun zum ersten Mal (abgesehen von einem miserablen Sonderangebot vor Jahren im Supermarkt) ein Teleskop zulegen. Endziel wäre 25cm Öffnung mit GoTo. Aber wären 25cm Öffnung Overkill für die vermutlich häufigste Anwendung, nämlich als Terrassenteleskop (genauer: Dachgaube mit Schiebefenster nach oben)? Was lohnt sich angesichts der beleuchteten Dunsthaube einer Stadt wie Kiel? Direktes Straßenlaternenlicht habe ich nicht, aber man sieht doch deutlich weniger als wenn man mal bei gutem Wetter 10 km außerhalb ist. Was heißt das für die maximal sinnvolle Apertur?

Vielen Dank für Eure Einschätzung
der Christian
 
Moin Leidensgenosse!

Mit Deiner großen Dachluke wirst Du teleskoptechnisch nicht viel Freude haben. Wenn Du da das Schiebefenster aufmachst, strömt Dir die warme Luft raus und zerstört Dir mit dem Seeing jedes Bild im Teleskop. In der kalten Jahreszeit wird das besonders extrem.
Ich wohne auch unter dem Dach und nutze die bequeme Fensterbank-Sternwarte - aber das Wahre ist das nicht, wenn zwischen drinnen und draußen große Temperaturunterschiede herrschen.

> Was heißt das für die maximal sinnvolle Apertur?

Umter dem Dach? Kann ich Dir nicht sagen - kommt auf die Platzverhältnisse an. Ich für mein Teil nutze meine große Optik (12" Dobson) sowieso im Garten - und das mitten in der Stadt (zw. Eichhof und Westring) - also, so schlecht ist der Himmel über Kiel nun auch wieder nicht.

BTW: "Terrassen" (terra = Erde) sind immer ebenerdig! ;)
 
Halllo Christian,

kauf Dir zunächst ein ordentliches Fernglas der Kategorie 10x50 und mach abends Spaziergänge in halbwegs dunkle Ecken der Kieler Vororte. Pack das Fernglas auf ein ordentliches Einbeinstativ und nimm Dir Zeit für "planlose" Beobachtungen.

Wenn der Standort unmittelbar bei Deiner Wohnung nix taugt musst Du raus, und die Hemmschwelle ist mit einem Fernglas deutlich niedriger als mit einem 250er-GoTo.

Mit einem guten Fernglas kann man unter Vorstadtbedingungen meiner Ansicht nach mehr Spass haben als mit einem 12"-Lichteimer.

Grüße

Klaus
 
Hallo Klaus,

danke für Deinen Rat. Leider geht er nur irgendwie an mir vorbei. Mit dem billigen Supermarkt-Teil, und vorher mit Vaters Jagdfeldstecher habe ich so was schon oft gemacht. Planeten kenn ich. Planlose Beobachtungen zeigen... Sterne. Wie langweilig... (sorry, aber ist doch so: sind doch alles nur Punkte). Mit Plan: ohne Goto ist das was für Leute mit Geduld, Hab ich nicht. Nicht mehr. Als kleiner Junge hatte ich die noch. Ewig lange mit Sternkarten gesucht, ob ich nicht doch diesen oder jenen Nebel ins Blickfeld bekomme. Meistens nicht gefunden. Karten mit rot bedeckter Taschenlampe angeleuchtet, Finger abgefroren, Stellung verloren, ...

Ohne Goto schau ich nicht ein einziges Mal mehr durch ein Okular. Der Rat ist nett, und wenn ich noch sechzehn wäre und kein Geld hätte, würde ich ihn mir zu Herzen nehmen. Ich werde vermutlich dreimal im Jahr in den Sternenhimmel schauen, also nix mit Expertise entwickeln und von Hand die bekanntesten Nebel ansteuern. Aber da ich mir inzwischen ein Goto leisten könnte, hat der Sternhimmel bei mir noch eine Chance :-)

Und mit "musst Du raus" ist es ähnlich: Klar, das wäre optimal, aber ... das werde ich nicht machen. Jedenfalls nicht oft, vielleicht nur einmal alle drei Jahre. Das ist so wie mit dem Holzkohlegrill: Klar ist das besser als Elektro, aber Elektro ist bequemer.

Ich will halt wissen, was an so einem Standort möglich und sinnvoll ist. Goto sollte es sein. Meade bietet Goto schon bei einem 80mm Refraktor, ETX 80 AT heißt das Ding. Ist das auch schon die Grenze des Sinnvollen?

Klar, man könnte sagen: Kauf dir das ETX 80, und wenn du dann der Meinung bist, der Standort gibt es her, dann kannst du immer noch aufstocken, und das ETX 80 als Reiseteleskop nutzen... vielleicht gar nicht so dumm. Mit 329 Euro wirklich eine "Kleinanschaffung", die man zur Not später im Garten auf die Vögel richtet... (maximal 160x empfohlen, aber was wäre minimal? 160 ist für Vögel zuviel)...

@Micha: Das Problem mit der warmen Luft ist mir bewusst. Evtl. mach ich schon abends alle Fenster auf, so dass die Gaube Außentemperatur hat. Ich bin eh so ein Nicht-Frierer...

Und Du nutzt 12" in Kiel? Cool...

Grüße
der Christian
 
Hi!

In der Stadt ist weniger die große Öffnung das Problem als vielmehr, dass keine großen Austrittspupillen möglich sind - das ist das Lichtbündel, das aus dem Okular tritt und umso kleiner wird, je höher du vergrößerst. Deine Pupillen gehen wegen dem Streulicht nämlich nicht so weit auf. Du wirst also von Haus aus eher hoch vergrößern, von daher würde ich am ehesten zu einem Schmidt-Cassegrain-Teleskop (SCT) raten. Damit sind zwar keine großen Gesichtsfelder möglich, aber Lichtsammelleistung und Auflösung können bei kompakter Bauform schon ganz ordentlich sein.

Schau dir mal an, wie viele Sternwarten (http://www.astronomie.de/gad) größere Teleskope mitten in der Stadt haben. Das machen die nicht, weil ein kleineres Gerät genauso viel zeigen würde.

Aber: Ein C14 mit einer Minimalvergrößerung von 100x (im 40mm-Okular, viel längere Brennweiten machen bei 2" kaum Spaß, da sie Tunnelblick zeigen) oder auch ein C8 mit ca. 50x muss sehr stabil stehen, damit es nicht schwingt, wenn sich irgendwo im Haus jemand bewegt. Auf der Heilbronner Sternwarte haben wir einen 14"er, der auf einer dicken tragenden Mauer steht, die bis in den Keller geht - der Boden rundrum ist vom Betonsockel nochmal abgesetzt, damit sich keine Schwingungen übertragen. Mit parallaktischer Montierung und wiegt das Gerät aber auch locker mal 120 kg, dazu kommen gußeiserner Sockel plus quarzsandgefüllte Säule. Das ist nichts, was ich unbedingt auf einen beliebigen Dachboden mitten rein stellen wollte, wenn es nicht schwingen soll. Mobile Geräte sind natürlich leichter als eine Sternwartenmontierung, freuen sich aber auch über einen möglichst stabilen Untergrund. Schwingungsdämpfer sind nur ein Notbehelf.

Und wenn du dicht an Dachziegeln bist, die sich den Tag über aufgeheizt haben, fällt die Luftunruhe im Teleskop noch mehr auf - wie gesagt, du vergrößerst mit so einem Gerät mindestens 50-100x! Und mehr als 200-300x sind selten machbar.

Vielleicht wäre ein SCT in Ein- oder Zweiarmgabel mit GPS was für dich - falls die Elektronik mitspielt (was bei Goto nicht garantiert ist - und sei es, dass die Batterien schlapp machen), sind die Dinger schnell aufgebaut und einsatzbereit. Die Teleskope selbst müssen zwar auch einige Zeit auskühlen, bis sie ihre volle Leistungsfähigkeit bringen, aber die Hemmschwelle ist nicht so groß, damit doch mal für ein oder zwei Stunden auf den Acker zu fahren. Und der Unterschied zwischen Stadt- und Landhimmel ist enorm, auch im Teleskop!

Gruß,
Alex
 
Moin Christian!

> Meade bietet Goto schon bei einem 80mm Refraktor, ETX 80 AT heißt das Ding. Ist das auch schon die Grenze des Sinnvollen?

Sorry, wenn ich das so hart schreibe: Dieses ETX ist nur ein besseres Spielzeug, wo das meiste Geld in dem Goto versenkt wird. Richtig viel Auswahl bietet so eine kurzbrennweitige 80-mm-Optik nicht. Damit kannst Du eigentlich nur Richfield-Beobachtungen bei geringer Vergrößerung betreiben - und für sowas braucht man im Grunde kein Goto.
Falls jetzt das nächste (ETX-90) kommt: Diese Kaffeemühle ist auch nicht viel besser und schluckt sogar noch mehr Licht als ein 80er Refraktor.

> Ich werde vermutlich dreimal im Jahr in den Sternenhimmel schauen, also nix mit Expertise entwickeln und von Hand die bekanntesten Nebel ansteuern. Aber da ich mir inzwischen ein Goto leisten könnte, hat der Sternhimmel bei mir noch eine Chance

Ich kann nur hoffen, daß Du mit dem Goto so leicht zurecht kommst, wie Du Dir das vorstellst.
 
Hallo Christian,

Da Micha auch in Kiel wohnt,
was liegt da näher als Ihn mal 1zu1 kennenzulernen und dir von Ihm mal zeigen zu lassen was in Kiel möglich ist ;-)
(es sei denn Micha mag das nicht^^)

Alles Andere ergibt sich dann bestimmt!

Und etwas ausserhalb von Kiel ist der Himmel wunderbar.
War neulich nahe Kappeln. Super Himmel dort ^^
Hatte zum Glück auch meine Teleskope mit.
Sowohl für Nacht als auch für H-Alpha sind dort beste Bedingungen.
Davon träum Ich hier in Hannover und Umland...

Gruß
Andreas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Moin!

> Da Micha auch in Kiel wohnt, was liegt da näher als Ihn mal 1zu1 kennenzulernen

Da gebe ich gleich mal den Hinweis auf den Kieler Astrostammtisch weiter, denn da sitzen außer mir noch mehr Kieler Hobby-Astronomen und tauschen sich aus. Ab Oktober fangen dann auch wieder die öffentlichen Beobachtungs- und Astroabende an den Sternwarten in Kronshagen an.
Klick mich!
 
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